Gut zu wissen
Verbraucherschützer warnen vor Airline Fischer Air ohne Lizenz und Flugzeuge
Ein Postfach als Geschäftssitz, großspurige Ankündigungen und enttäuschte Reisende – der Fall rund um Fischer Air entwickelt sich zu einem der unverschämtesten Skandale der deutschen Tourismusbranche. Václav Fischer, einst ein etablierter Name im europäischen Reisegeschäft, vertreibt über seine vermeintliche Fluglinie Tickets für Ferienflüge. Das Grundproblem: Die Fluggesellschaft existiert ausschließlich auf dem Papier.
Der Vorgang mutet an wie aus einem Albtraum. UrlauberInnen buchten und zahlten ihre Flüge nach Gran Canaria, Mallorca oder Hurghada vorab. Doch als die Abflugdaten näher kamen, folgte die ernüchternde Erkenntnis: verzögerte Abflüge, annullierte Verbindungen, fehlende Erstattungen. Gemäß Ermittlungen der Bild-Zeitung offenbart sich ein Konstrukt aus zweifelhaften Geschäftsmethoden und hohlen Zusagen.
Lediglich ein Postfach in Friedrichshafen
Besonders brisant: Der vermeintliche deutsche Standort der Fluglinie entpuppt sich als gewöhnliches Postfach. Die Anschrift Am Flugplatz 64, 88046 Friedrichshafen führt zu einem simplen Edelstahlkasten mit der Nummer 8 im Terminal des Bodensee-Airports. Lediglich ein kleines Namensschild unterhalb der Briefklappe deutet auf den angeblichen Unternehmenssitz hin.
Laut Auskunft der Gemeinde Meckenbeuren, auf deren Territorium dieser Flughafenbereich liegt, hat Václav Fischer dort ein Gewerbe für eine "unselbstständige Zweigstelle" angemeldet. In Bratislava unterhält der Geschäftsmann seit Oktober 2023 die Fischer Air s.r.o. – ins Leben gerufen mit bescheidenen 5.000 Euro Stammkapital.
Inzwischen hat Fischer sein Impressum modifiziert und verweist nun auf ein Hamburger Unternehmen. Gegenüber Bild erklärte er: "Wir ziehen an den Flughafen Kassel und eröffnen dort kommende Woche ein Büro."
Keine Lizenz und keine Maschinen
Über die Webseite und weitere Portale bietet Fischer Air nach wie vor Flüge an – obschon weder das Luftfahrtbundesamt noch das slowakische Verkehrsministerium der Gesellschaft eine Betriebslizenz erteilt haben. Detlef Schäfer-Carroll, Geschäftsführer des Flughafens Friedrichshafen, stellt unmissverständlich klar: "Auf der Website von Fischer Air sind unter anderem auch Flüge von und nach Friedrichshafen buchbar. Bisher haben wir aber keinen Flugplan seitens Fischer Air erhalten."
Noch unmissverständlicher äußert sich Schäfer-Carroll in einer ergänzenden Stellungnahme: "Der Flughafen Friedrichshafen steht in keiner geschäftlichen Verbindung zu Fischer Air. Wir haben auch kein Personal für Flüge mit Fischer Air vom Flughafen Friedrichshafen eingeplant, da diese Fluglinie bisher weder über eine Genehmigung noch über Flugzeuge verfügt."
Tatsächlich existieren auch keinerlei Belege für eigene Maschinen. Fischer präsentierte in sozialen Netzwerken Aufnahmen einer Boeing 737 im Fischer-Air-Design. Doch diese Bilder stammen laut Bild von der alten, längst zahlungsunfähigen tschechischen Fischer Air, die von 1997 bis 2005 operierte. Die gezeigte Maschine mit der ehemaligen Kennung OK-FUN fliege heute unter dem Namen 5N-BUQ für Air Peace in Nigeria – gegenwärtig allerdings ohne aktiven Flugbetrieb.
Verbraucherschützer reagieren alarmiert
Die Verbraucherzentrale Hessen bewertet die Buchungsplattform von Fischer Air mittlerweile als dubios. Bemängelt werden fehlende Kontaktoptionen und mangelhafte Transparenz. Die Verbraucherschützer prüfen außerdem mögliche irreführende Werbung und erwägen rechtliche Schritte.
Auch die tschechische Gewerbeaufsicht CTIA reagierte: Sie setzte die Domain fischerair.eu auf eine Liste "riskanter Onlineshops". Ein eindeutiges Warnsignal für potenzielle Kunden.
Fischer meldet sich erstmals zu Wort
Nach mehrtägigem Stillschweigen äußerte sich Václav Fischer am Freitag schriftlich. In seiner Stellungnahme heißt es: "Ich gründete in der Slowakei ein neues Unternehmen, Fischer Air, und werde den Flugbetrieb im Mai mit einer Boeing 737-800 aufnehmen. Ein zweites Flugzeug folgt im November.
Bis Mai hat Fischer Reisen Flüge von verschiedenen EU-Fluggesellschaften in Irland, Kroatien und der Slowakei gechartert beziehungsweise beabsichtigt, dies zu tun. "Ich erwäge, alle Flüge bis Mitte Mai zu stornieren. Wir haben in den letzten Wochen keine neuen Buchungen erhalten, und die Anzahl der Gäste, die Flüge ab Kassel bis Mitte Mai gebucht haben, ist extrem niedrig."
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