Von Sal bis Boa Vista
Kap Verde: Welche Insel passt zu Dir?
Zehn Hauptinseln, von denen neun bewohnt sind – und keine gleicht der anderen. Genau das macht die Wahl bei einer Fernreise nach Kap Verde so spannend: Vom vulkanischen Gipfel Fogos bis zu den flachen Sandstränden von Sal und Boa Vista hat jede Insel ihre eigene Landschaft, ihren eigenen Charakter und ihr eigenes Mikroklima. Bei diesem Archipel ist die Frage, welche Insel zu Dir passt, deshalb oft wichtiger als die Frage nach dem Land selbst.
Die Kapverden liegen rund 570 Kilometer vor der Westküste Afrikas im Zentralatlantik und teilen sich in die nördlichen Inseln über dem Wind (Barlavento) und die südlichen Inseln unter dem Wind (Sotavento). Amtssprache ist Portugiesisch, im Alltag wird kreolisch gesprochen, und die wehmütige Morna-Musik prägt das Lebensgefühl.
Ein Pluspunkt für entspannte Reisen: Die Weltgesundheitsorganisation zertifizierte Kap Verde Anfang 2024 als malariafrei. Direktflüge aus Deutschland dauern rund sechs Stunden – allerdings nur nach Sal und Boa Vista. Alle anderen Inseln erreichst Du per kurzem Inlandsflug oder Fähre – wobei die Inselverbindungen nicht immer täglich verkehren. Neben den sieben Inseln in diesem Vergleich runden übrigens die größte Insel Santiago mit der Hauptstadt Praia sowie das kleine, blütenreiche Brava den Archipel ab.
Doch welche Insel passt am besten zu Deinen Urlaubswünschen? Unser Vergleich hilft Dir bei der Entscheidung.
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Alle anzeigenSal: Sonne satt und endlose Sandstrände
Wer einfach nur baden, in der Sonne liegen und über türkisblaues Wasser blicken will, ist auf Sal goldrichtig. Die flachste Insel des Archipels ist rund 30 Kilometer lang und verdankt ihren Namen dem Salz, das hier über Jahrhunderte abgebaut wurde – etwa im Vulkankrater von Pedra de Lume, in dem Du dank des hohen Salzgehalts wie im Toten Meer treibst. Tourismuszentrum ist das frühere Fischerdorf Santa Maria im Süden mit kilometerlangem weißen Strand, Promenade und einem vom Passatwind verwöhnten Wassersportrevier. Verwaltungssitz ist dagegen das ruhige Espargos im Inselinneren, nahe dem Flughafen.
Für wen geeignet: Strand- und Badeurlaube, Wassersportbegeisterte (Kite-, Wind- und Wellenreiten) sowie alle, die unkompliziert in die Sonne wollen.
Highlight: Der weite Strand von Santa Maria und der Salzkrater Pedra de Lume, in dem Du dank des hohen Salzgehalts wie im Toten Meer treibst.
Anreise: Direktflug ab mehreren deutschen Flughäfen in rund sechs Stunden zum Amílcar Cabral International Airport.
Beste Reisezeit: Ganzjährig mild, besonders konstant von November bis Juni.
Extra-Tipp: In der Lavahöhle von Buracona leuchtet das "blaue Auge" der Insel, sobald die Sonne im richtigen Winkel einfällt.
Boa Vista: Traumstrände, Dünen und Stille
Boa Vista ist die ruhigere Schwester von Sal. Als östlichste Kapverden-Insel liegt sie dem afrikanischen Festland am nächsten, und der Passatwind trägt feinen Saharasand bis ins Inselinnere: Der Deserto de Viana wirkt wie ein versprengter Ausläufer der Wüste. Drumherum erstrecken sich weite, oft menschenleere Strände wie die Praia de Chaves und die rund 18 Kilometer lange Praia de Santa Mónica. Im Norden rostet seit 1968 das Schiffswrack der Cabo Santa Maria im Sand. Kap Verde beherbergt zudem eine der weltweit größten Populationen der Unechten Karettschildkröte, die an Boa Vistas Stränden nistet.
Für wen geeignet: Strandurlaube, Ruhesuchende und Naturfans, die Weite einer lebhaften Kulisse vorziehen.
Highlight: Endlose Sandstrände wie die Praia de Chaves – dazu der wüstenhafte Deserto de Viana.Anreise: Direktflug ab Deutschland in rund sechs Stunden zum Aristides Pereira International Airport.
Beste Reisezeit: November bis Juni; wer Schildkröten erleben möchte, reist zwischen Juli und Oktober an.
Extra-Tipp: Von Juli bis Oktober werden besonders die südöstlichen Strände zum Nistplatz der Unechten Karettschildkröte – auf geführten Touren kannst Du die Tiere respektvoll beobachten.
Maio: Der Geheimtipp für absolute Ruhe
Auf Maio ticken die Uhren langsamer. Die Insel zählt zu den ursprünglichsten der Kapverden und ist nur dünn besiedelt – ideal für alle, die echte Ruhe und lange, oft menschenleere Strände suchen. Der Hauptort Vila do Maio trägt bis heute den Beinamen Porto Inglês: Im Zentrum des einstigen englischen Salzhandels luden britische Schiffe das Salz aus den nahen Salinen. Statt Dünen prägt im Inselinneren ein aufgeforsteter Akazienwald das Bild – der größte zusammenhängende Baumbestand des Archipels. In den Salzfeldern lassen sich zudem viele Wat- und Zugvögel beobachten.
Für wen geeignet: Erholungssuchende, die echte Ruhe suchen und auf eine ausgebaute touristische Infrastruktur gut verzichten können.
Highlight: Weite, fast unberührte Strände sowie Salzseen und Akazienwälder im Inselinneren.
Anreise: Kein Direktflug – Du kommst über einen kurzen Inlandsflug von der Hauptinsel Santiago aus an.
Beste Reisezeit: November bis Juni.
Extra-Tipp: Die Salinen und Feuchtgebiete sind ein kleines Paradies für alle, die gern Vögel beobachten.
São Nicolau: Grünes Wanderparadies abseits der Pfade
São Nicolau ist ein echter Geheimtipp. Selbst Individualreisende haben die grüne Insel kaum entdeckt. Ihr stark zerklüftetes Inneres ist von engen Tälern durchzogen und überrascht mit einer für die Kapverden ungewöhnlich reichen Vegetation. Über allem thront der rund 1.300 Meter hohe Monte Gordo, Mittelpunkt eines gleichnamigen Naturparks mit endemischer Flora und Fauna. Historischer Hauptort ist das landeinwärts gelegene Ribeira Brava mit verwinkelten Gassen und alter Kirche. Im Süden lädt der Fischerort Tarrafal mit schwarzem Lavastrand zum Baden – und bekannt ist die Insel zudem für ihre alten Drachenbaum-Bestände.
Für wen geeignet: Wanderbegeisterte, MountainbikerInnen und IndividualtouristInnen, die das ursprüngliche Kap Verde erleben wollen.
Highlight: Die Besteigung des Monte Gordo, von dem aus Du bei besonders guter Sicht alle anderen Inseln des Archipels überblickst – dazu nach Angaben des Inseltourismus die weltweit größten Drachenbaum-Bestände.
Anreise: Über einen Inlandsflug (zum Beispiel ab Sal) oder per Fähre.
Beste Reisezeit: November bis Juni.
Extra-Tipp: Der schwarze, mineralhaltige Sand mancher Strände gilt traditionell als wohltuend bei Gelenkbeschwerden.
Fogo: Die Feuerinsel mit Vulkan und Vulkanwein
Auf Fogo dreht sich alles um den Vulkan. Den höchsten Punkt der Kapverden bildet der aktive Stratovulkan Pico do Fogo mit 2.829 Metern. In seiner Caldera liegt auf rund 1.600 Metern Höhe die höchste Siedlung des Landes, Chã das Caldeiras. Beim letzten Ausbruch im November 2014 begruben die Lavamassen die Dörfer Portela und Bangaeira, doch die BewohnerInnen kehrten zurück und bauten ihre Heimat erneut auf. Hauptort ist das charmante São Filipe, das mit kolonialen Herrenhäusern, den sogenannten Sobrados, hoch über einem schwarzen Lavastrand thront. Auf dem fruchtbaren Vulkanboden gedeihen Wein und Kaffee.
Für wen geeignet: Wanderbegeisterte, Vulkan-Fans und GenießerInnen, die Inselurlaub mit Abenteuer verbinden möchten.
Highlight: Der Aufstieg auf den Pico do Fogo und das Kraterdorf Chã das Caldeiras am Fuß des Vulkans.
Anreise: Über einen Inlandsflug zur charmanten Kolonialstadt São Filipe.
Beste Reisezeit: November bis Juni – die Trockenzeit eignet sich am besten für die Vulkanwanderung.
Extra-Tipp: Auf dem vulkanischen Boden der Caldera wachsen Wein und Kaffee – probiere unbedingt den kräftigen Rotwein der Insel.
São Vicente: Das kulturelle Herz mit Mindelo
Kaum eine Insel klingt so sehr nach Kap Verde wie São Vicente. Ihr Herz schlägt in Mindelo, der zweitgrößten Stadt des Landes, in der rund neun von zehn InselbewohnerInnen leben. Mindelo liegt am Porto Grande, einem der besten Naturhäfen des Atlantiks, der ab Mitte des 19. Jahrhunderts als britische Kohlestation aufblühte. Koloniale Architektur, Livemusik und ein lebhafter Fischmarkt machen die Stadt zum kulturellen Zentrum des Archipels. Hier lebte Cesária Évora, die weltberühmte kapverdische Sängerin, die als „Königin der Morna“ und als „Barfußdiva“ bekannt wurde. An sie ernnert heute ein Museum; zudem entwickelte sich hier aus der Morna (traditionelle Musik- und Tanzrichtung der Kapverden) die fröhlichere Coladeira. Über allem thront der 750 Meter hohe Monte Verde.
Für wen geeignet: Kulturinteressierte, MusikliebhaberInnen und Nachtschwärmende, die kreolisches Lebensgefühl und Livemusik suchen.
Highlight: Die bunte Hafenstadt Mindelo mit ihrer Kolonialarchitektur, den Musikbars und den Spuren von Cesária Évora.Anreise: per Flug, häufig über einen Zwischenstopp oder Inlandsflug; São Vicente ist zugleich das Sprungbrett zur Wanderinsel Santo Antão.
Beste Reisezeit: Ganzjährig; Höhepunkte sind der berühmte Karneval im Februar und das Musikfestival Baía das Gatas im August.
Extra-Tipp: Lass Dich abends von Morna verzaubern – einem kapverdischen Sprichwort zufolge gilt: Wer Mindelo nicht kennt, kennt die Kapverden nicht.
Santo Antão: Grüne Bergwelt für Wanderbegeisterte
Santo Antão gilt als grünste und gebirgigste Insel der Kapverden und damit ein Traum für alle, die zu Fuß unterwegs sind. Tiefe Täler ziehen sich ins Innere, zerklüftete Vulkangipfel ragen empor, und Terrassenfelder schrauben sich an steilen Hängen hinauf; höchster Punkt ist der 1.979 Meter hohe Tope de Coroa. Einen eigenen Flughafen hat die Insel nicht: Du fliegst nach São Vicente und setzt von Mindelo per Fähre nach Porto Novo über. Von dort lohnt die Fahrt nach Ribeira Grande, dem historischen Hauptort, und weiter zum Küstenort Ponta do Sol. In den Tälern wird Zuckerrohr zu Grogue gebrannt.
Für wen geeignet: Wanderbegeisterte und Naturfans, die grüne Täler, Steilküsten und Bergpfade lieben.
Highlight: Die Wanderung über den Rand des Cova-Kraters hinab ins tropisch grüne Paúl-Tal sowie der spektakuläre Küstenpfad nach Ponta do Sol.
Anreise: Santo Antão hat keinen eigenen Flughafen – Du fliegst zunächst nach São Vicente und setzt mit der Fähre von Mindelo nach Porto Novo über.
Beste Reisezeit: November bis Juni.
Extra-Tipp: In den Tälern wird Zuckerrohr angebaut – eine Verkostung des inseltypischen Grogue gehört für viele dazu.