Mehr als nur Strandurlaub
Bali beyond Beaches – Warum die Insel so viel mehr zu bieten hat als Strandurlaub
Wusstest Du, dass Indonesien nicht nur über 17.000 Inseln verfügt, sondern auch das Land mit den viertmeisten EinwohnerInnen der Welt ist? Und trotzdem kennen viele im Westen vor allem eine Insel: Bali. Instagram-Trend und Bucket-List-Destination von so einigen. Und ja, Bali kann ein absoluter Traumurlaub sein. Aber, und das ist wichtig, man kann diese Insel auch ganz falsch angehen. Und genau dann entsteht die große Bali-Enttäuschung. Denn Bali ist kein klassisches Strandziel. Bali ist kulturell unglaublich vielfältig, spirituell, chaotisch und wunderschön zugleich. Und genau deshalb lohnt es sich, die Reise ein wenig anders zu planen. Und zwar nicht rund um den perfekten Strand, sondern rund um die Orte, die Dir einen authentischen Einblick in die indonesische Kultur geben.
Flexibel reisen mit dem passenden Mietwagen
Der perfekte Start für Deinen Bali-Roadtrip
Nach der Landung in Denpasar ist die Versuchung groß, einfach „irgendein Strandhotel“ im Süden zu buchen. Und hier passiert oft schon der erste Fehler. Die Stadt Kuta ist laut, voll und party-lastig. So manch einer betitelt den Ort als den Ballermann Indonesiens. Mit dem Bali, von dem so viele schwärmen, hat der Ort leider nur noch wenig zu tun. Wer hier seine gesamte Reise verbringt, bekommt ein sehr einseitiges Bild der Insel vermittelt und das hat mit dem authentischen Indonesien nur noch wenig zu tun.
Wenn es Dich stattdessen nach Nusa Dua zieht, solltest Du wissen: Die Hotels sind zwar wunderschön und die Strände gepflegt, aber es fühlt sich stellenweise wie eine kleine Resort-Welt an. Auch hier erlangst Du keinen wirklich realitätsgetreuen Einblick in das Treiben der Insel.
Sanur ist für die ersten Nächte stattdessen eine empfehlenswerte Option: entspannt, ruhiger und ideal zum Ankommen. Aber auch wenn Du hier vorhattest, gemütlich am Strand die Füße in den Sand zu strecken, solltest Du nicht vergessen, dass die Gezeiten auf der Insel sehr stark sind. Bei Flut verschwindet der Strand teilweise fast komplett, bei Ebbe zieht sich das Wasser extrem weit zurück. Daher ist Bali kein Malediven-Ersatz, was Dir klar sein sollte, bevor Du Dich in den Flieger setzt.
Sidemen & Amed – Eintauchen in die indonesische Kultur
Wenn es einen Ort gibt, von dem Du sehr flexibel die Insel etwas abseits der großen TouristInnenströme entdecken kannst, dann ist es der Osten von Bali – rund um Sidemen und Amed. Von hier aus erreichst Du viele Highlights im Osten gut mit dem Mietwagen, natürlich abhängig vom Verkehr. Gleichzeitig geht es hier deutlich ruhiger zu als im Süden der Insel. Sidemen ist umgeben von Reisterrassen, kleinen Dörfern und mit Blick auf den Vulkan Agung. Amed liegt direkt am Meer und ist bekannt für seine entspannte Atmosphäre, kleine Unterkünfte und gute Schnorchelspots. Die Region eignet sich besonders für Ruhesuchende, die Bali etwas ursprünglicher erleben möchten. Aber hier passiert vielen der Fehler Nummer zwei: Ein All Inclusive Paket wählen. Bali ist ein Food-Paradies. Wenn Du jeden Tag im Hotel frühstückst, entgehen Dir die vielen einzigartigen Foodspots auf der Insel: Von Smoothie Bowls, Avocado-Toast bis zu frischen Säften, findest Du hier alles, was das Frühstücksherz begehrt. Wer sich hier nicht durchprobiert, verpasst einen riesigen Teil der Reise.
Vermeide es lieber Dein Geld in Wechselstuben auf Bali umzutauschen. Nicht nur sind die Wechselkurse vor Ort meist schlecht, häufig arbeiten die Mitarbeitenden auch mit Betrugsmaschen, bei denen man gut daran tut, diesen auszuweichen.
Im Zentrum von Bali: Ubud – Der ideale Ausgangspunkt für Deinen Roadtrip
Ubud ist für viele das Herz der Insel. Zwar ist der Ort längst kein abgelegenes KünstlerInnendorf mehr und nicht mehr ganz so ursprünglich wie früher, nichtsdestotrotz solltest Du ihn während Deiner Reise auf jeden Fall einplanen. „In Ubud beginnt das echte Bali“ – über diesen Satz stolpert man bei der Reiseplanung immer wieder. Und ein Stück weit stimmt er auch: Überall Tempel, der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft und sobald Du ein paar Minuten aus dem Ort herausfährst, stehst Du plötzlich zwischen Reisfeldern und kleinen Dörfern.
Was Du aber wissen solltest: Das Zentrum kann tagsüber wirklich hektisch werden. Auf der Hauptstraße schieben sich Autos und Busse im Stau, als FußgängerIn läuft man an parkenden Rollern vorbei über löchrige Gehwege und ehrlich gesagt macht das nicht unbedingt Lust, hier mitten am Tag „mal eben“ durchzuschlendern. Daher der Tipp: Lege Ubud im Roadtrip so, dass Du morgens oder später am Nachmittag unterwegs bist, und erkunde die Stadt lieber über die Seitenstraßen.
Besonders schön ist zum Beispiel ein Spaziergang durch die Jalan Kajeng: eine kleine, ruhigere Straße etwas abseits der Hauptstraße. Wenn Du ihr bis zum Ende folgst, landest Du ganz automatisch in den Reisfeldern. Das Besondere an dieser Seitenstraße ist, dass sie bei genauerem Hinsehen fast wie eine Art „Walk of Fame“ wirkt: Entlang des Weges sind Steinplatten mit eingravierten Namen und Botschaften in den Boden eingelassen. Viele der Steinplatten wurden von Geschäften, Restaurants, Yoga-Studios, KünstlerInnen oder Privatpersonen aus Ubud „gespendet“. Als Dank oder Zeichen der Unterstützung durften sie ihren Namen oder eine kleine Botschaft eingravieren lassen. Manche haben nur ihren Namen hinterlassen, andere sogar Hand- oder Fußabdrücke. Es ist also kein offizieller „Walk of Fame“, sondern eher eine schöne Idee der lokalen Community. Die Steine symbolisieren die Verbundenheit der Menschen und Unternehmen mit Ubud und machen den Weg gleichzeitig zu etwas Besonderem. Hier erlebst Du das authentische indonesische Lebensgefühl, weshalb viele Ubud als Herz der Insel sehen.
Wenn Du Dir unterwegs ein Ziel setzen möchtest, merk Dir das Sweet Orange Warung. Das kleine Restaurant liegt mitten im Reisfeld und ist perfekt für ein spätes Frühstück mit Blick ins Grüne. Danach kannst Du denselben Weg zurücklaufen oder noch ein Stück weiter durch die Felder schlendern, einfach der Nase nach. Wenn Du zwischen November und März reist, kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: Im Landesinneren regnet es deutlich häufiger als im Süden. Während der Regenzeit macht es deshalb oft mehr Sinn, die Hauptunterkunft im Süden zu wählen und Ubud (und die Spots drumherum) als Ausflug zu planen, abhängig von der Wetterlage.
Weitere Must-Sees rund um Ubud:
- Reisterrassen von Tegalalang
- Heiliger Wassertempel Tirta Empul
- Felsgräber von Gunung Kawi
- Hochland von Kintamani mit Blick auf den Vulkan Batur
Der Norden: Munduk – Geheimtipp für AktivurlauberInnen
Auch einen Abstecher in den Norden der Insel solltest Du während Deines Bali-Besuchs einplanen. Vor allem für AktivurlauberInnen und Wanderfans ist Munduk ein echter Geheimtipp. Behalte im Hinterkopf, dass es hier etwas kühler und regnerischer sein kann als am Meer, da der Ort auf etwa 700 Metern Höhe im Landesinneren liegt, also Jacke nicht vergessen. Mit dem Mietwagen ist wichtig zu wissen, dass die Straßen oft steil und kurvig sind, gerade in der Regenzeit ist daher eine vorausschauende Fahrweise gefragt. Auch ziehen zeitweise Nebelschwaden auf, die die Sicht einschränken können. Rund um Munduk verändert sich die Landschaft deutlich: Es wird bergiger, grüner und ursprünglicher. Neben Kaffeeplantagen lohnt sich vor allem eine Wanderung zu den Wasserfällen der Region.
Ein besonders schöner Spot ist der Munduk-Wasserfall (Air Terjun Munduk). Er liegt inmitten einer bergigen Dschungellandschaft und stürzt rund 25 Meter eine moosbewachsene Felswand hinab. Dieses Spektakel kannst Du am besten während der Regenzeit bewundern. In der Trockenzeit ist das Wasserbecken meist nur knietief und weniger zum Baden geeignet. Anders als viele bekannte Wasserfälle auf Bali ist er deutlich weniger besucht, mit etwas Glück hast Du ihn sogar fast für Dich allein. Vom Parkplatz an der kurvenreichen Panoramastraße (nahe dem Tamblingan-See) führt ein etwa 800 Meter langer, ausgeschilderter Dschungelpfad hinunter. Der Weg ist gut machbar, aber stellenweise steil und bei Nässe rutschig. Festes Schuhwerk ist daher sinnvoll. Unterwegs kommst Du an Gewürznelkenbäumen vorbei, die Region ist bekannt für Nelken-, Kaffee- und Vanilleanbau. Nach etwa der Hälfte des Weges gibt es einen kleinen Stand, an dem Gewürze verkauft werden, bevor es über Steinstufen weiter hinab zum Wasserfall geht.
Wenn Du mehr Zeit hast, lohnt es sich, in Munduk ein oder zwei Nächte zu bleiben. In der Umgebung liegen weitere Wasserfälle wie der Golden Valley Waterfall oder der sogenannte Secret Waterfall. Auch die Gegend rund um die drei Bergseen, unter anderem der Tamblingan-See, ist ein schönes Wandergebiet.
Neben Munduk bietet auch Lovina im Norden viel Ruhe. In der Nebensaison ist hier teilweise kaum etwas los, und Unterkünfte sind oft deutlich günstiger als im Süden. Gleichzeitig bekommst Du einen authentischeren Eindruck vom Alltag abseits der bekannten Hotspots.
Wenn Du wanderinteressiert bist, wirst Du im Norden also definitiv fündig. Allerdings siehst Du hier auch häufiger die Müllproblematik der Insel. Gerade in der Regenzeit werden Strände teils mit Plastikflaschen und Verpackungsmüll angespült. Bali ist leider kein unberührtes Naturparadies mehr, genau das kann aber auch ein wichtiger, augenöffnender Teil der Reise sein. Mittlerweile gibt es eine Müllabfuhr auf der Insel, sie verkehrt jedoch vielerorts noch unregelmäßig.
Side Fact:
Das bedeutet keinesfalls, dass Bali dem Westen hinterherhinkt. Vielmehr zeigt sich, dass TouristInnen pro Kopf ein Vielfaches mehr Müll produzieren als die lokale Bevölkerung. Umso wichtiger ist es, auch im Urlaub die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen, zum Beispiel auf Plastikflaschen zu verzichten, eine wiederbefüllbare Trinkflasche mitzunehmen oder Müll korrekt zu entsorgen, um so als BesucherIn möglichst nicht zusätzlich zur Umweltverschmutzung beizutragen.
Lohnt sich eine Reise während der Regenzeit?
Ein Roadtrip nach Bali zwischen November und März bedeutet eine höhere Luftfeuchtigkeit und tropische Schauer. Das kann auch mal bedeuten, dass Straßen komplett überschwemmt sind und Du Dir zeitweise andere Wege mit dem Mietwagen suchen musst. Für eine funktionierende Navigation ist Google Maps auf der Insel ein guter Tipp. Das Tool funktioniert in den meisten Regionen einwandfrei und erleichtert die Navigation vor allem in der Regenzeit, wenn man häufiger auf Alternativrouten angewiesen ist.
Andererseits erwarten Dich aber auch weniger Verkehr und günstigere Preise (vor allem ab der zweiten Januarwoche). Die gute Nachricht: Es regnet selten tagelang durch. Oft sind es heftige, aber kurze Schauer. Und falls es doch mal schüttet: Leg einfach einen Spa-Tag ein. Vermutlich bekommt man selten eine bessere Massage als in Bali und das zu Preisen, von denen man in Deutschland nur träumen kann. Es ist aber definitiv praktisch, eine leichte Regenjacke zur Sicherheit immer im Handschuhfach dabeizuhaben.
Aber dennoch: Wenn Dein Zeitbudget begrenzt ist und Du nur eine Woche auf der Insel verbringen möchtest und vor allem Sonne tanken willst, solltest Du Dir noch einmal durch den Kopf gehen lassen, ob Bali in der Regenzeit die richtige Wahl ist. Und ganz grundsätzlich: Für Bali lohnt sich mehr als eine Woche. Allein die Anreise ist lang und die Insel zu vielfältig, um sie im Schnelldurchlauf abzuhaken
Letzte praktische Tipps für Dein Bali-Abenteuer
Roller oder Mietwagen?
Für viele gehört der Roller zu Bali einfach dazu. Er ist wendig und praktisch. Aber: Der Verkehr ist chaotisch und bei Unfällen bekommt man als AusländerIn oft die Schuld, geschweige denn, dass man auf einem Roller im Gegensatz zu einem Auto häufig den Kürzeren zieht. Gerade in der Regenzeit kann das Rollerfahren mühsam werden, wenn man ohne Dach über dem Kopf von Ort zu Ort tuckert und ungewiss ist, wann der nächste heftige Regenschauer eintritt. Mit einem kompakten Mietwagen bist Du auch in der Regenzeit mobil und das sogar mit Dach über dem Kopf.
Welche Reisterrassen machen Sinn?
Die Reisterrassen von Tegalalang zählen zu den bekanntesten der Insel. Sie sind wunderschön, aber mittlerweile extrem touristisch. Ursprünglicher und nicht ganz so überlaufen ist Jatiluwih. Landschaftlich mindestens genauso beeindruckend, dafür weitläufiger und mit deutlich weniger Andrang, ist diese Region besonders empfehlenswert.
Good to know: Reisterrassen sind kunstvoll angelegte, stufenförmige Reisfelder, die sich an Hänge schmiegen. Sie ermöglichen den Reisanbau in hügeligen Regionen und basieren auf dem traditionellen balinesischen Bewässerungssystem „Subak“, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.
Reisezeit – Eine Woche ist eigentlich zu kurz.
Ja, Du kannst natürlich für eine Woche nach Bali fliegen. Aber lohnt sich das? Die Anreise ist lang und der Jetlag nicht ohne. Zusätzlich braucht der eine oder andere ein paar Tage, um sich zu akklimatisieren. Um die Insel in Ruhe und ohne Zeitstress zu erkunden, empfiehlt es sich, sich zehn bis vierzehn Tage Zeit zu nehmen.
Rund um Tempelbesuche
Gerade bei Tempelbesuchen solltest Du Dir wirklich Zeit nehmen und sie nicht einfach nur als Punkt auf der Reiseliste abhaken. Außerdem nicht vergessen: Schultern und Knie müssen in den Tempelanlagen bedeckt sein. Bei Hitze kann das erst einmal nervig klingen. Aber genau dafür ist ein sogenannter Sarong perfekt: ein leichtes, traditionelles Tuch, das Du klein zusammenfalten und in jede Tasche stecken kannst. Vor dem Tempel bindest Du es Dir einfach um, als Rock, Kleid oder Schultertuch. Und nebenbei ersetzt es auch mal das Strandtuch.
Verkehrsregeln auf der Insel
Auf Bali herrscht Linksverkehr, das ist vermutlich die größte Umstellung, wenn Du mit dem Mietwagen unterwegs bist. Das Lenkrad befindet sich entsprechend auf der rechten Seite. Gerade in den ersten Stunden macht es daher Sinn, besonders aufmerksam zu fahren, vor allem beim Abbiegen oder an Kreuzungen. Außerdem ungewohnt und etwas anders als in Deutschland ist der chaotische Verkehr auf Bali. Es wirkt fast so, als funktioniere der Verkehr nach seinen eigenen Regeln. Vieles läuft über Blickkontakt und Hupen; hier sei angemerkt, dass Letzteres kein Zeichen von Aggression ist, sondern eher ein Hinweis nach dem Motto: „Achtung, ich komme.“ Mit klarer, vorausschauender Fahrweise kommst Du meist gut durch.
Tempolimits sind häufig ausgeschildert, werden aber nicht immer strikt eingehalten. Gleichzeitig solltest Du Dich nicht vom Fahrstil anderer stressen lassen. Lieber ausreichend Abstand halten und besonders auf Roller achten, die gern spontan überholen oder sich durch jede noch so kleine Lücke schlängeln.
Und vielleicht das Wichtigste:
Nimm Dir nicht zu viel vor. Die Liste an Restaurants, Beach Clubs, Cafés, Tempeln und Wasserfällen wird vor der Reise immer länger, vor allem, wenn man sich durch verschiedene Instagram-Guides klickt. Man schafft sowieso nie alles, und vor Ort wirst Du mit Sicherheit noch viele weitere wunderschöne Orte entdecken.
Bali mit dem Mietwagen erleben



