Bewusst reisen? Gar nicht so einfach
Nachhaltig zu Hause – im Urlaub plötzlich sorglos? Was eine neue HolidayCheck-Studie zeigt
Zu Hause wird sorgfältig der Müll getrennt, kurz geduscht und bewusst eingekauft. Doch kaum beginnt der Urlaub, verändern viele Menschen plötzlich ihre Gewohnheiten: Die Klimaanlage läuft länger, Handtücher werden täglich gewechselt und am Buffet landet oft mehr auf dem Teller als eigentlich nötig wäre.
Eine neue, repräsentative Studie von HolidayCheck, die gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Kantar durchgeführt wurde, zeigt jetzt: Der Urlaub ist für viele Menschen nicht nur eine Auszeit vom Alltag – sondern auch von der eigenen Nachhaltigkeit.
Für die Studie wurden im Frühjahr 2026 mehr als 1.000 Reisende in Deutschland befragt. Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie stark sich unser Verhalten auf Reisen verändert.
Was ändert sich im Urlaub?
Die Zahl, die den Unterschied besonders deutlich macht
69 Prozent der Befragten bezeichnen sich im Alltag als nachhaltig oder sehr nachhaltig. Im Urlaub sinkt dieser Wert allerdings deutlich – auf nur noch 56 Prozent.
Besonders sichtbar wird dieser Unterschied bei ganz alltäglichen Gewohnheiten:
💧 Beim Wassersparen fällt der Wert von 79 auf 69 Prozent
♻️ Beim Mülltrennen von 81 auf 71 Prozent
🥗 Beim bewussten Essen von 57 auf 47 Prozent
Auch beim Konsum verändert sich das Verhalten vieler Menschen spürbar:
51 Prozent kaufen im Urlaub Dinge, die sie zu Hause eigentlich nicht brauchen würden, und 52 Prozent lassen sich beim Shoppen stärker von spontanen Impulsen leiten als im Alltag.
Die Studie zeigt somit deutlich, dass Urlaub für viele Menschen auch eine Pause von Routinen und Regeln bedeutet.
Warum Nachhaltigkeit im Urlaub oft schwerer fällt
Die Gründe dafür kennen viele vermutlich selbst. Im Urlaub möchten Menschen entspannen, sich etwas gönnen und möglichst wenig nachdenken oder organisieren müssen. Genau das spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider.
Die häufigsten Gründe für weniger nachhaltiges Verhalten im Urlaub:
- fehlende Infrastruktur vor Ort, etwa mangelnde Recycling-Möglichkeiten oder schlechter öffentlicher Nahverkehr (38 Prozent)
- der Wunsch, sich im Urlaub bewusst etwas zu gönnen (34 Prozent)
- Bequemlichkeit und praktische Lösungen (34 Prozent)
- der Wunsch, sich im Urlaub nicht mit Nachhaltigkeitsthemen beschäftigen zu müssen (30 Prozent)
Vor allem jüngere Reisende zeigen dabei eine überraschend hohe Ehrlichkeit: 39 Prozent der Gen Z geben offen zu, sich im Urlaub weniger nachhaltig zu verhalten als zu Hause.
Das schlechte Gewissen reist oft mit
Vielen Reisenden scheint ihr Verhalten allerdings nicht ganz egal zu sein. 31 Prozent der Befragten geben offen zu, im Urlaub weniger nachhaltig zu handeln als im Alltag. Mehr als die Hälfte von ihnen – nämlich 55 Prozent – hat deswegen manchmal sogar ein schlechtes Gewissen.
Die Ergebnisse zeigen somit, dass vielen Menschen nicht das Bewusstsein für Nachhaltigkeit fehlt, sondern oft die passende Infrastruktur oder einfache Möglichkeiten, nachhaltiger zu reisen
Was Reisende motivieren würde
Die gute Nachricht: Die Bereitschaft zu nachhaltigerem Verhalten im Urlaub ist durchaus vorhanden. Die Studie zeigt nämlich auch, durch welche Maßnahmen sich diese Bereitschaft noch steigern ließe.
Besonders häufig genannt wurden:
🏨 konkrete Anreize durch Hotels, etwa Rabatte für die Wiederverwendung von Handtüchern (44 Prozent)
💡 praktische Tipps für nachhaltiges Verhalten vor Ort (34 Prozent)
💶 günstigere nachhaltige Angebote (ebenfalls 34 Prozent)
Gleichzeitig sehen viele Reisende nicht nur sich selbst in der Verantwortung. Zwar sagen 53 Prozent, dass jeder einzelne Urlauber zu nachhaltigerem Tourismus beitragen muss. Doch auch Hotels (51 Prozent) sowie Reiseveranstalter und Buchungsplattformen (38 Prozent) werden klar in die Pflicht genommen.
Nachhaltiger reisen muss einfacher werden
Die Ergebnisse zeigen vor allem eines: Nachhaltigkeit im Urlaub scheitert oft weniger am fehlenden Willen als an den Rahmenbedingungen.
Nina Hammer von HolidayCheck bringt es auf den Punkt:
„Die Studie zeigt, dass Nachhaltigkeit im Urlaub kein Werteproblem ist – sondern ein Strukturproblem. Menschen wollen sich auch im Urlaub gut verhalten, aber die Bedingungen dafür müssen stimmen.“
Diese Erkenntnisse bestärken HolidayCheck deshalb darin, nachhaltige Reiseangebote und transparente Informationen für UrlauberInnen noch sichtbarer zu machen.
Über die Studie
Für die bevölkerungsrepräsentative Online-Befragung hat Kantar im Auftrag von HolidayCheck im April und Mai 2026 insgesamt 1.001 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren befragt, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine private Reise unternommen hatten. Die Umfrage wurde nach Geschlecht, Alter und Bildung quotiert.