- Preis-Leistungs-VerhältnisEher gut
Die Gäste + die Kinder Wir haben in anderen Robinson Clubs stets nette Gesprächspartner gehabt (übrigens auch Familien mit Kindern) und Bekanntschaften geschlossen. Der Club ist als Kinderclub bekannt, daher waren unsere Erwartungen als Paar auch nicht sonderlich hoch. Dennoch wurden wir enttäuscht. Hier schien die Familienzugehörigkeit und Kinderbesessenheit schon fast religiöse Dimensionen zu haben. Die Gästestruktur besteht nahezu ausschließlich aus Familien mit Kindern in allen Altersgruppen vom Säugling bis zum pubertären Jugendlichen. Diese teilen sich beim Essen allenfalls einen Tisch mit einer zweiten Familie. An diesen Tischen drehen sich die Gespräche ausschließlich (!!) um die bezaubernden Kleinen. Als Paar, das sich bewußt gegen eigenen Nachwuchs entscheidet, wissen wir aus Erfahrung, daß es in solch einem Umfeld kaum zu sinnvoller Kommunikation kommt. Wir haben daher davon Abstand genommen in den Dunstkreis der stolzen Eltern einzudringen. Nette Unterhaltungen und Freundschaften, wie in anderen Robinson Clubs hatten wir hier jedenfalls nicht. Als ich auf dem Weg zum Tennisplatz in meiner Sportmontur am Pool vorbeikam, erntete ich fast ungläubige Blicke. In keinem Club zuvor haben wir so wenige Gäste in Sportoutfit in der Anlage gesehen haben wie hier. Für die meisten Familien scheint hier wohl die Brutpflege an oberster Stelle zu stehen, neben der einfach kein Platz mehr für Sport oder andere Betätigungen ist. Ferner wirkt sich diese Gästestruktur nicht unerheblich auf den Lärmpegel in der gesamten Anlage aus. Ob Pool, ob Strand, Schachbrett oder Restaurant, an sämtlichen öffentlichen Plätzen fühlt man sich wie in einer Kita. Das Kinderessen ist zwar nett gedacht, aber dennoch scheinen sich die Eltern mit ihren Kindern zum "normalen" Essen hingezogen. Man hat im Restaurant ein paar "Erwachsenentische" ab 16 Jahren eingerichtet. Diese liegen jedoch direkt am Buffet und sind daher ebenfalls laut. Im Übrigen sind es so wenige, daß man sich vorkommt wie am Katzentisch der Kinderlosen. An anderer Stelle und in größerer Zahl wäre diese Einrichtung wirklich zu begrüßen. Selbst auf dem Zimmer haben wir keine Ruhe gefunden. Mehrfaches nächtliches Säuglingsgeschrei begleitet von lautstarken Diskussionen überforderter Eltern haben uns fast jede Nacht den Schlaf geraubt. Da die Eltern dabei stets die Terrassentüren weit geöffnet lassen, wird dann auch gleich der gesamte Wohnblock mit der "Zukunftsmusik" beglückt. Der Gedanke die schlaflosen Nächte mit einem Mittagsschlaf nachzuholen war ebenfalls zum Scheitern verurteilt, da der geschilderte Zustand Tag und Nacht herrscht. Um so erfreuter waren wir den separaten Erwachsenenpool mit angeschlossener Ruhezone zu entdecken. Dort hatte man uns auch unsere Zimmer zugewiesen, da ich extra ruhige Zimmer erbeten hatte. Leider mußten wir feststellen, daß auch dieser Bereich von Eltern mit Kleinkindern geentert wurde, um nach Herzenslust und aus voller Kehle herumzutollen. Der Gedanke, daß ihren Kleinsten eine von 1000 Türen verschlossen bleibt, damit andere Gäste Ruhe in homöopathischen Dosen genießen können, scheint vielen Eltern ein unerträglicher Zustand zu sein. Dem Club ist diese Situation bekannt und steht diesem Problem scheinbar machtlos gegenüber. Konsequenz für uns: Umzug in andere Zimmer Das Positive Super gemütlich fanden wir das Pinienwäldchen mit der darin liegenden Pianobar und der abendlichen Livemusik. Toll liegt auch die darin eingebettete Fitnessebene. Die gesamte Anlage ist wunderschön von blühenden Hibiskuspflanzen, Bananenstauden etc. bewachsen und gut gepflegt. Eine solch schöne Anlage hat übrigens einen schöneren Eingangsbereich verdient, der mit seiner Betonarchitektur eher den Charme einer Schulturnhalle versprüht. Auch das Strandrestaurant hat uns begeistert, da es nicht nur eine Bar sondern ein komplettes Restaurant ist, daß zudem nicht aufpreispflichtig ist. Die Pizzeria haben wir nicht genutzt, aber auch sie sah einladend aus und die Holzofenpizza, die dort angeboten wird ist sicherlich sehr gut. Auch dies ohne Aufpreis. Toll wäre es, wenn abends das Tor zum Strand nicht geschlossen würde, so daß man nochmal zu späterer Stunde an den Strand gehen könnte. Die Bestellungen an der Hauptbar und den übrigen Ausgabepunkten wie Strandbar etc. wurden stets ohne größere Wartezeiten abgearbeitet. Die Verabschiedung des Transferbusses war fast der herzlichste Moment den wir im Club erleben durften. Sogar Clubdirektor Mairo hat im Bus noch ein paar Abschiedsworte gefunden und Robins haben bei Abfahrt Schilder mit "Arrivederci" hochgehalten. Fazit Wir haben den "Robinson Club Apulia" als italienische Kita auf Hotelniveau erlebt, die in vielen Bereichen gravierend vom Robinsonstandard und Robinsonkonzept abweicht. Gäste, die auf Sport, gute Stimmung, nette Gespräche, Bekanntschaften, ein tolles Robinteam sowie ein wenig Ruhe und Entspannung Wert legen, sollten sich definitiv für einen anderen Club entscheiden.
Die Zimmer Wir haben zwei Zimmer gebucht. Mit dem ersten aus dem ich wegen der unruhigen Lage ausgezogen bin, habe ich drei Zimmer gesehen. Im ersten (A129) wurde ich auf den Fliesen im Bad von den verwischten Haaren meiner Vorgänger empfangen. Die Bettwäsche hatte Löcher und eine Neonröhre im Bad war defekt. Wir sind dann in den Block "Firenze" (Zimmer 12+16) umgezogen. Dieser Umzug klappte dank Fabrizio (Rezeption) vorbildlich und die Zimmer waren ruhig und schön gelegen. Auch in diesen Zimmern gab es ein paar technische Probleme (gerissener Duschschlauch, surrende Lüftung, Stromausfall in einem Zimmer). Nach Reklamation an der Rezeption wurden diese jedoch meist zügig behoben. Die surrende Badezimmerlüftung konnte jedoch nicht zum Schweigen gebracht werden, so daß wir sie ganz abschalten ließen. Sodann trat jedoch im gesamten Zimmer ein muffig-feuchter Geruch auf. Bei genauerem Hinsehen sah man an der Decke dunkle Flecken, die auf feuchte Wände hindeuten. Hier könnte ein Schimmelproblem existieren, daß durch Überstreichen lediglich optisch kaschiert wurde. Das Klima ist sehr feucht, insoweit liegt dieses Problem schon nahe, insbesondere weil beide Zimmer diese Flecken aufwiesen. Wir haben daraufhin die Lüftung wieder einschalten lassen und zum Schlafen nur noch das Zimmer ohne surrende Lüftung genutzt. Vielleicht werden diese Probleme im Rahmen der im Winter geplanten Sanierungsarbeiten beseitigt. Dafür war die Zimmerreinigung hier in Ordnung.
Das Essen Das Essen ist qualitativ völlig in Ordnung. Die Atmosphäre im Speisesaal ähnelt aufgrund der Größe allerdings eher einer Mensa als einem Restaurant. Themenabende, die mit entsprechender Dekoration und landestypischem Speisenangebot untermalt werden, haben wir in anderen Clubs deutlich umfangreicher und liebevoller in der Präsentation erlebt. Daher fanden wir die Abwechslung in der Speisenauswahl auch nicht berauschend. Auch an den Stationen angerichtete Tellergerichte wurden wenig angeboten. An der Wellfitstation wurde dies teilweise gemacht. An einem Abend hatte dort ab 20Uhr30 wohl keiner mehr Lust die Teller zuzubereiten, so daß schlichtweg alle Zutaten zusammen in eine Schale geschmissen wurden und sich die Gäste dann aus dem Mischmasch etwas rausgefischt haben. Der Rotwein ist übrigens gut, dem Rose hingegen dürfte eine größere Fangemeinde versagt bleiben. Der Galaabend stand unter dem Motto "Italien". Wenigstens hatte sich hier der Direktor am Eingang mit einer Hand voll Robins zur Begrüßung eingefunden. Warum es am Galaabend mit dem Motto "Italien" das russische Gericht " Boef Stroganov" gibt, und dafür italienische Klassiker wie z.B. Saltimbocca fehlen, hat sich mir nicht erschlossen. Am Gala-Dessertbuffet gab es weder eine Eisbombe, noch einen Schokoladenbrunnen, wie in fast allen anderen Clubs üblich. Wenn es dafür beispielsweise ein landestypisches Tartuffo o.ä. gegeben hätte, wäre das sogar eine bessere Alternative gewesen, aber so entsprach das Dessertbuffet schon sehr den übrigen Abenden. Das für 8 Euro kostenpflichtig angebotene Whiskeytasting ist jedenfalls auch nicht gerade ein italienischer Klassiker. Die Dekoration am Buffet haben wir kaum wahrgenommen und als lieblos und einfach empfunden.
Die Sprachbarriere Die meisten Mitarbeiter sind Italiener, die leider wenig bis gar kein Deutsch sprechen. Auch an der Rezeption muß man erst den Mitarbeiter finden, der Deutsch spricht. Es ist also immer Glücksache jemanden zu finden, der einen versteht. Das ist zum einen anstrengend, wenn man Wünsche, Reklamationen oder Fragen zu den Speisen am Buffet hat, zum anderen sind der Kommunikation so gleich enge Grenzen gesetzt. Gespräche zwischen Gästen und Robins finden so kaum statt. Vom Hotelpersonal (ich spreche bewußt nicht von Robins, da sie sich einfach nicht so verhalten) wurden wir z.T. mit "Sie" angesprochen, sogar in unserer schriftlichen Zimmeranfrage per Mail. Auch unter den Gästen wurde sich oft gesiezt. Diese Distanziertheit ließ selbst den letzten Rest Clubflair verfliegen und ähnelte eher einem Hotelaufenthalt. Mit Robinson hat das jedenfalls nichts mehr zu tun. Vielleicht ist dies auch der Preis für die recht große Anlage mit 381 Betten, die keine familiäre Atmosphäre mehr aufkommen läßt und primär auf italienische (Sommer-)gäste ausgerichtet ist. Wenn diese Sprachbarriere durch italienische Herzlichkeit kompensiert worden wäre, aber auch das war nicht der Fall. Hier erweckten die meisten den Eindruck einfach einen Job zu verrichten, da schließlich Geld verdient werden muß. Selbst beim Checkout hat man nicht gefragt, ob uns der Aufenthalt gefallen hat.
Der Weg zum Strand führt durch ein kleines Pinienwäldchen.
Beliebte Aktivitäten
- Strand
Die Robins Robins? Welche Robins? Sie trugen häufig ihre Privatkleidung und nicht die übliche, einheitlich blaue Robinson Kleidung. Allenfalls der Namens-Button wurde getragen, aber auch das nicht immer. So tauchten sie komplett in der Gästemenge unter und vermieden den Kontakt zu selbigen weitestgehend. Wir haben bei keiner einzigen Mahlzeit einen Robin an unserem Tisch oder an Tischen anderer Gäste gesichtet. Zum Teil wird nicht mal gegrüßt und der Gesichtsausdruck ist auf " Bitte nicht stören" eingestellt. Einmal haben wir beim Abendessen eine Gruppe Robins gesehen, die sich zum Essen in einen abgesperrten Bereich gesetzt hat, um bloß nicht Gefahr zu laufen mit Gästen in Kontakt zu kommen. Die typische Robinsonatmosphäre, bei der Robins und Gäste ein Schwätzchen halten, bei der die Robins von ihrer Funktion erzählen und man Impulse für Aktivitäten bekommt, war hier eine komplette Fehlanzeige. Das Gefühl willkommen zu sein, stellte sich so bei uns jedenfalls nicht ein. Auch den Clubdirektor haben wir kaum gesichtet. Wenn wir Robins gesichtet haben, waren diese ausschließlich in der Funktion der Kinderbetreuung unterwegs. Wir haben als Gäste dann selbst den Kontakt zu Robins gesucht, sind jedoch schnell auf eine Sprachbarriere getroffen. Das Theater Wir haben in der Vorstellung "Shrek" vorbeigeschaut. Das Publikum bestand fast ausschließlich aus Kindern. Auch hier trat wieder das Sprachproblem zu Tage. Mal wurde ein Satz auf Deutsch, dann wieder einer auf Italienisch gesprochen, mit dem Ergebnis daß sich weder Italienern noch Deutschen der Inhalt des Stückes erschließen konnte. Das Theater dient scheinbar eher als Kasperle-Theater der Kinderbelustigung und nicht der kurzweiligen Unterhaltung mit z.T. hochwertigen Shows wie in anderen Clubs. Aber selbst dieser Auftrag wurde in dieser Vorstellung durch das Sprachwirrwarr verfehlt. Am Galabend haben wir die Show " The Art of Apulia" gesehen. Selbst zur Galashow stand nicht ein Robin zur Begrüßung am Theatereingang. Weder der Clubdirektor, noch sonst jemand hat vor der Show ein paar Worte zur Begrüßung oder der folgenden Show an die Gäste gerichtet. Die Show selbst war bereits nach knapp einer halben Stunde beendet, wohl gemerkt, die Galashow. Die anschließenden zweisprachig vorgetragenen Worte des Clubchefs waren in einer Mischung aus schlechter Tonqualität und gebrochenem Deutsch kaum zu verstehen, knapp und völlig unemotional runtergeleiert. Dabei strahlte er nicht das Motto "Zeit für Gefühle" aus, sondern eher ein "Herr, laß es schnell vorbeigehen".
Infos zur Reise | |
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Verreist als: | Paar |
Dauer: | 1 Woche im Oktober 2015 |
Reisegrund: | Strand |
Infos zum Bewerter | |
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Vorname: | Matthias |
Alter: | 36-40 |
Bewertungen: | 34 |