Wer das Serrano-Palace-Hotel in Cala Rajada, Mallorca, bucht, muss sich im Klaren darüber sein, dass er/sie die ersten ein bis drei Tage in einem anderen, benachbarten Hotel der Serrano-Kette nächtigen muss, je nach Jahreszeit, und zwar nicht ausnahmsweise, sondern regelmäßig. Zwar verspricht der seit September 2010 neue Direktor, der zweite Mann der Serrano-Kette hinter seiner Chefin , dies werde im nächsten Jahr nicht wieder geschehen, doch werden dies zukünftige Gäste des Hauses erst herausfinden müssen. Wenn man allerdings heftigen Protest erhebt und sich keineswegs ohne Weiteres in ein anderes Hotel verbringen lässt, dann springen ungeahnte Vergünstigungen heraus. So erhielten wir einen Gutschein über € 120,00, weil wir erst nach längerem Widerstand gegen die Verschiebung endlich einwilligten, eine Nacht im Drei-Sterne-Serrano-Hotel Clumba zu verbringen, das nur schräg gegenüber lag und durchaus akzeptabel war. Als wir den Umstand in einer späteren schriftlichen Gästebefragung noch einmal kritisch anmerkten, spendierte uns der sehr engagierte, rührige, charmante und stets perfekt gekleidete neue Direktor zum Trost noch eine teure Flasche Wein. Ob allerdings die Begründung für die anfängliche Verschiebung in ein anderes Hotel zutrifft, nämlich dass es eine Überbelegung gebe, die auf die Urlauberkontingente der Veranstalter zurückzuführen sei, das mag dahingestellt bleiben. Wenn nämlich abends um 22.00 Uhr ein Zimmer nicht verfügbar ist, das aber am nächsten Morgen um 9.00 Uhr problemlos verfügbar ist, dann beschleicht den erfahrenen Hotelgast doch ein Zweifel an der Richtigkeit der Begründung. Auch Hotelangestellte bestätigen hinter vorgehaltener Hand und mit einem Augenzwinkern, dass die Verschiebung von Gästen etwas mit der gleichmäßigen Auslastung der Häuser der Serrano-Kette, mit Steuervorteilen und staatlichen Zuschüssen zu tun hat. Das darf aber auf keinen Fall auf dem Rücken der Gäste ausgetragen werden! Wie schlecht das Gewissen der Verantwortlichen ist, zeigen die großzügigen Zuwendungen an präzise Kritiker. Fazit Das Serrano-Palace-Hotel ist ein Touristenhotel für den gehobenen Massengeschmack und erfüllt deshalb die Ansprüche der allermeisten Gäste vollends. Deshalb ist es empfehlenswert. Will man aber den ausdrücklichen Anspruch der Direktion ernst nehmen, dann muss sich noch allerhand verbessern.
Zimmer In den Zimmern finden wir eine wert- und geschmackvolle Einrichtung. Aber warum gibt es durchgelegene Matratzen, eine nicht funktionsfähige Klimaanlage, völlig veraltete Röhren-fernseher mit schwachem Empfang und wenigen Sendern, ein nicht funktionsfähiges, aber teures WLAN sowie ein nicht abfließendes Waschbecken? Sicher, fast alles außer dem WLAN (eine Woche) wurde in Windeseile repariert und in Ordnung gebracht, aber in einem sehr guten Hotel ist es nicht der Gast, der auf die Missstände aufmerksam macht, sondern das Personal findet sie durch regelmäßige Kontrollen selbst heraus. Wenn man mehr Per-sonal einsetzen würde, müsste das Reinigen und Ordnen der Zimmer auch nicht jeden Tag bis weit nach 13 Uhr dauern.
Speisesaal Der Speisesaal fasst 423 Personen. Da ist bei Vollbelegung des Hotels schon einmal allerhand los in dem ebenfalls wertig anmutenden und angenehm unterteilten Saal. Das Büfett ist auf zwei rollstuhlgeeigneten Ebenen und in drei z.T. entgegengesetzten Ecken des großen Raumes untergebracht, so dass es zu ständiger Rennerei zwischen den Stationen kommt. Die jungen Damen waren beim Bedienen der extra zu zahlenden Getränke sehr beflissen, aber ihnen fehlten sowohl ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache für fast ausschließlich deutsche Gäste, wie auch Kenntnisse in grundsätzlichen Serviertechniken, wie z.B. der Darbietung einer Flasche guten Rotweins. An dieser Stelle soll auch ein Wort über die Weinkarte verloren werden. Sie stellt einige mallorquinische Rotweine hochpreisig heraus (bis zu 40€, Reservas noch deutlich teurer), jedoch sind diese im internationalen Vergleich völlig bedeutungslos. Wirklich große Weine, die man zu einem solchen Preis mit Recht verkaufen dürfte, fehlen auf der Weinkarte völlig. Da ist man von internationalem Niveau sehr weit entfernt. Küche Der junge Küchenchef, Jens Pistorius, präsentiert sich selbst gern den Gästen in der Umgebung seiner Büfetts der gehobenen Qualität in munterer, bäuerlich anmutender Tracht mit flottem Barrett. Seine Küche zeigt große Vielfalt und tägliche Abwechslung. Damit ist ihr größtes Manko aber auch schon genannt. Man kann Büfettangebote einfach nicht so lange warm halten, dass sie über den Zeitraum von 7.30 – 11.00 Uhr bzw. 18.00 – 21.00 Uhr, der Frühstücks- und Abendessenszeit, schmackhaft, ansehnlich und frisch wären, wie in einer A-la-Carte-Küche mit Tellerservice, deren Speisen einzeln für den Gast zubereitet werden. Deshalb wird vieles in Soßen gepackt, umsortiert und nachgeliefert, um den Eindruck von Frische zu erzeugen. Auch die Idee des „Show-Cooking“ wird an zwei Stellen zelebriert, wird aber dadurch zur Farce, dass kurzgebratene Fleisch- und Fischstücke bergeweise vorgegart und während des „Show-Cooking“ nur noch aufgewärmt werden. Auch zu einem weichen Frühstücksei konnte man sich nicht durchringen. Nach erster Beschwerde über steinharte Eier wurde mit direktoralem Beistand das System der Darbietung der Eier geändert; ein Teller enthielt nun kürzer und ein Teller länger gegarte Eier. Aufgrund viel zu hoher Wärmetemperaturen waren allerdings sämtliche Eier innerhalb kürzester Zeit wieder steinhart. So ließe sich die Liste der für die Hotelküche peinlichen Kleinigkeiten munter fortsetzen, für einen Eindruck reichen die geschilderten Eigenarten aber wohl aus.
Doch zurück zum Serrano-Palace: Von guter Küche, von schönen Marmorzimmern und geräumigen Marmorbädern, von zu kleinem und veraltetem Wellness- und Poolbereich, von entzückend freundlichem Personal, von großer Sauberkeit und insgesamt attraktiver Anmutung ist in anderen Beiträgen an dieser und ähnlichen Stellen schon ausreichend berichtet worden. Deshalb soll hier einmal die Rede davon sein, was ein Fünf-Sterne-Hotel nach mallorquinischer Lesart von einem wirklichen First-Class-Hotel unterscheidet und wie groß der Abstand dazu doch tatsächlich ist. Denn nicht nur der ausdrückliche Wunsch des neuen Direktors macht ein „sehr gutes Hotel“ aus, sondern die Fakten.
Ein Missstand, von dem hier als von außen bedingt gesprochen werden sollte, erwies sich zuletzt doch als von der Serrano-Kette selbst hervorgerufen: Gleich auf der anderen Straßenseite und wirklich nahe am Strand Son Mol steht seit Jahren eine ausgeschlachtete, elfstöckige Hotelruine, die von hunderten von stählernen Baustützen von innen und außen getragen wird, um ihr Einstürzen auf Strand und angrenzende Hotels zu verhindern. Erst spät erfuhren wir, dass dieser Schandfleck ebenfalls der Serrano-Familie gehört und dass angeblich eine Richterin Abriss und Neubau eines neunstöckigen Hotels mit 125 Zimmern verhindert. Näheres blieb unklar, aber der Neubau würde die ansonsten nur höchstens vierstöckig bebaute Bucht Son Mol genau so verschandeln, wie es die bisherige Ruine schon tut.
Beliebte Aktivitäten
- Sonstiges
Die Fitnessgeräte sind auf dem Stand von 1980, der Poolbereich ist für die Größe des Hotels zu klein. Abendunterhaltung befindet sich auf dem Niveau von volkstümlicher Musik und drittklassigem Unterhaltungspop, völlig austauschbar, wie das in einschlägigen Touristenhotels überall auf der Welt zu finden ist.
| Infos zur Reise | |
|---|---|
| Verreist als: | Paar |
| Dauer: | 2 Wochen im Oktober 2010 |
| Reisegrund: | Sonstige |
| Infos zum Bewerter | |
|---|---|
| Vorname: | Manfred |
| Alter: | 56-60 |
| Bewertungen: | 2 |


