Das Kleinwalsertal ist eine einmalige Erscheinung. Es gehört zu Österreich (zum Bundesland Vorarlberg), ist aber über Straßen nicht von Österreich, sondern nur von Deutschland aus zugänglich. Daher gehörte es in seiner Geschichte auch mehrfach zu Bayern oder zum Deutschen Reich, war in gewisser Hinsicht ein Zankapfel zwischen den Mächten. Noch heute ist das Kleinwalsertal wirtschaftlich an Deutschland angeschlossen. Man merkt das beispielsweise an der höheren deutschen Benzinpreisen. (In Österreich tankt man sonst 10-20 Cent günstiger pro Liter.) - Hauptsport im Winter ist - selbstverständlich - das Skifahren. Hauptsport oder -betätigung im Sommer (vom Tagestourismus abgesehen, denn immerhin ist das Kleinwalsertal Österreichs drittgrößtes Tourismusziel) könnte man das Wandern bezeichnen. Übertrieben formuliert könnte man es "Kleinwandertal" nennen. Das ist nicht einmal unhistorisch: Denn Menschen aus dem Wallis im Süden der heutigen Schweiz gaben im 13. Jahrhundert dem Kleinwalsertal seinen Namen. Sie kamen wandernd bereits über die Hochpässe, die das Kleinwalsertal mit dem restlichen heutigen Österreich verbinden. - Sie erhielten die Erlaubnis zur Rodung und Ansiedlung in dem bisher nur als Jagdgebiet genutzten Tal. An Steuern hatten sie lediglich einen Laib Käse an den Fürsten abzuliefern. Das erinnert an die kurze Zeit, als das Kleinwalsertal, vor allem in den 1990er Jahren, zur Steueroase für Bundesbürger wurde; ein Vorzug, der sich mit dem Beitritt Österreichs zur EU und der Einführung des Euro verloren hat. - Holz spielt eine wesentlich Rolle in diesem Tal. Die Häuser sind fast alle mit Holzschindeln verkleidet. (Holz hat einen höheren Dämmwert als Stein.) - Noch heute ist das Kleinwalsertal waldreich, nadelwaldreich vor allem. --- Das Hotel Birkenhöhe unterscheidet sich von den sonst üblichen Häusern im Kleinwalsertal zum einen dadurch, dass es kein mit Schindeln verkleidetes sozusagen alt-tradionelles Hotel ist, sondern ein modernes Haus, das aber traditionelle Bezüge sehr geschickt und aufwertend - und nicht etwas belastend - anspielt. Außerdem arbeitet es im Gegensatz zu den anderen Gebäuden und Hotels im Kleinwalsertal nicht mit eckig-rechtwinkligen, sondern mit geschwungenen Formen. Das mit es etwas ganz Besonderes. - Auch im Inneren. Die Zusammenfügung der Räume ist sehr geschickt gelungen, man wird sozusagen behaglich kurvig geführt. Vom Eingangs- und Rezeptionsbereich im Erd- oder, da das Hotel Birkenhöhe an einem breiten Hang liegt, unteren Geschoss führt eine schöne Treppe ins obere Geschoss, in dem sich auch die Restaurant-Räume befinden. Die Küche ist besonders gut. einfallsreich; abwechslungsreich. - Zimmer schließen sich im oberen oder in den oberen wie auch den unteren Geschossen an, teils mit Balkonen, teils mit einer Gartenterrasse. - Auch der Spa- und Wellness-Bereich ist leicht zu erreichen - und bietet neben einem sehr großen Schwimmbad ein reichhaltiges Sauna-Angebot; außerdem diverse Behandlungsmöglichkeiten, die wir keine Zeit hatten, zu nutzen, aber deren einladende Räume wir sahen. --- "Wo aber sind die Birken" - möchte man fragen? - Hört man den Hotelnamen "Birkenhöhe", könnte man sich vorstellen, das Hotel läge in oder oberhalb eines Birkenwaldes. Das trifft aber nicht zu - und wäre wohl auch unalpenmäßig. Man kann deswegen auch beruhigt davon ausgehen, dass das Hotel Birkenhöhe nicht auf dem Platz eines abgeholzten Birkenwaldes steht! Nein: Das Rätsel löst sich auf andere Weise: Die Birken wurden im Inneren des Hotels zu Ausbau- und Dekorationszwecken verwendet. (Mir fällt dabei die Innen-Dekoration eines Hotels in New York an der Upper Westside ein, dessen Foto ich als Ergänzung beifüge.) --- Man fühlt sich also wohl in diesem Hotel, was nicht zuletzt auch an dem sehr freundlichen Ehepaar Bantel liegt, die dieses Hotel leiten. Und natürlich auch an den zahlreichen Mitarbeitern, gleich ob sie aus Österreich, der Schweiz, dem Allgäu oder dem Ruhrgebiet kommen, wie die Mitarbeiterin, die uns am ersten Abend sehr nett empfing. ---- Wir machten auch einen Ausflug nach Bregenz an den Bodensee, wo das Wetter noch sommerlich war. (Es gibt auch den umgekehrten Fall.) Da fährt man etwa 1,5 Stunden über einen sehenswerten Pass (den 1439 m hohen Riedbergpass), auf dem ein kapitaler Hirsch knapp vor uns die Straße kreuzte, (zu überraschend und zu plötzlich groß auftauchend, als dass wir hätten ein Foto aufnehmen können). --- Und ein Ausflug ins benachbarte Oberstdorf in Bayern lohnt sich. Es liegt in einem Talkessel, von dem aus dann das Kleinwalsertal noch 400 Meter hochsteigt. -- Oberstdorf, - was kein militärischer Ausdruck ist -, bildet sozusagen den Hauptort des Kleinwalsertals, auch wenn es nicht zu ihm gehört!, als Hauptanlaufstation, als nächste Eisenbahnverbindung auch. Von dort gibt es eine häufig fahrende Buslinie bis Baad, dem Endpunkt des Kleinwalsertals. --- Der Hauptort des Kleinwalsertals ist aber Riezlern: Hier findet man die meisten Geschäfte, der Ort hat ein bisschen was von Geschäftszentrum des Kleinwalsertals; der am hübschesten aber gelegene Ort ist Hirschegg, in dem auch, auf der Westseite, das Hotel Birkenhöhe angenehm über dem Ort liegt, nicht zu weit, aber genug jedem Durchgangsverkehr entrückt. Von der geschwungenen Terrasse hat man einen schönen Blick ins Tal, das sich ja noch einige Kilometer nach Südwesten weiterzieht, auf die Dorfstraße und auf die höchsten Berge wie vor allem den 2533 Meter hohen Widderstein. --- Fazit: Das Kleinwalsertal muss man kennenlernen, wenn man die Alpen kennenlernen will. ... Vielleicht wird es am Hotel Birkenhöhe tatsächlich in der Zukunft auch als weitere Ergänzung ja sogar noch einen angepflanzten Birkenwald geben ...
Beliebte Aktivitäten
- Sonstiges
| Infos zur Reise | |
|---|---|
| Verreist als: | Familie |
| Dauer: | 1-3 Tage im September 2017 |
| Reisegrund: | Sonstige |
| Infos zum Bewerter | |
|---|---|
| Vorname: | Wolfgang |
| Alter: | 41-45 |
| Bewertungen: | 5 |
Lieber Wolfgang, vielen Dank für die ausführliche und ausgezeichnete Bewertung auf Holiday Check. Darüber haben wir uns sehr gefreut und wünschen Ihnen bis zu einem Wiedersehen alles Gute. Herzlich, Bärbel und Matthias Bantel


