- Preis-Leistungs-VerhältnisSchlecht
Sowohl Haus als auch Personal versprühen den morbiden Charme des Kommunismus. Bereits von Weitem besticht die Anlage durch den typisch DDR-grauen Waschbetonbaustil. Ein typischer Bettenbunker eines untergegangenen Sytems. Offensichtlich wurde seitdem auch nicht soviel in Sanierungsprogramme investiert. Ich schätze den Altersdurchschnitt auf weit über 50 Jahre, obgleich sogar Kinder vor Ort zu sehen waren. Fast alle Gäste waren aus den neuen Bundesländern und, so war einigen Tischgesprächen zu entnehmen, größtenteils Stammgäste aus einer Zeit, in der der Aufenthalt im Berghotel den Gast als privilegiert auszeichnete. Das Preis-Leistungsverhältnis des Hotels stimmt absolut nicht. Das Hotel verdient bestenfalls einen halben Stern. Das Motte des Hotels lautet: "Alles, außer gewöhnlich!". - In der Tat ist dieses Hotel außergewöhnlich, und zwar außergewöhnlich schlecht! Ich würde es meiner Familie niemals antun, dort einzukehren und werde dieses Hotel, es sei denn, ich bin geschäftlich dazu gezwungen, nie wieder aufsuchen.
Zunächst die Flure. Wenn man aus einem der 5 Fahrstühle seine Etage betrat, erwartete einen eine etwa 10x15m große "Flurhalle", deren Wände aus übergestrichenem Beton bestanden. Die niedrige Deckenhöhe wirkte erdrückend. Der Boden aller Etagen war mit sogenanntem Linoleum (gummiartige Bodenfliesen) ausgelegt, das bereits auf den Hauptverkehrswegen völlig zerschlissen war und einen unangenehmen Lösungsmittelgeruch verströmte. Die "Flurhalle" war mit bunt zusammengewürfeltem Mobilar ausgestattet, das zweifellos von jeder Sperrmüllsammlung hätte stammen können. Die abgesessene und widerlich verspeckte Polstergarnitur auf meiner Etage wurde von einem Ensemle verschlissener und eigenartig schwarz verfärbter Linoleumplatten eingerahmt, die sofort die Vermutung aufkommen ließen, auf der Etage hätte es irgendwann zuvor gebrannt. Mir ist es ohnehin schleierhaft, ob derartige Bodenbeläge bei den heutigen Brandschutzbestimmungen überhaupt noch belassen werden dürfen. Die adrette Polstergarnitur wirkte aber offensichtlich noch so einladen, daß sie einige Gäste, in zu dem Hotel passenden Jogginganzügen gekleidet, zum Verweilen einlud. Das ganze bei Bier und Leckereien ortsansässiger Lebensmitteldiscounter. (Dies schlußfolgerte ich aus den dabeistehenden Rewe-Tüten.) Vor einiger Zeit besuchte ich in Berlin die Gedenkstätte Hohenschönhausen- der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der DDR-Staatssicherheit. Und genauso sahen die Flure in Richtung meines Zimmers aus. Verblüffend! Ich frage mich, welcher Ort für welchen Vorbild stand. Die Zimmertür ließ sich mit einigem Druck, denn sie schleifte arg auf dem Boden, öffnen. Nach innen, wie ich betonen muß, denn das war nur bei den Zimmern auf meiner Flurseite so. Alle anderen öffneten nach außen! Der Schlafbereich war gerade noch akzeptabel, nicht jedoch das "Bad"!! Eine Naßzelle im ursprünglichen Sinne des Wortes, wie ich sie nie zuvor gesehen hatte. In der Mitte des ca. 1 m2 großen Fenster- und Lüfterlosen Raumes war ein ca. 10 cm tief im Boden eingelassener trichterförmiger Abfluß, den man besser nicht mit dem Fuß erwischte. Die Tür ließ sich nicht komplett öffnen, da sie recht früh an die Toilette stieß. Die Wände waren stümperhaft mit eigenartigen Kunststoffplatten bis zu 3/4 der Raumhöhe verkleidet. Für Rohre zB der Duscharmaturen hatte man einfach Löcher hineingesägt, die auf die Wand hinter der Verkleidung neugierig machten. Da Schimmel in den Ecken und Rost an allen metallischen Rohrverbindungen einem fast in das Gesicht sprangen, wagte ich mich jedoch nicht, die Verkleidung auch nur etwas anzulüften. Aufgrund von an der Decke und durch den Raum verlaufenden Ablußrohren war zu vernehmen, daß das Zimmer über mir ebenfalls belegt war. Die Duschwanne stand lose auf dem Boden und rutsche beim Eintreten unter meinen Badepantinen (auf keinen Fall vergessen!) hin und her. Der Spiegel über dem Waschbecken hing gerade noch so an einer Metallklammer. Von Gesprächen auf dem Flur bekam man am Abend ALLES mit. Die Handtücher waren sauber, es gab allerdings keine Möglichkeit, sie nach dem Duschen zum Trocknen aufzuhängen. Ich improvisierte mit einem Kleiderbügel. Über die Tür, die den Minieingangsflur vom Schlafbereich des Zimmers teilte, traute ich mich nicht, sie zu hängen. Zur Probe fuhr ich zuvor mit einem Finger über die Tür sodaß mir in der Folge ob des schmierigen Schmutzfilmes fast schlecht wurde. Der Fernseher auf dem Zimmer funktionierte und der Ausblick über eine recht interessante Hanglandschaft beschwichtigte etwas meine Wut über den Zustand des Zimmers resp. Bades.
Der Tischservice erschien größtenteils unmotiviert. Offene Türen zur Küche erlaubten Blicke auf die sich langweilenden Lehrlinge. Das Angebot des Buffets war akzeptal aber phantasielos und monoton. Die Anzahl (habe bei Schild 214 aufgehört zu zählen) und die Aufstellung der Tische schafft eine beklemmende Atmosphäre- so stelle ich mir Speisesäle in der JVA vor. Besonders bemerkenswert sind die Tischschilder, die sowohl die Nummer kundtun als auch den Gast eindringlich daran erinnern, "nichts mitzunehmen" (Zitat)! Dieser Satz beschreibt recht gut die vorherrschende Mentalität.
Der Service war überschaubar. Check-in- und Out war gut und zügig; alle gängigen Kreditkarten wurden akzeptiert. Das Personal der Hotelbar war mit der Getränkebestellung mehrerer Gäste anscheinend überfordet- völlig unkoordiniert! Die Wartezeiten sind absolut inakzeptabel. Das Reinigungspersonal der Zimmer arbeitete verhältnismäßig gut resp. motiviert- aber gegen Windmühlen und erreichte bestenfalls (besonders im Saitärbereich) eine Verlangsamung der Auflösungserscheinungen. Das Gros der Kellner im Massenspeisesaal (vermutlich ein ehemaliger Versammlungsort für kommunistische Parteiveranstaltungen) machte den Eindruck als hätte es in seinem Service-Dress die Nacht zuvor geschlafen.
Die Entfernung zur BAB 4 war in Ordnung. Die Strassen in der Ortschaft selber lassen erkennen, daß sich seit 1989 schon ein wenig getan hat.
Beliebte Aktivitäten
- Geschäftsreise
Internetzugang bestand grundsätzlich via Münzeinwurf. Da der Rechner jedoch in einem Holzchassis zugriffssicher verwahrt war, hatte man somit keine Möglichkeit auf den Internetbrowser zuzugreifen. (Der Bildschirmschoner ließ sich nicht entsperren.) Das Schwimmbad des Hotels machte durch die Scheiben der Lobby einen rustikalen und recht sauberen Eindruck. Leider sind die Öffnungszeiten wohl eher auf die zumeist ältere Zielgruppe zugeschnitten. Nach 20: 00 war Schluß- es sei denn man gehört zur Nudistenfraktion. Wem es beliebt, nackt (ostdeutsch: "FKK") umherzulaufen, kommt auf seine Kosten. Ich habe das Sport-/Schwimmhallenangebot (...weil zu spät) dem entsprechend nicht genutzt. Überhaupt fallen bereits beim Check-In in der Lobby viele spärlich bekleidete Menschen auf, die durch das Foyer und an dem im Eingangsbereich permanent aufgebauten Souvenir-Trödel-Stand in Richtung Bad vorbeiflanieren. Das scheint in den neuen Bundesländern wohl allgemein recht beliebt zu sein. Die Tagungsräume, die ich über 4 Tage nutzte, waren verhältnismäßig neu. Absolut störend nur- besonders bei Präsentationen- war, daß sich in unmittelbarer Nähe des großen Tagungssaales eine Kegelbahn im Gebäude befand. Die Geräuschbelästigung war nicht akzeptabel und absolut unprofessionell. Was die ganze Sache noch überbot, waren die Toiletten des Tagungsbereiches. Mir gelang es leider nicht, über die Zeitdauer des "Geschäftes" in der Toilette die Luft anzuhalten. Der Gestank war barbarisch!! Dies resultierte ohne Zweifel aus dem maroden Rohrleitungssystem, das ganz offensichtlich unverändert aus der Zeit der Indienststellung des Hotels stammte. Der Boden war permanent naß. Die verschmutzten Papierhandtücher wurden regelmäßig entsorgt. Dies trug aber leider nicht zur Verbesserung der Luftqualität bei. Ebenfalls unmöglich war die Tatsache, daß Gäste aus dem Restaurantbereich in die Toilette Einblick nehmen konnten, da die Türen nicht richtig schlossen.
Infos zur Reise | |
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Verreist als: | Alleinreisend |
Dauer: | 3-5 Tage im März 2008 |
Reisegrund: | Arbeit |
Infos zum Bewerter | |
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Vorname: | Sven |
Alter: | 31-35 |
Bewertungen: | 1 |