Unterwegs in Sachsen
Ab Dresden erreichbar: Diese Städte reichen vom Geheimtipp bis zum Welterbe
Dresden braucht keine Werbung. Zwinger, Frauenkirche, Elbufer: Die Stadt spricht für sich. Aber wer Dresden als Ausgangspunkt nutzt, entdeckt ein Umland, das es in sich hat: ein Filmset, das Hollywood nach Sachsen lockt; eine Turmstadt mit slawischen Wurzeln; die älteste Porzellanmanufaktur Europas; ein mittelalterliches Tuch, das als Saunaabdichtung sowjetischer Soldaten fast verloren ging; und eine tschechische Bergstadt, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Wir zeigen Dir fünf weniger bekannte Ziele rund um Dresden.
Finde hier alle Städte-Trip-Tipps rund um Dresden in der Übersicht:
Top Angebote in Dresden
Görlitz: Filmkulisse, Europastadt und größtes Flächendenkmal Deutschlands
Entfernung von Dresden: rund 109 Kilometer, etwa 1 Stunde und 25 Minuten mit dem Auto
Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands und trägt diesen Titel mit Stolz. Mehr als 4.000 denkmalgeschützte Gebäude prägen das Stadtbild, das den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstand. Gotik, Renaissance, Barock und Jugendstil stehen hier so dicht beieinander, dass jeder Spaziergang durch die Altstadt einem Architektur-Crashkurs gleicht. Kein Wunder, dass Hollywood längst aufmerksam geworden ist: Quentin Tarantinos Film "Inglourious Basterds", Wes Andersons Film "The Grand Budapest Hotel" und etliche andere Produktionen wurden hier gedreht. Die Einheimischen nennen ihre Stadt deshalb liebevoll Görliwood.
Untermarkt und Rathaus: Das Herz der Altstadt schlägt auf dem Untermarkt, wo das historische Rathaus mit seiner Mondphasenuhr und einer besonderen Legende thront: Eine der Uhren erinnert an einen Turmwächter, der angeblich wegen eines verschlafenen Stadtbrands in die Mauern eingemauert wurde – seine Augen öffnen sich im Minutentakt. Am Untermarkt befindet sich auch der berühmte Flüsterbogen: ein spätgotisches Portal, das Schallwellen so leitet, dass Geflüstertes auf der anderen Seite des Bogens klar zu verstehen ist.
Peterskirche: Die gotische Pfarrkirche St. Peter und Paul thront mit ihren 84 Meter hohen Zwillingstürmen über dem Neißetal. Im Inneren befindet sich die Sonnenorgel, deren historischer Prospekt aus dem Jahr 1703 stammt: 17 goldene Sonnengesichter, um die herum die Orgelpfeifen strahlenförmig angeordnet sind. Das klingende Werk selbst wurde in den Jahren 1997 bis 2006 neu erbaut. Jeden Sonntag um zwölf Uhr erklingt sie in einem kostenlosen Konzert.
Altstadtbrücke und Zgorzelec: Ein paar Schritte über die Altstadtbrücke, und schon bist Du in Polen. Die polnische Schwesterstadt Zgorzelec gehörte bis zur Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg zur Stadt Görlitz. Seit 1998 bilden beide Orte gemeinsam die Europastadt Görlitz/Zgorzelec. Der Grenzstein neben der Brücke markiert den östlichsten Punkt Deutschlands.
Jugendstilkaufhaus: Das prächtige Kaufhaus am Marienplatz, 1912/13 errichtet, begeistert mit einem einzigartigen Glasdach-Lichthof und freitragenden Treppen. Szenen des Films "The Grand Budapest Hotel" wurden hier gedreht. Infotafeln im Inneren erklären die Filmgeschichte des Hauses.
Gut zu wissen: Filmfans folgen dem sogenannten Walk of Görliwood, einem selbstgeführten Rundgang zu den bekanntesten Drehorten, ergänzt durch den Audioguide der kostenlosen SmartGuide-App. Görlitz lässt sich ideal an einem bis zwei Tagen erkunden; auf dem Weg liegt Bautzen, das sich hervorragend als zweite Station einplanen lässt.
Bautzen: Die Stadt der Türme und das lebendige Erbe der Sorben
Entfernung von Dresden: rund 60 Kilometer, etwa 50 Minuten mit dem Auto
Wer von Dresden in Richtung Görlitz fährt, kommt an Bautzen nicht vorbei. Die Hauptstadt der Oberlausitz liegt malerisch auf einem Felsen über der Spree und ist mit mehr als 1.000 Baudenkmälern aus acht Jahrhunderten eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Ostdeutschlands. Bekannt ist die Stadt für zweierlei: ihre markante Silhouette aus insgesamt siebzehn Türmen und Bastionen und ihre sorbische Seele.
Sorbische Kultur: Die Sorben sind ein westslawisches Volk, das seit über tausend Jahren in der Lausitz lebt und bis heute seine Sprache, Traditionen und Bräuche pflegt. In der gesamten Lausitz gibt es noch rund 60.000 Sorben, die keine andere Heimat außerhalb Deutschlands kennen. In Bautzen sind Straßen- und Ortsschilder daher zweisprachig: Deutsch und Sorbisch. Das Sorbische Museum im Herzen der Altstadt vermittelt Geschichte und Alltagskultur dieses kleinen Volkes; das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen ist europaweit einmalig als Haus, das in drei Sprachen spielt: Deutsch, Ober- und Niedersorbisch.
Alte Wasserkunst: Der 47 Meter hohe Turm aus dem Jahr 1558 versorgte Bautzen bis 1965 mit Wasser aus der Spree. Heute lässt sich die historische Maschinenanlage besichtigen und von der Aussichtsplattform ein weiter Blick über die Stadt genießen.
Ortenburg und Nikolaikirche: Die Ortenburg über der Spree gilt als Hauptfeste der Oberlausitz und wurde um 928 errichtet. Im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört, beherbergt sie heute das Sorbische Museum. Die Nikolaikirche daneben hat seit dem Dreißigjährigen Krieg als stimmungsvolle Ruine überdauert: Der Wehrgang, der sie mit der Stadtmauer verbindet, ist begehbar und bietet einen der schönsten Blicke über Bautzen und die Spree.
Gedenkstätte Bautzen II: Das ehemalige Stasi-Gefängnis ist heute ein Museum, das an politische Verfolgung in der DDR erinnert. Der Ort, der dem Ausspruch "Ab nach Bautzen" seinen Ursprung gab, ist ein wichtiges Zeugnis der jüngeren deutschen Geschichte.
Gut zu wissen: Der Bautz'ner Senf wird seit 1866 in der Region produziert und ist in den Senfläden der Stadt in zahlreichen Sorten erhältlich. Rund um Ostern feiern die Sorben ihre Traditionen mit großen Umzügen in Tracht: ein eindrucksvolles Erlebnis, das einen Besuch zu dieser Zeit besonders lohnt.
Meißen: Weißes Gold, Weinberge und das erste Schloss Deutschlands
Entfernung von Dresden: rund 24 Kilometer, etwa 35 Minuten mit dem Auto
Meißen ist das nächste Ziel auf dieser Liste und in gewissem Sinne das nahegelegenste Versäumnis: Wer in Dresden Urlaub macht und Meißen nicht besucht, lässt ein echtes Kleinod aus. Die Stadt liegt direkt an der Elbe, ihre Altstadt ist von kopfsteingepflasterten Gassen durchzogen, und über allem thront die Albrechtsburg: Als erstes Schloss Deutschlands gilt sie als Meilenstein der Architekturgeschichte.
Albrechtsburg: Arnold von Westfalen begann den Bau 1471 im Stil der Spätgotik: ein Schloss, das den Wehrcharakter zugunsten repräsentativen Wohnens aufgab, eine damals revolutionäre Idee. Bekannt ist die Albrechtsburg auch als Geburtsort des europäischen Porzellans: Auf Wunsch Augusts des Starken zog 1710 die erste europäische Porzellanmanufaktur in das Schloss ein.
Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen: Seit 1863 wird im Ortsteil Triebischtal produziert. In den Schauwerkstätten lässt sich der gesamte Herstellungsprozess beobachten – vom Rohton bis zur handbemalten Figur. Die Manufaktur bietet auch Familienführungen an, bei denen sich das Geheimnis des Weißen Goldes auf spielerische Weise erschließt.
Frauenkirche und Marktplatz: Der zentrale Marktplatz ist von Spätgotik und Renaissance geprägt. Im Turm der Frauenkirche befindet sich das weltweit erste stimmbare Porzellanglockenspiel, zu hören sechsmal täglich, unter anderem um 8:30, 11:30 und 17:30 Uhr. Vom Turm der Frauenkirche hat man zudem den besten Blick auf das Gesamtensemble aus Albrechtsburg und Dom.
Weinregion Sächsisches Elbland: Rund um Meißen schlängeln sich Weinberge die Elbhänge hinauf. Die Weinbauern laden zu Kostproben in ihren Straußwirtschaften ein; das Schloss Proschwitz ist eines der bekanntesten Weingüter der Region.
Gut zu wissen: Meißen eignet sich ideal als Tagesausflug. Wer mit dem Zug anreist, kann bei schönem Wetter auch den Elberadweg für die Rückfahrt nach Dresden nutzen.
Top Angebote in Meißen
Zittau: Mittelalterliche Tücher, Dreiländereck und ein fast verlorenes Meisterwerk
Entfernung von Dresden: rund 125 Kilometer, etwa 1 Stunde und 40 Minuten mit dem Auto
Zittau liegt im äußersten Südosten Sachsens, dort, wo Deutschland, Polen und Tschechien aufeinandertreffen – und genau deshalb wird die Stadt von Reisenden so oft übersehen. Völlig zu Unrecht. Die rund 25.000-EinwohnerInnen-Stadt war einst die reichste des Oberlausitzer Sechsstädtebundes, und ihr nahezu lückenlos erhaltener historischer Stadtkern zeugt noch heute von dieser Blütezeit. Was Zittau jedoch wirklich einmalig macht, hängt in einer abgedunkelten Kirche und hat eine Geschichte, die kaum zu glauben ist.
Das Große Zittauer Fastentuch: Das Fastentuch von 1472 ist mit 8,20 Metern Höhe und 6,80 Metern Breite das drittgrößte bekannte Hungertuch weltweit und das einzige seiner Art in Deutschland. Auf 56 Quadratmetern sind 90 biblische Szenen zu sehen. Kurz vor Kriegsende lagerten die Zittauer das Tuch auf der Burg Oybin aus; dort fanden es 1945 sowjetische Soldaten, zerschnitten es in vier Teile und nutzten es als Abdichtung einer provisorisch im Wald errichteten Sauna. Nach dem Abzug der Truppen wurde es im Wald zurückgelassen, von einem Dorfbewohner gerettet und ist nach aufwendiger Restaurierung seit 1999 wieder im Museum Kirche zum Heiligen Kreuz zu bewundern.
Das Kleine Zittauer Fastentuch: Das zweite Tuch aus dem Jahr 1573 hängt im Kulturhistorischen Museum im Franziskanerkloster. Von diesem Typ existieren weltweit nur acht Stück. Es zeigt die Kreuzigung Christi, umrahmt von 30 Symbolen der Passion.
Marktplatz und Rathaus: Der Marktplatz spiegelt den einstigen Reichtum der Stadt, die man früher "die Reiche" nannte. Das Rathaus im Renaissancestil und das Salzhaus, gebaut auf den Grundmauern der alten Salzkammer von 1389, rahmen den Platz ein. Vom 60 Meter hohen Turm der Johanniskirche hat man den besten Blick über die Dächer der Stadt bis hin zum Zittauer Gebirge.
Dreiländereck und Zittauer Schmalspurbahn: Weniger als zehn Kilometer von der Stadt entfernt treffen Deutschland, Polen und Tschechien aufeinander. Ein Denkmal erinnert an den Tag der Grenzöffnung durch die EU-Osterweiterung am 1. Mai 2004. Die historische Schmalspurbahn, der Volksmund nennt sie Zug ohne jede Eile, fährt ganzjährig durch das Zittauer Gebirge nach Oybin und Jonsdorf; eine nostalgische Fahrt, besonders für Familien mit Kindern.
Gut zu wissen: Zittau liegt nur wenige Kilometer von Liberec entfernt, der nächsten Station auf dieser Liste. Beide Städte lassen sich wunderbar an einem verlängerten Wochenende kombinieren.
Liberec (Tschechien): Märchenhaftes Rathaus, ältester Zoo und Bergabenteuer
Entfernung von Dresden: rund 130 Kilometer, etwa 1 Stunde und 45 Minuten mit dem Auto; von Zittau aus in rund einer Stunde erreichbar
Liberec ist die fünftgrößte Stadt Tschechiens mit rund 104.000 EinwohnerInnen und gleichzeitig einer der am meisten übersehenen Städtetrip-Tipps der Region. Dabei verbindet die Hauptstadt Nordböhmens prächtiges Stadtbild, eine lebhafte Kulturszene und eine außergewöhnliche Lage zwischen Jeschkengebirge und Isergebirge zu einem Paket, das kaum zu schlagen ist.
Rathaus am Marktplatz: Das Neorenaissance-Rathaus, erbaut zwischen 1888 und 1893, ist das bekannteste Bauwerk der Stadt. Mit seinen bunten Mosaikfenstern und dem mehr als 60 Meter hohen Turm ist es ein echter Blickfang. Führungen durch die prunkvollen Innenräume inklusive Turmaufstieg werden dienstags und donnerstags angeboten; der Eintritt in den Turm kostet rund 60 Tschechische Kronen.
Ještěd-Turm: Das Wahrzeichen über der Stadt ist der futuristische Fernsehturm auf dem 1.012 Meter hohen Hausberg Ještěd und gleichzeitig Hotel und Restaurant. Von der Aussichtsplattform reicht der Blick bis nach Deutschland und Polen. Mit der Seilbahn geht es bequem hinauf; wer mag, wandert den markierten Panoramaweg zum Gipfel. Im Winter ist der Ještěd eines der beliebtesten Skigebiete Nordböhmens.
Zoo und Botanischer Garten: Der Zoo Liberec wurde 1919 gegründet und ist damit der älteste zoologische Garten der ehemaligen Tschechoslowakei. Auf 14 Hektar leben Elefanten, Berberlöwen, rote Pandas und andere Exoten. Für den Besuch solltest Du bis zu drei Stunden einplanen. Direkt daneben liegt der älteste Botanische Garten Tschechiens mit zehn Pavillons, Tropenhäusern, fleischfressenden Pflanzen und einem Eingang durch einen Glastunnel über einem Großaquarium – ein Highlight besonders für Familien.
Nordböhmisches Museum und Glaskunst: Das Museum verbindet Naturkunde, Stadtgeschichte und Kunsthandwerk. Besonderes Highlight ist eine 26 Meter hohe Glasleiter im Innenraum, die die lange Tradition der Glasmacherei in der Region repräsentiert. Liberec liegt am Rande des sogenannten Kristalltals, das bis nach Jablonec nad Nisou reicht, einem Zentrum der Glas- und Schmuckmanufaktur, das sich für einen Halbtagesausflug lohnt.
Gut zu wissen: Wer mit dem Auto kommt, zahlt auf dem Abschnitt über die tschechische Autobahn Maut; die Kurzzeitvignette ist online kaufbar. In Liberec wird mit Tschechischen Kronen bezahlt; viele Restaurants akzeptieren jedoch auch Euro, wenn auch meist zu schlechtem Kurs.
So planst Du Deinen Ausflug ab Dresden
Meißen ist mit rund 24 Kilometern der nächstgelegene Tipp und eignet sich perfekt für einen spontanen Halbtagesausflug. Bautzen liegt auf dem direkten Weg nach Görlitz, sodass sich beide Städte gut an einem Tag kombinieren lassen. Zittau und Liberec bilden ein natürliches Paar: Wer im Dreiländereck übernachtet, hat an einem Wochenende beide Ziele entspannt im Griff. Für alle fünf Städte zusammen lohnt sich eine mehrtägige Rundreise durch die Oberlausitz mit einem Grenzübertritt nach Tschechien.
Mit dem Zug sind Meißen, Bautzen und Görlitz direkt von Dresden aus erreichbar. Für Zittau ist ein Umstieg in Bautzen nötig; nach Liberec fährt ab Zittau die Länderbahn, Fahrzeit circa 30 Minuten.