Die künstliche Insel Ostervilm vor Rügens Küste fungierte zu DDR-Zeiten als Entmagnetisierungsstation. Mittlerweile verfallen, gilt das Eiland als außergewöhnlicher Lost Place im Greifswalder Bodden. © mapman/Shutterstock.com
© mapman/Shutterstock.com

Versteigerung am 4. Juni

DDR-Relikt im Greifswalder Bodden: Verlassene Insel kommt unter den Hammer

Verwitterte Fassaden, rostige Stahlkonstruktionen und Vogelexkremente prägen das Bild. Inmitten des Greifswalder Boddens ragt eine verlassene Plattform aus der DDR-Ära empor, umspült von Ostseewasser, bewachsen mit Algen. Der ehemalige militärische Sperrbereich hat sich zu einem ungewöhnlichen Lost Place entwickelt – und steht nun vor einem Eigentümerwechsel.

Die Ostsee ist Heimat des zur Versteigerung stehenden DDR-Relikts. © ralfgosch/iStock via Getty Images
Die Ostsee ist Heimat des zur Versteigerung stehenden DDR-Relikts. © ralfgosch/iStock via Getty Images

Am 4. Juni wird die sogenannte Insel Ostervilm versteigert. Das Marine-Relikt vor Putbus gelangt über die Norddeutsche Grundstücksauktionen AG zur Auktion. Für die künstliche Insel inmitten der Ostsee wurde ein Auktionslimit von 39.000 Euro festgelegt.

Von der NVA-Anlage zum verfallenen Denkmal

Auf circa 600 Holzpfählen entstand die etwa 700 Quadratmeter messende Plattform in den 1950er-Jahren. Die NVA-Marine Lauterbach betrieb die Anlage seinerzeit als Entmagnetisierungsstation. Mithilfe von Kabelschleifen im Meer erhielten Marineschiffe Schutz vor Magnetminen – ein technischer Zeuge des Kalten Krieges, der heute nahezu unwirklich erscheint.

Mit dem Zusammenbruch der DDR begann der fortschreitende Verfall der Station. Schon zu Beginn der 2000er-Jahre veröffentlichte die Ostsee-Zeitung über ambitionierte Pläne für das Eiland. KünstlerInnen wollten aus Ostervilm einen kreativen Rückzugsort machen – mit Lesungen, Workshops und Ateliers mitten im Meer. Peer Wenmakers aus Bergen und der Düsseldorfer Künstler Gerhard Benz kauften die kleine Insel und sprachen damals sogar von einem sogenannten Sanatorium für die Seele.

Diese Vision blieb jedoch unrealisiert. Anstelle von Kunstprojekten dominieren heute bröckelnde Fassaden, zerbrochene Fenster und verrostete Stahlkomponenten das Erscheinungsbild. Der Objektbeschreibung zufolge wachsen Algen an den Mauern empor, hinzu kommen Setzungsrisse und erhebliche Verschmutzungen durch Vögel. Wegen des desolaten Zustands können vor der Auktion keine Besichtigungen stattfinden.

Außer Möwen gab es auf der Insel Ostervilm in den letzten Jahrzehnten nicht viele BesucherInnen. © vora/iStock via Getty Images
Außer Möwen gab es auf der Insel Ostervilm in den letzten Jahrzehnten nicht viele BesucherInnen. © vora/iStock via Getty Images

Dennoch übt die Plattform eine besondere Anziehungskraft aus. Sie befindet sich rund drei Kilometer östlich der Insel Vilm im Greifswalder Bodden und mutet an wie ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen. Auch eine mehr als eine Tonne schwere Keramikglocke von Gerhard Benz steht noch auf der Anlage – sie ist allerdings nicht automatisch im Kaufpreis enthalten.

Die künftige Verwendung des künstlichen Eilands bleibt ungewiss. Vorstellbar erscheint einiges zwischen Kunstprojekt, ungewöhnlichem Refugium oder einfach spektakulärem Lost Place. Gewiss ist lediglich: Wer den Zuschlag erhält, erwirbt keine malerische Privatinsel mit Sandstrand und Palmen, sondern ein Stück verrostete, ostdeutsche Vergangenheit mitten in der Ostsee.

Deutschland mit dem Mietwagen erleben

Alles aus einer Hand mit HolidayCheck Mietwagen
Mietwagen finden
Entdecke ähnliche Urlaubsthemen