Besonders baden
Pool im Schiffscontainer oder Bauhaus-Kulisse? Diese Freibäder sind einzigartig
Ein Sprung ins kühle Wasser geht fast überall, doch an manchen Orten wird die Abkühlung zum echten Erlebnis. Zwischen Bauhaus-Eleganz, rauer Industriekulisse und dunklem Moorwasser verbergen sich in Deutschland Freibäder, die mit dem grauen Standardbecken am Ortsrand wenig gemein haben. Diese elf Highlights bieten deutlich mehr als nur eine Erfrischung an heißen Tagen.
Werksschwimmbad Zollverein: Baden vor der Koksofenbatterie
Mitten im UNESCO-Welterbe Zollverein in Essen, dort wo bis vor wenigen Jahrzehnten Kohle zu Koks veredelt wurde, liegt heute eines der ungewöhnlichsten Freibäder des Ruhrgebiets. Die Frankfurter Künstler Dirk Paschke und Daniel Milohnic schweißten 2001 zwei Überseecontainer zu einem leuchtend blauen Becken zusammen – als Kunstwerk und Symbol für den Strukturwandel der Region. Das Becken misst rund 12 mal 5 Meter, fasst etwa 130.000 Liter Wasser und steht direkt vor der mächtigen Koksofenbatterie.
Eine Besonderheit: In die Containerwände wurden unter der Wasseroberfläche Fenster gefräst, durch die Du hinaus- und hineinschauen kannst. Der Eintritt ist frei, eine Badeaufsicht wacht über die Gäste. Perfekt für Kulturreisende, Fotobegeisterte und alle, die Baden gern mit einem Hauch Ruhrpott-Geschichte verbinden.
Opelbad Wiesbaden: Bahnen ziehen über den Dächern der Stadt
Hoch oben auf dem Neroberg, Wiesbadens Hausberg, liegt das vielleicht aussichtsreichste Freibad Deutschlands. Schon 1934 als Schwimm- und Sonnenbad eröffnet – ermöglicht durch eine Stiftung des Geheimrats Wilhelm von Opel – besticht das Bad bis heute durch seine helle, an Schiffsarchitektur erinnernde Bauhaus-Bauweise mit deckartigen Terrassen.
Vom beheizten Becken aus schweift der Blick über die Stadt und die Weinberge, die sich direkt unterhalb des Bades den Hang hinunterziehen. Wer früh kommt, zieht seine Bahnen fast allein und mit Panorama. Ideal für alle, die Sport, Stil und Aussicht verbinden möchten und für alle, die bei einem Kaffee die Kulisse auf sich wirken lassen.
Felsenbad Pottenstein: Schwimmen am Fuß der Felswand
In der Fränkischen Schweiz, am Ortsrand von Pottenstein, liegt eines der ältesten Freibäder Bayerns – eingerahmt von einer steil aufragenden, weißen Kalksteinwand. Schon 1926 im Jugendstil erbaut, wurde das Felsenbad 2001 in einen Naturbadeteich umgestaltet. Seither reinigen Schilf, Seerosen und andere Wasserpflanzen das weiche Quellwasser ganz ohne Chemie. Wo früher direkt vom Felsen ins Wasser gesprungen, geht es heute von einer kleinen Seebühne hinein. Statt Rutschen und großem Programm gibt es hier vor allem Atmosphäre – und ein charmantes Café, das auch ohne Badeintritt zugänglich ist.
Ein Ziel für Ruhesuchende, Naturbegeisterte und alle, die ihren Badetag mit einer Wanderung oder einem Höhlenbesuch verbinden.
Moorbad Oberstdorf: Dunkles Naturwasser vor Alpenkulisse
Auf einer Anhöhe südlich von Oberstdorf erwartet Dich ein Freibad, das gleich in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen fällt. Das Moorbad ist das einzige denkmalgeschützte Freibad Schwabens; die Anlage geht auf das Jahr 1883 zurück, die heutigen Gebäude stammen aus den späten 1920er-Jahren und versprühen den Charme dieser Zeit. Gespeist wird das Bad aus dem benachbarten Moorweiher: Humin- und Fulvosäuren färben das Wasser charakteristisch bräunlich-gelb. Weil es stetig zu- und abfließt und sich selbst reinigt, kommt das Moorbad ganz ohne chemische Zusätze aus. Dem dunklen Wasser werden zudem wohltuende Wirkungen auf das Wohlbefinden nachgesagt.
Rundherum: Alpenpanorama, ein Moorlehrpfad und eine große Liegewiese. Besonders geeignet für Familien, gesundheitsbewusste Gäste und alle, die Natur und Bergblick suchen.
Naturbad Maria Einsiedel: Wie im Bach mitten in München
Mitten in den Isarauen im Stadtteil Thalkirchen, nahe dem Tierpark Hellabrunn, liegt eines der schönsten Freibäder Münchens. Schon seit Ende des 19. Jahrhunderts wird hier gebadet, doch das Besondere kam später: Seit 2008 verzichtet das Maria Einsiedel komplett auf Chlor. Mikroorganismen und Kiesfilter unter den Liegewiesen halten das Wasser auf natürliche Weise sauber.
Über fast 400 Meter fließt ein Isarkanal mitten durch das Gelände – herrlich kalt und beliebt bei allen, die sich gern durch die Strömung treiben lassen. Dazu kommen ein 50-Meter-Becken, ein Nichtschwimmerbereich und ein abgetrennter Bereich für Freikörperkultur (FKK) – einer der ältesten seiner Art. Mit dem alten Baumbestand fühlt sich alles eher wie ein Badesee an als wie ein Stadtbad. Ideal für Familien und alle, die naturnah und ohne Chlorgeruch schwimmen möchten.
Terrassenschwimmbad Bad Kissingen: Baden in 50er-Jahre-Eleganz
Wie ein botanischer Garten schmiegt sich das Terrassenschwimmbad in Bad Kissingen an den Finsterberg. 1954 mit Unterstützung der amerikanischen Alliierten eröffnet, gilt die denkmalgeschützte Anlage mit ihrer 1950er-Jahre-Architektur und dem charmanten Café-Pavillon als eines der schönsten Freibäder Deutschlands.
Über Serpentinen aus Bruchstein führt der Weg durch das weitläufige Gelände, vorbei am 50-Meter-Sportbecken und dem markanten 10-Meter-Sprungturm. Eine 85 Meter lange Hangrutsche schickt mutige Gäste ins Becken, während über 10.000 Rosen für die parkähnliche Kulisse sorgen.
Vom Hang reicht der Blick über die Saale-Aue bis zu den Bergen der Rhön. 2026 öffnete das Bad nach umfassender Sanierung wieder. Ein Ziel für Architekturbegeisterte, sportlich Aktive und Familien, die einen ganzen Tag einplanen möchten.
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Strandbad Wannsee Berlin: Ostsee-Strand mitten in der Großstadt
Am Ostufer des Großen Wannsees, im Südwesten Berlins, liegt eines der ungewöhnlichsten Freibäder des Landes – weniger Schwimmbecken als vielmehr ein kompletter Strand. Mit seinem rund 1,3 Kilometer langen Sandstrand gilt das Strandbad Wannsee als größtes Binnensee-Freibad Europas; an heißen Tagen finden hier mehrere Tausend Gäste Platz. Gebadet wird hier schon seit 1907, sein heutiges Gesicht erhielt das Bad jedoch zwischen 1929 und 1930: Wegen der Weltwirtschaftskrise wurde nur die Hälfte des geplanten "Weltstadtbads" verwirklicht; der denkmalgeschützte Komplex beeindruckt bis heute. Dazu kommen Strandkörbe, eine Wasserrutsche und weite Liegeflächen. Ideal für Familien, Sonnenhungrige und alle, die Meeresfeeling ohne Meer suchen.
Inselbad Untertürkheim: Stuttgarts Badeinsel im Neckar
Kaum ein Freibad liegt so reizvoll wie das Inselbad in Stuttgart-Untertürkheim: Es thront auf einer künstlich angelegten Insel im Neckar. Zwischen 1927 und 1929 erbaut, ist es Stuttgarts ältestes und zugleich größtes Freibad – und steht als Kulturdenkmal unter Schutz. Mitte der 2000er-Jahre saniert, bietet es heute fünf Becken, darunter ein 50-Meter-Sportbecken und ein langes Familienbecken. Dazu kommen ein 10-Meter-Sprungturm, eine 90 Meter lange Großrutsche und ein FKK-Bereich mit eigenem Schwimmbecken. Der alte Baumbestand spendet Schatten, das Wasser des Neckars umrahmt die ganze Anlage. Ein vielseitiges Bad für sportlich Aktive, Familien und alle, die zwischen den Becken etwas Flussromantik genießen möchten.
Sommerbad Olympiastadion Berlin: Baden im historischen Schwimmstadion
Wer in Berlin sportlich Bahnen ziehen und dabei Geschichte spüren möchte, ist im Sommerbad Olympiastadion richtig. 1935 als Teil des zwischen 1934 und 1936 errichteten Olympiageländes erbaut, war das Schwimmstadion Austragungsort der Schwimmwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 1936. Bis heute prägt die monumentale, steinerne Architektur die Anlage: ein 50-Meter-Becken, ein separates Sprungbecken mit Plattformen bis zehn Meter Höhe und zwei Nichtschwimmerbecken. Seitlich rahmen zwei originale Zuschauertribünen das Bad ein – sie sind zwar sanierungsbedürftig und gesperrt, verleihen dem Ort aber eine besondere Stimmung. Von Mai bis September kommen hier sportlich Aktive, mutige Turmspringende und Geschichtsinteressierte gleichermaßen auf ihre Kosten.
Meerwasserfreibad Dornumersiel: Nordsee-Baden bei Ebbe
An der ostfriesischen Nordseeküste, fast direkt am Strand von Dornumersiel, sorgt ein Freibad dafür, dass die Abkühlung nicht von den Gezeiten abhängt. Wenn das Wattenmeer bei Ebbe weit draußen liegt, springst Du hier weiterhin in ein beheiztes Meerwasser-Becken. Rund 1.500 Quadratmeter Wasserfläche, ein Sprungturm mit 1- und 3-Meter-Brett sowie ein abgetrennter Nichtschwimmerbereich mit Wasserrutsche und Spielgeräten stehen bereit – und das Ganze ohne Chlor, dafür mit echtem, mineralreichem Nordseewasser. Geöffnet ist es bis September. Ein ideales Ziel für Familien im Strandurlaub und für alle, die das Meer lieben, aber lieber in angenehm temperiertem Wasser schwimmen als in der kühlen Nordsee.
Badeschiff Berlin: Schwimmbad in der Spree
Schwimmen mit Blick auf die Berliner Skyline? Genau das macht das Badeschiff Berlin so besonders. Statt auf einer Liegewiese am Stadtrand liegt das Becken direkt auf der Spree und gehört damit zu den ungewöhnlichsten Badeorten Deutschlands. Das Herzstück ist ein rund 32 Meter langes Schwimmbecken, das auf einem umgebauten Frachtschiff installiert wurde. Während andere Freibäder auf Naturidylle setzen, verbindet das Badeschiff urbanes Lebensgefühl mit Sommerurlaub mitten in der Hauptstadt.
Besonders beeindruckend ist die Kulisse: Von der Wasserfläche aus schweift der Blick über die Spree, die Oberbaumbrücke und die moderne Architektur entlang des Flusses. Gerade an warmen Sommerabenden entsteht hier eine Atmosphäre, die eher an Metropolen wie Kopenhagen oder Amsterdam erinnert als an ein klassisches Freibad in Deutschland. Dazu kommen ein Sandstrand, Liegeflächen und regelmäßige Veranstaltungen, die den Ort zu einem beliebten Treffpunkt für BerlinerInnen und Gäste machen.
Das Badeschiff eignet sich vor allem für alle, die Baden mit einem besonderen Stadterlebnis verbinden möchten. Wer auf der Suche nach Rutschen, Sprungtürmen oder Familienanimation ist, wird hier weniger fündig. Dafür kommen Architektur- und Designfans, Städtereisende, Paare und alle, die außergewöhnliche Orte lieben, voll auf ihre Kosten. Das Badeschiff beweist, dass ein Sprung ins kühle Wasser auch mitten in einer Großstadt zu einem echten Urlaubsmoment werden kann.
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