Stefan (46-50)
Verreist als PaarSeptember 20222 Wochen StrandGrand Hyatt Bali - Licht und Schatten
4,0 / 6
Sehr großes Hotel, schöne Anlage, sauberer, breiter Sandstrand, fantastisches Essen, unfähige Rezeption, sehr viele junge Familien mit kleinen Kindern, entsprechend in einigen Bereichen und beim Frühstück häufig sehr laut, Publikum sehr gemischt. Netter Service, teilweise aber etwas unorganisiert. Sauberkeit der Zimmer unterschiedlich.

Lage & Umgebung
5,0
Die Anlage ist sehr schön gestaltet, uns fehlt aber der gewisse Charme. Da sagen Fotos sicher mehr als tausend Worte. Wir vergleichen die Anlage eher mit einem sehr gut gepflegten Stadtpark, es fehlen aber individuelle Rückzugsecken, wo man sich mal in Ruhe mit einem Buch hinlegen kann. Obwohl sich hier sehr viele Eltern mit kleinen Kindern tummeln schafft man es allerdings, die Anlage sehr sauber zu halten. Das Wasser im Pool an der Wasserrutsche ist verdächtig trübe und riecht sehr nach Chlor. Generell sind die Pools nichts für uns, alles ein bißchen Massenabfertigung.
Das Hotel hat einen privaten Strandabschnitt der sehr breit ist, dort gibt es eine Poolbar und ein paar Bäume, die Schatten spenden. Unmittelbar neben dem Drohnenverbotsschild flog auch schonmal eine Drohne irgendeines unverbesserlichen Deppens (und ich sage das als Drohnenpilot, es drohen allerdings bis zu 3 Jahre indonesischen Knasts, da das Hotel innerhalb des 15 km - Radius um den Flughafen liegt, nur mal so nebenbei). Da fühlt man sich gleich wie in Deutschland: Es gibt einen Haufen Schilder und Regeln, nur durchsetzen will die irgendwie keiner. Am Strand laufen fliegende Händler herum, allerdings pro "Produkt" (Drachen, Schmuck, Bilder, etc.) meist nur einer bis maximal 2. Es scheint vom Hotel geduldet und reglementiert zu sein.
Die Bali Collection, eine ehemalige Einkaufsmeile ist über die Pandemie hinweg zu ungefähr 2/3 verwildert (ja, tatsächlich von Pflanzen überwachsen) und dementsprechend nur partiell geöffnet und eingeschränkt zu nutzen (Stand 09/2022), es wird aber an allen Enden und Ecken gearbeitet, vermutlich wird sie bald wieder im alten Glanz erstrahlen. Der Eingang ist quasi unmittelbar gegenüber von der Einfahrt des Grand Hyatt. Das Hotel liegt in Nusa Dua, einem grundsätzlich gepflegteren und ruhigeren Touristenviertel von Bali, nicht zu vergleichen mit z.B. Kuta, das eigentlich nur aus chaotischem Verkehr besteht. Ausflüge unterschiedlichster Art kann man im Hotel buchen (über eine TUI-Tochter) oder über entsprechende Angebote im Internet. Fast alle Angebote beinhalten einen Pickup-Service am Hotel.

Zimmer
4,0
Wir hatten zunächst einen Ocean View Room im Erdgeschoss des South Village. Die Zimmertür war mit einem „Desinfected“-Siegel versiegelt. Ebenso gab es so ein Siegel an der Fernbedienung. Das Zimmer war allerdings für ein 5-Sterne-Hotel unwürdig schlecht gereinigt. Staub, Seifenreste, Krümel auf dem Boden, Muscheln am Badewannenrand, die die Gäste vor uns offensichtlich dort vergessen hatten, Abfluss dreckig, eine Wandlampe auf halb acht, ein vergessenes Stück Butter vom Vorgänger in der Minibar - alles Zeichen dafür, dass der ganze Betrieb - zumindest was die Zimmer angeht - absolut lieblos geführt wird. Offenbar hat man es nicht nötig, sich um so unwichtige Belange wie Sauberkeit und Ordnung in einem „5-Sterne“-Zimmer zu kümmern. Dass nach 2,5 Jahren pandemiebedingter Flaute nicht alles repariert und in Schuss ist (wie z.B. die Lampenabdeckung vor unserer Tür und generell die Balken in diesem Bereich), kann man noch nachvollziehen. Fehlendes Interesse an Sauberkeit und Ordnung in den Zimmern hingegen nicht! Auf Bitte bei der Rezeption, nochmal jemanden zum WIRKLICH Saubermachen zu schicken, kam dann auch jemand, das Zimmer sah allerdings danach genauso aus wie zuvor.
Unsere Tür hat leider gehakt und konnte nur lautstark mit einem Ruck geschlossen werden, was nicht so wichtig ist, weil wir meist bereits recht früh im Bett sind - es wird ja auf Bali auch früh dunkel. Leider sind die Zimmer aber auch extrem hellhörig, so dass wir es bereits mitkriegen, wenn unsere Zimmernachbarn einen Stecker in die Steckdose an der Verbindungswand stecken. Geschweige denn, wenn einer 3x die Nacht draußen rauchen muss und danach immer die Terassenschiebetür zuknallt. Am zweiten Abend gab’s dann noch eine Veranstaltung genau im Strandabschnitt vor unserem Zimmer. Angekündigt war Lärm bis 21:00 Uhr, Ruhe war dann von dort etwas über eine Stunde später. Schwamm drüber.
In der Nacht auf den 17.9. hatten wir das zweifelhafte Glück, einen Haufen junger Leute, vermutlich Indonesier aus einem anderen Teil Indonesiens, als Nachbarn zu haben. Zweimaliges Beschweren bei der Rezeption hat leider nicht verhindern können, dass sich die Gentlemen nebst ihren 2 weiblichen Bekanntschaften in einer Gesamtstärke von ca. 6-8 Leuten nicht gerade leise Bintang konsumierend auf dem Balkon neben unserem unterhalten haben. Und zwar bis kurz vor 5 Uhr morgens. Wie es dann heutzutage so üblich ist, wechseln dann diejenigen das Zimmer, die sich NICHT falsch verhalten haben.
In diesem Fall war das aber nicht schlimm, denn das neue Zimmer gefiel uns deutlich besser, es war auch wesentlich sauberer. Auch die Tür funktionierte wie vorgesehen. Am Nachbarhotel gab es ab Nachmittags dafür fast täglich Beschallung, die war aber um 22:00 Uhr vorbei, für uns kein Problem. Das neue Zimmer ist auch der einzige Grund für die relativ positive Zimmerbewertung, das erste Zimmer hätte von uns nur 2 Sterne bekommen.

Service
4,0
Den Service muss man unterteilen in "Alles andere" und "Rezeption". Die Angestellten vor Ort, z.B. in den Restaurants, am Strand oder auch in der Anlage, sind alle extrem freundlich, um guten Service bemüht und sehr angenehm. Die Inkompetenz der Rezeption hingegen ist nicht in Worte zu fassen.
Wir kamen um 16:00 Uhr vom Flughafen! Um diese Zeit waren unsere Zimmer aber immer noch nicht fertig! Mensch - wer hätte nach monatelang bestehender Buchung damit rechnen können, das wir tatsächlich wie angekündigt auf der Matte stehen? Der Begrüßungsdrink erinnerte an Hagebuttentee und war bislang der schlechteste Begrüßungsdrink, den wir je irgendwo hatten. Man hat uns dann als „Entschädigung“ für das unfertige Zimmer einen Pizzeria-Gutschein in die Hand gedrückt und wir wurden von einer netten, aber offenbar nicht ganz kundigen Mitarbeiterin zum italienischen Restaurant geführt - welches dann auch pünktlich seit 16:00 Uhr bereits geschlossen hatte. Natürlich haben wir unser gesamtes Handgepäck selber über die Anlage geschleppt. Als Alternative hat man uns dann in voller Montur an einen Plastiktisch an der Poolbar in den Halbschatten gesetzt, wo wir allerdings auf’s Essen verzichtet haben. Getränke, die in der Hitze vielleicht angenehmer gewesen wären als ein Stück Pizza, gingen trotz der Unannehmlichkeiten leider nicht auf’s Haus. Man wollte uns anrufen, sobald das Zimmer fertig war. Als nach 30 Minuten noch nichts passiert war, bin ich dann mal nach vorne und habe gebeten, einmal auszuprobieren, ob das Handy funktioniert, da wir eine Dual-SIM genutzt haben. Abgesehen davon, dass das tatsächlich funktioniert hat, hat der Mitarbeiter an der Rezeption mich dann wissen lassen, dass das Zimmer inzwischen fertig sei. Ich teilte ihm mit, wo wir sitzen und bat darum, jemanden zu schicken, der uns auf’s Zimmer bringt. Als dieser jemand nach weiteren 15 Minuten noch immer nicht aufgetaucht war, haben wir dann beschlossen, unser Zimmer auf eigene Faust zu suchen. Netterweise hat uns dann ein Kellner der Poolbar (!!!) zum Zimmer begleitet, nachdem er zuvor bereits für uns an der Rezeption nachgefragt hatte und ihm dort ebenfalls zugesagt wurde, dass jemand kommen würde. Vermutlich kennt er das Spiel bereits und hatte Mitleid. Eine Einführung, z.B. wo was auf dem riesigen Gelände zu finden ist, nähere Informationen zu den Restaurants, zum Strand und beispielsweise der Bedeutung der dortigen Flaggen, gab es leider nicht. Im Badezimmer standen 2 Flaschen Wasser. Wir schlossen daraus und aus dem Umstand, dass sich das Leitungswasser insgesamt recht seifig angefühlt hat, dass letzteres nicht zum Zähneputzen geeignet ist. Eine Info hierzu wäre ebenfalls nett gewesen! Einen Lageplan des Hotels - und die Anlage ist wirklich riesig - bekamen wir nur auf Nachfrage. Kurzum: Diese Rezeption macht absolut keinen vertrauenserweckenden Eindruck. Der „Infochannel“ zeigt ein Standbild, das besagt, man solle sich bei Feuer oder Erdbeben am Tennisplatz treffen. Aha. By the Way: Der Tennisplatz ist von unserem Zimmer ca. 15 Minuten Fußmarsch entfernt und nicht leicht zu finden, während aber nur wenige Meter vor unserem Zimmer am Strand ein Sammelplatz ist. Sinnvoll, gell? Und nein, für den Fall eines Tsunamis ist der Tennisplatz nicht gedacht, der liegt nämlich ebenerdig.
Beim Auschecken hat man uns dann trotz Halbpension eine Abendessen voll berechnen wollen. Das zu klären hat des Auscheckvorgang auf 45 Minuten gedehnt. Erst musste die Mitarbeiterin durch das halbe Hotel telefonieren, ob das denn auch seine Richtigkeit habe (nebenbei: wir waren einmal auswärts essen und hatten somit noch einen Halfboard Voucher übrig, den hätte man alternativ auf kurzem Dienstweg unmittelbar verrechnen können), dann hat sie nach 30 min. die Rechnung korrigiert, die korrigierte dann ausgedruckt und uns dann einfach vergessen und sitzen lassen...

Gastronomie
5,0
Was das Essen angeht, so gibt es primär 2 Restaurants: Ein italienisches im Poolbereich ("Salsa Verde") und das sogenannte "Garden Café", welches jedoch trotz des Namens ein vollwertiges Restaurant ist, in der Nähe der Lobby. Zwei weitere haben wohl jeweils nur an bestimmten Tagen geöffnet. Wir waren zunächst nur im Garden Café. Dort gibt es unter anderem echte balinesische Gerichte. Die Mitarbeiter sind extrem freundlich und das Essen ist hervorragend! Die Bedienung könnte manchmal ein wenig effizienter arbeiten (Kaffee zu Beginn des Frühstücks wäre schön, es kann aber auch passieren, dass der erst als „Nachtisch“ gebracht wird), ist aber alles noch im Rahmen. Das Frühstück ist sehr gut, einige Dinge, wie Gebäck, sind hinter Glas und werden von einem Mitarbeiter hinter der Theke herausgegeben, was der Hygiene in der Theorie sehr zuträglich ist. Das Obst ist frisch und extrem lecker. Wer drinnen sitzen möchte, sollte sich warm anziehen, denn alle Tische werden von der Klimaanlage bepustet und die ist so kalt eingestellt, dass die Wahrscheinlichkeit sich zu erkälten extrem groß ist. Wir haben deswegen zugesehen, dass wir immer draußen einen Platz bekommen. Draußen darf geraucht und gedampft werden, das ist dann halt der Preis, den man als Nichtraucher zahlen muss. Am Samstag war das Garden Café leider geschlossen. Das Slalsa Verde hatte nur noch einen Tisch in der ungemütlichsten Ecke, so dass wir das heute anstelle des Garden Café’s geöffnete japanische Restaurant besucht haben. Was es hier gab, war nicht so wirklich unseres („Salmon Head“ ??? WTF?), die Tempura waren extrem ölig und etwas unbekömmlich.
Das Publikum ist gemischt und leider nicht selten zum Fremdschämen. (Unglücklicherweise generell ein zunehmender Trend.) Muskelshirts sind an der Tagesordnung, dabei werden die Muskeln jedoch in der Regel entweder durch Streichhölzer oder durch Fettberge ersetzt. Beide Ausprägungen haben meist Tattoos unterschiedlicher Qualität, Größe und Farbgebung, die entgegen dem Irrglauben ihrer Besitzer letzteren fast niemals cool sondern fast immer nur noch peinlicher erscheinen lassen. Der Spuckschutz am Buffet führt grundsätzlich dazu, dass sich die hochbegabten 5-Sterne-Gäste seitlich daneben stellen, dann fällt es auch deutlich leichter, seine Viren auf dem potenziellen Frühstück der anderen zu verteilen. Masken sind eine Empfehlung, die maximal von 1% der Gäste (allerdings von allen Angestellten) berücksichtigt wird. Dementsprechend ist der Anteil der hustenden Menschen hoch. Und wenn man dann der Mutti mit den 3 Kindern beim Frühstück zuschaut, wie sie 10 Gebäckteilchen in eine der großen Stoffservietten knotet und das ganze Paket dann mitgehen lässt - direkt in doppelter Ausführung - dann fragt man sich, ob am nächsten Tag wenigstens noch Tische und Stühle von der Kleptomanie verschont geblieben sein werden. Dann schocken einen auch beim Frühstück irgendwann kaum noch Leute, die im Halbschneidersitz zwischen Ihren Zehen pulen, sich dann einen Pickel ausdrücken, anschließend unter den Acrylnägeln nach Essbarem oder vielleicht Edelmetallen auf die Suche gehen, bevor sie genüsslich irgendein süßes Chemieerzeugnis dampfen, während die Kinder Eichhörnchen jagen. Und nein, wir haben inzwischen nicht den Schauplatz gewechselt, wir sind immer noch in einem 5-Sterne-Hotel. Dafür kann das Hotel leider nichts, derartige Anblicke sind aber für aufrecht gehende Homo sapiens sapiens beim Frühstück schwer erträglich und trüben das Gesamterlebnis. Man erwartet so etwas hier einfach nicht, wir sind ja nicht in einer Halbstarkenabsteige auf Malle.

Hotel
4,0

Preis-Leistungs-Verhältnis: Angemessen
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Infos zur Reise
Verreist als:Paar
Kinder:Keine Kinder
Dauer:2 Wochen im September 2022
Reisegrund:Strand
Infos zum Bewerter
Vorname:Stefan
Alter:46-50
Bewertungen:16