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Lahemaa-Nationalpark in Estland ©Eloi_Omella/iStock / Getty Images Plus via Getty Images
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Coolcation

Das Baltikum von seiner schönsten Seite: Roadtrip durch Estland und Saaremaa

Mittelalterliche Altstädte, endlose Kiefernwälder, Meteoritenkrater mitten im Grünen und eine Insel, auf der die Zeit noch anders tickt. Estland ist Nordeuropas best gehütetes Geheimnis und am schönsten entdeckt man es mit dem Auto. Dieser Roadtrip führt von Tallinn durch den Lahemaa-Nationalpark bis zur Fähre nach Saaremaa und zurück über Pärnu an die Küste. Für alle, die Entschleunigung suchen, ohne auf Kultur zu verzichten.

Flexibel reisen mit dem passenden Mietwagen

Alexander Nevsky Kathedrale, Tallinn
Alexander Newski Kathedrale, Tallinn © Getty Images - artherng

Tallinn: Mittelalter trifft Digital Republic

Wem zu Estland die Vorstellung fehlt, dem sagt oft zumindest schon einmal der Name Tallinn etwas. Die Altstadt der Hauptstadt gehört mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen, wuchtigen Stadtmauern und der orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale auf dem Domberg zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist tatsächlich so beeindruckend, wie die Fotos es versprechen. Im Sommer füllt sich der Rathausplatz mit Märkten und Konzerten und die Terrassen der Restaurants sind bis spät in die Nacht besetzt.

Wenn Du mehr als einen Tag in der Hauptstadt hast, solltest Du unbedingt Luft außerhalb der Touristenzone schnuppern: Das Kalamaja-Viertel nordwestlich der Altstadt zeigt ein anderes Tallinn: Holzhäuser in Pastellfarben, Streetart und Cafés mit Hinterhofgarten. Hier lebt die Stadt, nicht nur ihre Geschichte. Für den Start eines Roadtrips ist Tallinn ideal: Mietwagen gibt es direkt am Flughafen und die Straßen aus der Stadt heraus führen Dich schnell ins Grüne.

Tipp: Wenn Du am Abend vor der Abfahrt noch einmal die Altstadt sehen willst, stell das Auto am besten ab und laufe. Parkplätze in der Innenstadt sind im Sommer knapp und teuer.

Lahemaa-Nationalpark in Estland ©Eloi_Omella/iStock / Getty Images Plus via Getty Images
Lahemaa-Nationalpark in Estland ©Eloi_Omella/iStock / Getty Images Plus via Getty Images

Lahemaa-Nationalpark: Estlands grüne Stille

Etwa 70 Kilometer östlich von Tallinn beginnt der Lahemaa-Nationalpark. Dies ist der größte Estlands und einer der ältesten Nationalparks der ehemaligen Sowjetunion. Was hier auf Dich wartet ist keine Sehenswürdigkeit im klassischen Sinne, sondern ein Zustand der Stille und Weite mit Kiefernduft.

Die Landschaft wechselt zwischen Küstenfelsen, Mooren und alten Herrenhäusern aus der Gutsherrenzeit. Das Herrenhaus Palmse ist das bekannteste und gut restauriert, Sagadi lohnt sich als ruhigere Alternative. Wen Du wandern willst, nimm den Küstenpfad bei Käsmu, das sogenannte Kapitänsdorf. Was früher ein Zentrum des Schmuggelhandels war, ist heute ein Ort mit gepflegten Holzhäusern und einem kleinen Dorfmuseum.

Im Sommer sind die Tage lang, das Licht flach und golden. Wenn Du früh aufstehst, hast Du die Wege für Dich allein. Braunbären gibt es im Lahemaa zwar seltener als in anderen Teilen Estlands, aber Spuren im weichen Waldboden oder im Schlamm am Moorrand sind keine Seltenheit.

Tipp: Übernachten lässt es sich gut in Võsu direkt an der Küste. Im Sommer unbedingt rechtzeitig buchen, denn das Dorf ist bei Esten ein beliebtes Wochenendziel.

Luftblick auf das kleine Städtchen Haapsalu in Estland. (c) 2017 Volar Studio/Shutterstock.
Luftblick auf das kleine Städtchen Haapsalu in Estland. (c) 2017 Volar Studio/Shutterstock.

Haapsalu: Kurze Pause an der Westküste

Auf dem Weg von Lahemaa Richtung Fähre liegt Haapsalu. Das Städtchen war im 19. Jahrhundert ein beliebter Kurort und auch Tschaikowski soll hier schon Urlaub gemacht haben. Die Bischofsburg am Wasser ist das Wahrzeichen der Stadt und die hölzerne Uferpromenade lädt zu einem gemütlichen Spaziergang ein.

Haapsalu gehört nicht unbedingt zum Pflichtprogramm auf einem Estland-Roadtrip, aber ist ein guter Zwischenstopp für Kaffee und Mittagessen, bevor es Richtung Virtsu zur Fähre geht. Im Sommer gibt es auf der Burg regelmäßig Open-Air-Konzerte und das Weiße-Damen-Festival, eine lokale Legende rund um ein Geisterphänomen, das die Promenade in märchenhaftes Licht taucht.

Frau an der Uugu-Klippe auf der Muhu-Insel bei Saaremaa in Estland an einem sonnigen Tag. (c) 2021 Janis Eglins/Shutterstock.
Frau an der Uugu-Klippe auf der Muhu-Insel bei Saaremaa in Estland an einem sonnigen Tag. (c) 2021 Janis Eglins/Shutterstock.

Mit der Fähre nach Saaremaa: Ankommen, durchatmen

Die Fähre fährt von Virtsu nach Muhu, also nicht direkt nach Saaremaa, denn die größte estnische Insel ist über einen Damm mit der kleineren Insel Muhu verbunden. Die Überfahrt dauert etwa 25 Minuten. Tickets lassen sich online vorbuchen, im Sommer empfiehlt sich das dringend, denn die Fähren sind beliebt und die Wartezeiten können lang werden.

Muhu selbst ist auf jedem Fall einen Stopp wert: Die Steilküste Üügu im Norden der Insel, gerade einmal fünf bis sieben Meter hoch und kaum bekannt, gibt einen ersten Vorgeschmack auf das, was Saaremaa ausmacht. Eine Landschaft ohne große Dramatik, aber definitiv mit eigenem Charakter. Dann geht es über den Damm und Deine Zeit auf Saaremaa beginnt.

Tipp: Wenn Du flexibel bist, fahre früh morgens hinüber, so hast Du den ganzen Tag auf der Insel. Die letzte Fähre zurück fährt spät abends (für Spontane mit Ticket-Glück).

Der schwarz-weiße Leuchtturm der Sorve steht hoch auf einem Grasfeld nahe der Ostseeküste auf der Insel Saaremaa, Estland. (c) 2025 Tomasz Wozniak/Shutterstock.
Der schwarz-weiße Leuchtturm der Sorve steht hoch auf einem Grasfeld nahe der Ostseeküste auf der Insel Saaremaa, Estland. (c) 2025 Tomasz Wozniak/Shutterstock.

Saaremaa: Windmühlen, Meteoritenkrater und Steilküsten

Saaremaa ist die viertgrößte Ostseeinsel und hat sich ihre eigene Identität bewahrt. Die Straßen hier sind ruhig, die Dörfer klein, die Landschaft geprägt von Wacholderheiden, alten Wehrkirchen und kilometerlangen Küstenstreifen. Zugvögel rasten hier, Robben tummeln sich in den Buchten und Orchideen wachsen auf den Kalksteinwiesen. Eine Flora, die es so nur hier gibt.

Kuressaare ist das Zentrum der Inse und eine hübsche Kleinstadt mit einer der besterhaltenen mittelalterlichen Ordensburgen des Baltikums direkt am Wasser. Im Sommer herrscht hier entspanntes Treiben auf den Terrassen und das Spa-Angebot der Stadt – Kuressaare ist seit dem 19. Jahrhundert als Kurort bekannt – ist ausgezeichnet.

Nördlich der Stadt stehen die Angla-Windmühlen, fünf Bockwindmühlen auf einem Hügel, die zum Symbol der Insel geworden sind. Ein kurzer Stopp und ein wunderschönes Foto. Weiter geht es zum Kaali-Meteoritenkrater. Vor etwa 4.000 Jahren schlug hier ein Meteorit ein und hinterließ einen kreisrunden See von rund 100 Metern Durchmesser. In lokalen Sagen galt der Krater als heiliger Ort und ist ein stilles Gewässer, eingerahmt von Wald, mitten im Nirgendwo.

An der Nordküste wartet die Panga-Steilküste, die eindrucksvollste Küstenformation der Insel, mit Klippen, die bis zu 20 Meter senkrecht ins Wasser fallen. Im Sommer besonders schön am frühen Morgen, wenn noch Nebel über der Ostsee hängt.

Wenn Du bis zur Südspitze fährst, findest Du am Sõrve Säär einen der einsamsten Orte der ganzen Route. Hier liegt eine schmale Landzunge, die weit ins Meer hinausragt, mit dem höchsten Leuchtturm der Insel am Ende. Im Zweiten Weltkrieg befand sich dort eine der letzten Stellungen der Wehrmacht und diese Geschichte liegt noch spürbar in der Luft.

Tipp: Für Saaremaa solltet u mindestens zwei Nächte einplanen. Die Insel erschließt sich am besten langsam mit kurzen Pausen und ohne Zeitdruck.

Luftaufnahme des Strandes von Pärnu, einem Badeort an der Küste der Ostsee in Estland. (c) 2025 Alexandre.ROSA/Shutterstock.
Luftaufnahme des Strandes von Pärnu, einem Badeort an der Küste der Ostsee in Estland. (c) 2025 Alexandre.ROSA/Shutterstock.

Pärnu: Die Sommerhauptstadt Estlands

Zurück auf dem Festland führt Dich die Route südlich nach Pärnu, Estlands inoffizielle Sommerhauptstadt. Die Stadt lebt im Juli und August richtig auf. Der breite Sandstrand ist der schönste des Landes, die Promenade gesäumt von Holzvillen aus dem frühen 20. Jahrhundert und die Cafés und Bars sind gut besucht, aber nicht überlaufen.

Pärnu hat keinen großen Sehenswürdigkeitenkatalog und gerade das ist auch das Entspannte an dem Ort. Man kommt hierher, um zu spazieren, zu essen und am Abend am Wasser oder weitläufigen Strand zu sitzen. Kleiner Pluspunkt: das Wasser der Ostsee ist im Sommer überraschend warm. Hier erlebst Du einen guten letzten Abend vor der Rückfahrt nach Tallinn.

Pärchen im Auto mit einer Landkarte. (c) 2020 Romvy/Shutterstock.
Pärchen im Auto mit einer Landkarte. (c) 2020 Romvy/Shutterstock.

Praktische Infos: Estland mit dem Mietwagen im Sommer

Beste Reisezeit: Juni bis August. Die Tage sind im Sommer extrem lang, Ende Juni gibt es kaum echte Dunkelheit. Für NaturliebhaberInnen besonders schön: die Mittsommernächte mit ihrem warmen, dauerhaften Abendlicht.

Fahren in Estland: Das Streckennetz ist gut ausgebaut, außerhalb der Städte ist aber auch mit Schotterstraßen zu rechnen, vor allem in Nationalparks und auf Saaremaa. Ein Kleinwagen reicht, aber ein etwas bodenfreieres Fahrzeug macht das Fahren komfortabler.

Fähre nach Saaremaa: Ticketbuchung über TS Laevad (die staatliche Fährgesellschaft) online möglich und im Sommer empfehlenswert. PKW-Tickets sind preiswert und die Überfahrt dauert circa 25 Minuten.

Sprache und Zahlen: Englisch wird in Estland fast überall gesprochen: in Tallinn, in Kuressaare, an Tankstellen und in Nationalparks. Bargeldzahlung ist möglich und Kartenzahlung funktioniert zuverlässig.

Empfohlene Rundreise-Dauer: 7–10 Tage. Die Strecke Tallinn – Lahemaa – Haapsalu – Saaremaa – Pärnu – Tallinn sind etwa 700 Kilometer reine Fahrtstrecke und gut machbar, mit genug Zeit für Stopps und zwei Nächte auf Saaremaa.

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