Ausflugsziele
Städtetrip ab Leipzig: Diese 5 Ziele sind perfekte Kurztrip-Geheimtipps
Leipzig hat viel zu bieten. Aber wer die Stadt als Ausgangspunkt für Ausflüge nutzt, stellt schnell fest: Das Umland hält ebenfalls überraschend viele Schätze bereit. Einige davon kennen fast alle, andere fristen zu Unrecht ein Schattendasein.
Wir stellen fünf Städte vor, die allesamt in weniger als anderthalb Stunden von Leipzig aus erreichbar sind: von der Kulturikone bis zum echten Tipp für alle, die abseits der ausgetretenen Pfade reisen.
Hier in der Map bekommst Du einen guten Überblick über die Lage aller Ausflugsstädte rund um Leipzig:
Weimar: Die Kulturstadt, die immer einen Besuch wert ist
Entfernung von Leipzig: rund 128 Kilometer, etwa 1,5 Stunden mit dem Auto; per Direktzug ab Leipzig Hauptbahnhof in rund 1 Stunde und 10 Minuten
Weimar ist bekannt – und das zu Recht. Mit rund 66.000 EinwohnerInnen ist die Stadt eine der bedeutendsten Kulturstädte Deutschlands. 1999 war sie Europäische Kulturhauptstadt, die kleinste Stadt, der dieser Titel bis dahin verliehen worden war. Ob der Anspruch hält, was er verspricht, entscheidet BesucherInnen selbst. Fest steht: Goethe und Schiller lebten und wirkten hier, Johann Sebastian Bach, Franz Liszt und Friedrich Nietzsche auch. Die klassizistische Altstadt gehört zum UNESCO-Welterbe, und an jeder Ecke wartet eine Jahreszahl, die Schulbuchgeschichte schreibt.
Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Der prunkvolle Rokokosaal mit seinen meterhohen Bücherregalen ist einer jener Räume, in denen man unweigerlich innehalten muss. Als Teil des UNESCO-Welterbes "Klassisches Weimar" ist die Bibliothek gleichzeitig ein Ort echter Gelehrsamkeit und ein Bau von außergewöhnlicher Schönheit.
Goethe- und Schillerdenkmal: Das Doppeldenkmal vor dem Deutschen Nationaltheater auf dem Theaterplatz symbolisiert die Freundschaft der beiden Dichter. Die erste persönliche Begegnung der beiden fand am 7. September 1788 statt, allerdings nicht in Weimar, sondern im rund 37 Kilometer entfernten Rudolstadt, im Haus der Familie Lengefeld-Beulwitz. Ihre ehemaligen Wohnhäuser in Weimar lassen sich besichtigen.
Park an der Ilm und Schloss Belvedere: Die weitläufige Parkanlage schließt direkt an das Stadtschloss an und lädt zu ruhigen Spaziergängen entlang der Ilm ein. Wer mehr Zeit mitbringt, fährt zum Schlosspark Belvedere südlich der Stadt mit Orangerie, Lustgarten und Irrgarten.
Bauhaus-Museum: Weimar ist die Geburtsstadt des Bauhauses, das 1919 hier gegründet wurde. Das modern konzipierte Museum vermittelt die revolutionäre Designbewegung auf sehr zugängliche Weise.
Gut zu wissen: Für Weimar sollte man mindestens zwei Tage einplanen. Die kostenlose App Weimar+ der Klassik Stiftung Weimar bietet Audiostopps, interaktive Karten und Games für einen individuellen Stadtspaziergang.
Top Angebote in Weimar
Naumburg: Dom, mittelalterliche Altstadt und Wein
Entfernung von Leipzig: rund 67 Kilometer, etwa 55 Minuten mit dem Auto
Naumburg ist weit bekannter als sein Ruf vermuten lässt, zumindest unter KunsthistorikerInneb. Seit 2018 gehört der Dom zum UNESCO-Welterbe, und die berühmte Stifterfigur Uta gilt als eine der bemerkenswertesten Skulpturen des Mittelalters. Der Schriftsteller Umberto Eco schwärmte in seiner "Geschichte der Schönheit" von ihr: "Wenn Sie mich fragen, mit welcher Frau der Kunstgeschichte ich essen gehen und einen Abend verbringen würde, wäre da zuerst Uta aus dem Naumburger Dom." Die Stadt selbst zählt rund 32.000 EinwohnerInnen und hat ihre mittelalterliche Bausubstanz bemerkenswert gut erhalten.
Naumburger Dom: Der Bau reicht in seinen Ursprüngen bis ins Jahr 1028 zurück und vereint Spätromanik und Frühgotik in einer architektonischen Einheit, die in Deutschland ihresgleichen sucht. Im Domschatzgewölbe sind mittelalterliche und Renaissance-Kunstwerke zu sehen.
Altstadt und Marktplatz: Vom Dom führt ein schöner Spaziergang durch die Herrenstraße zum Marktplatz, der von Renaissance- und Barockbauten gesäumt wird. Das Renaissance-Rathaus und die spätgotische Stadtkirche St. Wenzel prägen das Bild. Vom 72 Meter hohen Turm der Wenzelkirche hats Du die beste Aussicht über die Dächer der Stadt – und das Gotteshaus beherbergt zudem die einzige authentisch erhaltene große Orgel, die Johann Sebastian Bach selbst mitkonzipiert und abgenommen hat: die Hildebrandt-Orgel von 1746, an deren Spezifikation Bach maßgeblich beteiligt war und die er gemeinsam mit Gottfried Silbermann abnahm.
Historische Straßenbahn: Naumburg besitzt eine der ältesten Straßenbahnen Deutschlands. Sie fährt bis heute im Linienverkehr und gilt gleichzeitig als Museumsbahn. Von März bis Oktober finden samstags öffentliche Depotführungen statt.
Weinregion Saale-Unstrut: Naumburg liegt mitten in einem der nördlichsten Qualitätsweinanbaugebiete Europas. Entlang der Unstrut laden Winzerhöfe und Straußwirtschaften zu genussvollen Ausflügen ein. Das rund zehn Kilometer entfernte Freyburg ist Heimat der Rotkäppchen-Sektkellerei.
Gut zu wissen: Naumburg ist die einzige Stadt in Deutschland, in der am Montag nach dem Hussiten-Kirschfest traditionell die Schulen geschlossen bleiben, ein seit Generationen gelebter lokaler Brauch, der jedes Jahr am letzten Juni-Wochenende gefeiert.
Merseburg: Dom, Zaubersprüche und ein lebendiges Rabenpaar
Entfernung von Leipzig: rund 35 Kilometer, etwa 35 bis 40 Minuten mit dem Auto
Merseburg ist der vielleicht unbekannteste Tipp dieser Liste und genau das macht die Domstadt so reizvoll. Wer hier ankommt, trifft auf ein einzigartiges Ensemble aus Dom und Schloss direkt nebeneinander auf dem Schlossberg, auf eine über tausendjährige Geschichte als Kaiserpfalz und Bischofssitz, und auf eine Besonderheit, die in Deutschland einmalig ist: die Merseburger Zaubersprüche.
Dom St. Johannes und das Zauberspruchgewölbe: Der Merseburger Dom gehört zu den herausragenden Baudenkmälern an der Straße der Romanik. In seinem Inneren befindet sich das Zauberspruchgewölbe: ein originalgetreues Faksimile der Merseburger Zaubersprüche, dem einzigen erhaltenen Schriftstück in althochdeutscher Sprache mit heidnischen Beschwörungsformeln. Der erste Spruch handelt von Gefangenenbefreiung, der zweite von der Heilung eines Pferdefußes.
Schloss Merseburg und der Rabenkäfig: Unmittelbar neben dem Dom schließt sich das Renaissance-Schloss an, heute Sitz des Kulturhistorischen Museums. Im Schlossvorhof wartet der Rabenkäfig und damit ein lebendes Stück Stadtgeschichte: Der Legende nach ließ Bischof Thilo von Trotha im 15. Jahrhundert einen Raben gefangen nehmen, nachdem dieser fälschlicherweise im Verdacht stand, einen wertvollen Ring gestohlen zu haben. Bis heute lebt ein Rabenpaar im Merseburger Schloss.
Schlossgarten: Der ursprünglich barocke Lustgarten wurde später von Peter Joseph Lenné landschaftlich umgestaltet. Er bietet reizvolle Ausblicke auf Dom, Schloss und die Saale.
Willi-Sitte-Galerie: Direkt gegenüber dem Dom zeigt die Galerie Werke des deutschen Malers Willi Sitte und wechselnde Sonderausstellungen: ein lohnender Zwischenstopp für Kunstinteressierte.
Gut zu wissen: Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten rund um Dom und Schloss reicht ein Tagesausflug gut aus. Die Stadt eignet sich hervorragend als Kombination mit Naumburg, da beide weniger als 30 Kilometer voneinander entfernt liegen.
Altenburg: Skatstadt, Residenzschloss und fünf Marktplätze
Entfernung von Leipzig: rund 47 Kilometer, etwa 45 Minuten mit dem Auto
Altenburg liegt so nah an Leipzig, dass ein Ausflug dorthin kaum Planungsaufwand erfordert und trotzdem fahren die wenigsten hin. Dabei ist die Stadt über tausend Jahre alt, wurde trotz zahlreicher Kriege in ihrer Geschichte nie zerstört, und hat eine Eigenheit, die sie von jeder anderen deutschen Stadt unterscheidet: In Altenburg entwickelte sich ab etwa 1810 das Kartenspiel Skat. Entsprechend trägt die Stadt den Beinamen Skatstadt und ist heute Sitz des Deutschen Skatgerichts, das über die Auslegung der Skatregeln entscheidet.
Residenzschloss Altenburg: Das imposante Schloss thront sichtbar über der Stadt. Im Inneren beherbergt es Festsäle aus verschiedenen Epochen, die spätgotische Schlosskirche mit der barocken Trost-Orgel sowie das Spielkartenmuseum. Dessen Sammlung mit Spielkarten aus fünf Jahrhunderten gehört zu den umfangreichsten ihrer Art in Europa. In der interaktiven KartenMACHERwerkstatt lässt sich sogar ein eigenes Kartenspiel herstellen.
Fünf Marktplätze: Altenburg besitzt gleich fünf mittelalterliche Marktplätze. Der schönste ist der Brühl, in dessen Mitte der Skatbrunnen steht, umgeben vom Renaissance-Rathaus und dem Seckendorffschen Palais. Unmittelbar daneben steht die älteste Kirche der Stadt, St. Bartholomäi.
Rote Spitzen: Das Wahrzeichen Altenburgs sind die zwei Türme der ehemaligen Marienkirche, die sogenannten Roten Spitzen, ein Überrest eines Stifts aus dem 12. Jahrhundert und eines der markantesten Fotomotive der Stadt.
Inselzoo und Schlosspark: Im Schlosspark unterhalb des Schlossberges finden sich ein barockes Teehaus, eine Orangerie aus dem 18. Jahrhundert und ein kleiner Inselzoo, ideal für einen entspannten Nachmittag mit Kindern.
Gut zu wissen: Das Lindenau-Museum im Schlosspark beherbergt eine bedeutende Sammlung altitalienischer Tafelmalerei.
Zeitz: Barockschloss, unterirdische Gänge und echter Geheimtipp
Entfernung von Leipzig: rund 40 Kilometer, etwa 40 Minuten mit dem Auto
Zeitz ist der konsequenteste Geheimtipp dieser Runde. Die Stadt im Burgenlandkreis, an der Weißen Elster gelegen, hat mehr als tausend Jahre Geschichte auf dem Buckel. Sie war Bischofssitz, Residenzstadt sowie Industriezentrum und ist heute nur wenig touristisch erschlossen.
Schloss Moritzburg Zeitz: Das frühbarocke Schloss wurde zwischen 1657 und 1678 für Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz errichtet und ist eines der eindrucksvollsten seiner Art in Mitteldeutschland. Heute beherbergt es mehrere Dauerausstellungen, darunter historische Möbel von der Renaissance bis zur Biedermeierzeit und das Deutsche Kinderwagenmuseum mit einer einzigartigen Sammlung an Kinder- und Puppenwagen. Hintergrund: Zeitz war ab dem 19. Jahrhundert das Zentrum der deutschen Kinderwagenindustrie.
Schlosspark Gartentraum: Der rund zwölf Hektar große Park rund um das Schloss wurde im Rahmen der Landesgartenschau 2004 vollständig saniert und bietet Themengärten, einen traditionellen Japanischen Garten, eine Orangerie und großzügige Spielflächen für Familien.
Unterirdisches Zeitz: Fast die gesamte Altstadt von Zeitz ist durch ein mittelalterliches Kellersystem unterhöhlt, das im 14. bis 16. Jahrhundert zur Bierherstellung angelegt wurde. Ein Teil des Gangsystems ist im Rahmen von Führungen begehbar, ein bemerkenswertes Erlebnis unter der Stadt.
Rathausturm: Von oben hast Du auf dem Turm des spätgotischen Rathauses einen weiten Blick über die Stadt und die umgebende Landschaft.
Dom St. Peter und Paul: Der Dom auf dem Schlossberg gehört zur Straße der Romanik und beherbergt eine der ältesten Hallenkrypten Deutschlands. Das Gesamtensemble aus Schloss, Dom und Torhaus ist bereits aus der Ferne ein imposanter Anblick.
Gut zu wissen: Zeitz liegt nur rund 25 Kilometer von Naumburg entfernt, beide Städte lassen sich gut an einem verlängerten Wochenende kombinieren.
So planst Du Deinen Ausflug
Alle fünf Städte sind in unter anderthalb Stunden von Leipzig aus erreichbar. Wer nur einen Tagesausflug plant, ist mit Altenburg (47 Kilometer), Merseburg (rund 35 Kilometer) oder Zeitz (rund 40 Kilometer) am besten bedient. Für Weimar und Naumburg lohnt sich mindestens eine Übernachtung. Die Region zwischen Leipzig, Naumburg und Weimar lässt sich zudem mit dem Zug sehr gut erschließen – die Bahnanbindungen sind durchgehend gut.