Der große Autokostencheck: Was fahren in Deutschland wirklich kostet
Tanken, Versichern, Werkstatt, Parken: Wer ein Auto besitzt, weiß: Es wird nicht günstiger. Die Spritpreise sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, Werkstattkosten ziehen an, und auch bei der Versicherung geht der Trend nach oben. Das Auto gehört für viele schlicht zum Alltag und ist kaum wegzudenken, aber wie viel es uns kostet, hängt stark davon ab, wo wir wohnen. Während einige Faktoren wie die KFZ-Steuer bundesweit einheitlich sind, unterscheiden sich andere Ausgaben regional teils deutlich. Das gilt vor allem für Parkkosten, Werkstattpreise, Versicherungstarife und Spritpreise.
Wir wollten wissen, wie groß diese Unterschiede wirklich sind. Deshalb haben wir 20 deutsche Großstädte verglichen und die wichtigsten regional variierenden Kostenfaktoren unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist eindeutig: Zwischen der teuersten und günstigsten Stadt liegen beim Benziner über 500 Euro Unterschied pro Jahr, allein durch den Wohnort.
Auch über Deutschland hinaus lohnt sich ein Blick auf die laufenden Autokosten. Wer mit dem eigenen Auto in den Urlaub fährt oder vor Ort einen Mietwagen nutzt, fragt sich schnell, wie teuer das Tanken in anderen Ländern ist. Deshalb haben wir zusätzlich die Spritpreise in 28 europäischen Ländern verglichen.
Die Faktoren: Das kostet Dich ein Auto
Wir haben uns auf vier Kostenpunkte konzentriert, die tatsächlich vom Wohnort abhängen und für die meisten AutohalterInnen im Alltag relevant sind:
- Anwohnerparken: In den meisten deutschen Städten ist ein Großteil der Parkplätze bewirtschaftet. Für viele AutohalterInnen ist der Anwohnerparkausweis deshalb keine Option, sondern notwendig.
- Werkstattkosten: Jedes Auto muss regelmäßig zur Inspektion oder Hauptuntersuchung. Für unsere Analyse haben wir auf Basis von Dekra-Daten pro Stadt drei Postleitzahlen aus dem Stadtkern ausgewertet. Berücksichtigt wurden dabei die durchschnittlichen Preise für Mechanik-, Karosserie- und Lackierarbeiten. Die Jahreskosten basieren auf einer angenommenen Werkstattzeit von vier Stunden pro Jahr.
- Vollkasko-Versicherung: Die Prämien unterscheiden sich je nach regionalem Risikoprofil teils deutlich. Einfluss darauf haben zum Beispiel Unfallhäufigkeit, Diebstahlquote und Vandalismus.
- Spritkosten: Grundlage für unsere Berechnung ist eine jährliche Fahrleistung von 12.000 Kilometern bei einem Verbrauch von 7,7 Litern E10 beziehungsweise 6,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer. So lässt sich vergleichen, was Tanken je nach Stadt und Land kostet.
In Berlin fährt die Rechnung mit
Wer in Berlin ein Auto hält, zahlt mehr als alle anderen. 3.659 Euro pro Jahr fallen bei einem Benziner und 12.000 Kilometern Jahresfahrleistung für die lokal variierenden Kosten an. Wenig überraschend schlägt dabei vor allem die Vollkasko Versicherung mit 1.120 Euro zu Buche. Berlin liegt hier mit Abstand vor allen anderen Städten im Vergleich.
Auf Platz zwei folgt München mit 3.563 Euro, wo vor allem die Werkstattkosten den Unterschied machen. Frankfurt am Main landet mit 3.508 Euro auf Rang drei, dicht gefolgt von Bonn mit 3.474 Euro und Köln mit 3.431 Euro. Das Muster dahinter ist klar: Je größer und urbaner die Stadt, desto tiefer muss man in die Tasche greifen, wenn man auf individuelle Mobilität mit dem eigenen Auto setzt.
Günstig fahren? Am besten in Bielefeld
Wer günstig ein Auto besitzen möchte, schaut (neidisch) in Richtung Bielefeld. Mit 3.117 Euro im Jahr ist die westfälische Stadt der günstigste Autostandort im Vergleich und damit über 540 Euro günstiger als Berlin. Ausschlaggebend ist vor allem die Vollkasko Versicherung: Mit nur 615 Euro im Jahr zahlt man hier im Vergleich am wenigsten.
Auf Platz zwei landet Leipzig mit 3.129 Euro. Hier fallen die niedrigsten Werkstattkosten aller untersuchten Städte an. Bei vier Stunden Werkstattzeit pro Jahr ergeben sich lediglich 637 Euro. Ebenfalls vergleichsweise günstig sind Nürnberg mit 3.190 Euro, Dresden mit 3.198 Euro und Duisburg mit 3.236 Euro. Im Vergleich zu Berlin zeigt sich damit deutlich, wie stark sich der Wohnort auf die laufenden Autokosten auswirken kann.
Parkkosten: Bonn verlangt das 14-fache von Bielefeld
Nirgendwo werden die Unterschiede zwischen den Städten so sichtbar wie beim Anwohnerparkausweis. Die Preisspanne fällt enorm aus. In Bonn zahlen AutobesitzerInnen 360 Euro pro Jahr und damit mit Abstand am meisten im Vergleich. Dahinter folgen Münster mit 260 Euro und Frankfurt am Main mit 120 Euro.
Deutlich günstiger ist es dagegen in Bielefeld mit 26 Euro, in Wuppertal mit 30 Euro oder in München, wo ebenfalls 30 Euro fällig werden. Besonders auffällig ist Berlin: Obwohl die Hauptstadt insgesamt zu den teuersten Autostandorten zählt, kostet der Anwohnerparkausweis dort mit 10,20 Euro am wenigsten unter den 20 größten Städten. Die hohen Gesamtkosten entstehen in Berlin also vor allem durch Versicherung und Werkstatt, nicht durch das Parken.
Anwohnerparken wird fast überall teurer
Auch im Jahresvergleich hat sich einiges getan. In Hannover ist der Preis für den Parkausweis von 30,70 Euro im Jahr 2025 auf 96 Euro im Jahr 2026 gestiegen und hat sich damit mehr als verdreifacht. In Dresden erhöhte sich der Preis von 30 Euro auf 75 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 150 Prozent innerhalb eines Jahres.
Und auch für Autofahrerinnen in Stuttgart gibt es schlechte Nachrichten: Zum 1. Juli wird der Bewohnerparkausweis teurer. Statt bisher 30,70 Euro kostet er künftig 55 Euro pro Jahr. Das entspricht einem Anstieg von rund 79 Prozent. Nur die BonnerInnen dürfen sich zumindest ab 2027 auf eine Senkung ihrer Kosten freuen, denn die exorbitanten 360 pro Jahr sorgen regelmäßig für Einwände und Proteste, die nun Früchte tragen.
Jedes Auto muss regelmäßig zur Werkstatt
Kein Auto kommt dauerhaft ohne Werkstatt aus. Ob Ölwechsel, Hauptuntersuchung oder kleine Reparatur: Mindestens einmal im Jahr landet praktisch jedes Fahrzeug in der Werkstatt. Wir haben deshalb vier Werkstattstunden pro Jahr als realistischen Mittelwert angesetzt und verglichen, was diese Stunden je nach Stadt kosten. Dabei haben wir drei Arbeitsarten berücksichtigt, die typischerweise anfallen: Mechanik, Karosserie und Lackierung.
Dabei zeigt sich: Besonders in süd- und westdeutschen Großstädten wird der Werkstattbesuch schnell teuer, während es in einigen ostdeutschen Städten deutlich günstiger ist. Der Durchschnitt liegt bei rund 190 Euro pro Stunde, doch dahinter verbergen sich enorme Unterschiede.
In München wird am teuersten geschraubt
Wer sein Auto in München in die Werkstatt bringen muss, zahlt im Vergleich am meisten. Mit durchschnittlich 230 Euro pro Stunde ergeben sich bei vier Werkstattstunden im Jahr Kosten von 918 Euro. Auch Frankfurt am Main, Bochum und Dortmund zählen mit jeweils 806 Euro pro Jahr zu den teuersten Standorten, dicht gefolgt von Düsseldorf mit 805 Euro.
Deutlich günstiger ist es in Leipzig. Dort liegen die jährlichen Werkstattkosten bei 637 Euro, in Dresden bei 668 Euro und in Münster bei 690 Euro. Allein zwischen Leipzig und München beträgt der Unterschied damit mehr als 280 Euro pro Jahr.
Im Jahresvergleich sind die Werkstattpreise in fast allen Städten gestiegen. Besonders stark fällt das Plus in Düsseldorf mit 14,8 Prozent aus, gefolgt von Bremen mit 12,1 Prozent und Köln mit 11,4 Prozent. Hamburg bildet die Ausnahme: Hier sind die Werkstattpreise um 6,3 Prozent gesunken.
Vollkasko in Berlin: 500 Euro mehr als anderswo
Die regionalen Unterschiede bei der KFZ-Versicherung hängen von den jeweiligen Risikofaktoren einer Region ab. Dazu zählen etwa Diebstahlquote, Unfallhäufigkeit und Vandalismus. Berlin liegt hier mit 1.120 Euro für die Vollkasko pro Jahr klar an der Spitze. Der Abstand zu den übrigen Städten fällt deutlich aus. Es folgen München mit 866 Euro und Stuttgart mit 829 Euro.
Deutlich günstiger ist die Versicherung in Bielefeld mit 615 Euro, in Münster mit 637 Euro und in Dresden mit 690 Euro. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Standort liegen damit mehr als 500 Euro pro Jahr. Je nach Wohnort kann das also ein spürbarer Unterschied für das jährliche Autobudget sein.
Zapfsäule unter Druck: Spritpreise steigen stark, regionale Unterschiede bleiben gering
Dass die Spritpreise deutlich gestiegen sind, dürfte kaum jemandem entgangen sein. Der Vergleich mit dem Mai des Vorjahres zeigt, wie stark es wirklich ist. Besonders beim Diesel fällt der Anstieg auf: In Berlin kletterte der durchschnittliche Literpreis von 1,54 auf 2,05 Euro, in Hamburg von 1,55 auf 2,06 Euro und in Leipzig von 1,57 auf 2,04 Euro. Auch beim Benzin zeigt sich derselbe Trend, etwa in Hannover mit einem Anstieg von 1,69 auf 2,00 Euro.
Auch der Blick auf die Monate zu Jahresbeginn zeigt, wie dynamisch sich die Preise entwickelt haben. Beim Diesel lagen viele Städte im Januar noch bei rund 1,60 bis 1,70 Euro pro Liter. Im April erreichten Hannover und Dresden dann mit 2,35 Euro den Höchstwert im Vergleich. Beim Benzin lag Münster im April bei 2,13 Euro, Hannover und Dresden bei 2,12 Euro.
Die große Preiswelle trifft fast alle gleich
Im Vergleich zum großen Gesamtanstieg fallen die Unterschiede zwischen den Städten eher gering aus. Über das Gesamtjahr gerechnet liegen beim Benzin zwischen Bonn als günstigstem Standort mit 1.724 Euro und Hannover als teuerster Stadt mit 1.769 Euro nur 45 Euro. Beim Diesel beträgt der Abstand zwischen Bonn mit 1.438 Euro und Leipzig mit 1.492 Euro lediglich 54 Euro.
Unterm Strich zeigt sich damit: Die Unterschiede zwischen den Städten bleiben beim Tanken vergleichsweise klein. Die gestiegenen Spritpreise treiben die jährlichen Kosten insgesamt aber deutlich nach oben.
Spritpreise in Europa: Wo Tanken im Urlaub am teuersten ist
Wer mit dem Mietwagen oder dem eigenen Auto durch Europa reist, sollte die Spritpreise im Blick haben, denn die Unterschiede zwischen den Ländern sind enorm. Für einen genauen Überblick haben wir die Benzin- und Dieselpreise in 28 europäischen Ländern verglichen (Grundlage: 12.000 km/Jahr, 7,7 Liter E10 bzw. 6,5 Liter Diesel auf 100 km).
Am teuersten tankt man in den Niederlanden: Im Durchschnitt kostet ein Liter Benzin dort 2,42 Euro. Wer dort ein Jahr lang 12.000 Kilometer fährt, zahlt für Benzin 2.236 Euro, das sind über 500 Euro mehr als in Deutschland (1.737 Euro). Ebenfalls teuer ist Dänemark mit einem durchschnittlichen Benzinpreis von 2,41 Euro pro Liter und jährlichen Kosten von 2.227 Euro sowie Griechenland mit 2,13 Euro pro Liter und 1.968 Euro pro Jahr.
Wer günstig tanken möchte, ist in Malta, Bulgarien oder Polen am besten aufgehoben: In Malta kostet ein Liter Benzin im Schnitt 1,43 Euro, in Bulgarien 1,50 Euro und in Polen 1,58 Euro. Auch die jährlichen Benzinkosten fallen dort mit 1.321 bis 1.460 Euro deutlich niedriger aus als in Deutschland, das mit 1.737 Euro im europäischen Mittelfeld liegt.
Beim Diesel dreht sich die Reihenfolge etwas: Hier führt Dänemark (2,12 Euro pro Liter; 1.654 Euro/Jahr) das Ranking an, während Malta (1,21 Euro pro Liter; 944 Euro/Jahr) mit Abstand am günstigsten ist.
Fazit: Wohnort und Reiseziel entscheiden über die Autokosten
Autofahren kostet, aber nicht überall gleich viel. Unsere Analyse zeigt, dass der Wohnort einen spürbaren Unterschied machen kann. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten deutschen Autostandort liegen mehr als 500 Euro pro Jahr. Auffällig sind vor allem die regionalen Unterschiede bei Werkstatt und Versicherung. In ostdeutschen Städten wie Leipzig oder Dresden liegen die Kosten häufig niedriger, während viele westdeutsche Großstädte ein deutlich höheres Preisniveau aufweisen. Zu den teuersten Standorten im Vergleich zählen München, Frankfurt am Main und Berlin.
Auch beim Blick über die Landesgrenzen lohnt sich ein genaueres Hinsehen. Länder wie Malta oder Bulgarien sind beim Tanken deutlich günstiger, während AutofahrerInnen in den Niederlanden besonders tief in die Tasche greifen müssen.
Unterm Strich zeigt sich: Nicht nur das Auto selbst kostet Geld, sondern auch der Ort, an dem man fährt, parkt, tankt und versichert. Vielleicht lohnt es sich ja gänzlich auf ein eigenes Auto zu verzichten und nur bei Gelegenheit mal zum Mietwagen zu greifen?
Was haben wir gemacht?
Für unsere Analyse haben wir 20 deutsche Großstädte untersucht. Ziel war es, ausschließlich die Kostenfaktoren zu berücksichtigen, die von Stadt zu Stadt tatsächlich variieren: Anwohnerparkkosten, Werkstattpreise, regionale Versicherungsunterschiede und Spritpreise.
- Parkkosten: Die Daten stammen aus den offiziellen Stadtportalen und spiegeln den Stand zum Erhebungszeitpunkt wider. In Einzelfällen können nur Parkausweise für zwei Jahre gekauft werden, welche zur Vergleichbarkeit auf ein Jahr heruntergerechnet wurden
- Werkstattkosten: Basierend auf Dekra-Daten wurden für jede Stadt drei Postleitzahlen aus dem Stadtkern analysiert. Erfasst wurden Durchschnittspreise für Mechanik-, Karosserie- und Lackierarbeiten. Die Jahreskosten basieren auf einer angenommenen Werkstattzeit von vier Stunden pro Jahr.
- Versicherungskosten: Die Daten basieren auf dem ADAC-Versicherungsrechner und wurden exemplarisch anhand einer Postleitzahl aus dem Zentrum der jeweiligen Stadt ermittelt. Grundlage war ein 44-jähriger Fahrer mit 8 schadenfreien Jahren. Als Fahrzeug wurde ein Golf 8 Benziner mit 150 PS, Eigenfinanzierung und einer jährlichen Fahrleistung von 12.000 Kilometern zugrunde gelegt. Vergünstigungen wurden nicht berücksichtigt. Ausgewählt wurde jeweils der günstigste Basistarif für die Vollkaskoversicherung.
- Spritpreise: Die Preise für Diesel und E10 stammen von clever-tanken.de. Verbrauchswerte: 7,7 Liter E10 und 6,5 Liter Diesel pro 100 km (Statista), bei einer Jahresfahrleistung von 12.000 Kilometern.
- Europäischer Vergleich: Die Spritpreise basieren auf Durchschnittswerten von benzinpreis.de. Für Benzin wurden Werte aus dem Zeitraum 09.02.2026 bis 25.05.2026 berücksichtigt, für Diesel aus dem Zeitraum 01.12.2025 bis 25.05.2026. Die jährlichen Tankkosten wurden auf Basis eines angenommenen Verbrauchs von 7,7 l Benzin bzw. 6,5 l Diesel pro 100 km sowie einer jährlichen Fahrleistung von 12.000 km berechnet.
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