• MaCor
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    geschrieben 1297347412000

    @HenryGeorge

    Ich habe immer gewusst wohin ich Reise und wer daran verdient! Ich bin auch nicht hingereist weil ich eine Diktatur oder eine Regime besuchen will sondern wegen den Menschen und weil einige über die Zeit zu Freunden geworden sind und wegen dem was Ägypten sonst zu bieten hat! Altertum und Riffe! Ansonsten könnte ich auch gleich daheim bleiben, denn nenn mir ein Land, vergleichbar etwa mit Ägypten, wo es das nicht gibt.

    Falsch, die meisten geht es am A... vorbei. Es ist ihnen auch jetzt noch egal. Wichtig ist selbstverständlich kein Geld zu verlieren und einen schönen Urlaub zu haben. Ein Standpunkt der auch zu verstehen ist. ..und meine Meinung!

    Viele Ägypter, mit denen ich gesprochen/geschrieben habe, sagen genau das "Ruhe im Karton". Wir wollen Essen und Geld verdienen. Nun sind auch, zugegebener Maßen, die meisten aus der Tourismusbranche.

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  • Seeker01
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    geschrieben 1297348034000

    Auch ich stimme Henry Gearge da voll zu- nicht nur die Touristen wollen "Ruhe im Karton", auch die RV, Airlines und die Politiker aller möglichen Staaten.

    Die Frage ist immer noch, was aus Ägypten nach Mubarak wird. Wird es wirklich besser? Zumindest nicht deshalb weil plötzlich eine Demokratie da ist. Die Korruption könnte dadurch sogar noch stark zunehmen, da plötzlich viel mehr Politiker da sind- die alle die Hand aufhalten.

    Kann Ägypten überhaupt mit der Demokratie umgehen?- oder kommt der Absturz ins Chaos? Wer weiß das schon.

    Die Gefahr, dass die momentane Entwicklung ein "Bumerang" wird, die sehe ich jedenfalls schon.

  • curiosus
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    gesperrt
    geschrieben 1297348789000

    ...wie gut "Ägypten" mit Demokratie umgehen kann sieht man am Midan Tahrir. Frauen werden selbst von Anhängern der Muslimbruder auf einmal anders wahrgenommen, sie werden geschätzt. Gruppen diskutieren frei über die Zukunft ihre Landes, sie organisieren sich. Und was gerade für Cairoer Verhältnisse ein Novum ist, ist daß der Platz selber gereinigt wird.

    Das Land ist seit langem reif für demokratische Verhältnisse, nur wurden eben diese nicht zugelassen. Jetzt liegt es an der neuen Opposition sich zu positionieren und diesen Elan der Bevölkerung mitzunehmen, ihn weiter zutragen.

    Um nochmal auf die Menschenrechte etc. zurückzukommen: Jeder der mit offenen Augen durch die Welt reist weiß um die Probleme in den Ländern, die er besucht. Leider sind es aber eben fast immer Minoritäten, denn die Masse interessiert es nicht - sondern eher das AI-Angebot und Sonnenliegen - oder versteht es nicht/will es nicht verstehen. Das kann man aber auf jedes Reiseland beziehen und ist nicht allein typisch für Ägypten bzw. dessen Urlauber... ;)

  • Seeker01
    Dabei seit: 1260748800000
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    geschrieben 1297349402000

    @Curi

    deinem letzten Absatz stimme ich voll zu.

    Nicht, dass mein Beitrag vielleicht falsch aufgenommen wird. Ich meinte dass so, dass es in Ägypten (logischerweise) keine etablierte Parteienlandschaft gibt, wie hier oder in anderen EU-Ländern. Viele Ägypter wissen gar nicht, was die einzelnen Parteien wirklich wollen- manche Parteien vielleicht sogar selbst nicht.

    Die Frage, die sich mir stellt,  ist, ob durch den Wechsel zur Demokratie wirklich innen - und außenpolitische Stabilität erreicht wird. Denn genau dieses sollte Ägypten möglichst schnell wieder herbeiführen, sonst kann es für das Land und die Menschen übel werden.

    Der Schaden ist jetzt schon groß genug.

    Mein Beitrag sollte nicht so verstanden wrden, dass ich gegen eine Einführung der Demokratie bin- aber ein so radikaler Umschwung birgt eben auch nicht abschätzbare Gefahren.

  • MaCor
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    geschrieben 1297349952000

    Das was mich auch beeindruckt hat "die Herzlichkeit zwischen den Menschen unterschiedlicher Religionen" und die geänderte Einstellung zu Frauen sowie der Zusammenhalt derer die direkt beteiligt sind!

    Nur die Frage sei erlaubt "wer ist dieser Kern der Demo's" und "ist er ein Querschnitt der ägyptischen Bevölkerung". Das jetzt auch nur rethorisch gefragt! Mal die Muslimbrüder außen vorgelassen sehe ich momentan eher einen Bezug zur Studentenbewegung der 60er Jahre (extra mit dem Hinweis die internationale) als z.B. zu einem "Volksaufstand" wie wir ihn Ende der 80er hatten. Dazu müsste man jetzt aber beides kennen und miterlebt haben

    Das ist aber nicht Ägypten und welche Gruppen es gibt und ob sie wie und überhaupt eine Demokratie umsetzen können habe ich hier kürzlich erst versucht darzustellen Mubaraks mögliche Nachfolger z.B.

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  • gabriela_maier
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    gesperrt
    geschrieben 1297350085000

    Das ist alles gut und schön, was hier geschrieben wird. Ob sich aber all die optimistischen Erwartungen an die Zukunft realisieren werden bleibt in meinen Augen vorerst mal vollkommen offen. Das Regime spielt auf Zeit, setzt darauf, das auch die Protestierenden mal Hunger und Durst und die familiären Probleme wieder einen höheren Stellenwert bekommen. Ich habe in Diskussionen vor Ort erstaunt festgestellt, das die, die in den Urlaubsregionen einen job haben, auf keinen Fall nach der kalten Freistellung nach Kairo oder Alexandria zurückgehen und anti Mubarank sind.

    So schön diese Diskussion hier ist, und das sie mit so viel Herzbluten von einigen usern geführt wird, aber die wirklichen Entscheidungen, was sein wird, fallen in Amerika und Israel, auch in der EU. Ägypten war für Israel ein Garant nach Westen gegen den Islamismus, dort Ruhe zu haben. So leid es mir tut, man wird den Menschen in Ägypten mehr oder minder Brosamen zugestehen, aber politische Interessen der Welt werden zum Zeitpunkt x die Realität sein. Es war schon immer so, Revolutionen müssen in absehbarer Zeit erfolgreich sein, oder sie verglühen.

    Gruss Gabriela

  • Seeker01
    Dabei seit: 1260748800000
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    geschrieben 1297350125000

    @MaCor

    das "Schlimme" daran ist, dass wir hier über die verschiedensten Gruppierungen vermutlich besser Bescheid wissen als viele Ägypter

  • 396MHC
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    geschrieben 1297350515000

    @curiosus

    Super Beitrag und sehr gut formuliert!

  • MaCor
    Dabei seit: 1208908800000
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    geschrieben 1297350756000

    @checker-pit stimmt

    Es gab in Deutschland auch mal den Begriff ARD "außer Raum Dresden". Das Gebiet ist in Ägypten ziemlich groß und viele haben nur StaatsTV oder es interressiert sie auch nicht. Sondern eben die Themen arbeit, essen, lebensmittelpreise, einfach leben und etwas mehr haben.

    Wenn hauptsächlich die junge Generation nicht Facebook und Twitter hätte wäre das was jetzt passiert auch die nächsten Jahre nie möglich gewesen. Nicht umsonst hatte man das Internet abgeschaltet.

    und auf den Tourismus bezogen Kein Urlaub in Ägypten

    "Alle Ägypten- Fans in Deutschland sollten ihre Reise-Pläne ändern. Solange das Regime des Präsidenten Hosni Mubarak an der Macht bleibt, wird jeder Euro eines Touristen zur Unterdrückung der Protestbewegung beitragen."

    Meine Frage bleibt immer noch ist dies auch politisch so gewollt und wird Einfluss auf die RV genommen dies durch nicht Angebote zu unterstützen.

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  • seventh_son
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    geschrieben 1297351330000

    Ich denke auch, dass es völlig offen ist, wie es mit Ägypten weiter geht. Eine Demokratie nach westlichem Vorbild wird es vermutlich nicht so schnell geben und ist wahrscheinlich auch nicht das richtige für das Land. Dafür sind Kultur, Gewohnheiten, Religion und die bisherigen Erfahrungen im öffentlichen Leben zu unterschiedlich.

    Was passiert, wenn man eine Demokratie mit Druck einführt ohne vorher die gesellschaftlichen und gesetzlichen Voraussetzungen für einen Rechtsstaat geschaffen zu haben, sieht man ja im Irak.

    Ein Patentrezept um ein Land demokratisch umzubauen gibt es nicht. Das ist von so vielen Faktoren abhängig und ist sicher mit viel Ausprobieren und auch vielen Rückschlägen verbunden. Man kann nur das betreffende Volk "machen lassen" und schauen, wie sich alles entwickelt. Wenn etwa die Muslimbruderschaft einen relativ großen Prozentsatz an Zustimmung im Volk hat, kann man nachher nicht mit einem entsprechenden Wahlergebnis hadern.

    Problem bei der ganzen Sache ist die Vielschichtigkeit der Bevölkerung. Der Generation Facebook schwebt etwas anderes vor als dem 40 Jährigen streng religiösen Arbeitslosen oder dem Polizei-Offizier. Das wird meiner Meinung nach noch zu gewaltigen Problemen, Diskussionen und vermutlich auch Auseinandersetzungen führen. Die Ägypter müssen selbst ihren Weg durch dieses Durcheinander finden und am Ende des Weges wird dann ein Ergebnis stehen, was alle akzeptieren müssen.

    Man kann ihnen nur Glück wünschen, abseits aller Urlaubs- oder auch politischen Interessen.

    Doch ist anzunehmen, dass der Westen und Israel starken Einfluss nehmen werden, wenn ihnen die Richtung nicht gefällt. Ob das im Nachhinein so klug sein wird, darf bezweifelt werden.

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