Liebe Falouz,
wir scheinen ähnlich zu denken.
Wo in Tunesien wohnst Du eigentlich? Das würde mich wirklich interessieren.
Und wie ist es dazu gekommen, dass Du da hingezogen bist?
Liebe Rym,
Du hast sicher Recht, dass es Europäerinnen und Europäer gibt, die sich in einem Urlaubsland schlecht benehmen. Ich selber hasse es, wenn ich Deutsche in einem fremden Land sehe, die keine Rücksicht nehmen und sich nicht wenigstens ein bisschen auf so eine Reise vorbereiten. Ich erwarte von meinen Landsleuten, dass sie sich den Gepflogenheiten in einem anderen Land ein wenig anpassen! Das gleiche verlange ich ja schließlich auch in Deutschland von unseren ausländischen Mitbürgern. ... Mir ist es übrigens völlig egal, ob eine arabische Frau hier ein Kopftuch trägt, oder nicht, solange sie nicht von ihrer Familie dazu gezwungen wird, und sie es aus eigenem Wunsch tut. Diese Diskussionen habe ich auf jeden Fall nicht verstanden. ... Wenn ich ein Kopftuch tragen will, dann mache ich das. Fertig. ... Ich denke, die einzige Schwierigkeit liegt darin, dass junge arabische Mädchen hier in den Schulen wegen des Kopftuches gehänselt werden. Kinder können grausam sein. Dagegen sollte man eher etwas tun.
Auf jeden Fall habe ich in meinem Urlaub in Tunesien, während des Ramadans ein älteres, europäisches Ehepaar beobachtet, das dort sogar lebt. Der Mann wechselte mitten am Strand unter einem nur halbwegs übergehängten Handtuch seine Badehose. Das muss nun wirklich nicht sein!!! Das ist unmöglich und respektlos. Wäre dieser ältere Herr kein Franzose, sondern Deutscher gewesen, hätte ich ihn angesprochen und zurechtgewiesen. Darin bin ich ziemlich gut.
... Nur ist mein Französich etwas eingerostet.
Liebe Rym, ich wollte in Tunesien nur Urlaub machen und mich erholen. Ich war ziemlich überarbeitet und wollte hauptsächlich am Strand liegen, lesen und viel schlafen. Ich hatte davon mal ganz abgesehen hier im Internet vorher einen Tipp einer alleinreisenden Urlauberin durchgelesen. Dieser lautete: „Wenn Du von den einheimischen Tunesiern nicht ständig ********* werden willst, dann sagst Du jedem sofort, dass Du einen Freund hast. Am Besten suchst Du Dir als alleinreisende Frau gleich am ersten Tag einen anderen alleinreisenden Mann oder einen Animateur aus und sagst ihm, dass er nun Deinen Freund für die Woche spielen muss.“
... Der Tipp gefiel mir! So wollte ich es machen!
Beim ersten Strandgang wurde ich sofort von diesem Reitstallbesitzer, Hammadi, angesprochen, der mir eine Kutschfahrt oder Reiten aufschwatzen wollte. Ich lehnte ab und verzog mich auf meine Strandliege, wo ich Stunden gelesen habe. Im Wasser sprachen mich dann gleich 3 junge Typen an, ob ich mir nicht das Baby-Kamel anschauen wollte, das 30 Meter entfernt stand. Ich dachte mir: Warum nicht? ... Zack, kam auch schon Hammadi, der Besitzer, hinterher. Er fragte mich wieder, ob ich nicht mal eine Reittour machen wollte. ... Da ich eine gute Reiterin bin, sagte ich ihm: „Wenn ich reiten gehen wollte, dann würde ich mich bei ihm melden. Und außerdem hätte ich keine Lust hinter irgendeinem Treck im Schritt durch Oliven-Haine zu dackeln. Wenn, dann wollte ich am Strand entlang galoppieren. Und nur mit Leuten, die auch reiten können.“ Er sagte: „Du kannst dann ja mein Araber-Rennpferd nehmen! Aber auf eigene Gefahr! Hast Du so ein Pferd überhaupt schon mal geritten? Bist Du mit Familie hier? ...“ ... Ich sagte: „Nicht mit Familie, aber mit meinem Freund.“ ... Er wollte wissen, wo der denn sei. ... Ich: „Er ist am Pool. Und wie gesagt melde ich mich, wenn ich reiten möchte. Ich muss das erst einmal mit meinem Freund besprechen.“
Am nächsten morgen sprach mich dieser Hammadi am Strandausgang wieder an. Ich war langsam echt genervt. Ich wollte wirklich gerne abends mal am Strand reiten, aber wer will seine Zeit schon am ersten Tag verplanen. Ich bin im Urlaub und will mich nicht zu irgend etwas drängen lassen. ... Als ich am Spätnachmittag vom Strand in mein Hotelzimmer wollte, fing mich der Reitstallbesitzer wieder ab. Er bot mir an, dass er doch nach dem Abendessen gegen 21:30 mit einem Pferd zum Strand kommen könnte. Dann könnte ich zum Test kostenlos mal kurz am Strand etwas ohne Sattel reiten. Und wir könnten dann auch zu zweit auf einem Pferd reiten. ... Die Alarmglocken bimmelten natürlich bei mir. Ich sagte: „Zu Zweit auf einem Pferd??? Nöö!“ ... Er: „Warum nicht?“ ... Ich: „Das würde meinem Freund nicht gefallen!“ ... Er: „Wieso? Vertraut Dir Dein Freund nicht?“ ... Ich: „Doch, mir schon, aber Dir nicht!“ Lach! ... Er: „Dein Freund kann doch mitkommen!“ ... Ich: „Ok. Ich komme um 21:30 mal zum Strand. Aber ich reite alleine auf dem Pferd!!!“ ...
So. Nun musste ich aber ganz schnell jemanden finden, der meinen Freund spielt. Auf dem Weg zur Poolbar lief mir ein Hamburger über den Weg, der alleinreisend war. Ich teilte ihm mit: „Du bist jetzt übrigens mein Freund in diesem Urlaub!“ ... Ich klärte ihn auf, worum es ging, ... und er war begeistert und ging geradezu in seiner Rolle auf. *Kicher* ,,, Er brachte mich also um 21:30 zum Strand. Die Männer wurden einander vorgestellt und mein „Freund“ übergab mich an Hammadi und sagte: „Schatz, in einer ½ Stunde bist Du aber wieder da!“ Dabei klopfte er auf seine Uhr. Dann wollte er mir noch ein Küsschen geben. Grrrr... Ich habe meinen Kopf leicht gedreht, so dass er daneben traf. Mist, das war auffällig, wie ich fand. ... Auf dem Weg zum Pferd, das am Wasser von einem Stalljungen gehalten wurde, schaute Hammadi mich an und sagte: „Das ist doch niemals Dein Freund!“ ... Ich: „Wieso? Wie kommst Du denn darauf?“ ... Er: „Ihr passt doch überhaupt nicht zusammen!!!“ ... Damit hatte er tatsächlich mal Recht. Ok. Ich habe gebeichtet und klar gesagt, dass ich aber keine Lust hatte mich angraben zu lassen. Irgendwie dachte ich mir da, dass diesem Hammadi dann doch auch klar werden müsste, dass ich kein Interesse an irgend etwas hätte. ... Nach dem kleinen Strandritt, haben wir uns noch etwas unterhalten. Natürlich hat er versucht mich zu küssen, sogar mit ziemlichem Nachdruck, aber ich bin dann gegangen.
Ich habe an den nächsten Abenden sein Araber-Rennpferd geritten, was einen irrsinnigen Spaß am Strand gebracht hat. Ich habe selten ein Pferd einfach so laufen lassen. Das war der Hammer!!! ... Während des 2. Ausritts, als er mich wieder mit Komplimenten übergoss, sagte ich ihm, dass ich leider nicht in ihn verliebt sei. Er fragte: „Habe ich denn gar keine Chance?“ ... Gott, dass tut der europäischen Frau dann doch schon wieder Leid! Und sie denkt sich: „Ach der Arme!“ ... Quatsch! Das gehört zu ihrem Spiel! Und das ist unser wunder Punkt, den sie gnadenlos ausnutzen!
Als ich wieder in Deutschland war, rief er mich an und bat mich wieder zu kommen. Ich hatte 11 Monate keinen Urlaub gehabt. Mein Resturlaub musste weg und ich war noch beschwingt von den „Flügen“ mit dem Pferd. Also entschloss ich mich 2 Wochen später noch mal schnell dort hinzufliegen, anstatt zu Hause zu sitzen. ... Er fragte mich: „Kommst Du eigentlich nur wegen Hannibal (dem Pferd) oder auch ein wenig wegen mir???“ ... Ich: „Nur wegen Hannibal!!! ... Lach!“
Tja, und so kam dann eine irrsinnige 2. Urlaubswoche, die mit Überwachung, Verfolgung, Aufklärung und Gefahr endete.
Liebe Rym, wenn Du mir jetzt sagst, dass ich mich schlecht benommen habe, dass ich selber Schuld bin, dann erübrigt sich jedes weitere Gespräch.
Ich weiß, dass es unangenehm für Dich sein muss, dass einige hier so über Deine Landsleute reden. Über die Europäer gibt es in anderer Hinsicht negatives zu berichten. ... Ich denke nur wirklich, dass zwischen den Tunesiern in den Touristen-Orten – bei denen der Betrug zum alltäglichen Geschäft geworden ist, wo alle unter einer Decke stecken – und anderen Tunesiern, bzw. Arabern unterschieden werden muss. ...
Ich kenne z.B. einen sehr netten Chirurgen aus Monastir, den ich im letzten Jahr für ein Training nach Deutschland geholt habe. Dieses Training gibt es in dieser Qualität und Intensität sonst nicht. Er hat hier auf einem chirurgischen Spezialgebiet die größten Koryphäen der Welt kennengelernt, die dann alle anreisen. Dass er sich mir gegenüber perfekt verhält, ist wohl nachvollziehbar. Seine Karriere hat damit einen großen Aufwind erhalten. Wie er mit seiner Familie umgeht, weiß ich nicht. Aber er lebt auf einem anderen geistigen Level als die Jungs in den tunesischen Touristenorten.
Aber wie gesagt, lebt mein Bruder in einem reichen, arabischen Land. Sein bester Freund ist ein Araber, der mit einer südafrikanischen Frau verheiratet ist. Der Freund meines Bruders ist so vermögend, dass er wohl kaum am finanziellen Betrug einer Frau interessiert wäre. Aber seine Frau behandelt er dennoch nicht gerade respektvoll im Sinne eines Europäers! Das ist ein Diskussionspunkt, den mein Bruder und er immer wieder haben. ... Die Scheidung zwischen dem Araber und der Südafrikanerin stand schon mehrfach ins Haus. ...
Ich denke, wir werden uns in einem Punkt auf jeden Fall einig sein, liebe Rym: Unsere Mentalitäten passen – zumindest was die Partnerwahl angeht – einfach nicht zueinander! ...
Das geht nur bei ganz wenigen gut. ... Bei mir würde es nicht gut gehen. Das ist schon einmal klar.
Einen ganz lieben Gruß
Tanja