4861 Ergebnisse für Suchbegriff Vietnam
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Reisebericht Rundreise Vietnam und Kambodscha - von Hanoi nach Siem Reap
17. Tag: 21.10.09, Mekong Delta - Saigon
Hart, härter, unser Bett... So in etwa kann man die Beschaffenheit der Matratzen am besten beschreiben. Wie viel erholsamen Schlaf wir diese Nacht hatten, lässt sich auch ganz gut davon ableiten. Aber nach einer Katzenwäsche sieht das alles schon wieder besser aus. Beim Frühstück können wir dann aus vollen Zügen die verschiedensten Früchte genießen und uns für die Fahrt zu den schwimmenden Märkten stärken.
Schnell noch alles zusammenpacken und dann sind wir schon wieder auf dem Weg zu unserem Boot. Wir tuckern die Seitenarme des Mekong entlang, bis wir wieder auf den Hauptstrom treffen. Den schwimmenden Markt erkennt man schon von weitem, da er aus vielen großen Booten besteht, die alle ihre Produkte feilbieten. Aus der Ferne sieht man schon die dargebotenen Waren an langen Bambusstangen gen Himmel ragen. Die kleineren Boote der verschiedenen Bauern und Händler runden das geschäftige Treiben ab. Wir kurven zwischen den schwimmenden Ständen herum und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Wie überall im Land herrscht rege Betriebsamkeit und keiner kommt wirklich zur Ruhe. Und die kleinen Boote mit ihren Außenbordmotoren tragen das ihrige dazu bei, dass man das Gewusel auch hört.
Unweit des Marktes legen wir am Ufer an und steuern auf eine kleine, unscheinbare Hütte zu. An der Straße werden Reiscracker mit Sesamsamen verkauft. In der Hütte haben wir die Möglichkeit, bei der Produktion von Reispapier zuzusehen. Diese eintönige Arbeit wird von zwei Arbeiterinnen ausgeführt. Eine sitzt vor einem großen Topf, in dem Wasser kocht und über den ein Leintuch gespannt ist. Darauf wird die wässrige Reisstärkemasse dünn aufgetragen. Diese wird durch das 12-stündige Einweichen von Reis gewonnen. Durch den Wasserdampf gart die aufgestrichene Reismasse dann innerhalb von 30 Sekunden komplett durch. Danach werden die Reisfladen auf Bastmatten gelegt und in der Sonne getrocknet.
Ein Stück weiter können wir ein paar zierlichen Vietnamesinnen beim Herstellen der leckeren Kokosbonbons zusehen. Die zähe, zuckrige Kokosmasse wird zu langen, dünnen Schnüren geknetet und dann in kleine Stücke geschnitten. Anschließend verpacken die Mädels jedes einzelne Bonbon von Hand in hauchdünnes Reispapier. Eine Wahnsinnsarbeit für einen recht kargen Lohn. Aber zumindest ein Päckchen dieser Bonbons findet den Weg in meinen Rucksack.
Letzte Station dieser Leckereien-Tour ist ein kleiner Hof, in dem Puffreis hergestellt wird. Dazu erhitzt ein Arbeiter in einem großen Kessel eine Menge Sand. Nach einiger Zeit wird dem Sand Kokosfett beigemischt und weiter eingeheizt. Wenn der Sand die optimale Temperatur erreicht hat, wird der Reis hinzugefügt. Nach kurzem Rühren poppt die ganze Masse innerhalb von ein paar Sekunden zu Puffreis auf. Mit einem Sieb wird der Reis von Sand und Spelz getrennt und gleich weiterverarbeitet zu gesüßtem Puffreis oder zu Barren mit Nüssen, Beeren etc. Natürlich darf ein kleiner Verkaufsstand nicht fehlen, aber wir widerstehen der Versuchung
Nach diesen leckeren Eindrücken und bepackt mit mehreren frischen Süßwaren, besteigen wir unseren Bus und machen uns auf den Weg zur ,in dieser Region sehr berühmten, Schlangenfarm. Hier werden alle möglichen Giftschlangen gehalten und auch gemolken, um die wichtigen Gegenmittel gegen Schlangenbisse zu erhalten. Angegliedert ist auch eine Klinik, die auf die Behandlung von Schlangenbissopfern spezialisiert ist. (neue Zeile)
Hier schauen wir uns zuerst eine Dokumentation der Farm an, die auch ein paar anschauliche Beispiele der Opfer von Schlangenattacken/Schlangenbissen enthält. So ein Biss ist wirklich kein Spaß. Gleich nach Ende des Films gehen wir zum Restaurant und fragen nach, ob es möglich wäre, Schlange zu essen. Keine zwei Minuten später hält der Koch ein Exemplar in die Luft und wir haben uns entschieden: Die soll es sein. Im Anschluss können wir uns frei im Gelände bewegen und uns den angegliederten Zoo ansehen. Wobei „Zoo“ doch etwas übertrieben ist. Die armen Tiere hausen in engen Käfigen, die keinerlei Schutz vor der stechenden Sonne bieten und auch keine Möglichkeit, um sich irgendwie zu beschäftigen. Die Affen, Enten, Bären etc. vegetieren vor sich hin und sehen auch ziemlich heruntergekommen aus. Warum eine Schlangenfarm einen eigenen Zoo haben muss, bleibt uns schleierhaft.
Zurück im Restaurant werden wir schon von den leckeren Düften aus der Küche umweht. Als Einstimmung stehen auf unserem Tisch zwei Gläser, die zum einen Schlangenblut und zum anderen die Galle des Tiers enthalten. Na Danke! Aber in Vietnam werden diese beiden Flüssigkeiten zum Erhalt der Potenz gerne getrunken. Ich denke, es wird in Zukunft auch ohne klappen. Aber da kommt auch schon der Koch um die Ecke und als ersten Gang bekommen wir Schlangenhackfleisch serviert. Lecker gewürzt schmeckt es ganz gut, aber nicht außergewöhnlich. Der zweite Gang besteht aus einer Suppe, in der die restliche Schlange komplett verarbeitet wurde. Kleine Fleischstücke wechseln sich mit Stückchen der Leber und größeren Hautstücken ab. Das Fleisch schmeckt recht neutral und die Haut ist einfach nur gummig. Also nicht wirklich ein wahrer Genuss. Aber versuchen wollten wir es und jetzt sind wir eine Erfahrung reicher. Der Nachtisch ist dann doch recht bizarr: Es werden frittierte Schlangenknochen gereicht. Schmecken nach nichts, aber sind recht kross gebraten und werden ähnlich wie Chips nebenzu geknabbert.
Auf dem Rückweg nach Saigon halten wir noch an der Vinh Trang Pagode, in der als besonderes Wahrzeichen ein riesiger, weißer Buddha im Tempelvorhof steht.. Bei brütender Hitze schlendern wir durch den sonnigen Garten und Vorhof und bestaunen das Bauwerk. Aber wir sind auch froh, als wir nach 15 Minuten wieder in den klimatisierten Bus dürfen. Kurz vor der Stadtgrenze halten wir nochmals an und bestaunen in einem Wassergraben hunderte von Lotusblüten. Zu dieser Jahreszeit sind sie recht selten, da sie eigentlich schon verblüht sind.
Am Abend unternehmen wir zum Abschied noch eine kleine Hafenrundfahrt, die sich eher als Touri Nepp herausstellt. Die Fahrt ist kostenlos, aber man muss an Bord etwas Essen, was einem zu sehr teuren Preisen angeboten wird. Auf der Rechnung erscheint dann auch noch ein Extraposten, mit dem man die kostenlose Fahrt dann doch wieder irgendwie verrechnet. Die Fahrt an sich ist recht schön und man kann einen schönen Blick auf die beleuchtete Skyline Saigons werfen. Leider haben wir während unseres Aufenthalts in Saigon keine Zeit gehabt, die berühmten Tunnel von Cu Chi zu besuchen. Wieder ein Grund mehr, eventuell nochmals zurück zu kommen.
Reisebericht Rundreise Vietnam und Kambodscha - von Hanoi nach Siem Reap
16. Tag: 20.10.09, Mekong Delta
Auf geht´s zur Lebensader von ganz Südostasien: dem Mekong Delta. Es fließt durch Laos, Burma, Kambodscha und Vietnam. Und wir wollen heute Abend eine Nacht bei einer einheimischen Familie in deren Haus verbringen.
Zuvor steht uns aber wieder der Verkehr der Stadt im Weg. Wir kämpfen uns hupend durch die Massen an Mopeds und kommen so dem Rand der Stadt langsam aber sicher näher. Kurz außerhalb machen wir Halt bei der Thanh That Ben Cuc Pagode, die der Cao Dai Sekte gehört. Hier erschlägt einen die Fülle an Farben beinahe. Das allgegenwärtige ********** springt uns gleich ins Auge, wobei dies in der hiesigen Kultur einfach ein Sonnensymbol darstellt. Die Pagode selbst ist größtenteils in Blau gehalten, die Verzierungen in Gelb, Grün und Rot. Diese vier Farben spiegeln sich auch in den Roben der Priester wider.
Auf unserem Weg nach Cai Be, dem Ort, an dem wir unser Schiff betreten werden, hält unser Bus noch an einem Restaurant. Dort kann, wer will, sich noch stärken. Wir lassen das lieber sein und schauen uns die Anlage an. Ganz nett, aber halt eine Touristenfalle, an der anscheinend alle Busse halten müssen. Wir sind auch ganz froh, als wir wieder weiterfahren.
Nach kurzer Zeit erreichen wir dann auch endlich den Mekong. Eine braune Brühe wälzt sich da Richtung Meer und darauf herrscht reger Verkehr. Alle Arten von Schiffen kreuzen unseren Weg, vom kleinen Fischerboot bis hin zu großen Frachtern. Eines haben fast alle Boote gemeinsam: zwei große Augen am Bug des Schiffes. Diese Augen sollen dem Glauben nach die bösen Wassergeister fernhalten. Klappt anscheinend, denn uns ist nix passiert.
Links und rechts am Ufer reihen sich Häuser an Fabriken, das tägliche Leben ist vom Strom geprägt. Die Häuser stehen auf Stelzen und oft kann man einen Blick in das Innere der einfachen Behausungen werfen. Auch die Wege so manches Bedürfnisses können eindeutig nachvollzogen werden. Rechter Hand taucht eine Ziegelei auf und wir steuern zielbewusst darauf zu. Kurz zuvor kreuzt uns noch eine Fähre, die brechend voll mit Mopeds und deren Fahrern beladen ist.
Die Ziegelei brennt zum einen die normalen Ziegel, zum anderen aber auch Tongefäße und Zierfiguren für den Garten. Die Brennöfen werden mit Reisspelzen geschürt, so wird von dieser Pflanze so gut wie alles verarbeitet. Alles in allem eine nette Abwechslung, aber so richtig sehenswert war das nicht.
Interessanter ist da schon die jetzt angesteuerte Baumschule. Dort werden viele verschiedene Pflanzen und Bäume angebaut, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Hier kann man auch mal die Durians, Jackfruits und Sternfrüchte sehen, wenn sie noch am Baum hängen. Faszinierend ist auch die Bananenblüte, da wir mit ihr am Abend einen Salat zubereiten werden. Am Ende unseres Rundganges erwartet uns noch eine kleine Folkloreeinlage. Versüßt wird uns diese recht leidenschaftslos vorgetragene Vorführung durch Kostproben von Pomelos, Jackfruits und Longans.
Wir verabschieden uns und fahren auf den Mekong weiter Richtung unserer Insel. Auf schmalen Nebenkanälen des Flusses schlängeln wir uns durch dichte Vegetation und müssen kleineren Schiffen öfters Platz machen. Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Wir steigen aus und legen den restlichen Weg zu unserem Mittagsaufenthalt zu Fuß zurück. Dank den Gezeiten fällt der Pegel des Flusses mittags so stark, dass die kleinen Kanäle fast austrocknen und man zu einem zwei- bis dreistündigen Stopp gezwungen ist. Aber da sich der Magen eh durch häufiges Knurren meldet, kommt uns der Aufenthalt gerade recht. Wir marschieren an kleinen Bauernhöfen vorbei und kommen nach 15 Minuten an dem beschaulichen und gemütlichen Restaurant an. Zur Begrüßung erwartet uns schon eine große Flasche mit dem berühmt berüchtigten Schlangenschnaps. Das Gefäß fasst locker 10 Liter und auch die eingelegte Schlange ist nicht von schlechten Eltern. Knapp einen Meter wird die bestimmt haben. Aber bevor wir uns an diese Leckerei machen, essen wir erstmal leckere gebratene Nudeln mit diversen Fleischbeilagen.
Nach dem Essen werfen wir uns in die rundherum angebrachten Hängematten und wagen uns zögerlich an den Schnaps. Er schmeckt ganz gut und man kann nur ein paar Kräuter ausmachen, Schlange hat man nicht geschmeckt. Bevor es weitergeht, hängen wir hier erst noch ne knappe Stunde ab und lassen die Seele baumeln.
Ohne weitere Unterbrechung fahren wir zu unserer Insel, auf der wir bei einer einheimischen Familie übernachten. Auf unserem letzten Stück zu Fuß rennen uns mehrere Kinder ganz aufgeregt nach. Wir laufen an mehreren Familienbetrieben vorbei, welche die überall wachsenden Longans trocknen und von den Kernen befreien. Die anfallende Schale wird gleich wieder zum Schüren verwendet. Das Haus unserer Familie ist eines der ältesten in der Gegend und besteht schon seit gut 150 Jahren. Die Einrichtung ist größtenteils noch erhalten und strahlt ein schönes, antikes Flair aus. Unsere Übernachtungsgelegenheit ist da schon eher zweckdienlich. Wir sind in einem großen Raum untergebracht, der an die 10 Betten enthält. Wobei Betten übertrieben ist. Es handelt sich um normale Tische, auf die eine Matratze und ein Leintuch gelegt worden sind. Die nötigen Moskitonetze sind über jedem der „Betten“ angebracht, damit man die Nacht zumindest ohne Plagegeister verbringen kann. Es gibt auch eine Honeymoon Suite, die wir beide beziehen dürfen. Hier herrscht schon fast Luxus, da man eine Tür zum anderen Raum hat. Die Dusche gleich nebenan ist dagegen eher gewöhnungsbedürftig. Ein weiß gekachelter Raum mit WC, Waschbecken einem Duschkopf und einer großen Regentonne. Aber auf dem Areal sind noch weitere Duschmöglichkeiten, die etwas vertrauenserweckenden aussehen.
Am Abend haben wir unseren Kochkurs, der daraus besteht, Frühlingsrollen zu drehen, Kürbisblüten zu füllen und einen Salat aus der Bananenblüte zu kredenzen. Den Rest erledigt die Frau des Hauses. Und das ist eine ganze Menge. Zu Beginn gibt es eine leckere Gemüsesuppe, gefolgt von unseren mit Hackfleisch gefüllten Kürbisblüten und den Frühlingsröllchen. Im Anschluss folgt gegrillter Pangasius und frische Tigerprawns. Den Abschluss bildet ein Obstsalat, den aber eigentlich niemand mehr braucht, da man schon nach den Frühlingsröllchen restlos satt war. Den restlichen Abend verbringen wir zusammen mit unserem Reiseleiter Thang, der uns seine bisherigen Videoaufnahmen unserer Reise vorführt. Dabei probieren wir vietnamesischen Wein, der geschmacklich nicht überragend, dafür aber umso süffiger ist.
Reisebericht Rundreise Vietnam und Kambodscha - von Hanoi nach Siem Reap
6. Tag: 10.10.09, Hue
... ratter, ratter, schepper, ratter, ratter, schepper ... So erholsam kann eine Zugfahrt sein. Die Sonne scheint schon um halb 6 in unser Abteil und von da an kann keiner mehr wirklich schlafen. Die Luft ist wegen der nicht leicht zu regulierenden Klimaanlage zuerst drückend schwül, dann im nächsten Moment wieder zu kalt. Abwechslung muss sein.
So gegen 8 Uhr erreichen wir durchgeschüttelt den Bahnhof in Hue. Unser kleiner Bus erwartet uns schon und wir fahren zuerst zum Hotel, um uns etwas frisch zu machen und zu frühstücken. Nun gut, es gibt schon etwas Essbares, aber der schimmlige Kuchen verdirbt einem dann doch den Hunger. Also halten wir uns eben an die gebratenen Nudeln und den Gemüsereis.
Unser Hotel befindet sich in einer Querstraße unweit des Parfümflusses und gleich in Reichweite des Vergnügungsviertels. Kurze Heimwege sind garantiert.
Mit einer Bootsfahrt auf dem Parfümfluss starten wir in den Tag. Den Namen trägt der Fluss, da er in der Regenzeit Unmengen an Pollen aus dem Hochland mit sich führt und teilweise auch danach riecht. Wir riechen heute nichts davon, wobei der Fluss schon ziemlich viel Wasser führt und die Regenzeit erst kurz vorbei ist.
Genau gegenüber unserer Anlegestelle liegt der Markt von Hue und am Ufer davor liegen viele vertäute Boote. Die meisten davon sehen aus wie Hausboote, wobei die Lebensumstände dort schon sehr ärmlich sind. Vorbei an diesen Booten fahren wir flussaufwärts und steuern unseren ersten Besichtigungspunkt an: die Thien Mu Pagode. Noch ist es relativ ruhig und wir sind nur mit wenigen anderen Touristen hier. Der Pagode vorgelagert, überragt ein hoher Turm das ganze Areal. Links und rechts des Turmes finden wir wieder die obligatorischen Trommeln, die Frank mal wieder nicht in Ruhe lassen kann. Die anschließende Pagode ist wie alle anderen auch reichlich verziert und extrem bunt. Die vorherrschende Farbe ist, wie überall, die Farbe rot.
Nach einem kurzen Aufenthalt geht es weiter zur größten Attraktion vor Ort, der verbotenen Stadt. Hue war zeitweise die Kaiserstadt von Vietnam und hier haben die Einwohner im 18. Jahrhundert eine kleinere Version der verbotenen Stadt von Peking nachgebaut. Durch ein Tor in der Stadtmauer kommt man in den ersten Innenbereich. Dort trifft man auf insgesamt 9 heilige Kanonen. Diese befanden sich zu Zeiten des Kaisers zur Verteidigung auf den Mauern. Die Franzosen haben diese dann aber bei der Machtübernahme demontiert und seither stehen sie an den beiden Eingangsstraßen. Den inneren Festungsmauern vorgelagert ist der Flaggenturm, auf dem weithin sichtbar die vietnamesische Flagge gehisst ist. Genau gegenüber befindet sich das Eingangstor in die verbotene Stadt, das sogenannte Mittagstor. Durch dieses zentral gelegene Tor betreten wir die Stadt und besichtigen zuerst das Gebäude mit den Empfangs- und Repräsentationsräumen. Jenes ist komplett restauriert, da es im Vietnamkrieg weitgehend zerstört wurde. Genauso erging es der gesamten Anlage: Sie wurde damals zum größten Teil zerbombt und wird in den nächsten Jahren wieder aufgebaut. Mehrere Gebäude stehen überhaupt nicht mehr, andere sind zumindest teilweise unversehrt. Laut unserem Reiseleiter soll die Anlage innerhalb von 10 Jahren wieder komplett aufgebaut werden.
Vorbei an 2 großen Teichen mit unzähligen Fischen gehen wir zur Halle der höchsten Harmonie. Hier steht leider nicht mehr allzu viel. Mehrere kleine, steinerne Drachen stehen in der Landschaft und man erkennt erst bei näherem Hinsehen, dass sie allesamt aus Plastik sind. Rechter Hand sieht man die Halle der Mandarine, in der heute ein Kiosk sowie ein kleines Museum untergebracht sind.
Nächster Anlaufpunkt ist das Theater, in dem zu Zeiten des Kaisers täglich Aufführungen stattgefunden haben. Mitten im Raum steht ein prachtvoller Thron und es sind einige kaiserliche Gewänder zu bewundern. Gegen einen recht teuren Obolus kann man sich hier verkleiden und sich dann als Kaiser mit Gefolge fotografieren lassen. Aber 20$ war es uns dann doch nicht wert.
Der Lesepavillon ist wieder ein optisches Highlight. Über und über ist er verziert mit Mosaiken und auch die Figuren auf dem Dach sind allesamt mit Tonscherben beklebt. Dieser Pavillon wurde von den Bomben der Amerikaner weitestgehend verschont und ist noch im Originalzustand erhalten.
Der Palast der Kaiserin ist gerade im Aufbau und überall arbeiten die Handwerker an der Fertigstellung. Hier kann man mal sehen, wie viel Arbeit in die Restaurierung gesteckt wird.
Zum Ende des Rundgangs kommen wir in einen Bereich, der noch nicht restauriert wurde und in dem man noch die Brandspuren des Krieges sehen kann. Mehrere Tore stehen teilweise zerstört und komplett verrußt neben unversehrten Gebäuden und geben ein surreales Bild ab.
Während wir die Eindrücke noch auf uns wirken lassen, warten wir außerhalb der Anlage auf unseren Bus, der uns jetzt zu den Kaisergräbern etwas fern der Stadt bringen wird. Insgesamt gibt es 4 oder 5 dieser Gräber, wir werden uns aber nur das Grab von Tu Duc ansehen. Unterwegs halten wir an, um uns einmal die Produktion von Räucherstäbchen anzusehen. Diese werden hier noch in Handarbeit gefertigt. Die Herstellung läuft folgendermaßen ab:
Zuerst wird eine Paste angerührt, die die duftenden Bestandteile wie Sandelholz, Zimt etc. enthält. Mithilfe eines Spatels wird diese dann auf die kleinen Holzstäbchen angebracht. Danach werden sie in Bündeln an die Sonne gestellt, um zu trocknen. Angi darf sich gleich mal an die Arbeit machen und schlägt sich ganz wacker. Sieht ziemlich leicht aus, ist es aber nicht. Natürlich decken wir uns gleich mal mit ein paar Päckchen ein.
Dank meinen fotografischen Eskapaden sagen die Akkus leise Servus und ich muss mich völlig „nackt“ auf die Besichtigung des Kaisergrabs machen. Die Anlage besteht aus einem großen Areal, in dem sich unter anderem ein See befindet. Dort wachsen tausende von Seerosen und Lotusblumen. Einer Legende nach, ließ Tu Duc von seinen Konkubinen den Morgentau von den Blüten sammeln, um sich daraus einen Tee zuzubereiten.
Über eine Treppe kommen wir zu einem höher gelegenen Areal. Dort steht eine große Steilstele, auf der das Leben des Kaisers wiedergegeben wird. Diese Lebensgeschichte schrieb der Kaiser selbst, da das Grab schon lange vor seinem Tod gebaut wurde. Umbaut von mehreren Mauern findet man dann das Grab Tu Ducs, welches im Gegensatz zu der Anlage wenig beeindruckend ist. Ob sich des Körper wirklich innerhalb des Grabes befindet, kann auch heute nicht mit Sicherheit gesagt werden.
Den Nachmittag beenden wir mit gemütlichem Shoppen und am Abend treffen wir uns alle wieder und gehen zusammen zum Essen. Hier probieren wir das erste Mal eine Fanta Xa Xi (Sarsi). Ein sehr interessanter Geschmack, der dem Geschmack von Jägermeister ähnlich ist.
Der Weg ist das Ziel!
Es stellt sich die Frage: Sind meine Frau und ich etwas verrückte Exoten? Interessiert konsumiere ich hin und wieder Reise-Threads in den HC Foren. Leider zählt heute für viele ”Weltenbummler“ nur noch das schnelle Reisen von A nach B. Und sie vergessen, dass der Weg vielmals um einiges interessanter ist als das Ziel. Ich höre in meinem Bekanntenkreis immer wieder: Wenn wir mal pensioniert sind, dann unternehmen wir auch längere Reisen rund um die Kugel. Es geht aber auch früher!
Nachstehend ein kleines Müsterli:
Vor Jahren während meinen beruflichen Zeiten, haben meine Frau und ich ein rund 15‘000 km langes “Reisli” mit der Bahn unternommen. Von Bern HB (CH) via Basel, Frankfurt, Dresden, Warschau, nach Moskau. Ab Moskau mit der Transsib nach Irkutsk und weiter via Ulan Ude, Ulan Bator durch die Wüste Gobi nach Peking. Und ab Peking via Shanghai, Kanton nach Hongkong. Die gesamte Bahnreise von insgesamt rund 15’000 Bahn-km dauerte mit “Stop-Over” in Moskau, Irkutsk, Ulan Bator, Peking, Hangzhou, Shanghai und Kanton rund fünf Wochen. Ziemlich strapaziös, aber ein einmaliges Erlebnis
Bekannte von uns schwärmten damals von dem, zwischen Moskau und Peking verkehrenden Luxus-Sonderzug. Der Sonderzug, resp. die Kreuzfahrt auf Schienen bot jeden erdenklichen Luxus. An Bord standen dem Gast nebst einem privaten Abteil ein umfangreiches Service- und Unterhaltungsprogramm zur Verfügung. Und man ist unter sich! Mit anderen Worten: 99,9% der Gäste sind Touristen aus dem Ausland! Es werden viele Sprachen gesprochen -- nur nicht Russisch!! Der Zug wird während den Stopps in den Bahnhöfen von schwer bewaffneten Polizisten bewacht, die grimmig dafür sorgen, dass keine Einheimischen die Bahnpassagiere in ihrem goldenen Käfig belästigen.
Obwohl ich während meinen beruflichen Tätigkeiten in fremden Landen zwangsläufig in 4/5-Sterne Luxusherbergen logierte, haben wir uns bewusst für einen Linienzug / 2. Klasse mit 4-Bett Abteilen entschieden und keine Minute bereut. Unvergesslich die Erlebnisse in dem Zug Nr. 2 “Rossija” ab Moskau: Bahnhof “Jaroslawer“. Ein Samowar auf dem Gang lieferte rund um die Uhr heisses Wasser für die Zubereitung von Kaffee oder Tee im Abteil. Viele Einheimische kochten in unserem Wagon in den Nachbarabteilen auch ihre Mahlzeiten. Die frischen Landprodukte aus der Region wurden von Bauernfrauen während den Stopps an den Bahnhöfen den Bahnkunden angeboten. Es gab nur noch ein kleines Problem: Ein Toilettenraum in unserem Wagen war meist geschlossen: Grund: Lagerraum für Schmuggelware! Auch die Sauberkeit in den Waschräumen liess etwas zu wünschen übrig. Dreimal täglich boten Angestellte im spartanisch eingerichteten Speisewagen den Fahrgästen warme Speisen an. Abenteuerlich auch die täglichen Trips von unserem Wagon in den Speisewagen via die klappernden nicht ganz ungefährlichen Übergänge zwischen den einzelnen Wagons. Die Küche sollte man nicht unbedingt inspizieren! Ein Gourmet-Menu muss man auch nicht erwarten. Ist aber kein Problem: Spätestens in Peking kann man das bei einem exzellenten chinesischen Mehrgang-Essen nachholen. Mit kleinen Geschenken --Kugelschreiber, Taschenlampen, Taschenmesser, CH-Schokolade (Werbegeschenke meiner Arbeitgeber-Firma) etc. war man König. Fast jeder Wunsch wurde vom freundlichen Bahnpersonal erfüllt. Trotz Alkoholverbot im Speisewagen, erhielt ich jeden Tag ein kühles Bier oder eine Flasche süffigen Wein “als Beilage!” zu den akzeptablen Speisen und nicht zu verachten, anstelle eines eigenen Schlafsackes frische Bettwäsche.
Die Fahrt inmitten aufgestellten Einheimischen und die Kontakte zu mitreisenden Mongolen und Chinesen war ein einmaliges Erlebnis. Wir wurden praktisch permanent zu unseren russischen Mitreisenden eingeladen und erlebten eine unglaubliche Gastfreundschaft. Für Abstinenten allerdings nicht zu empfehlen! Nebst deutsch, englisch (zu später Stunde auch “Mattenenglisch!”) und manchmal auch etwas französisch oder spanisch, haben wir uns mit Händen und Füssen verständigt. Und mit Wodka anstossen kann man in jeder Sprache!
Ich habe viele Fotos aus dem fahrenden Zug geschossen. Leider waren die Wagonfenster immer wieder stark verschmutzt. Schmunzelnd haben unsere einheimischen Mitpassagiere zugeschaut, wie ich, bewaffnet mit einer kleinen Leiter aus dem Zug und einem Schwamm, jeweils an den Bahnhöfen unser Abteilfenster von aussen reinigte!
Die Mongolei mit ihren stolzen Bewohnern hat uns beeindruckt. Ich glaube, bevor die Kinder laufen lernen, beherrschen sie bereits das Reiten. Lediglich mit der angebotenen Stutenmilch bei einer Nomadenfamilie in einer Yurte hatte ich einige Mühe. Aber die Gastfreundschaft ist heilig -- also Augen zu und runter damit!
An der Grenze zwischen der Mongolei und China war auch für uns der Wechsel der Fahrgestelle, bedingt durch den Spurwechsel ein Highlight. Unglaublich welche Schwerarbeit die zierlichen chinesischen Arbeiterinnen leisteten. Lediglich die Grenzformalitäten bereiteten uns etwas Mühe. Ich weiss nicht mehr, wie viele Dokumente wir ausfüllen mussten. Das ganze Prozedere dauerte etwa zehn Stunden. Streckte man mal den Kopf aus dem Abteil, wurden wir von den sonst so freundlichen Provodnitsas (Zugbegleiterinnen) jetzt nervös, unterstützt von noch nervöseren Grenzbeamten hässig angeschnauzt. Nach etwa zwei Stunden -- Gelächter im und um unseren Wagon. Die Provodnitsas und die Beamten genehmigten sich einen Drink und luden uns dazu ein. Des Rätsels Lösung: Der Deal mit derSchmugglerware im geschlossenen Waschraum war zur Zufriedenheit aller Beteiligten abgeschlossen. Und einer Weiterfahrt nach Peking stand nichts mehr im Wege. Doch, kurz vor Peking blieben wir auf offener Strecke für einige Stunden stecken. Nichts ging mehr. Wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass in China Güterzüge mit erster Priorität behandelt werden.
Die Weiterfahrt von Peking nach Hongkong habe ich auch noch in bester Erinnerung. Wiederum haben wir 4- Bett Abteile gebucht. Luxus pur wenn man bedenkt, dass es noch eine sogenannte harte Klasse gab mit 6- Bett Abteilen, zusätzlich weiteren Passagieren, die locker vom Hocker in den Wagonkorridoren übernachteten. Wie schon auf der Transsib, liess auch in diesen Zügen die Sauberkeit in den Waschräumen etwas zu wünschen übrig. Kein Problem wenn man flexibel ist. Als Alternative für die Morgentoilette mit Zähne putzen, boten sich die obligaten Brunnen resp. Waschbecken auf den Bahnsteigen an, irgendwo unterwegs auf einem Provinzbahnhof. Auch die Mittag- und Nachtessen in den hoffnungslos überfüllten kitschigen Speisewagen muss man erlebt haben. Die schwitzenden und dampfenden chinesischen Passagiere, die Männer mehrheitlich mit nacktem Oberkörper und wild kommunizierend, entlockten uns immer wieder ein Lächeln, obwohl wir kein Wort verstanden. Aber die Mahlzeiten von Fisch bis zuSüss/Sauer, serviert von flinken Kellnern, die wie Bienen rumsausten, waren kulinarische Leckerbissen. Dank Drahtnetzen in den offenen Fensterrahmen flogen uns nicht permanent Plastikflaschen, Plastikteller und Becher um die Ohren, die Passagiere via die Abteilfenster entsorgt hatten. Meine Annahme, die Drahtgitter dienen als Sperre für Insekten, war also nur zum Teil richtig! Und dann war es soweit. Ankunft in Hongkong nach rund 15’000 Schienenkilometer und keine Minute von Langeweile!
Interessant wäre auch eine Bahnreise nach Hongkong -- jedoch quer durch Asien. Via die Türkei, Iran, Pakistan, Indien, Bangladesch, Burma, Thailand, Kambodscha, Vietnam und China nach Hongkong. Nach meinen Recherchen existiert eine fast durchgehende Schienenverbindung. Lediglich zwei Strecken in Burma müssten mit dem Bus zurückgelegt werden. Also je nach politischer Situation und einer gewissen Flexibilität ohne weiteres machbar. Und als Rentner mit noch einigermassen intakten grauen Hirnzellen haben meine Frau und ich jetzt viel Zeit! Vielleicht bleibt dieses “Reisli” ja ein Traum -- aber Träume gehen manchmal in Erfüllung.
Abschliessend nur noch dies: Bahnreisen, egal ob man z.B. mit einer südamerikanischen Andenbahn (Sitzplatz für mutige auf dem luftigen Wagendach!), quer durch die USA mit dem “Chief” oder mit der Transsib unterwegs ist, keine Transportart bietet nach meinen Reiseerfahrungen idealere Möglichkeiten, Land und Leute intensiv kennenzulernen. Vorausgesetzt allerdings man vermeidet die, leider heute auf den meisten Strecken auch verkehrenden Ghetto-Luxuszüge.
Allen die sich nicht entnervt aus diesem etwas lang gewordenen Thread rausgeklinkt und bis hier durchgehalten haben :shock: wünsche ich ein erlebnisreiches Reisen unter dem Motto: DER WEG IST DAS ZIEL!
Pesche
Reisebericht Rundreise Vietnam und Kambodscha - von Hanoi nach Siem Reap
21. Tag: 25.10.09, Siem Reap, Angkor Gelände
Jetzt geht´s los! Jetzt geht´s los!
Unser Bus steht schon zur Abfahrt bereit und ich fiebere schon den Tempeln entgegen. Auf Angkor hab ich mich schon die ganze Reise gefreut und endlich ist der Moment da.
Am Eingang des Areals werden wir man zuerst fotografiert und dann bekommen wir die Eintrittsausweise für die nächsten drei Tage. Mit diesen dürfen wir ungehindert auf das Gelände und auch noch ein paar Stätten außerhalb von Siem Reap betreten.
Es ist zwar erst halb 10, aber es ist schon einiges los hier. Die Zeiten, zu denen man die Tempel in Ruhe besichtigen konnte, sind schon lange vorbei. Man kann nur den Massen aus dem Weg gehen, indem man eine alternative Route einschlägt, die einem schlechtere Lichtverhältnisse beschert. Aber da immer mehr Reisende auf diese Idee kommen, ist man auch hier definitiv nicht alleine unterwegs. Egal, ein Erlebnis wird es auf jeden Fall.
Erster Stopp ist das Südtor von Angkor Thom. Die Brücke über den Fluss ist auf beiden Seiten mit großen Dämonenfiguren versehen, die an einem Seil ziehen. Diese Figuren entspringen der Schöpfungsgeschichte des Khmervolkes. Hinter der Brücke ragt das Südtor auf, das von einem großen steinernen Kopf gekrönt wird, von dem je ein Gesicht in alle vier Himmelsrichtungen zeigt. Diese Gesichter symbolisieren wiederum einen Gott, der über allem wacht. Auf der Rückseite des Tors werden große Elefantenköpfe sichtbar, deren Rüssel bis auf den Boden reichen. Wahnsinn, wie gut diese Figuren und Gebäude erhalten sind!
Kurz hinterhalb des Tors betreten wir den Bayon, den Haupttempel Angkor Thoms. Über einen großen Eingangsbereich erreicht man als erstes das große Relief, das über das tägliche Leben der Menschen hier berichtet. An diversen Stelen sind Apsarah Tänzerinnen abgebildet. Hier fällt gleich auf, dass diese ungemein filigran gefertigt wurden und dass jede eine andere Körperhaltung aufweist. Wir umrunden den Tempel zur Hälfte und machen uns dann an den Aufstieg zur Spitze. Überall ragen kleine Türme mit dem vierseitigen Gesicht eines Gottes in den Himmel. Insgesamt gibt es über 50 Gesichter in dieser Anlage. Wir schießen Fotos wie verrückt und immer neue Perspektiven tun sich auf. An einer Ecke stehen ein paar junge Frauen, die sich in Gewänder der Apsarah Tänzerinnen gehüllt haben und warten auf die Touristen, um für etwas Geld zu posieren. Im Nu vergeht hier eine Stunde und wir treffen uns am Ausgang des Tempels.
Durch das Nordtor gehen wir hinaus und begeben uns zur Buddhastatue „Prea Ngok“, einer von vier Buddhastatuen aus dem 14. Jahrhundert, die den Tempel umgeben. Hier erfahren wir einige Details über die praktizierten Zeremonien und das alltägliche Leben der Khmer.
Vorbei am „Baphon“, einer Sonnenterrasse, die zu zeremoniellen Zwecken genutzt wurde, gehen wir zum königlichen Palast, dem „Palast der Winde“. Er ist extrem steil gebaut und die Stufen sind sehr schmal gehalten. Deshalb ist auch an der Südseite eine hölzerne Treppe angebracht, damit man gefahrlos in die Höhe steigen kann. Von oben hat man einen wunderschönen Blick auf den umliegenden Dschungel und man kann auch anhand der alten Stufen die Steilheit ermessen. Diese Stufen erklommen in der Vergangenheit die Priester und Dienerinnen zu besonderen Anlässen.
Vorbei an langen, steinernen Mauern und an Souvenirhändlern, die uns selbstgebastelte Flöten oder Reiseführer für Angkor andrehen wollen, bewegen wir uns in Richtung der Elefantenterrasse. Diese erstreckt sich über eine Länge von gut 500 Metern und hat ihren Namen durch die Reliefdarstellungen von verschiedenen Elefantengruppen erhalten. Laut Überlieferungen sollen hier auch regelmäßig Prozessionen mit diesen Tieren abgehalten worden sein. Links und rechts der Terrasse sind wieder große Elefantenköpfe angebracht, deren Rüssel bis auf den Boden reichen. Rechterhand ist ein kleines Areal, das sich durch reich verzierte Wände und ungemein detailreich abgebildete Apsarah-Tänzerinnen auszeichnet. Wir gehen durch die verschlungenen Gänge und werden nur von einer großen Schlammpfütze aufgehalten. Da ist kein Durchkommen und uns bleibt nur der Rückweg offen. Oberhalb dieser Apsarah Abbildungen stehen zwei Steinfiguren, wovon eine im ganzen Land als der „Leprakönig“ bekannt ist. Laut einer Sage stellt die verstümmelte Statue einen König des Khmervolkes dar, der trotz einer Lepraerkrankung die Geschicke des Landes weiterleitete. Die wahre Erklärung für diese Figur hört sich einfach wesentlich langweiliger an, weshalb auch die Sage weiter in der Bevölkerung kursiert. Der eigentliche Grund für die verunstaltete Figur ist ein Krieg gegen Vietnam, während dessen Verlauf die Statue von einer Granate getroffen wurde und deshalb verschiedene Gliedmaßen nicht mehr vollständig vorhanden sind.
Jetzt ist erstmal ein wenig Stärkung angesagt und wir kehren in ein kleines Restaurant, gleich neben dem großen Wasserbassin, das Angkor Wat umgibt, ein. Hier verweilen wir für eine gute Stunde und gönnen uns einen frischen Fruchtsalat sowie frische Kokosnussmilch. Gleich nach dem Essen müssen wir uns wieder die Souvenierhändler in Gestalt kleiner Kinder oder Kriegsversehrter vom Leib halten
Im Anschluss fahren wir zu den wohl berühmtesten Tempeln der gesamten Anlage: „Ta Prohm“. Bekannt wurden diese Tempel durch den Film „Tomb Raider“, der teilweise in den Ruinen gedreht wurde. „Ta Prohm“ ist der einzige Komplex, der noch im Originalzustand erhalten ist. Alle anderen Tempel wurden von den Würgefeigen und anderen Bäumen befreit. Hier aber wuchern die Urwaldriesen mit ihren massigen Wurzeln noch ungestört unter, über und durch die Tempel und Mauern. In jeder Ecke liegen große, von Moos bewachsene, Steinhaufen eingestürzter Gebäude. Die Magie dieses Ortes nimmt einen sofort gefangen und lässt sich auch nicht von den anderen anwesenden Touristen stören. Über eine Stunde schlendern wir durch die verschiedenen Innenhöfe und Pfade und stehen immer wieder staunend vor den großen Bäumen und Wurzeln. Man kann sich leicht vorstellen, wie es den Forschern der damaligen Zeit zumute gewesen sein muss, als sie auf dieses Areal gestoßen sind.
Die vorletzte Anlage für heute heißt „Ta Keo“, ein recht ansehnlicher Tempelberg gleich neben dem Tempelbezirk „Angkor Thom“. Auch diese Anlage können wir besteigen und es ist wieder ein Erlebnis, die steilen Stufen zu erklimmen. Im oberen Bereich ist ein kleiner Altar aufgebaut, an dessen Buddhastatue einheimische und fremdländische Buddhisten ihre Aufwartung machen. Der süße Duft der Räucherstäbchen schlägt einem sofort entgegen.
Als letzten Anlaufpunkt haben wir heute die Bebäudegruppe „Banteay Kdei“ auf dem Programm. Diese besticht durch eine wunderschöne Frontansicht. Ein kleiner Wasserlauf vor den aufragenden Gebäuden spiegelt die Skyline exakt wieder. Wir klettern durch die einzelnen Gebäude und lassen die Natur auf uns wirken. Diese Anlage ist leider etwas schlechter erhalten, aber sie strahlt trotzdem eine Faszination aus, der man sich nicht entziehen kann.
Relativ fertig kommen wir am Hotel an und erfrischen uns mit einer kalten Dusche. Nach einer Ruhepause von knapp einer Stunde gehen wir gemeinsam ins Zentrum Siem Reaps. Wir wählen das Restaurant „Temple“ und setzen uns in den ersten Stock. Hier wird allabendlich eine kostenlose Tanzaufführung mit den Apsarah Tempeltänzen sowie weiteren bäuerlichen Tänzen abgehalten. Die Tische füllen sich recht schnell und um 20 Uhr geht es dann auch schon lautstark los. Faszinierend, wie beweglich die Tänzerinnen und Tänzer sind. Zwischendurch lassen wir uns unser Essen schmecken, welches wirklich erstklassig ist. Am Treppenaufgang entdecken wir einen Hinweis, dass hier auch Kochkurse abgehalten werden. Wir melden uns gleich mal an, da das ein schöner Abschluss der Reise wäre. Und am letzten Tag haben wir eh kein Programm mehr, bis zum abendlichen Abflug.
Nach dem Essen schlendern wir noch durch die Pup Street, an welcher alle möglichen Restaurants und Bar liegen. Um ein Wasserbassin stehen und sitzen viele Touristen und lachen lautstark. Schnell wird uns klar warum. Hier kann man die weitverbreitete Fischmassage ausprobieren. Im Bassin sind hunderte, kleine Putzerfische und sobald man die Füße ins Wasser steckt, kommen sie daher und knabbern einem die abgestorbenen Hautzellen ab. Mal schaun, vielleicht tue ich mir das auch noch an.
Den Angkor-Nachtmarkt wollen wir noch kurz besuchen und werden auch recht schnell fündig. Hier kann man alle möglichen Souvenirs kaufen, aber mit einem normalen Markt hat das nichts mehr zu tun. T-Shirts, Schuhe, Bilder, Kleider etc. werden zu Hauf angeboten, wobei doch einige Stände geschlossen sind. Wir kommen mit einer der Händlerinnen ins Gespräch und erfahren, dass durch die Wirtschaftskrise die Touristen ausbleiben und teilweise Einbußen bis hin zu 50 Prozent zu verschmerzen sind. Das ist natürlich ein großes Problem, da meist ganze Familienclans an so einem Geschäft hängen.
Fertig von diesem anstrengenden Tag laufen wir zu unserem Hotel uns sinken zufrieden und mit vielen Eindrücken ins Bett.