Reisebericht Rundreise Vietnam und Kambodscha - von Hanoi nach Siem Reap

  • Cathrinka
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    geschrieben 1279720620000

    Kurze Anmerkung einer besserwisserischen Landeskennerin. :?

     

    Die Trockene Halong Bucht, wo ihr zuerst Station gemacht habt, befindet sich nicht nordoestlich, sondern rund 100km suedlich von Hanoi in der Provinz Ninh Binh. Von dort faehrt man dann nach Nordosten mitten durch das Delta des Roten Flusses in Richtung Halong.

     

    Viele Gruesse

    Cathrin

  • AEVFranke
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    geschrieben 1279739145000

    Hallo Cathrin,

    danke für die Info, werd meinen Bericht dahingehend abändern :)

    lieben Gruß

    AEVFranke

    Wer hinter dem Mond lebt, hat´s wenigstens schön schattig. / Reisebericht Vietnam - Kambodscha 2009 im Asienforum / Reisebericht Peru 2008 im Südamerika Forum :) / Reisebericht Mexiko 2006 im Mittelamerika Forum :)
  • JasonHellweek
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    geschrieben 1279803640000

    Ich finde die Berichte echt gut und habe jeden Tag mehr Lust dorthin zu fahren!

  • AEVFranke
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    geschrieben 1280136326000

    5. Tag: 09.10.09, Halong - Hanoi

    Der Morgen in Halong begrüßt uns mit einem wolkenverhangenen Himmel, mit wenig Aussicht auf Sonne. Die Uhr zeigt gerade mal 7.30 Uhr, aber es ist schon drückend schwül und warm. Das Frühstück hier lässt schon sehr zu wünschen übrig. Außer Marmelade und Brot gibt es leider nichts, man könnte meinen man wäre in Frankreich. Den Einfluss kann man manchmal einfach nicht verdrängen.

    Kurz nach 8 Uhr düsen wir schon los, um unser Schiff im Hafen zu entern. Hier herrscht bereits ein heilloses Durcheinander, da sich viele Reisegruppen so früh hier einfinden, um auf die Tagestour zu gehen. In Halong liegt der einzige Hafen, von dem aus die Touren gestartet werden. Wir warten nicht lange und schon begeben wir uns zu unserem Schiff. Ein kleiner Kahn mit Oberdeck zum Sightseeing und Unterdeck zum Essen.

    Wir tuckern aus dem Hafen und lassen zig Ausflugsschiffe hinter uns. Man will sich gar nicht ausmalen, was hier los wäre, wenn alle Schiffe ausgelaufen sind. Und dank den Dieselmotoren vergisst man auch recht schnell, dass man sich hier in einem Weltnaturerbe befindet. Es ist eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Einerseits benötigt man die Natur hier, um Touristen und damit Geld anzulocken, andererseits zerstören die Touristenmassen nach und nach die Natur und damit auch die Grundlage der hiesigen Wirtschaft. Hier müsste schnellstens ein Gleichgewicht geschaffen werden, aber wie überall auf der Welt zählt hier auch nur der Ertrag.

    Vor der Küste breiten sich auf einigen hundert Quadratkilometern mehr als 3000 Kalkfelsen aus. Einer Legende nach, soll hier ein Drache ins Meer gestürzt sein, um das vietnamesische Volk zu beschützen. Die einzelnen Felsen sollen den versteinerten Drachenrücken darstellen. Auch ohne diesen Hintergrund sieht das Panorama faszinierend aus. Egal wohin man blickt, überall ragen Felsen aus dem Wasser heraus. Hier und dort erblickt man eines der Ausflugsboote und dazwischen auch mal ein Hotelschiff, auf welchem man mehrere Tage durch die Bucht fahren kann. Es werden mal wieder mehr als genug Fotos der Gegend geschossen, aber irgendwie bietet jeder Blickwinkel wieder eine neue schöne Ansicht, die man gerne festhalten will.

    Erster Anlaufpunkt auf der Rundfahrt ist die Tropfsteinhöhle Hang Thien Chung. Bereits auf der Fahrt dorthin müssen wir feststellen, dass die Höhle „die“ Attraktion der Umgebung ist. Je näher wir kommen, umso mehr Schiffe steuern die gleiche Richtung an. Am Kai vor der Höhle liegen dann an die 30 Schiffe vor Anker und dank verschiedener Durchsagen und musikalischer Untermalung herrscht hier eine Atmosphäre wie auf einem belebten Bahnhof. Zusammen mit gefühlten 500 koreanischen Touristen, die sich alle gleichzeitig etwas zu erzählen haben, besichtigen wir die Tropfsteinhöhle. Die farbenfrohe Illumination ist überwältigend, aber auch die schwülwarme Luft trägt dazu bei, dass einem der Mund offen stehen bleibt. Eine knappe halbe Stunde lassen wir die Eindrücke auf uns wirken und treten dann wieder hinaus in die Sonne. Ca. 100 Meter weiter gibt es noch eine Höhle zu besichtigen, was aber keinen zu interessieren scheint. Diese ist nicht groß ausgeleuchtet und wird deshalb auch von niemandem besucht. Ein Grund mehr, um sich da mal genauer umzusehen. Wir machen den Rundgang alleine und reihen uns danach wieder in die Massen Richtung Kai ein. Unterwegs probieren wir eine Spezialität, die man bei uns so nicht bekommt. Frisches Zuckerrohr als Süßigkeit für Zwischendurch. Ein Stück in den Mund, kauen, den süßen Saft schlucken und die restlichen Fasern ungeniert in die Gegend spucken ;) .

    Wir fahren wieder los und steuern als nächsten Stopp eines der schwimmenden Dörfer an. Hier verbringen die Einwohner ihr ganzes Leben auf dem Wasser. Nur für Besorgungen von Baumaterial oder für weiterführende Schulen verlassen die Menschen ihre Umgebung. Der Lebensunterhalt wird durch Fisch- und Krebszucht bestritten. Und eine dieser Fischfarmen schauen wir uns jetzt an. Holzplanken auf schwimmenden Fässern bilden den wackligen Untergrund dieser Farm. Löcher im Boden, mit Netzen darin, bilden die natürlichen Aquarien für die Waren Fisch und Krebs. Heute sehen wir zum ersten Mal eine Urkrebsart, die hier auch gegessen wird.

    Wieder zurück auf dem Schiff steigen uns schon die Düfte aus der Küche in die Nase. Während wir im unteren Deck frischen Fisch und gebratene Garnelen zu uns nehmen, fahren wir weiter durch die einmalige Landschaft. Vorbei an diversen Felsformationen, z. B. „die Ente“, nähern wir uns auch schon wieder dem Hafen. Aber ohne eine vorherige Verkaufsveranstaltung werden wir natürlich nicht entlassen. Wieder werden uns alle Arten von Textilien angeboten und auch lauter echte Perlen, zu besonders günstigen Preisen. Naja, bei anderen klappt das vielleicht, bei uns nicht.

    Um 13 Uhr steigen wir wieder in den Bus und fahren zurück nach Hanoi. Hier machen wir einen kleinen Abstecher zur Oper, die wir noch kurz besuchen. An deren Ausgang werde ich von einer Obstverkäuferin angesprochen und keine 30 Sekunden später habe ich schon die beiden Verkaufskörbe auf der Schulter. Schnell werden ein paar Fotos geschossen und als Bezahlung kaufe ich noch ein paar Bananen. Schon sitzen wir wieder im Bus und fahren zum Bahnhof. Hier geht es recht gesittet zu und wir decken uns noch mit Getränken und Essen für unsere Zugfahrt ein. Mutig holen wir uns an einem der Stände ein Brot, gefüllt mit Hähnchenstücken und verschiedenem Gemüse. Schmeckt gut und hatte auch keine Nachwirkungen. Zur Not haben wir ja noch einen Reisschnaps im Gepäck :).

    Im Zug beziehen wir unser Abteil für die nächsten 13 Stunden. Vier Leute, aufgeteilt auf 4 knapp bemessene Pritschen und gerade noch genug Platz für das Gepäck. Wir trinken zusammen noch einen Schluck Schnaps und genießen ein kühles Bier. Der Zug schlängelt sich derweil mit wahnwitziger Geschwindigkeit (bis zu 60 km/h) durch schmale Schneisen in der Stadt und durch weitläufige Reisfelder. Wir versuchen etwas Schlaf zu bekommen, aber es ruckelt die ganze Zeit recht heftig und auch die Jagd nach den Kakerlaken lässt einen eher nicht zur Ruhe kommen.

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  • chriwi
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    geschrieben 1280140421000

    @AEVFranke sagte:

    Es ist eine sehr zwiespältige Angelegenheit.

    Das fand ich auch. Und ich find schade, dass die Boote offensichtlich alle auf der selben Route unterwegs sind. Die könnten die Boote auch auf Schienen durch die Bucht ziehen.

    Trotzdem fand ich die Tour gut, wir hatten ein schönes Schiff mit einer komfortablen Schlafkabine und eine nette, interessante Gruppe. Abends wenn's still wird in der Bucht mit einem Bierchen auf dem Oberdeck zu sitzen, ist eine meiner schönsten Erinnerungen an diesen Vietnam-Urlaub.

    Forenregeln... <--- Das war ich nicht, das war ein Admin!!! Vorher hatte ich da meine Homepage stehen und den Hinweis auf eine sehr coole Vietnam-Gruppe, die ich leite.
  • AEVFranke
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    geschrieben 1280315981000

    6. Tag: 10.10.09, Hue

    ... ratter, ratter, schepper, ratter, ratter, schepper ... So erholsam kann eine Zugfahrt sein. Die Sonne scheint schon um halb 6 in unser Abteil und von da an kann keiner mehr wirklich schlafen. Die Luft ist wegen der nicht leicht zu regulierenden Klimaanlage zuerst drückend schwül, dann im nächsten Moment wieder zu kalt. Abwechslung muss sein.

    So gegen 8 Uhr erreichen wir durchgeschüttelt den Bahnhof in Hue. Unser kleiner Bus erwartet uns schon und wir fahren zuerst zum Hotel, um uns etwas frisch zu machen und zu frühstücken. Nun gut, es gibt schon etwas Essbares, aber der schimmlige Kuchen verdirbt einem dann doch den Hunger. Also halten wir uns eben an die gebratenen Nudeln und den Gemüsereis.

    Unser Hotel befindet sich in einer Querstraße unweit des Parfümflusses und gleich in Reichweite des Vergnügungsviertels. Kurze Heimwege sind garantiert.

    Mit einer Bootsfahrt auf dem Parfümfluss starten wir in den Tag. Den Namen trägt der Fluss, da er in der Regenzeit Unmengen an Pollen aus dem Hochland mit sich führt und teilweise auch danach riecht. Wir riechen heute nichts davon, wobei der Fluss schon ziemlich viel Wasser führt und die Regenzeit erst kurz vorbei ist.

    Genau gegenüber unserer Anlegestelle liegt der Markt von Hue und am Ufer davor liegen viele vertäute Boote. Die meisten davon sehen aus wie Hausboote, wobei die Lebensumstände dort schon sehr ärmlich sind. Vorbei an diesen Booten fahren wir flussaufwärts und steuern unseren ersten Besichtigungspunkt an: die Thien Mu Pagode. Noch ist es relativ ruhig und wir sind nur mit wenigen anderen Touristen hier. Der Pagode vorgelagert, überragt ein hoher Turm das ganze Areal. Links und rechts des Turmes finden wir wieder die obligatorischen Trommeln, die Frank mal wieder nicht in Ruhe lassen kann. Die anschließende Pagode ist wie alle anderen auch reichlich verziert und extrem bunt. Die vorherrschende Farbe ist, wie überall, die Farbe rot.

    Nach einem kurzen Aufenthalt geht es weiter zur größten Attraktion vor Ort, der verbotenen Stadt. Hue war zeitweise die Kaiserstadt von Vietnam und hier haben die Einwohner im 18. Jahrhundert eine kleinere Version der verbotenen Stadt von Peking nachgebaut. Durch ein Tor in der Stadtmauer kommt man in den ersten Innenbereich. Dort trifft man auf insgesamt 9 heilige Kanonen. Diese befanden sich zu Zeiten des Kaisers zur Verteidigung auf den Mauern. Die Franzosen haben diese dann aber bei der Machtübernahme demontiert und seither stehen sie an den beiden Eingangsstraßen. Den inneren Festungsmauern vorgelagert ist der Flaggenturm, auf dem weithin sichtbar die vietnamesische Flagge gehisst ist. Genau gegenüber befindet sich das Eingangstor in die verbotene Stadt, das sogenannte Mittagstor. Durch dieses zentral gelegene Tor betreten wir die Stadt und besichtigen zuerst das Gebäude mit den Empfangs- und Repräsentationsräumen. Jenes ist komplett restauriert, da es im Vietnamkrieg weitgehend zerstört wurde. Genauso erging es der gesamten Anlage: Sie wurde damals zum größten Teil zerbombt und wird in den nächsten Jahren wieder aufgebaut. Mehrere Gebäude stehen überhaupt nicht mehr, andere sind zumindest teilweise unversehrt. Laut unserem Reiseleiter soll die Anlage innerhalb von 10 Jahren wieder komplett aufgebaut werden.

    Vorbei an 2 großen Teichen mit unzähligen Fischen gehen wir zur Halle der höchsten Harmonie. Hier steht leider nicht mehr allzu viel. Mehrere kleine, steinerne Drachen stehen in der Landschaft und man erkennt erst bei näherem Hinsehen, dass sie allesamt aus Plastik sind. Rechter Hand sieht man die Halle der Mandarine, in der heute ein Kiosk sowie ein kleines Museum untergebracht sind.

    Nächster Anlaufpunkt ist das Theater, in dem zu Zeiten des Kaisers täglich Aufführungen stattgefunden haben. Mitten im Raum steht ein prachtvoller Thron und es sind einige kaiserliche Gewänder zu bewundern. Gegen einen recht teuren Obolus kann man sich hier verkleiden und sich dann als Kaiser mit Gefolge fotografieren lassen. Aber 20$ war es uns dann doch nicht wert.

    Der Lesepavillon ist wieder ein optisches Highlight. Über und über ist er verziert mit Mosaiken und auch die Figuren auf dem Dach sind allesamt mit Tonscherben beklebt. Dieser Pavillon wurde von den Bomben der Amerikaner weitestgehend verschont und ist noch im Originalzustand erhalten.

    Der Palast der Kaiserin ist gerade im Aufbau und überall arbeiten die Handwerker an der Fertigstellung. Hier kann man mal sehen, wie viel Arbeit in die Restaurierung gesteckt wird.

    Zum Ende des Rundgangs kommen wir in einen Bereich, der noch nicht restauriert wurde und in dem man noch die Brandspuren des Krieges sehen kann. Mehrere Tore stehen teilweise zerstört und komplett verrußt neben unversehrten Gebäuden und geben ein surreales Bild ab.

    Während wir die Eindrücke noch auf uns wirken lassen, warten wir außerhalb der Anlage auf unseren Bus, der uns jetzt zu den Kaisergräbern etwas fern der Stadt bringen wird. Insgesamt gibt es 4 oder 5 dieser Gräber, wir werden uns aber nur das Grab von Tu Duc ansehen. Unterwegs halten wir an, um uns einmal die Produktion von Räucherstäbchen anzusehen. Diese werden hier noch in Handarbeit gefertigt. Die Herstellung läuft folgendermaßen ab:

    Zuerst wird eine Paste angerührt, die die duftenden Bestandteile wie Sandelholz, Zimt etc. enthält. Mithilfe eines Spatels wird diese dann auf die kleinen Holzstäbchen angebracht. Danach werden sie in Bündeln an die Sonne gestellt, um zu trocknen. Angi darf sich gleich mal an die Arbeit machen und schlägt sich ganz wacker. Sieht ziemlich leicht aus, ist es aber nicht. Natürlich decken wir uns gleich mal mit ein paar Päckchen ein.

    Dank meinen fotografischen Eskapaden sagen die Akkus leise Servus und ich muss mich völlig „nackt“ auf die Besichtigung des Kaisergrabs machen. Die Anlage besteht aus einem großen Areal, in dem sich unter anderem ein See befindet. Dort wachsen tausende von Seerosen und Lotusblumen. Einer Legende nach, ließ Tu Duc von seinen Konkubinen den Morgentau von den Blüten sammeln, um sich daraus einen Tee zuzubereiten.

    Über eine Treppe kommen wir zu einem höher gelegenen Areal. Dort steht eine große Steilstele, auf der das Leben des Kaisers wiedergegeben wird. Diese Lebensgeschichte schrieb der Kaiser selbst, da das Grab schon lange vor seinem Tod gebaut wurde. Umbaut von mehreren Mauern findet man dann das Grab Tu Ducs, welches im Gegensatz zu der Anlage wenig beeindruckend ist. Ob sich des Körper wirklich innerhalb des Grabes befindet, kann auch heute nicht mit Sicherheit gesagt werden.

    Den Nachmittag beenden wir mit gemütlichem Shoppen und am Abend treffen wir uns alle wieder und gehen zusammen zum Essen. Hier probieren wir das erste Mal eine Fanta Xa Xi (Sarsi). Ein sehr interessanter Geschmack, der dem Geschmack von Jägermeister ähnlich ist.

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  • AEVFranke
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    geschrieben 1280748370000

    7. Tag: 11.10.09, Hue

    Wiedersehen macht Freude. Aber nur, wenn es sich nicht um den schimmligen Kuchen vom Vortag handelt. Der hat aber anscheinend Sehnsucht nach mir und begrüßt mich gleich mal am Buffet. Na dann: Guten Morgen.

    Heute steht ein freier Tag auf dem Plan, aber Thang (unser Reiseleiter) bietet an, dass wir gemeinsam auf den Markt gehen könnten. Diese Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen, denn so lernt man mal die ganzen exotischen Früchte besser kennen. Schon auf dem Weg dorthin kommen uns mehrere Frauen mit ihren typischen Tragekörben entgegen. Rund um den Markt herrscht bereits reges Treiben, da hier ja jeder schon ab 5 Uhr unterwegs ist.

    Schon am Eingang sehen wir viele Früchte, die uns bisher noch nicht geläufig sind. Unter anderem probieren wir hier Rambutan und Longans, beides Früchte die der Litchi recht ähnlich sind. Gekühlt sehr lecker, aber hier am Markt doch eher recht warm und deshalb nicht so lecker. Im Markt werden wir von den Gerüchen halb erschlagen. Links und rechts von uns breiten alle ihre Früchte und ihr Gemüse aus, von Wasserspinat, über Gurken, Ingwer, Kokosnuss und Zuckerrohr ist hier alles zu bekommen. Hier probieren wir ganz junge Kokosnuss, was eine Delikatesse ist. Aber leider nicht für uns. Sieht aus wie ein Klumpen Schaumstoff und schmeckt auch irgendwie danach. Interessanter ist da schon die angrenzende Fisch- und Fleischabteilung. Da wird gehackt und geschnippelt was das Zeug hält, frische Fische, Meeresfrüchte und Frösche wohin man sieht. Und es herrscht ein Lärm und ein geschäftiges Treiben, dass man schier taub wird.

    Nach erfolgreichem Überleben streben wir wieder den eher ruhigeren Zonen des Marktes zu. Hier wird alles verkauft, was man in entferntester Weise irgendwann einmal brauchen könnte. Hin und wieder kommt man an Garküchen vorbei oder es werden mitten im Gang Früchte verkauft. Bei einer Verkäuferin machen wir Halt und probieren eine Jackfrucht. Schmeckt klasse, sollte man aber nicht mit der Durian (Stinkfrucht) verwechseln. Die Jackfrucht hat kleine Stacheln, die Durian große. Und weshalb die Durian auch Stinkfrucht heißt, merkt man spätestens, wenn man sie anschneidet :-).

    Nach gut 2 Stunden verlassen wir den Markt und treiben uns alleine in Hue herum. Wir wollen eine kleine Pagode besuchen und etwas abseits der Touristenströme die Stadt erkunden. Unweit des Marktes befindet sich die Dieu-Te Pagode in einer Nebenstraße. Überall sieht man Menschen, die die Spuren des Taifuns beseitigen, der hier vor knapp 2 Wochen gewütet hat. Viele Straßen sind noch mit einer dünnen Lehmschicht bedeckt, die jetzt mühsam weggeschippt und weggewaschen wird. Dort, wo die Touristen hauptsächlich verkehren, merkt man fast nichts davon, aber etwas abseits wird gerade erst angefangen. Die Pagode ist recht nett, aber leider geschlossen, so dass wir nur etwas durch den Garten pilgern, aber keinen Blick in sie werfen können. Also laufen wir weiter zu anderen Sehenswürdigkeiten: der Chien-Ung Pagode sowie dem Heiligtum Hoi Quan Quang Dong. Der Weg dorthin ist wesentlich länger als aus dem Stadtplan ersichtlich und ziemlich ernüchternd. Denn beide sind geschlossen und nur von außen zu betrachten. Jetzt haben wir die Wahl: Entweder wir laufen den gleichen Weg zurück, oder wir gehen bis zur nächsten Brücke, die gleich da sein sollte. Sollte!!! Nach einer halben Stunde und bei knapp 40 Grad in der prallen Sonne kommen wir auch wirklich dort an. Kein Problem, man kann ja überall etwas zu Trinken kaufen. Oder auch nicht, denn in der Mittagszeit hat fast kein Laden geöffnet. So trotten wir am Straßenrand bei Hitze und Staub wieder Richtung Hotel. Unterwegs finden wir dann doch noch einen Laden, der offen hat - der aber auch gesalzene Preise für die Flasche Wasser verlangt. Also schauen wir einfach mal, ob es nicht wo anders auch noch Wasser für uns gibt. Überraschenderweise haben doch einige andere Läden ebenfalls noch auf und verlangen sogar humanere Preise. Die bekommen dann auch unser Geld.

    Am späten Nachmittag schlendern wir wieder durch die Gassen der Stadt und ich nehme mir 2 Whiskys für zu Hause mit. Einen pur und den anderen gemischt mit Reisschnaps. Die beiden werd ich mir zu Hause (daheim) so richtig schmecken lassen. Den Abend lassen wir zusammen in einem Lokal ausklingen, das sehr touristisch angehaucht, aber trotzdem fast leer ist. Woran das liegt, keine Ahnung, das Essen ist hervorragend. Zum Schluss wollen wir noch einen Reisschnaps probieren. Auf der Karte ist dieser mit knapp 2 $ ausgezeichnet und das wären wir auch bereit zu zahlen. Auf Nachfrage stellt sich aber heraus, dass die Flasche (200 ml) 2 $ kostet, nicht das Glas. Na dann, her damit :-).

    Morgen haben wir eine längere Fahrt vor uns. Wir werden den Wolkenpass überqueren und gegen Nachmittag in Hoi An ankommen.

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  • AEVFranke
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    geschrieben 1280911817000

    8. Tag: 12.10.09, Hue – Hoi An

    Was für ein Glück, dass mich mein Kuchen bereits zum Frühstück wieder freudig erwartet. Ich strafe ihn trotzdem mit Nichtachtung und wende mich wieder den Nudeln und dem Reis zu. Das Frühstück haut uns nicht vom Hocker und kann im nächsten Hotel eigentlich nur besser werden.

    Kaum sind wir aus der Stadt Hue raus, bietet sich wieder das typische landschaftliche Bild Vietnams. Weite, grüne Reisfelder hier und dort Wasserbüffel und vereinzelt Bauern mit ihren Reishüten auf den Feldern. Eine Abwechslung bieten die vereinzelten Gräber auf den Feldern. Hier werden die Bauern auf ihren Feldern beerdigt, damit die Toten auch nach ihrem Ableben noch über die Familie wachen können.

    Eine weitere Abwechslung stellen die vermehrt auftretenden Soldatenfriedhöfe dar. Daran erkennt man, dass man durch ein schwer umkämpftes Gebiet des Vietnamkrieges fährt. Einen dieser Friedhöfe sehen wir uns genauer an. An vielen Gräbern stehen keine Namen, da auf nordvietnamesischer Seite viele Guerillakämpfer ohne Ausweis und „Hundemarke“ gegen die Amerikaner und Südvietnamesen gekämpft haben.

    Einen kurzen Zwischenstopp legen wir am Strand von Da Lang ein. Hier kann man die gewaltige Zerstörungskraft des Taifuns sehen, der vor knapp 2 Wochen dort gewütet hat. Am Stand steht fast keine Palme mehr und alles ist immer noch mit massenweise Treibgut verunstaltet. Hier kommen wir mit einem Vietnamesen ins Gespräch, der uns berichtet, dass sein Haus komplett weggerissen wurde. Gleichzeitig präsentiert er uns seine Sammlung aus ausländischen Münzen und Scheinen und fragt uns nach ein paar Exemplaren aus Europa. Ein paar Cent-Stücke haben wir lose im Geldbeutel und geben sie ihm. Wenn er jeden Touristen danach fragt, dann wird er sich schon ein nettes Zubrot verdienen.

    Unser Weg führt uns nun über ein kleines Gebirge, das den Norden vom Süden trennt. Der Pass darüber wird Wolkenpass genannt und war einer der am meisten umkämpften Flecke während des Vietnamkriegs. An der Spitze stehen neben vielen Verkaufsständen auch noch ein paar verfallene ****** der Amerikaner, die hier oben einen Aussichtsposten hatten. Wir steigen kurz aus und schauen uns diese aus der Nähe an. Irgendwie ein beklemmendes Gefühl, wenn man an einer der Schießscharten steht und nach draußen sieht. Man hat freien Blick über ein weites Stück Land und möchte sich nicht vorstellen, was für Szenen sich hier abgespielt haben.

    Nach dem Wolkenpass kommen wir in den Bereich der Marmorberge. Hier wurde früher (wie der Name es bereits verrät) Marmor aus den Bergen gewonnen. Heutzutage wird jenes Gestein nur noch hierher transportiert und vor Ort verarbeitet. Das ganze Dorf besteht aus vielen Marmor verarbeitenden Werkstätten. Natürlich besuchen wir eine davon und kaufen eine Kleinigkeit als Mitbringsel. Interessanter ist da schon die Chua Tum Thai Pagode, die auf einem der Berge gelegen ist. Der Weg dorthin ist gesäumt von riesigen Marmorfiguren. Die Pagode selbst strahlt wieder in allen möglichen Farben. Einige Wächterfiguren sind besonders farbenfroh in Blau- und Rottönen gehalten und es gibt mehrere Figuren, die wie glasiert wirken. Hunde und Drachenfiguren sind über den gesamten Vorplatz verteilt. Noch eindrucksvoller ist die Dong Huyen Khong Höhle mit einem kleinen Altar darin. Die Höhle erreicht man durch einen von Fledermäusen bewohnten, stockdunklen Durchgang, der auch noch mit tückischen Stufen versehen ist. Der Eingang der Höhle wird links und rechts von böse blickenden Wächterfiguren gesäumt. Die Luft hier ist stickig und ziemlich schwülwarm. Bis zum Vietnamkrieg wurde die Höhle von innen erleuchtet. Heutzutage ist dies nicht mehr nötig, da durch Mörserbeschuss die Kuppe des Berges weggesprengt wurde und durch mehrere Löcher das Sonnenlicht eindringt. Im Anschluss steigen wir noch zu einem Aussichtspunkt auf und haben einen schönen Rundblick auf die nahegelegenen Marmorberge. Unter uns liegt die Stadt, aus der die Geräusche der Marmorfabriken erklingen.

    Nach knapp einer Stunde Fahrt erreichen wir gegen 13 Uhr Hoi An. Zuerst machen wir eine Garküche unsicher und genießen für nicht mal einen Dollar pro Person eine riesige Schüssel Suppe. Dann wird ins Hotel eingecheckt. Hier haben wir die Möglichkeit, für morgen einen Ausflug nach My Son zu buchen. Die Cham Türme dort interessieren uns sehr und darum investieren wir die 20 $ pro Person auch gerne. Nun aber hinein ins Getümmel von Hoi An, einer noch sehr schön erhaltenen Altstadt .

    Erster Anlaufpunkt ist die berühmte „Japanische Brücke“. Die ganz in rot gehaltene Holzbrücke steht schon seit mehreren Jahrhunderten und verbindet das japanische mit dem vietnamesischen Viertel. Die Hunde- und Affenfigur an den Enden der Brücke symbolisieren jeweils das Jahr des Beginns und des Endes des Brückenbaus. (Jahr des Hundes bzw. des Affen) Weiter geht es zum Tan Kuy Haus. Dies ist eines der ältesten noch erhaltenen Häuser am Ort. Es wird von einer Familie in x-ter Generation bewohnt und in Schuss gehalten. Das Haus lässt wunderbar die ursprüngliche Bauweise erkennen. Vietnamesische Häuser werden in der Langbauweise errichtet, d.h. das Gebäude ist nur ca. 3 - 4 Meter breit, kann dafür aber bis zu 40 Meter lang sein. Dabei reihen sich die einzelnen Zimmer aneinander, teilweise unterbrochen durch kleine Innenhöfe. Wir werden mit einer Tasse Tee empfangen und lassen uns die Geschichte des Hauses von seinen Bewohnern erzählen. An einer Wand sind die Marken der Hochwasser vermerkt. Der letzte Taifun ließ das Wasser über 2 Meter hoch steigen. Wenn man den Ort betrachtet, kann man fast nicht glauben, dass man außer etwas Schlamm auf den Straßen sonst nichts mehr davon sieht. Hinter dem Haus, direkt am Fluss, sitzt ein alter Fischer in seinem Boot und grinst uns mit seinen beiden Zahnstummeln an. Ein Foto und einen kleinen Obolus später ziehen wir weiter durch die Stadt. Die örtliche Pagode namens Diem Thiam Quan unterscheidet sich nicht wirklich von den bereits besuchten. Wir besichtigen noch kurz ein kleines Museum in dem Bilder und Ausstellungsstücke aus der Geschichte Hoi Ans ausgestellt sind. Damit ist der offizielle Teil beendet und wir durchstreifen Hoi An noch etwas auf eigene Faust. Besonders angetan haben es uns die verschiedenen Schneidereien und die Kunsthandwerkerstände. Hoi An ist bekannt für seine Seide und die kann man auch an jeder Straßenecke bekommen. Nach 2 Stunden wollen wir dann doch vorerst zurück zum Hotel, um uns etwas frisch zu machen. Zum Abendessen geht es dann nochmals in das Zentrum der Stadt, was einen Fußmarsch von knapp 15 Minuten entfernt ist. Gleich neben dem Hotel befindet sich die Schneiderei Sunny Silk II, in die wir „nur mal so“ reinschauen wollen. Tja, aus „nur mal so“ werden dann 1,5 Stunden. Angi überlegt sich ein Business Kostüm und ich mir eine Hose. Na gut, nach etwas Überredungskunst werden dann 3 Hosen draus. Es wird alles verdammt schnell angefertigt, so dass wir schon morgen unsere Sachen probieren können. Ist ja auch notwendig, da es übermorgen schon wieder weiter geht. Den Abend lassen wir in einem schönen Restaurant direkt am Fluss ausklingen.

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  • rockerbraut
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    geschrieben 1280916334000

    @AEVFranke

     

    ...deinen reisebericht lese ich mit begeisterung.

    wir haben vor vier jahren die gleiche reise gemacht - und wieviel ich

    (trotz der unendlichen fotomenge) vergessen habe, bemerke ich jetzt,

    wenn ich deine schilderungen lese, die nicht nur bilder, sondern auch

    gerüche und geräusche in mir wecken.

     

    danke schön - und bitte weiter !

    gruß rockerbraut
  • AEVFranke
    Dabei seit: 1197849600000
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    geschrieben 1280923428000

    Hallo Rockerbraut,

     

    danke für dein positives Feedback :)

     

    Genau aus diesem Grund hab ich mir auch vorgenommen, einen Reisebericht zu schreiben. So ist man sofort wieder im Urlaub und kann länger davon zehren :)

     

    Kann dich beruhigen, es geht noch weiter. Die Reise hat 24 Tage gedauert, es kommen also noch ein paar Eindrücke nach :)

     

    Gruß

    AEVFranke

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