Holger, Du hast schon Recht mit Deinen Feststellungen zur Lage vieler (nicht aller) Reisebüros. Die Innovationen müssen aber aus der Branche selber kommen, an eine Änderung des Kaufverhaltens zu appellieren und darauf zu hoffen, daß von den Kunden etwas kommt, führt zu nichts. Die Kunden sind nur ganz bedingt zu beeinflussen, sie laufen dahin, wo sie ihrer Meinung nach den besten Gegenwert für ihr Geld bekommen. Daß sie woanders unter dem Strich oft keinen besseren Gegenwert erhalten, ist sicher unbestritten.
Die Kunden bestimmen durch ihr Kaufverhalten, wo es lang geht!
Mir fallen spontan zwei Beispiele ein, wie durch verändertes Kaufverhalten der Kunden ganze Branchen zum Einsturz gebracht wurden, ohne daß auch nur der Hauch einer Chance bestanden hätte, das Unheil abzuwenden.
Ich denke an die Feuerzeugindustrie, in der ich mal beschäftigt war. Noch zu Beginn der 70er Jahre teilten Unternehmen wie Ronson, Rowenta, Ibelo und einige kleinere den Markt sozusagen unter sich auf. Dann warfen die Asiaten den Markt mit Einwegfeuerzeugen zu, und was passierte? Die Verbraucher, die bisher gediegene Produkte der o.e. Marken gekauft hatten, wandten sich ziemlich schnell dem neuen asiatischen Produkt zu, es war damals regelrecht in, ein solches Billig-Feuerzeug zu besitzen. Die etablierten Firmen verschwanden vom Markt (z.B. Ronson, Ibelo) oder verlegten den Schwerpunkt auf andere Sparten (z.B. Rowenta).
Ein anderes Beispiel ist der Lebensmittel-Einzelhandel. Ich kann mich erinnern, daß es in der Ortschaft, in der ich früher wohnte, für ca. 1.200 Einwohner drei kleine bis mittelgroße, privat geführte Lebensmittelläden gab. Dann machten sich Aldi, Plus etc. auf der grünen Wiese breit. Was passierte? Die Kunden der kleinen Einzelhändler, die sich teilweise sogar die Ware heim bringen ließen, liefen in Scharen zu den Discountern über.
Verbundenheit? Solidarität? Fehlanzeige! Die Folgen kennen wir alle, die Tante-Emma-Läden verschwanden zuhauf von der Bildfläche.
Was hätte man tuen können, um gegenzusteuern? In beiden Fällen nicht viel! Es gibt eben Marktentwicklungen, die nicht aufzuhalten sind.
Ähnlich, aber nicht ganz so schnell und dramatisch, ist die Entwicklung bei den Reisebüros. Es wurden viele Gelegenheiten verpaßt, rechtzeitig zu reagieren, da gebe ich Dir Recht. Und wahrscheinlich ist es für viele schon 5 nach 12. Aber ich denke, daß viele auch noch die Kurve kriegen könnten, wenn sie sich zusammenschließen und innovative Ideen realisieren würden.
Es ist schon klar, das alles ist nicht so einfach, wie es sich liest. Als Nichtbeteiligter an diesem Prozess hat man sicher auch gut reden, aber ich meine, es nützt nie im Leben, den Kopf in den Sand zu stecken!
Schöne Grüße nach Solingen
salvamor