Ich war vor 3 Jahren alleine in Sousse und war echt platt, wie schamlos ältere Damen da mit ihrem jugendlichen Lover umgegangen sind. Keine Spur von Diskretion. Am Anfang blickte ich einmal erstaunt so ein Pärchen an und als der Junge meinem Blick begegnete, schaute er verschämt zu Boden. Das war echt heftig. Ich dachte, es gibt da nur die übliche Anmache.
Ich finde es immer total schade, dass ich so unfreundlich sein muss, um mir die Kerle vom Leib zu halten. Klappt aber gut, wenn man das entsprechende Auftreten hat. *dampfwalzmodus* Ich wäre nur viel lieber freundlich, schon um mein Land würdig im Ausland zu vertreten, aber das geht ja garnicht.
Habt ihr Lust auf ein Anekdötchen zum Schluss?
Ich war auch mal schwer verliebt. Auch in Sousse, ich war 15 Jahre alt und wurde mega-angebaggert. Mit einem jungen Mann kam ich aber dann doch ins Gespräch. Er war 20 (also viiiiel älter) und wir haben stundenlang gequatscht. Der war echt toll und hat sich total zurückgehalten. Ich hatte den Eindruck, dass er sich wirklich gerne mit mir unterhält, dachte aber, das ist doch nur eine Masche. Irgendwie haben wir dann aber zusammen gegluckt, weil wir uns so viel zu erzählen hatten. Ich weiß heute noch die ganze Familiengeschichte auswendig. Und weil er mich nicht angetatscht oder Bemerkungen gemacht hat, fühlte ich mich sehr gewürdigt. (dachte aber, auch das ist wiederum eine Masche, bin immer sehr misstrauisch)
Er studierte in Kanada und war selber auch zwecks Urlaub in Tunesien bei seinen Eltern. Sein Vater wäre angeblich der Hoteldirektor. Habe ich natürlich nicht geglaubt, wurde dann aber vorgestellt (Vater war wenig erfreut, meine Bekanntschaft zu machen).
Nach ein paar Tagen war ich heftig verliebt und habe dann meinerseits angefangen zu baggern - und einen Korb gekriegt. Ich wäre zu jung und selbst wenn nicht, hält er nichts von Fernbeziehungen und zum ****** wäre ich ihm zu unschuldig. Oje, was für eine Schmach! Ich war ja so enttäuscht!
Trotzdem haben wir unter den ebenso wachsamen wie ungläubigen Augen meiner Eltern jeden Tag und jeden Abend ununterbrochen zusammen geredet. Irgendwann war es ihm am Strand zu langweilig und er hatte auch familiäre Verpflichtungen. Er musste seine Oma in der Stadt besuchen und fragte, ob ich mitkommen will. Von wollen konnte ja keine Rede sein, aber dürfen?
Meine Eltern lagen immer woanders als ich (klar, Teenies finden ihre Eltern ja voll peinlich). Wir zu meinen Eltern, wo J. sich mit einer Verbeugung meinem Vater vorstellte, seine Absichten kundtat und die Erlaubnis erhielt, mich 2 Stunden mitzunehmen. Ich dachte, ich höre nicht richtig! (Bin meinen Eltern heute noch dankbar dafür!)
Wir also mit dem Auto zur Oma gefahren. Da habe ich erstmals ein tunesisches Privathaus von innen gesehen, echt abgefahren! Die Oma war ein verhutzeltes Ömken, das eher die Uroma gewesen sein könnte. Natürlich gab es gleich Tee, ich wurde wortreich willkommen geheißen und von dem Gespräch habe ich null mitbekommen, da auf arabisch. Aber es war so toll! Ich fühlte mich überhaupt nicht als Fremde. Ich hätte da noch stundenlang sitzen können, aber J. achtete auf die Uhrzeit und lieferte mich pünktlich bei meinem Papi ab.
Das waren wundervolle Tage, zum Abschied wurde ich dann auch endlich geküsst
, wobei aber glasklar war, dass er mich nicht richtig liebt. Wir haben uns dann noch einige Zeit Briefe geschrieben und er hatte sogar den Anstand, mir anzukündigen, dass er mir nicht mehr schreiben möchte, mir aber alles Gute wünscht. Fand ich auch toll, obwohl ich natürlich total geheult habe. Vermutlich hatte er da eine gleichaltrige Freundin gefunden oder einfach keine Lust mehr auf kleine Mädchen, kann man ja verstehen.
Ich denke selten, aber sehr gerne daran zurück, es ist eine wunderschöne Erinnerung an meine Jugend.
Tunesien ist mein absolutes Lieblingsland, habe ich das schon erwähnt?