Sicherheit in Rio
-
Hallo Ivonne,
wie soll man dir darauf antworten? Es gibt keine Statistik die besagt - jeder soundsovielte Touri wird überfallen.
Es gibt Vorsichtsmaßnahmen:
- KEIN Schmuck
- Kreditkarte, möglichst mit Foto (wg. Haftungsbegrenzung)
- Immer etwas Geld lose in der Tasche
- Keine Entdeckungstouren durch die Favelas
- Nicht nachts um die dunklen Ecken ziehen
Und ansonsten hocherhobenen Hauptes durch die Strassen gehen und selbstsicher sein. Die Verschüchterten und Ängstlichen sind die ersten Opfer.
Ich war bisher ca. 10 Mal in Rio und uns ist nie auch nur annähernd was passiert - was aber nicht heißen soll, dort ist überall die Welt in Ordnung.
LG
Andrea -
Hervorragender Beitrag von Andrea, knapper und gleichzeitig besser kann es niemand ausdrücken.
Die Räubergeschichten, die man hier oft in den Medien findet, relativieren sich ganz schnell, wenn man dann vor Ort feststellt: Da steht nicht an jeder Ecke jemand, der mir nach dem Leben trachtet.
Die meisten Überfälle auf Touristen passieren nach groben Provokationen: offen zur Schau getragener teurer Schmuck, teure (auch vermeintlich teure) Uhren, Herumhantieren mit hohen Geldbeträgen, sexuelle Anmache etc. Wenn man in Rio schön unauffällig mit dem Strom schwimmt, hat man kaum etwas zu befürchten.
-
Da ich vor 1 Tag grad zurückgekommen bin:
Ich fande es sicher. Es gab eigentlich keine brenzlichen Situationen, die Menschen sind sehr offen und aufgeschlossen. Habe sogar eine Favelatour mitgemacht, was ich wärmstens empfehlen kann - ein tolles Erlebnis ! Einen deutschen Touristen habe ich in 2 Wochen übrigens nicht getroffen...
LG,
Chris -
@MegaData - Was fandest Du denn so aufregend an einer sog. Favela-Tour - Armut bestaunen

-
Ich möchte an dieser Stelle mal ein Loblied auf unseren Brasilien-Experten
matheusmanaus singen. Er lebt vor Ort in Manaus, schildert die Verhältnisse in Brasilien glaubhaft, weil zurückhaltend und einfühlsam. Er dramatisiert nichts, aber er verschweigt auch nicht die "Schwachstellen" des Landes, wozu auch der Komplex Sicherheit gehört.Leider ist das gerade bei einem Teil der deutschen Teil- oder Vollresidenten nicht immer der Fall. Da gibt es in Brasilien so eine bestimmte Spezies von "Möchtegern-Brasilianern", die sich vor allem im Internet über bestimmte Spezial-Brasilien-Foren ihre Kriminal-Sensationsgeschichten nur so um die Ohren schlägt. Als unbeteiligter Gelegenheits-Brasilien-Urlauber, der das liest, fühlt man sich nicht gerade motiviert, aufgrund solcher Räuberpistolen Brasilien zu besuchen. Wenn man den Geschichten allerdings auf den Grund geht, stellt sich meistens heraus, daß es sich um irgendwelche wie auch immer gearteten Gemetzel zwischen Drogengangs in den Favelas handelt, mit denen der normale Urlauber, so er etwas derartiges nicht gerade sucht, nie in Berührung kommt.
Sie sind nicht alle so, die deutschen Landsleute in Brasilien. Aber es gibt sie. Und man sollte ihnen tunlichst aus dem Wege gehen. Was ist es, das sie dazu treibt? Überdruß, zu viel des Guten, Langeweile? Oder wollen sie nur den altbekannten Spruch "Gott schütze uns vor Regen und Wind, und Deutschen, die im Ausland sind" bestätigen?
-
Die Favela-Touren finden mit Zustimmung der Favela-"Fürsten" statt, weil die "Eintrittspreise" größtenteils der Favela zugute kommen. Insoweit hat niemand ein Interesse daran, daß den Besuchern etwas geschieht.
Was bekommt man zu sehen? Relativ "aufgeräumte" Verhältnisse, so wie wenn die Erbtante Klara zu Hause zu Besuch kommt. Mit der Realität hat das alles nichts zu tuen. Deshalb kann ich gut auf einen solchen Besuch in einer Favela verzichten.
-
Ich habe zum Anfang mal in einem armen Viertel gewohnt, wer die Fotos in Europa sieht, nennt es gern Favela, obwohl es noch lang keine war.
Jung, trainiert, gerade zurueck von grosser Fahrt auf einem Militaerschiff und die Landessprache natuerlich beherrschend, musste ich als Neuer und Weisser zunaechst "die Verhaeltnisse" klaeren. Ich gab Unterricht in Kampfsport, Englisch und Deutsch. Was fuer eine Kombination.
Nach einem Ueberfall auf meine Schwester (Handtaschenraub) beriet man sich im Viertel, wer das aus dem Nachbarbezirk gewesen sein koennte, wog das Risiko ab und die Bosse einigten sich schliesslich, mit den anderen - den Taetern also - zu sprechen, ohne Gewalt und unnoetige Opfer und ohne Polizei sowieso. Wir bekamen unser Geld zurueck.
Ein Nachbar war bei der Policia Militar und kam zum Essen Mittags nach Hause, es gab Prediger, Drogensuechtige, *************, Tageloehner, Diebe, Studenten und viele nette andere Menschen - wie ueberall auf der Welt.
Wenn die Fahrzeuge der staatlichen Stromgesellschaft oben einbogen, wurden auf ein paar Pfiffe hin schnell alle "Schwarzanschluesse" an den ueberirdischen Masten beseitigt - um danach wieder angebracht zu werden.
Obwohl wir einmal bei Schuessen auf dem Boden lagen, haben wir sonst des Nachts ruhig geschlafen.
Einzig leidlich waren die staendigen Probleme mit Wasser, Abwasser, Strom usw. Das Leben und die Nachbarschaften funktionierten gut in dieser Not- und Zweckgemeinschaft. Aber jeder der konnte, so auch ich, hat natuerlich sobald als möglich dieses Viertel, in welches kein Taxi fahren wollte, verlassen.
Was haetten die Leute zu Touristen gesagt? Die Wilden Jungs haetten vielleicht ihre Waffen, Muskeln und Narben praesentiert und sich ueber die Angst der Gaeste lustig gemacht, Hehler haetten ihre Ware angeboten und die Gang haette gutes Geld dafuer genommen. Ein paar alleinstehende Muetter waeren gluecklich, ein paar Almosen zu empfangen. Vielleicht - ich kann es nicht sagen, denn zu uns kamen keine Touris - und wir haben keine vermisst.
In diesen Wochen muessen die Huetten und Haeuser einer neuen Strassenbruecke weichen ...
Und ein normaler Tourist bekommt von all dem genauso wenig mit, wie ein Pinguin am Pol vom Husten eines Elefanten in Afrika. Was gut ist, denn Urlaub soll ja vorallem der Erholung dienen.
-
So etwas, wie Matheus es hier beschrieben hat, würde mich natürlich auch reizen.
Interessant, daß nicht alles, was wir Gringos für eine Favela halten, auch wirklich eine ist. Es gibt viele Zwischentöne, in den Favela-ähnlichen Siedlungen wohnen nicht nur Menschen des Praekariats, sondern auch Menschen des brasilianischen Mittelstandes.
-
Auch ich kann nur Gutes über das Zusammenleben mit den Brasilianern berichten. Zugegebenermassen, wir haben damals als Angestellte eines deutschen Unternehmens in einer "betreuten" Wohnanlage (Mambucaba) mittig zwischen Rio und Sao Paulo an der Costa Verde gewohnt - zusammen mit dem brasilianischen Mittelstand. Überfallen wurde bei uns einmal der Supermarkt und einmal der Geldtransporter der Bank, alles glücklicherweise ohne Verletzte. Zum Einkaufen ausserhalb unseres Dorfes mußte ich, mangels Auto, mit dem Fahrrad über die Küstenstrasse bis in die nächste "Kleinstadt" radeln- anfangs war es für mich schon echt spannend - aber, selten habe ich soviel Hilfsbereitschaft erlebt und soviel beim Einkaufen gelacht und nie, wirklich nie, habe ich mich bedroht gefühlt. Wo ich mittels mangelnder Sprachkenntnisse nicht weiter kam, haben wir gemalt, geraten und wenn gar nichts ging, bin ich z.B. beim Metzger hinter den Tresen gebeten worden, hab ein Messer in die Hand gedrückt bekommen und sollte mir das Stück von der halben Kuh eben selbst abschneiden.

Alles in allem möchte ich die Zeit nicht missen, ich habe extrem viel gelernt und vor allem eine völlig neue Sichtweise über das Verhalten amerikanischer und europäischer Unternehmen in Dritt (oder wie Brasilien) Schwellenländern erhalten - doch dies ist ein anderes Thema
.Ich will nicht verhehlen, das es unter Umständen wirklich risikoreicher ist durch Brasilien zu reisen als durch Kleinkleckersheim - aber so riskant, wie es immer dargestellt wird, ist es nicht.
Ich rate jedem, der das Land kennenlernen möchte, es zu bereisen und sich vorurteilsfrei den Eindrücken zu stellen.
LG
Andrea -
Wir haben ja regelmaessig Gaeste aus der "alten Welt". Nach ihrem Urlaub sagen alle: Am Anfang waren einige Besuche bei Bekannten und Verwandten in wilden Gegenden ein Schock - aber alle sind von der Herzlichkeit der Leute beeindruckt und hatten zumindest in Begleitung nie wirklich Angst. Genauso - allerdings im positiven Sinne- sind sie bei Besuchen auf der Fazenda von der Groesse und Weite des Landes beeindruckt. Und vom Fleiss der Menschen.
PS. Wer moechte, kann ueber Mail auch mal ein paar Fotos / Videos aus der vergangenen Zeit bekommen