• Florian80w
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    geschrieben 1481977913351

    Oh ja, ganz düsteres Thema, wie sowieso der gesamte Bootsbaubereich. Macht ein fachkundiger Europäer konkrete Vorschläge, wie es besser und sicherer geht, reichen die Reaktionen von (harmlos) "Ägypten tickt nun mal anders, lass uns man machen" bis "Misch dich nicht ein, wir wollen keinen Neokolonialismus". Nicht grundlos brennen vergleichsweise viele derartige Boote ab. Ein Zertifikat vom Germanischen Lloyd würde wohl aktuell kein Safariboot bekommen.

  • Sabaelcher
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    geschrieben 1481989686951

    Natürlich wird in Ägypten anders als in der westlichen Welt gebaut - aber es hält! Ich finde es eine ganz tolle Leistung, was sich dort in den letzten Jahren alles getan hat, z. B. Kairo erkennt man verkehrstechnisch kaum wieder. Ich möchte nicht wissen, wie Europäer in der Wüste bauen würden bzw. ob sie es überhaupt schaffen könnten. Ich musste dort bisher nicht auf Strom, warmes Wasser und andere "zivilisierte" Annehmlichkeiten verzichten. Die zahlreichen (und sinnvollen) Windräder, die Mülltrennung etc. - alles noch in der Entwicklung aber es wird.

    Die Logistik stimmt auf jeden Fall schon ´mal.

  • Florian80w
    Dabei seit: 1335139200000
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    geschrieben 1481995989480

    Es hält - aber wie lange? Guck dir Rotmeerhotels an, auf die 3 Jahre keine Fassadenfarbe kam. Guck in der Werft in Hurghada, was in 1-2 Jahren an den Booten an Gammelholz entstand. Warum wohl verlangen bei Hotelneubauten die Banken nach Auszahlung der Tranche für das Betonskelett dessen Haltbarkeitsnachweis über 12 Monate, bevor es weiteres Geld gibt?

  • hbrem
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    geschrieben 1482007565292

    Tja, meine Lieben,

    wenn Ihr schon mit der Qualität von Häuserbauten usw. anfangt, muß ich meinen Senf auch dazu geben.

    Ich bewohne ein Haus in Safaga. Das Haus habe ich nicht gebaut. Als wir eingezogen sind war es mehr oder weniger ein Rohbau.

    Für einen Deutschen ist es unfassbar wie man so einen Murks veranstalten kann.

    Das überall die Wände krumm und schief sind, wird dann mit extrem dicken Fliesenmörtel versucht auszugleichen. Das gelingt natürlich nur teilweise. Das Verfugen der Fliesen wird mit weißem Zement und den Fingern gemacht. Wie das aussieht kann man sich vorstellen.

    Aus Kostengründen werden bei den Decken keine Ringanker eingebaut. Die Verzahnung der Steine an Mauerecken fehlt.

    Die Decken sind nur 10-15 cm dick, dann kommt jede Menge Sand auf dem mit einer dünnen Betonschicht Fliesen verlegt werden, ohne Wasserwaage. Ich habe noch keinen Ägypter gefunden der mit einer simplen Wasserwaage ohne vorherige Anleitung umgehen konnte.

    Die Verlegung der Wasserleitungen ist sehr abenteuerlich. An Starkstromanschlüssen fand ich Kabel mit einem 0,75 Querschnitt.

    Ich könnte das Ganze ewig weiter ausführen, aber das will ich Keinem antun.

    In den letzten Jahren hat sich nichts an dem Murks geändert. In meiner Nachbarschaft werden viele Häuser gebaut, jedoch alle nach dem gleichen Schema.

    Die Überzahl der Ägypter ist beratungsresistent, permanent müde und extrem faul.

    Die Wenigen, die mit Kraft und Geist etwas vernünftiges schaffen wollen, sind leider in der Minderheit und können das Land nicht retten.

    Ich habe aber auch gute Handwerker, nach vielem Sieben gefunden, die heute noch gerne zu mir kommen und ihre Arbeit vernünftig machen.

    Es kann mir keiner erzählen, dass sich die Bauqualität in Ägypten verbessert hat.

    Natürlich gibt es auch qulitativ hochwertige Bauten. Diese werden von richtigen Fachfirmen erstellt und sind sehr teuer.

    Doch es gibt wenige dieser Firmen und nur die Wenigsten sind bereit deren Peise für Qualität zu zahlen.

  • Sabaelcher
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    geschrieben 1482017313750

    Ist doch aber meine Rede - Ausbildung! Dann lernt der Ägypter sehr schnell, dass Qualität sich auch auszahlt. Ich kenne z.B. viele ägyptische Ärzte, denen kann kein deutscher Arzt das Wasser reichen. Zu den baulichen Anlagen sei gesagt, dass es sich hier um Bauwerke in der Wüste handelt und die werden unter erschwerten Bedingungen erbaut. In Kairo sind die Hochhäuser standfest, die Moscheen sind baulich auch nicht zu bemängeln. Es hält alles - auch ohne den deutschen Ansprüchen zu genügen.

  • Florian80w
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    geschrieben 1482065064179

    Zum Ausbilden brauchst du qualifizierte Ausbilder, und die gibt es in Ägypten nicht. Zu qualifizierter Ausbildung gehört auch die Theorie rund um das jeweilige Handwerk, und so lange an den allermeisten Schulen unter Bildung vor allem Auswendiglernen von Koransuren verstanden wird, kannst du Hochbaulehrlingen absolut nichts zu einfachster Statikberechnung und Elektrolehrlingen nichts zu Ermittlung von Phasenverschiebungen beibringen. (Übrigens ist - ersetze Koransuren durch Psalmen - das schulische Bildungsniveau auf den Philippinen nahezu identisch.) Nimm einem x-beliebigen Minimarkthändler mal seinen Taschenrechner weg, kaufe 2 Flaschen Wasser und 2 Flaschen Cola und zahle mit einem 50 LE-Schein, stoppe die Zeit, bis er deine Einkaufssumme richtig addiert hat und auch die richtige Wechselgeldsumme gefunden hat.

    Versuche mal, in den allgemeinbildenden Schulen die Themenpräferenz zu ändern, und das als christlicher Ausländer. Schon der Versuch dürfte den Muftis nicht gefallen, mach schon mal dein Testament. Sowas müsste von der Regierung ausgehen, und bis sie das bis ins letzte Dorf durchgesetzt hat und auch genug qualifizierte Lehrer ausgebildet hat, gibt es 150 Millionen ägyptische Nichtskönner und dann wegen Staatspleite sowieso Revolten, die das Land touristisch eliminieren und bestimmt keine ausländische Firma dort Arbeitsplätze schaffen lassen. Folglich wird die Währung ähnlich nutzloses Zeug wie aktuell in Venezuela.

    Quatsch! Wenn du auf Wüstenboden baust, hast du fast immer einen sehr stabilen und tragfähigen Untergrund, ohne Wasseradern oder mobile Tonschichten.

    Ja, es gibt tolle Ärzte. Kennst du deren Ausbildungsweg? Sehr oft sowas wie Abitur u. a. an der Deutschen Schule Kairo und dann Studium in D oder GB. Einer der besten Ägypter im Tauchmedizinbereich war danach jahrelang am SchiffMedInst der Bundesmarine in Kiel tätig.

  • Der mit dem Manta tanzt
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    geschrieben 1482070396372

    Die Allermeisten kommen ja nicht mal mit kleineren Reparaturen klar!

    Lustig wird's immer wenn der Spülkasten nen "Hänger" hat. Da wird gedreht, geschraubt, telefonisch ein Zweiter hinzu geholt und als Ergebnis bleibt ein Gerät über, welches noch mehr Wasser durchlässt als vorher bzw. an noch mehr Stellen "seucht"!

    Mir wurde dann von Zuständiger Seite schon mal ein Zimmerwechsel vorgeschlagen, aber in der Zeit hab ich den Kasten selbst wieder gemacht (o.k, ich komm in etwa aus dem Zweig).

    Gruß, Manta

  • Florian80w
    Dabei seit: 1335139200000
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    geschrieben 1482081639373

    @ hbrem

    Das ganz Schlimme ist, dass europäische Fachkundige den ägptischen ungelernten Pfuschern sonstwas sagen und erklären können - es wird ignoriert oder als quasi neokolonialistische Einmischung in den Nationalstolz der Ägypter empfunden. Und sowas beginnt schon ganz klein beim Hinweis, für Malerarbeiten im vertikalen Bereich die Horizontale mit Pappe oder Folie abzudecken.

    Kritisch wird die Ignoranz sämtlicher von kundigen Europäern geäußerten Mängelrügen im Safaribootbereich. Fluchtweg vom Unterdeck nach draußen ist verstellt oder versperrt? Na und, es passiert schon nichts. Seenotsignalbake (EPIRB) ist mit viel Haushaltsfolie unabwerfbar mit der Halterung verbunden? Sie soll nicht dreckig werden. Rettungsinseln sind nicht frei abwerfbar und so montiert, dass sie nicht frei ins Wasser fallen können? Das sollen sie auch nicht, sonst werden sie geklaut. Qualifikation der sogenannten Kapitäne? Jeder Deutsche mit frischem Sportbootführerschein hat mehr gelernt als diese ex Lüttfischer. Konkretfall aus 2015: Nachtfahrt im Süden, Boot hat GPS und Kartenplotter, Käptn macht die Abdeckung drauf, irrt sich um 10 Grad, rammt deshalb das Sataya-Vorriff. Das anschließende Krisenmanagement übernahmen drei Mitreisende und ich, der Käptn war "abgetaucht", die Crew planlos. Und so jemandem wird ein 2 Mio Euro-Objekt anvertraut?

    Ich habe mit einer übrigens von einer Binnenlanddeutschen geleiteten Safarifirma etliche solche Diskussionen geführt, nahezu immer erfolglos.

    Ägypter sind lernfähig und lernwillig? Nein! Warum wohl gründen europäische Firmen lieber Niederlassungen in Kambodscha und Vietnam anstatt in Ägypten? Billiglohnbereich sind beide Regionen. Und ohne industrielle Zulieferindustrie kommt Ägypten nicht auf wirtschaftliche Füße. Bald gibts 100 LE pro Euro.

  • hbrem
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    geschrieben 1482091527645

    @Florian80w

    Du hast ja so recht.

    Es gibt jedoch Ausnahmen, aber die sind handverlesen.

    Ich habe es bei einem Installateur und einem Maler geschafft so zu arbeiten wie ich mir das vorstelle.

    Achja und ein Stukkateur war auch dabei.

    Der installateur arbeitet normalerweise in Saudi Arabien, war auf Heimurlaub in unserer Stadt. Der konnte sogar mit einer Wasserwaage umgehen, sodaß die neuen Leitungen korrekt verlegt sind. Da gab es nichts zu meckern.

    Vielleicht wird in SA doch mehr Qualität verlangt.

    Zum Thema Boote. Was war denn mit der Salem Express? Ein ortskundiger Käpitän weicht nachts von der Route ab und rammt ein Riff, wobei das Schiff mit vielen hunderten Menschen versank.

    Immer wieder Bus- und Minibusunglücke wegen verantwortungslosem Fahrens.

    Ob die Herren wie die Irren mit den Autos durch die Stadt rasen oder Fußgänger blindlinks über die Strasse laufen, Allah wirds schon richten.

  • Sabaelcher
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    geschrieben 1482093626483

    Bei soviel deutscher Überheblichkeit von gleich 3 Foristen ziehe ich mich lieber zurück.

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