Hallo zusammen
Ich esse rund um die Kugel alles was mir schmeckt und manchmal, bedingt durch die Gasfreundschaft, auch was mir “eher weniger schmeckt!”
So oder so, mit einem verschmitzten Augenzwinkern, in Anlehnung an “Age-Prevention und “Lifestyle” stelle ich folgendes fest:
Langsam wird es bemühend. Schlage ich eine Zeitung oder eine Illustrierte auf, stoße ich mit Sicherheit auf unzählige Ratschläge betreffend “gesundes Essen & gesundes Leben”. Werbewirksam werden dem Leser Abnehmwochen und Fastenkuren in Luxusherbergen schmackhaft gemacht. Eines haben alle Angebote gemeinsam: Für viel Geld wird kulinarisch wenig bis nichts geboten. Im Trend sind auch Aktivferien in einem Klubhotel mit Sportprofis, die als Trainer und Animateure agieren und nicht zu vergessen: Workshops für alles mögliche und unmögliche. Die Tipps von Ernährungs- Sport- und Gesundheits-Gurus sind klar und unmissverständlich. Ratschläge wie:
- Auf das Gewicht achten
- Mehr Bewegung im Alltag
- Ausreichend Schlaf
- Alkohol nur in geringem Masse
- Stress im Wechsel mit Erholungsphasen
- Genügend Vitamine & Mineralstoffe
- Ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse
- Nachtessen zu später Stunde ist Tabu
- 3- bis 4- Liter Wasser pro Tag
- Verzicht auf Nikotin
- Bio bis zum geht nicht mehr
--- sind das Geheimnis einer wirkungsvollen “Age-Prevention”.
“Wir stopfen alles nur noch in uns hinein -- Genuss aber braucht geschärfte Sinne”, sagte mal in einem Interview der Theologe, Psychotherapeut und bekennende Genießer Willi Nafzger. Doch Stress, Zeitdruck und Ängste sind hinderlich beim Schwelgen. Seine Aussage kurz und bündig: “Mich interessiert es nicht mehr, ob etwas gesund ist. Der Genuss etwa, der in einem Glas Wein liegt, ist Teil meiner Lebenskultur”. Dieser Philosophie kann ich mich hundertprozentig anschließen.
Die ausführlichen Ratschläge und Tipps von Ernährungs-Gurus kann man befolgen und wird mit Sicherheit Erfolge erzielen. Und man befindet sich in bester Gesellschaft mit permanent zunehmenden Gleichgesinnten, die bewusste Ernährung und viel Bewegung, resp. Sport auf ihre Fahnen geschrieben haben.
Ich mache diesbezüglich etwa alles falsch was man falsch machen kann. Mit anderen Worten -- ich esse und trinke alles was mir schmeckt und mir schmeckt praktisch alles was ungesund ist. Dabei lege ich großen Wert auf eine exzellente Zubereitung, kleine Portionen, eine entsprechende Präsentation (das Auge isst mit!) und nehme mir die Zeit, die Köstlichkeiten zu genießen. Deshalb plane ich meine Hauptmahlzeiten seit ich pensioniert bin mit Vorliebe am späteren Abend ein. In südlichen Ländern habe ich es schätzen gelernt, das Nachtessen frühestens ab 21 00 Uhr einzunehmen und den abschließenden starken Espresso, begleitet mit einem mindestens 15-jährigen Calvados und einer feinen handgerollten Zigarre oder eine mit edlem Kraut gestopfte Pfeife zwei bis drei Stunden später als krönenden Abschluss zu genießen. Anschließend, manchmal auch etwas später genehmige ich mir noch einen Gerstensaft als Schlummertrunk und suche dann mein “Körbchen” auf und schlafe allen Unkenrufen zum Trotz, wie ein Murmeltier!
Es ist leider Mode geworden , das negative zu betonen. Dabei hat alles im Leben auch positive Seiten. Studien haben ergeben, dass Genuss sowohl die körperliche, wie auch die seelische Gesundheit günstig beeinflussen. Genuss verlangt aber auch Zeit. Viele gestresste Mitmenschen rennen über die Mittagspause in ein Fitnessstudio, betreiben Krafttraining, quälen sich schweißtriefend an Foltergeräten und verzichten bewusst auf einen gemütlichen Schwatz mit Gleichgesinnten. Die Sinne werden vernachlässigt und man stopft alles in sich rein -- vom Hamburger bis zu den Karibikferien oder die Reise „Rund um die Welt“ in einer und wenn es gut geht in zwei Wochen! Jules Verne würde staunen!
Aber auch in Sachen Bewegung bin ich kein großes Vorbild. Und für eine Karriere als Spitzensportler ist es zu spät! Nicht nur mein, zugegeben etwas rundlicher Bauch macht da nicht mit! Gemütliche Spaziergänge durch Wald und über nicht zu hohe Hügel, geruhsame Drahteseltouren resp. Fahrradtouren ohne Steigungen, Badeplausch bei Wassertemperaturen über 20 Grad, vorzugsweise in fließenden Gewässern ohne Kraftanstrengung und nicht zu vergessen, meine Schneeschuhtouren (für mich schon sportliche Höchstleistungen!) über flaches Juragelände halten mich trotz fehlendem Waschbrettbauch mehr oder weniger fit! Diese, zugegeben nicht ganz olympiareifen Tätigkeiten verursachen selbstverständlich Durst, den ich dann mit etwas abgeändertem Traubensaft, resp. einem kühlen Weißen, einem süffigen Roten oder einem herrlichen Gerstensaft, begleitet mit einer würzigen Wurst oder Schinken aus der Region befriedige.
Freunde und Bekannte haben mir schon vor Jahren während meinen beruflichen Tätigkeiten betreffend meinem ungesunden Lebenswandel eine düstere Zukunft prognostiziert. Ich musste bis heute alle enttäuschen. Trotz meinem angeblich etwas ungesunden Lebenswandel fühle ich mich, ausgenommen einer kürzlich erfolgten OP, die aber nichts mit meinem Lebenswandel zu tun hat, pudelwohl, genieße das Rentnerleben und bleibe bei meiner Philosophie:
„Das Leben ist zu kurz, um es nicht in vollen Zügen zu genießen. Wenn ich einmal das hölzerne Pyjama anziehen muss, will ich sagen können: Pesche, dein Leben war lebenswert!“
PS
Sorry Alice, dass ich deinen Thread etwas missbraucht habe!
Gruß
Pesche