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    geschrieben 1425150973000

    Der “Rote Blitz”

    Alle (zumindest die Deutschen) wissen dass der Zug nach Soller der “Rote Blitz” genannt wird …… aber niemand – auch nicht die jetzigen Besitzer dieses Zuges - wissen wo dieser Ausdruck herkommt (*). Komischerweise wird er nur auf deutsch benutzt, in keiner anderen Sprache bedeutet der “Rote Blitz” etwas, geschweigedenn bringt man ihn mit dem Zug nach Soller in Verbindung (manchmal nennt man den Zug auch “Orange Express” ).

    Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Soller zu einer wirtschaftlich bedeutenden Stadt, reich an Zitrusfrüchten, Mandeln, Oliven und Stoffprodukten. Soller war vom Rest der Insel von den fast unüberwindbaren Bergen der “Sierra de Alfabia”/Tramuntanagebirge, getrennt. Der Weg in die Hauptstadt – hier waren die Abnehmer der Produkte beziehungsweise der Hafen – war ein enger Bergpfad über den man mit von Pferden oder Maulesel gezogenen Karren die Produkte nach Palma bringen musste. Dieser Weg war nicht nur schwierig sondern auch gefährlich. Und nicht nur weil man den Wetterbedingungen ausgesetzt war (im Winter war dieser Weg oft verschneit), sondern auch den Wegelagerern und Banditen. Oft kam die Fracht gar nicht in Palma an.

    So setzten sich die Unternehmer Sollers zusammen um zu beraten wie man diese Probleme lösen könne. Man sprach von einem Zug über Deia nach Palma, aber diese Idee wurde aus Kostengründen schnell verworfen. Etwa 10 Jahre später setzte man sich wieder zusammen, und diesmal sprach man über eine direkte Strecke Soller – Palma mit Tunneln durch die Berge. Dieses ehrgeizige Projekt wurde den Bügern Sollers vorgestellt, man gründete eine Stiftung und verkaufte Aktien a 500.-. Pesetas/Aktie. FERROCARRIL DE SOLLER  (so der offizielle Name) wurde von fast 800 Gesellschaftern gegründet.

    Der Bau der Linie begann in 1907 gleichzeitig von beiden Seiten der Berge aus. Der Bau dauerte nur 4 Jahre und in 1911 fuhr die Dampflok “María Luisa” zum ersten Mal durch den Tunnel. Am 16. April 1912 eröffnete man den Linendienst für den öffentlichen Verkehr. Am 4. Oktober 1913 eröffnete man die ‘Verlängerung’ der Strecke zwischen Soller und dem Hafen von Sóller mittels einer Strassenbahn, hauptsächlich - aber nicht nur – für den Personenverkehr. Im Gegensatz zum Zug wurde die Strassenbahn mit Strom angetrieben, der von einem eigenen 65 KW starken Generator der Firma SIEMENS-SCHUCKERT erzeugt wurde. Im Jahr 1929 wurde dann auch die Zugtrecke elektrifiziert, ebenfalls von SIEMENS-SCHUCKERT.

    Die Zugstrecke ist insgesamt 27,3 Km lang, die Strassenbahnstrecke zusätzliche 4,9 Km. Der Zug fährt durch 13 Tunnel die zwischen 33 und 2.876 M lang sind und bewältigt einen Höhenunterschied von 199 M auf nur 7 Km Strecke. Der Zug hat eine Spurbreite von einem englischen Yard (914 MM).

    Mit dem Ausbau der Strasse über den “Coll de Soller”(Sollerpass) Mitte letzten Jahrhunderts und dem relativ neuen Strassentunnel (1997) verlor der Zug von Soller nach und nach seinen ursprünglichen Sinn und wurde immer mehr zur touristischen Attraktion. Die Einführung der sogenannten “Inselrundfahrt” – Kombination Bus, Zug, Strassenbahn und Schiff nach LaCalibra (der heute noch meistgebuchte Ausflug der – “falsche Bescheidenheitbeiseite” – im Jahr 1972 von mir ‘erfunden’ wurde) bedeutete die Krönung der touristischen Nutzung des “Roten Blitz”.

    Das Management konnte sich den modernen Zeiten nicht anpassen. Das Geschäft wurde quasi wie eine Behörde geführt. Im Jahr 2002 stand der Zug nach Soller kurz vor dem finanziellen ‘Aus’. Neue Ideen und ‘frische Luft’ waren notwendig. Alle Gesellschafter wollten verkaufen (die in 1911 für100 Jahre erteilte Konzession zum betreiben des Linienverkehrs lief in 2011 aus), keiner wollte ihnen abkaufen. Die Landesregierung der Balearen wollte den Zug auch nicht übernehmen. Aber es gab 2 Unternehmer aus Soller für die das ‘Aus’ des “Roten Blitz” auch das ‘Aus’ ihrer Firmen bedeutete: die Eigner der “Blauen Schiffe” (BARCOS AZULES, die den Verkehr Puerto Soller – la Calobra bedienen) und den Eigner so gut wie aller Restaurants in La Calobra (zusätzlich zum grössten Restaurant in Puerto Soller das sich im Gebäude der Endstation der Strassenbahn befindet). Ohne Zug keine “Inselrundfahrt”, ohne “Inselrundfahrt” keine Geschäft für die Schiffe bzw. die Restaurants in La Calobra. Schnell kam man zum Schluss dass man sich in den “Roten Blitz” einkaufen musste um selbst zu überleben …. und man übernahm - quasi gezwungenermassen - kurzfristig die Kontrollmehrheit der Zugaktien.

    Mit einer neuen, aggressiven Geschäftspolitik und aufeinanderfolgenden Preiserhöhungen wurde der “Rote Blitz” nicht nur finanziell gerettet, sondern die neuen Gesellschafter und Geschäftsführer konnten im Jahr 2005 mit der Balearenregierung eine Verlängerung der Betriebskonzession für zusätzliche 50 Jahre aushandeln (nunmehr bis 2055), allerdings mit strengen Auflagen: es müssen – über einige Jahre - runde 14 Millionen Euros in die Erneuerung der Gleise, der Elektrifizierung der Strecke und in zusätzliche Instandhaltungsmassnahmen investiert werden. Obwohl die Zugmaschinen und die Wagons noch die gleichen von vor über 100 Jahren sind erfüllen sie die aktuellen Sicherheitsbestimmungen- und Auflagen für den öffentlichen Personenverkehr (automatische Bremssyteme, GPS, Sicherheitsüberwachung, elektronische Kontrollzentrale, etc, etc.). Die gesamte Technik und Instandhaltung des rollenden Materials muss in der firmeneigenen Werkstatt in Soller ‘in Handarbeit' durchgeführt werden.

    Der “Rote Blitz” befördert jährlich über 900.000 Gäste, die Strassenbahn gut über 1 Million. Die Firmengruppe hat ein eigenes Reisebüro gegründet und bietet inzwischen 2 verschieden Versionen der “Inselrundfahrt” im Direktverkauf übers Internet an (siehe VALL SOLLER SERVICES). Der “Rote Blitz” hat sich zur Touristenattraktion Nr 1 der Insel gemausert.

    (*) Vor ein paar Jahren habe ich versucht den Ursprung des Ausdrucks "Roter Blitz" (für den Zug von Soller) ausfindig zu machen. Das einzige was ich fand war folgender Text in einem Buch (über den Friedhof von Soller der sich etwas überhalb des Bahnhofs befindet): "Das Zwitschern der Vögel umgibt den Ort. Unter den Füßen knirscht der Kies. Fernab hört man das Pfeifen vom "Roten Blitz". Es ist ein Ort, der Würde ausstrahlt und im wahrsten Sinne des Wortes erhaben ist".

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  • Bernat
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    geschrieben 1425291593000

    Buffetauswahl in Hotels

    So gut wie alle Urlaubhotels auf der Insel die Halb- bzw. Vollpension anbieten machen das seit vielen Jahren mit Buffetauswahl, unabhängig ihrer Kategorie. Dieses System macht es moglich den Gästen ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Angebot an Speisen anzubieten. Viele Hotels gehobener Kategorie vervollständigen das Buffet mit “Show-Cooking” (Zubereitung bestimmter Speisen ‘live’ vor dem Gast).

    Heutzutage sind die Hotels bestens auf das Buffetsystem eingestellt und vorbereitet. Die dementprechenden Installationen, Einrichtungen und Ausstattungen sind inzwischen verallgemeinert. Aber das war nicht immer so.

    Das Buffetsystem wurde in den Urlaubhotels auf Mallorca Mitte der 70er Jahre letzten Jahrhunderts eingeführt, und damals ging es nicht unbedingt darum den Service zu verbessern sondern man wurde dazu quasi ‘gezwungen’. Der Hauptgrund war chronischer Personalmangel. Vor 40 Jahren wechselte das – damals noch total unqualifizerte – Personal den Arbeitgeber für 500.- Pesetas/Monat mehr (*). Vom Regen in die Traufe kamen die Hoteliers durch den ersten Streik des Hotelpersonals als es die Gewerkschaften  Mitte der 70er Jahre durchsetzen konnten dass der Arbeitstag des Hotelpersonals nur eine Unterbrechung von über 2 Stunden bei maximal 8 Arbeitsstunden/Tag haben durfte. Im Klartext: die Kellner konnten ab sofort nicht mehr Frühstück, Mittagessen und Abendessen servieren. Man war zu einer kompletten Umstellung gezwungen.

    Die Lösung:  das Buffetsystem, kombiniert mit dem Angebot von Halbpension (normalerweise Frühstück und Abendessen, einige Hotels boten mittags einen A-la-Carte Service an, zahlenderweise) statt der damals üblichen Vollpension.

    Die Organisation von einem Buffetsystem war damals jedoch etwas kompliziert. Es gab keine geeigneten Einrichtungen (Warmhalte- oder Kühltheken, gewärmte Suppentöpfe, Rechauds, Heizleuchten, Servierbesteck o.Ä., etc., etc.). Das wenige was auf dem internationalen Markt zur Verfügung stand musste importiert werden (Importlizenz, Zoll, etc.), was nicht nur extrem teuer sondern auch mit einer langwierigen und komplizierten Abwicklung verbunden war.

    Auch in dem praktischen Ablauf war das nicht einfach. Bei IBEROTEL sassen die Geschäftsführer und Abteiungsleiter der Zentale zusammen um zu beraten und zu entschliessen ob man nun das Buffetsystem nur in den 3 Sterne, oder aber auch in den 4 Sterne Hotels einführen solle. Man entschloss komplette Buffetauswahl in den 3-Sternehäusern einzuführen, und in den 4-Sternehäusern ein ‘gemischtes’ System: man bot eine Menüauswahl serviert am Tisch, und gleichzeitig die selben Speisen auf einem Buffet, und überliess es den Gästen zu wählen ob sie am Tisch bedient werden oder sich selbst am Buffet bedienen wollten.

    Wo sollte man die Teller und das Besteck hinlegen (auf den Tisch, gedeckt, oder neben dem Buffet?). Wie sollte der Kaffee gemacht und serviert werden (die heutigen Machinen und Einrichtunen gab es noch nicht)? Was genau, und wie, sollten die Kellner bedienen, abräumen, neu eindecken? Sollte man den Zucker und die Milch auf den Tisch stellen oder aufs Buffet? Was macht man mit dem ‘Abfall’? Ich erinnere mich noch gut dass all diese Fragen im Sitzungssaal der Zentrale von allen Verantwortlichen entschieden wurden. Als wir dann zum ersten Mal im Hotel Bonanza Playa alle zusammen frühstückten um unser System zu 'testen', traten wir uns beim hin und herlaufen vor dem Buffet gegenseitig auf die Füsse und der eine fragte den anderen: “Wo, haben wir gesagt, liegen die Kaffeelöffel? Wo ist denn die Milch?” Das konnte alles nicht gut gehen (letztendlich lief dann alles doch perfekt, und auch die 4-Sterne Hotels wurden innerhalb weniger Wochen auf komplettes Buffetsystem umgestellt).

    Die Überraschung – und Ernüchterung - kam als die ersten Kostenrechnungen erstellt wurden. Die Kosten für das Menü waren wie eine Rakete in den Himmel gestiegen und man musste sich fragen ob es doch nicht billiger wäre mehr Personal einzustellen als das ‘Geld’ auf den Teller zu legen … aber Personal gab es ja keins. Die grösste Überraschung:  der Nachtisch (und dessen Kosten). Zwei Steaks essen die wenigsten, aber ein ‘Stückchen’ Kuchen, ein Stück Obst und noch ein ‘kleines’ E¡s dazu …. dafür waren die meisten Gäste gut, allen voran die ‘überwinternden’ Rentner (damals war es nicht unüblich dass Gäste 3 Monate oder sogar den ganzen Winter auf der Insel verweilten, das war teilweise billiger als zuhause zu bleiben). Und ein belegtes Brötchen und einen Apfel mitzunehmen war auch Gang und Gebe. Die Hoteliers sprangen im Dreieck mit diesen unkontrollierbaren Kosten.

    Viel hat sich seit dem geändert. Die spanischen Urlaubhotels sind die Weltmeister des Buffetsystems. Die Einrichungen und Ausstattungen der meisten Hotels in der Karibik werden von mallorquinischen Firmen geliefert. Und in 40 Jahren hat man auch gelernt wie man die Kosten kontrollieren kann.

    (*) Laut einer diesbezüglichen, spanischen Tabelle und unter Berücksichtigung von Inflation und Kaufkraft, kommen 500.- Pesetas vom Jahr 1975 in etwa heutigen € 42.- Euros gleich (mein Dank an "frische Luft" für den Hinweis das anschaulich darzustellen)

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  • Bernat
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    geschrieben 1425330238000

    Verkaufsförderung ‘a la mallorquina’ (2)

    IBEROTEL war Mitte/Ende der 70er Jahre letzten ahrhunderts der absolute Pionier in Sachen Verkaufsförderung der mallorquinischen Hotels auf dem europäischen Markt. Die verschiedenen Aktionen fanden immer in den Wintermonaten – den Hauptbuchungsmonaten für Urlaiub und Ferien - statt.

    Eingeladen zu diesen Veranstaltungen wurden die Reisebüroangestellte der verschiedenen, europäischen Grossstädte und deren Umgebung, immer an einem Freitagabend. Es gab Vorträge, Vorstellungen, Filme, Tonbildschaus, sogar Animation (mit IBEROTEL Animateuren)… natürlich alles bei reichlich ‘Speis und Trank’. Werbematerial und Werbegeschenke wurden verteilt.

    Das gesamte Material musste ausgeflogen werden. Prospekte, Geschenke, Film/Tonbildmaterial, Projektoren, etc., etc.. IBEROTELhatte für diese Zwecke etwa 15 komplette Tonbildschauanlagen (eine Anlage auf jeweils 2 spezielle Koffer verteilt, insgesamt 45 Kg schwer) die im Sommer in den Hotels eingesetzt und im Winter für diese Aktionen benutzt wurden. Es war normal dass man mit über 100/150 Kg Gepäck pro Person von Palma abflog (Übergepäck war kein Problem, man nutzte Charterflüge von Veranstaltern mit denen man Verträge hatte).

    An einem bewussten Freitagabend fand eine Veranstaltung in einem bekannten Lokal der Frankfurter Innenstadt statt. Der Zufall wollte, dass einer der teilnehmenden Hoteldirektoren allein ab Palma flog (alle anderen Teilnehmer befanden sich schon in Deutschland). Genannter Direktor war nicht nur der älteste aller IBEROTEL Direktoren (etwas über 60 Jahre), sondern er war auch etwas gehbehindert. Als Gepäck hatte er seinen eigenen Koffer, die 2 Koffer der Tonbildschau, und 4 “Vertreter-Koffer” mit Prospekten und anderem Werbematerial dabei, insgesamt fast 120 Kg. Der Flug war um 08.00 Uhr ab Palma.

    Am Frankfurter Flughafen angekommnen hatte unser ‘Freund’ das erste Problem: er musste 2 Taxis anmieten, denn in einem hatten die Koffer nicht genügend Platz. Die Fahrt ging gleich ins bewusste Lokal. In der Frankfurter Innenstadt hielten die Taxis an und luden Passagier und Gepäck aus. Von dem Lokal aber war nichts zu sehen. Auf die Frage wo denn das Lokal sei, wurde unser ‘Freund’ von den Taxifahrern aufgeklärt: das Lokal sei etwa 300 Meter die Fussgängerzone entlang, man dürfe aber um diese Tageszeit mit dem Taxi nicht bis vor das Lokal fahren. Was machen?

    Kurz entschlossen machte sich der Hoteldirektor auf den Weg. Es regnete, Temperatur 2 Grad. Mit jeweils 2 Gepäckstücken rückte er im “10-Meter-Rythmus” in Richtung Lokal, wo er patschnass eine knappe Stunde später ankam. An der Tür hing ein Schild das ankündigte dass das Lokal erst um 18.00 Uhr öffnet.

    Bis um 18.00 Uhr sass unser ‘Freund’ auf den Koffern, der Tonbildschau und dem Gepäck, ohne die Möglichkeit etwas zu essen oder zu trinken, im Regen und in der Kälte. Als die Kollegen am späteren Nachmittag ankamen war er alles andere als gut gelaunt. Nach Rückkehr dieser ‘Tour’ kam der Direktor – ubrigends ein Belgier - zu mir ins Büro (ich war verantwortlich für die Organisation und Durchführung dieser Verkaufsförderungsaktionen) und ‘bat’ mich in unmissverständlichen Worten ihn von der Teilnahme an zukünftigen Veranstaltungen freizustellen.

    Das war die letzte Teilnahme unseres 'Freundes' an einer Verkaufsförderungsverantaltung der Hotelkette.

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  • Bernat
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    geschrieben 1425401544000

    Deutscher Tourismus an erster Stelle

    30,5% aller Balearenbesucher in 2014 waren Deutsche. Das ist ein Zuwachs von 1,4% im Vergleich zu 2013. Der Durchschnittsaufenthalt war 8,3 Tage. Somit sind die Deutschen der Aufkommensmarkt Nummer 1 des Tourismus der Inseln. Das geht aus einer Studie der FEHM - Federación Empresarial Hotelera de Mallorca / Hotelverband Mallorcas hervor, die dieser Verband für die ITB (Internationale Tourismus-Börse) 2015 angefertigt hat.

    Die Stabilitàt auf dem deutschen Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren und die niedrige Inflationsrate, kombiniert mit der wirtschaftlichen Erholung der Euro-Lánder hätten zu diesem Wachstum beigetragen, sagt die FEHM.

    Insgesamt besuchten 64.995.275 Touristen Spanien in 2014, davon 10.422.055 Deutsche (16%) mit einem Zuwachs von 5,7% im Vergleich zum Vorjahr. Der Durchsdchnittsaufenthalt - spanienweit - betrug 10 Tage. Durchschnittlich gaben die Deutschen Touristen € 101.-/Tag aus (- 0,6%) etwas unter der durschnittlichen Tagesausgabe aller internationalen Touristen von € 110.-

    Mallorca wurde in 2014 von 3.731.270 Deutschen besucht (Balearen insgesamt 4.142.955), mit einem Anteil von 38,6% der Gesamtzahl aller Touristen der Insel. Die Gesamtsumme aller ausländischen Touristen belief sich auf 9.669.045, ein Plus von 2.27% im Vergleich zum  Vorjahr. 

    "Der deutsche Markt funktionert ausgezeichnet", meint die Vicepräsidentin von FEHM, Immaculada de Benito. "Seitdem der Verkauf der Saison 2015 angefangen hat zeichnet sich eine Steigerung im Vergleich zu den Buchungen der Vorjahre ab."

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    geschrieben 1425467051000

    Touristischer Transport

    Auf der Insel gibt es viele Busunternehmer, aber 2 dieser Unternehmer haben quasi eine Monopolstellung was den Transport von Touristen anbelangt. Das sind die Firmen TRANSUNION (ca. 400 Busse) und COMAS (ca. 200 Busse). Das drittgrösste Unternehmen ist ULTRAMAR TRANSPORT (ca. 100 Busse), gehört zur TUI-Gruppe und stellt ihren Service somit kaum anderen Veranstaltern/Agenturen zur Verfügung (und wenn, dann mit ‘neutralen’ Bussen ohne TUI-Aufschrift).

    Der Transport ist eine wichtige Komponente der touristischen Leistungen. Hier geht es um die Flughafentransfers und um die Ausflüge. Der Konkurrenzkampf ist gross. TRANSUNION und COMAS sind ‘befreundet’ und teilen sich den Markt. Beide Unternehmen haben ihre ‘feste’ Kundschaft (sie machen den gesamten Transport der grossen Reiseveranstalter) und teilen sich die Ausflüge je nach Zonen der Insel auf. COMAS – über ein eigens dafür gegründetes Reisebüro - organisiert alle Ausflüge für kleinere Veranstslter/Agenturen und Einzelbucher in der Zone zwischen Sant Elm/Puerto Andratx und Cala Blava, während TRANSUNION die Ausflüge im Rest der Insel anbietet, auch über ein eigenes Reisebüro. Wenn die grossen Reiseveranstalter in irgendeiner Zone der Insel keinen eigenen Bus für einen bestimmten Ausflug belegen können nutzen sie die Ausflugsbusse dieser beiden Unternehmer. AUTOCARES ROIG (Cala D’Or) bildet hier eine Ausnahme, denn dieser Transportunternehmer arbeitet an einem Teil der Ostküste in Konkurrenz zu den beiden grossen, ebenfalls über ein eigenes Reisebüro.

    Alles was mit Transport auf der Insel zu tun hat ist – meiner Meinung nach – etwas anakronisch und nicht mehr zeitgerecht. Bekannt sind die teilweise lange Wartezeiten bei den Transfers am Flughafen. Die Veranstalter drücken die Preise der Busunternehmer, Busse müssen auf die Ankunft verschiedener Flüge warten bis sie dann in eine bestimmte Zone fahren. Auf der Fahrt werden teilweise eine Grosszahl von Hotels angefahren, die Gäste sitzen lange im Bus. Viele buchen den schnelleren Transferservice der inzwischen breiten Palette von Anbietern. Wenn sich die verschiedenen Reiseveranstalter– allen voran die grossen, die das Marktgeschehen beherrschen – einigen würden und die Gäste auf den Bussen “zusammensetzen” würden, wären bei Abkunft die Busse schneller voll, weniger Hotels würden angefahren werden, die Transferzeiten wären viel kürzer und wieder akzeptabel. Aber das will keiner machen, denn auf dem Bus für TUI-Gäste muss TUI stehen, man will ja seine Kunden schliesslich nicht mit dem ‘Fussvolk’ con Thomas Cook mischen (ist nur ein ironisches Beispiel).

    Bei den Ausflügen ist das nicht anders. Man klappert Hotel nach Hotel (bzw. Sammelpunkt nach Sammelpunkt) ab um die Kunden abzuholen, möglicherweise müssen die Gäste dann noch vor der Kathedrale oder an einer anderen Stelle ‘umsteigen’, der Service ist alles andere als optimal, und das trotz den heutigen Ausflugspreisen. Man tut sich schwer sich den Zeiten und den Entwicklungen anzupassen. Man will – fälschlicherweise– an der eigenen Identität festhalten auch wenn das zu Lasten der Servicequaliät geht.

    Seit Jahren funktioniert die Leihwagenrückgabe an den meisten deutschen Flughafen über einen einzigen Rückgabekanal, unabhängig von welcher Firma man den Wagen gemietet hat: ein Check-In Team, eine Waschanlage, ein vereinigter Ablauf …. und per PDA gehen die Daten in Echtzeit an die jeweiligen Vermieter. Wie ich meine, eine Abwickiung zu Gunsten der Kunden, einfacher, schneller, effizienter.

    Warum nicht so ein ähnliches System bei Transfers und Ausflügen auf Mallorca? Ich meine dass die Transportqualität heute – im Vergleich zu vor 30 oder 40 Jahren – zum Leidwesen der Gäste abgenommen hat.

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    geschrieben 1425547523000

    Reisebüros, Reiseveranstalter, Agenturen und Hotels

    Viel hat sich in den letzten 40 Jahren an den Beziehungen zwischen Reisebüros, Reiseveranstaltern, örtlicher Vertretung/Agentur und Hotels/Hotelketten verändert. Hier diese Entwicklung am Beispiel Mallorca/Spanien.

    Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre letzten Jahrhunderts gab es auf dem deutschen Markt eine Vielzahl von Veranstaltern, einige davon haben sich dann in der TUI – Touristik Union International - zusammengeschlossen (Touropa, Scharnow Reisen, Dr.Tigges, Hummel, dann Transeuropa). Zu den damaligen Zeiten hatte die TUI ein Vertriebsnetz von ca. 6000 Reisebüros die ausschliesslich die TUI- Produkte verkaufen durften. Neckermann, heute THOMAS COOK, ging einen anderen Weg und verkaufte damals nicht nur uber einen anderen Vertrieb (kleine Verkaufsläden mit Neckermannprodukten, Reisebüros die das TUI-Produkt nicht verkaufen konnten/durften) sondern auch im Katalog- bzw. Direktverkauf. Dem setzte das Kartellamt ein Ende in dem man klar machte dass alle Reisebüros alle Produkte verkaufen dürfen/müssen, was den Tod des Exklusiv-Verkaufs über den ehemaligen TUI-Vertrieb bedeutete. Somit konnte die TUI auch den Verkauf ‘ihrer’ Hotels über ‘ihre’ Agenturen nicht mehr kontrollieren (und es war schwieriger zu vermeiden dass die Konkurrenz Bettenkontingente in den selben Hotels wie die TUI ‘einkaufte’ und es somit zu einem Preiskampf in diesen Hotels kam).

    Wie kontrolliere ich ‘mein’ Produkt wenn ich es über den Vertrieb nicht kontrollieren kann? Über das Produkt selbst. Entweder ich bezahle eine Belegungsgarantie (will heissen: ich garantiere dem Hotel eine gewisse Auslastung je nach Saison, unabhängig davon ob ich diese Belegung auch tatsächlich erreiche, und verpflichte das Hotel - als Gegenleistung – den Konkurrenzveranstaltern keine Betten zugeben), kaufe mich direkt bei einem Hotel oder einer Hotelkette ein oder kaufe gleich eigene Hotels (und werde gezwungenermassen Hotelier, was nicht der eigentliche Sinn der Sache ist).

    TUI, und Jahre später Neckermann, kauften sich in Hotelketten ein (TUI bei IBEROTEL, RIU und einigen anderen, NECKERMANN/THOMAS COOK bei IBEROSTAR). Da diese Ketten keine Ferienclubs hatten und eine grosse Nachfrage nach Clubs bestand gründeteTUI die ROBINSON CLUBS und NECKERMANN die CLUBS ALDIANA. Mit der Kontrolle der Produkte im Zielgebiet hielt man sich die Konkurrenz vom Hals. In den letzten Jahren fand man noch einen anderen Weg das Produkt zu kontrollieren: die Kreeirung von einer Produkt- und Bewirtschftungsphilosophie die mit ’Labels’ wie z.Bs. SENSIMAR (TUI) oder SENTIDO (THOMAS COOK) verkauft werden. Die Reiseveranstalter geben dem Hotelier diese Philosophie/das Produktkonzept vor, kontrollieren deren/dessen Umsetzung, vermarkten dieses Exklusiv-Produkt, geben dem Hotel, eine finanzielle Garantie und sichern sich so ein Produkt gewissen Standards ohne selbst investieren zu müssen (siehe Günters Beitrag zu diesem Thema in einem anderen Thread). Andere Reiseveranstalter gehen ähnliche Wege, ALLTOURS kauft gleich eigene Hotels.

    Mit den örtlichen Agenturen/Vertretungen lief/läuft es ähnlich. Die grössten und besseren Agenturen im Zielgebiet warben um so viel wie mögliche ausländische Veranstalter um ihren Umsatz zu steigern. TUI zum Beispiel, fand es gar nicht lustig dass ihr mallorquinischer/spanischer Generalvertreter (ULTRAMAR EXPRESS) anderen, deutschen Reiseveranstaltern (Flugunion Berlin, Berliner Flugring, Hetzel, Kreutzer, Fischer, Jahn Reisen, ADAC, etc., etc.) die gleichen, guten Leistungen (Hotelreservierungen, Transfers, Ausflüge, Reiseleitung vor Ort) anbot, möglicherweise zu einem billigeren Preis? Das vermeidet man in dem man sich an diesen Agenturen beteiligt (TUI war jahrelang an ULTRAMAR EXPRESS mit 40% beteiligt, heute gehört der TUI 100% und man hat den Namen in TUI ESPAÑA umgeändert), NECKERMANN/THOMAS COOK ist an IBEROSERVICE beteiligt) und somit auch auf die Entscheidungen vor Ort direkten Einfluss hat. Die Entscheidungen was in den Zielgebieten mit dem ‘Produkt’ (Hotels, Transfers, Ausflüge, Reiseleitung, Gewinnspannen, etc., etc.) passiert fällt bei den grossen Veranstaltern grossteils nicht mehr in Mallorca/Spanien sondern in Deutschland oder England.

    Von meiner Sicht aus gesehen, eigentlich schade.

    (in einem meiner nächsten Beiträge in MALLORCA INSIDE werde ich über Bettenbänke und die Vermarktung von ‘Betten’/Unterkunft berichten)

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    Die mallorquinische Sprache

    ‘Mallorquin’ ist ein Dialekt vom katalanisch (Sprache diein Katalonien – Provinzen Barcelona, Tarragona, Lleida und Girona gesprochen wird), mit anderer Gramatik und anderem Wortschatz als das ‘normale’, kastilische spanisch das in ganz Spanien gesprochen wird. In Spanien gibt es 5 autonome Regionen (den deutschen Bundesländern gleichkommend) die offiziell zweisprachig sind: Katalonien, Valencia und Balearen (hier spricht man ausser ‘spanisch’ katalanisch), das Baskenland (hier spricht man baskisch - ‘euskera’ ) und Galizien (hier spricht man galizisch). In diesen ‘Bundesländern’ sind gesetzlich alle offiziellen Dokumente, Formulare und Schriftverkehr mit den Behörden in den zwei offiziellen Sprachen dieser ‘Bundesländer’. In der Praxis sieht das aber etwas anders aus.

    Der katalanische Dialekt auf Mallorca nennt sich “mallorquin”, der Dailekt der auf Ibiza und Formentera gesprochen wird nennt sich “ibizenco”, auf Menorca spricht man “menorquin“. Das ‘mallorquin’ auf Mallorca hat je nach Zone/Gebiet verschiedene, klar zu erkennende Akzente. Mallorquin spricht man auf der Insel seit der Eroberung der Inseln durch das Königreich Aragon (das spätere Spanien) in 1229. Durch die Besetzung Menorcas durch die Engländer im 18. Jahrhundert haben sich im menorquin ‘vermenorquiniserte’, englische Ausdrücke eingeschlichen (Kreide auf englisch ist ‘chalk’, auf menorquin “xoc”, Schraube auf englisch ist ‘screw’, auf menorquin “escrú”, zum Beispiel).

    Viele eingefleischte Mallorquiner finden es gar nicht ustig dass mallorquin ein Dialekt von katalanisch sein soll. Sie bestehen darauf dass mallorquin eine eigene Sprache ist. Genau so wiederstrebt es ihnen dass die Katalanischen Politiker die die Unabhängigkeit von Spanien anstreben, keine Gelegenheit ungenutzt lassen immer wenn es um die Unabhängigkeit Kataloniens geht, im selben Atemzug immer die Region Valencia und “die Inseln” mit einzubeziehen, und in vielen Fällen auch die französische Region Languedoc in der auch katalanisch gesprochen wird (so ähnlich passiert das auch im Baskenland).

    Wie schon erwähnt, sind die Balearen offiziell zweisprachig. Laut ‘Statuten’ der Balearen (eine Art Grundgesetz der Balearen) haben alle Einwohner der Inseln das Recht (nicht die Pflicht), beide Sprachenzu kennen und zu sprechen. In der Praxis ist das eine Achterbahnfahrt je nachdem wer zu einem gewissen Zeitpunk an der Regierung (auf den Balearen) ist. Theoretisch haben alle Bürger der Balearen das Recht die Schulsprache ihrer Kinder wählen zu können, in der Praxis hat man die Wahl zwischen katalanisch und katalanisch, will heissen, es gibt keine öffentlichen Schulen in denen die Schulsprache spanisch ist.

    Und das ist mit unzähligen Schwierigkeiten – und Streit – verbunden. Lediglich geschätzte 40% der Einwohner der Balearen sind ‘echte’ Mallorquiner (seit Generationen), alle anderen sind zugewandert entweder vom spanischen Festland oder vom Ausland (20% sind ausländische Einwanderer). Es sei denn die Kinder dieser ‘nicht-Mallorquiner’ sind auf der Insel geboren und/oder aufgewachsen müssen sie eine Schule besuchen deren Sprache sie nicht sprechen (und nicht verstehen). Aber auch Erwachsene haben Probleme: es sei denn man spricht katalanisch kann man in keiner Behörde arbeiten. Offizielle Schreiben vieler Ämter sind ausschliesslich auf katalanisch verfasst (zum Beispiel Strafzettel vieler Gemeinden, Mitteilungen vieler Behörden, etc.) mit den damit verbundenen Verständnisproblemen der ‘nicht-Mallorquiner’. Und dann gibt es die ganz sturen Einheimischen die –egal mit wem, einschliesslich Ausländern – darauf bestehen nur katalansich/mallorquin zu sprechen. Teilweise unverständlich und nicht unbedingt nachvollziehbar.

    Um den Streit der Sprache zu lösen hat sich die jetztige Regierung etwas ganz ‘schlaues’ einfallen lassen (und ist damit vom Regen in die Traufe gekommen). Ein neues Schulgesetz, TIL (Tratamiento Integral de Lenguas / Umfassende Sprachbehandlung) genannt. Demzufolge müssen alle öffentlichen Schulen stufenweise anfangen den Schulunterricht in 3 Sprachen zu erteilen: spanisch, katalanisch und englisch (nicht als Sprachunterricht, das auch, sondern ALLE Fächer). Die Lehrer – und teilweise die Schüler – streiken, man geht auf die Barrikaden, dieses Gesetz ist sogar vor Gericht gelandet. Es gibt nicht genügend Lehrer mit ausreichenden Englisch kenntnissen, trotzdem unterrichten sie ihre Fächer auf‘ 'englisch’. Es ist nicht schwer sich dieses Chaos vorzustellen. Und ein Ende dieser Situation ist noch nicht in Sicht. Möglicherweise gibt es Neuigkeiten in dieser Richtung nach den Wahlen im Mai, denn dann werden wahrscheinlich andere an die Regierung der Balearen kommen.

    Viele meinen dass man mit dem Abtreten von Kompetenzen (z. Bs. das Gesundheitswesen oder die Erziehung) an die Autonomen Regionen entschieden zu weit gegangen sei, denn spanische Bürger in Andalusien haben eine andere Erziehung (und gesundheitliche Pflege) als die Bürger in Galizien oder auf den Balearen.

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    Internationale Tourismusbörse – ITB

    Diese Tage findet Europas grösste Tourismusmesse, die ITB, in Berlin statt. Hier treffen sich die Veranstalter mit den Leistungsträgern, es wird verhandelt und Vertrage werden abgeschlossen, man spricht über den Buchungstand der kommenden Sommersaison, es stellt sich heraus was ‘läuft und was nicht läuft’.

    Das gesamte touristische Mallorca, einschliesslich Politiker höchsten Niveaus, befindet sich in Berlin. Während man auf Mallorca bisher wieder von einem “Rekordjahr” gesprochen hat scheinen die Veranstalter in Berlin den Schaum etwas zu bremsen und sprechen von einem Jahr wie 2014.

    Die Veranstalter bestätigen dass die jüngsten Investitionen – ca. € 600 Millionen in 600 Hotels - in Hotelrenovierungen wesentlich zum Erfolg der Buchungen für die Insel in den letzten Jahren beigetragen haben. Das bestätigt angeblich auch die wachsende Zahl der Stammkunden. Vertreter von TUI, THOMAS COOK, DER TOURISTIK und ALLTOURS lobten auf der ITB die steigende Qualität der mallorquinischen Hotels. Besonders erwähnt wurden die Investitionen von HIPOTELS, GRUPOTEL und RIU an der Playa de Palma. Man warnt allerdings vor unangebrachten Preissteigerungen.

    Die Veranstalter warnen ebenfalls vor “überfrühter Euphorie”. Die Buchungen für Mallorca hätten spät und unwesentlich unter dem Stand des Vorjahres angefangen, hätten sich dann aber in den letzten Monaten erholt. Bei TUI und DER TOURISTIK laufen die Buchungen ähnlich wie im Vorjahr, ALLTOURS und THOMAS COOK verzeichnen einen Zuwachs von fast 10%. Der Deutsche Reisebüroverband - DRV spricht von einem kleinen Zuwachs der Buchungen für die Inseln im Vergleich zum Vorjahr.

    Was den Balearen schaden könnte, so der Puls der mallorquinischen Tagespresse in Berlin, sei möglicherweise der ‘Ausverkauf’ der Türkei. Nachdem die russischen Touristen – ca. 24% des gesamten Tousimus der Turkei - kaum noch verreisen können, machen die türkischen Hoteliers aggressive Billigangebote wie nie zuvor, was den Konkurrenzkampf zu Mallorca schürt. Auf jeden Fall bleiben sowohl die Türkei als auch Mallorca die Hauptreiseziele der Deutschen, so die Veranstalter. Ägypten würde sich zwar erholen, aber die vergleichbar geringe Kapazität könne Mallorca nicht schaden.

    Die Veranstalter nutzten die Anwesenheit des Präsidenten der Balearenregierung, José Ramón Bauza, um deutlich zum Ausdruck zu bringen dass man von einer möglichen Kurtaxe/Ökosteuer auf den Inseln “nicht einmal im Ansatz etwas hören will”. Einige linksgerichtete Parteien der Balearen brachten diese Steuer im Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkampf neuestens wieder ins Gespräch. Wie man schon beim ersten Versuch solch eine Steuer einzuführen gemerkt hätte, bringt eine Ökosteuer nichts Positives und man gehe davon aus – so die Veranstalter – dass man aus dem damaligen Misserfolg gelernt hätte. Auch der – noch – Balearenpräsident Bauzá (von der rechtsgerichteten Volkspartei Partido Popular– PP) hält nichts von einer solchen Steuer.

    Es ist besser zu schweigen und als Idiot verdächtigt zu werden, als zu reden und dadurch alle Zweifel zu beseitigen (Abraham Lincoln)
  • Bernat
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    geschrieben 1425754258000

    Die Königsfamilie und Palma

    Viele wissen wahrscheinlich dass die spanische Königsfamilie seit Jahrzehnten ihren jährlichen Sommerurlaub in dem Palast von Marivent (etwas ausserhalb von Palma verbringt. Diese Tradition hat eine lange Geschichte.

    Der vom Architekten Guillem Forteza Pinya entworfene Palast von Marivent wurde zwischen 1923 und 1925 für den Maler Juan de Saridakis gebaut. Juan de Saridakis wohnte in diesem Palast bis zu seinem Tod in 1966. Seine Witwe, Anunciación Marconi Taffani schenkte diesen Palast und das dazugehörende Grundstück der Provinzverwaltung der Balearen unter der Bedingungin in diesem Palast ein der Öffentlichkeit zugängiges Museum mit dem Namen des Malers einzurichten. So war das auch der Fall, bis die Provinzverwaltung im Jahr 1973 entschied diesen Palast dem damaligen Prinz Juan Carlos de Borbón als Sommerresidenz zur Verfügung zu stellen. Prompt wurde die Provinzverwaltung von den Erben des Malers Saridakis angeklagt, aber das einzige was die Familie Saridakis im Prozess gewann war das Recht alle Möbel und Einrichtungen des Palastes zurückzubekommen. Der Palast selbst ist – nach wie vor – Eigentum der Inselregierung, die einzige Residenz der Königsfamilie die nicht zum Staatsvermögen gehört.

    Seit 1973 verbrachte der damalige Prinz und spätere König Juan Carlos I mit seiner ganzen Familie ihren jährlichen Sommerurlaub in Palma. Als begeisterter Segler (Juan Carlos nahm an der Olimpiade 1972 in Kiel in der Dragonklasse teil, und wechselte dann später zu Hochseeyachten) nahm Juan Carlos I an den Regattas des Königspokals teil die jedes Jahr im August in der Bucht von Palma ausgetragen werden und sich inzwischen zur wichtigsten, internationalen Hochseeregatta des Mittelmeers entwickelt haben. König Juan Carlos I ist Ehrenmitglied des Real Club Náutico Palma (Königlicher Yachtclub Palma). Aber nicht nur Juan Carlos I war begeisterter Segler. Sein Sohn, Tronfolger und jetziger König Felipe VI hat als Kind in Palma segeln gelernt und nimmt auch seit vielen jahren an den Regattas in Palma teil (normalerweise an Bord einer Rennyacht der spanischen Kriegsmarine).

    Im Jahr2000 hatte die Balearenregierung und einige der bekanntesten Unternehmer der Insel (unter ihnen die Besitzer der Sol-Melia Hotelkette und der von IBEROSTAR, die GLOBALIA und die BARCELÓ Gruppe, eine Sparkasse) eine ‘einmalige Idee’ den König und seine Familie an die insel zu binden: man schenkte ihm eine 41,5 Meter Motoryacht (“Fortuna” ) für damals 19 Millionen Euros. Die “Fortuna” ist eine Aluminiumyacht mit zwei Antriebssystemen: einem Dieselmotor mit dem man eine Kreuzfahrtgeschwindigkeit von 12 Knoten erreicht, und 3 Rolls-Royce Turbinen mit denen die “Fortuna” auf bis zu 70 Knoten (ca. 130 km/h) beschleunigt werden kann (Schnellboote der spanichen Kriegsmarine mussten aufgemotzt werden um als Begleitschiffe eingesetzt werden zu können). Während fast 14 Jahren nutzte Juan Carlos I und seine Familie diese Yacht während ihrem Sommeraufenthalt auf der Insel, oftmals mit Mitgliedern anderer Königsfamilien als Gäste (wahrscheinlich der billigste und beste touristische ‘Werbeffekt’ für Mallorca). Mit Anfang der spanischen Wirtschaftskrise wollte Juan Carlos I mit gutem Beispiel vorrangehen und verzichtete auf die Nutzung der Yacht während seiner Aufenthalte auf der Insel (eine ‘Tankfüllung’ schlug mit ca.€ 25.000.- zu Buche). In 2013 entchloss sich der König die Yacht an die Staatliche Vermögensverwaltungbehörde zurückzugeben. Prompt protestierten die ursprünglichen Stifter der Yacht und konnten erreichen dass ihnen die “Fortuna” zurückgegeben wurde. Man versuchte sie für € 10 Millionen zu verkaufen, erziehlte aber letztendlich nur noch € 2,2 Milionen die in Werbung für Tourismus und Wohltätigkeitszwecke investiert wurden.

    Nach dem Abdanken von Juan Carlos I und der Krönung von Felipe VI am 19 Juni 2014 waren alle Mallorquiner, allen voran die Politiker und die Unternehmer, besorgt über die zukünftige Beziehung der neuen Königsfamilie zu Mallorca. Zu allem Übel platze kurz zuvor der Korruptionsskandal von Iñaki Urdangarin (Ehemann von Cristina de Borbón, Tochter von Juan Carlos I und Schwester von Felipe VI) der seinen Ursprung ausgerechnet in Palma hatte. Man befürchtete dass die jetzige Königin Leticia (eine Asturianerin), die mit Meer und segeln nichts am Hut hat, versuchen würde ihren Mann zu überreden ihren Sommeraufenthalt in Asturien zu verbringen. Aber bei seinem ersten Besuch in Palma nach seiner Krönung versicherte Felipe VI den Mallorquinern dass er, nach wie vor, der Insel treu bleiben wird und auch in Zukunft Teil seine Sommeraufenthalte in Palma verbringen wird.

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  • Bernat
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    geschrieben 1425840560000

    Die Trockensteinmauern

    Unübersehbar sind die vielen “Trockensteinmauern” (Pedre en sec) auf Mallorca. Davon soll es insgesamt geschätzte 25.000 Km geben, etwa 17.000 in der Ebene, und die restlichen 8.000 Km im Gebirge. In der Ebene dienen diese Mauern hauptsächlich um das Eigentum der Felder verschiedener Fincas abzugrenzen bzw. um freilaufendes Vieh besser kontrollieren zu können, während im Gebirge die Mauern als Stützmauern zum anbauen von Baumplantagen auf verschiedenen Ebenen oder “Terrassen” dienen.

    Im Tramuntanagebirge gibt es knappe 200 Km2 angelegte “Terrassen”, ca. 15% der Gesamtoberfläche der Sierra de Tramuntana. Diese “Terrasen” werden überwiegend bei einem Gefälle von zwischen 20% und 30% angelegt, aber es gibt auch Trockensteinmauern bei einem wesentlich höheren Gefälle. Auf diesen “Terrassen”werden hauptsächlich Oliven-, Mandel oder Feigenbäume gepflanzt aber auch Wein und – früher - Tomaten. 90% des Anbaus ist unbewässert, nur 10% bewässert.

    Ursprünglich wurde die Technik des Trockensteinmauerbaus beim Bau von Grabstätten in der Bronzezeit, den sogenannten “Talayots”, benutzt, ca. 2000 Jahre vor Christus. Man brauchte wenig bzw. so gut wie kaum Werkzeug. Der erste, bekannte, schriftliche Bezug auf Trockensteinmauern stammt von 1357, Jahr in dem der Gouverneur der Insel Fachleute zum bauen von Trockensteinmauern suchte um die Stadtmauer von Alcudia errichten zu lassen. Einige Jahre später schlossen Eigner zweier Fincas einen Vertrag ab demzufolge sie sich verpflichteten ihre jeweiligen Fincas mit einer Trockensteinmauer abzugrenzen. Ab dem 15. Jahrhundert war es in den Bauernfamilien üblich dass zumindest ein Familienmitglied den Bau von Trockensteinmauern berherrschte um die Fincas unter sich abzugrenzen, der Vater vererbte diese Technik an einen oder mehrere seiner Söhne. Der Boom des Trockenmauerbaus fand Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts statt, Zeit während der die meisten Olivenbäume der Insel gepflanzt wurden. Das Anlegen von Trockensteinmauern dauerte bis Ende des 19. Jahrhunderts. Mit dem Tourismusboom Mitte des 20. Jahrhunderts verlor die Landwirtschaft der Insel an Bedeutung, der Anbau der “Terrassen” wurde vernachlässigt oder gar ganz aufgegeben. In Dörfern wie Banyalbufar, Estallencs, Deia, Soller oder Fornalutx gibt es diesen Terrassenanbau heutzutage so gut wie kaum mehr.

    Wie der Name “Trockensteinmauer” schon sagt, werden diese Mauern ohne jeglichen Zement oder anderes Bindungs- bzw. Befestigunsmaterial gebaut und die Herstellung beruht ausschliesslich auf der Anhäufung von losen Steinen deren Form dementsprechend ‘zugehauen’ wird. Diese Handwerk beherrschen heute nur noch wenige Handwerker – die sogenannten “Margers” - der Insel. Die neuen Mauern sehen zwar optisch (fast) gleich aus wie die Trockensteinmauern, werden aber unter Nutzung von Zement hergestellt. Viele der neueren Mauern werden heute von arabischen Gastarbeitern gebaut deren Arbeistkräft wesentlich billiger ist als die der einheimischen Maurer.

    Die Trockensteinmauern sind Teil des Landschaftsbildes Mallorcas und gehören heute zum nicht mehr wegzudenkenden Kulturgut der Insel.

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