• mosaik
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    geschrieben 1104666009000

    Katastrophen im allgemeinen bringen den Menschen wieder ihre Schwächen ins Bewußtsein. So wohl auch jene der Reiseveranstalter, die zwar vieles für einen "perfekten Urlaub" zu planen und zu bedenken, aber offensichtlich zu wenig bis nichts für Katastrophen.

    Mein Reisebüro-Leben hörte ich stets von meinen Vorgesetzten, von Reiseveranstaltern bei Meetings: "nur keine Verunsicherung der Kunden", alles hintan zu halten, was Urlaubslust hinderlich sein könnte. Das ist die eine Seite.

    Ich möchte aber auch die andere Seite nicht unangesprochen lassen. Nämlich die Konsumenten, die sich vielleicht auch gar nicht mit dererlei Möglichkeiten auseinander setzen möchten. Konsumenten, die vergessen, dass man pro Flugstunde sich auch rund 800 km von der Heimat entfernt, in Gebiete, in denen wohl auch andere Maßstäbe in vielen Hinsichten gelten mögen.

    In den "Salzburger Nachrichten" war in einem Leitartikel dieser Tage zu lesen:

    "...Jedes Verständnis für die Verzweiflung ... Doch die Großkatastrophe im Indischen Ozean hat mehr zerstört als Handymasten und sie hat mehr durcheinander gewirbelt als Flugpläne. Sie hat sämtliche Strukturen der modernen Zivilisation ... vernichtet. ...Für die Menschen...geht es jetzt nicht um europäische Errungenschaften wie pünktlichen Informationsaustausch und pünktliches Reisen, sondern ums nackte Überleben. Das geht nur schwer in europäische Köpfe...

    Hinter mancher Empörung der vergangenen Tage steckt der Ungeist unserer Wohlstands- und Vollkaskogesellschaft: Wir können es nicht fassen, dass es Lebenssituationen gibt, in denen wir auf uns selbst angewiesen sind... Mag sein, dass das österreichische Krisenmanagement angesichts der gegenwärtigen Katastrophe überfordert ist. Ebenso überfordert sind wir alle, die wir es nicht akzeptieren können, dass unsere so perfekt ausgeklügelte Zivilisation derzeit an eine Grenze stößt."

    Daher meine ich, dass Denkanstösse zur Verbesserung von nun aufgetretenen Schwachstellen sicherlich weiterhelfen. Kritik alleine jedoch angesichts des Ausmasses der Katastrophe vielleicht nochmals überdacht werden sollte.

    Ich wünsche Euch allen, die ihr eine Wiedergeburt erleben durftet von Herzen alles Gute, und jenen, die das Glück hatten, nicht dabei zu sein - so wie ich - Verständnis und Geist in kommenden Diskussionen.

    Gruß

    Peter

  • guest
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    geschrieben 1104670357000

    Hallo Peter,

    im Bezug auf die Reiseveranstalter muss ich Dir vollkommen zustimmen.

    Ist ist wirklich schade, dass manch ein Tourist nur an sich selbst denkt und hier die Reiseveranstalter am kritisieren ist ohne Ende! Niemand kann und muss auf eine solch verheerende Katastrophe vorbereitet sein!

    Haben sich die Überlebenden denn schon mal gefragt, wie die Veranstalter im Null komma nichts zu ihnen kommen wollen? Viele Straßen in betroffenen Gebieten waren nur noch lehmige, holprige Pisten. Haben sie sich schon mal gefragt, was mit den Reiseveranstaltern passiert ist? Sollen sie vor einem stehen wie der heilige Erzengel? Vielleicht sind sie selber bei der Katastrophe ums Leben gekommen.

    Gruß,

    Melanie

  • salvamor41
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    geschrieben 1104671803000

    Hallo Günter,

    ich möchte mich Bernd Schröter gerne anschließen und auch spenden. Weißt Du eine geeignete Hilfsorganisation, bei der sichergestellt ist, daß das Geld auch wirklich bei den Bedürftigen ankommt?

    Es ist ja momentan nicht schwer, sein Spendengeld los zu werden, die Liste der Organisationen wird immer länger.

    Aber viele Menschen sind verunsichert, denn leider ist das Spendenwesen durch verschiedene Vorkommnisse doch sehr ins Gerede gekommen, nicht zuletzt das Erdbeben in Bam hat leider wieder einmal bestätigt, wie wichtig es ist, die Verwendung der Spendengelder genau zu überwachen. Wo auch immer das viele Geld, das für Bam gespendet wurde, gelandet ist, bei den Bedürftigen ist es sicher zum Großteil nicht angekommen, denn die hausen auch heute noch unter menschenunwürdigen Lebensbedingungen und ohne jede Perspektive in Zelten und Blechcontainern.

    Also, wenn Du eine geeignete Stelle, auch Privatpersonen, weißt, bitte melde dich!

    Beste Grüße

    salvamor-Wolfgang 

    ><o(((°> Don't feed the Trolls <°)))o><
  • guest
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    geschrieben 1104673598000

    An alle die Spenden wollen:

    Die Zusammenstellung der Seite www.dzi.de umfasst einige seriöse Hilfsorganisationen . Sie alle besitzen das einzig echte Qualitätssigel für Spenedenorganisationen, das Spenden-Siegel des Deutschen Zentralinstitut für sozialen Fragen (DZI). Das DZI überprüft, ob die Organisationen mit ihren Honoraren in einem vernünftigen Rahmen bleiben, ob die Bilanzen stimmen, die Werbung sachlich bleibt. So können Sie auf die Seriösität der Anbeiter vertrauen, Ihr Geld ist in guten Händen.

    Gruß,

    Melanie

  • Sheridane
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    geschrieben 1104695782000

    Guten Abend Günter!

    Ich bin so froh, dass Ihr die Katastrophe heil überstanden habt und scheinbar gleich mehrere Schutzengel bei Euch hattet! Es ist schön, von Dir zu hören!

    Was Du erzählst, muss es wirklich ein unfassbar schreckliches Erlebnis gewesen sein. Ich hoffe, Ihr könnt das alles einigermaßen verdauen!

    Ich wüsste nicht, wie ich in dieser Situation reagiert hätte und ich glaube, dass auch niemand das wissen kann, der nicht selbst dabei war.

    Als ich das erste Mal von dieser Katastrophe hörte, habe ich sie noch nicht als solche empfunden. Ich dachte, es wäre "nur" eine kleine Welle gewesen. Doch nach und nach habe ich dieses Ausmaß erkannt und inzwischen bin ich geschockt, wie viele Menschen ihr Leben lassen mussten. Besonders heute war für mich ein irgendwie trauriger Tag. Um das ganze besser zu begreifen, habe ich mir einige Sendungen angesehen, die sicherlich aber nicht das ganze Ausmaß wiedergeben. Ich habe geweint ... Bei jedem traurigen Kindergesicht mit großen und weinerlichen Augen kamen mir die Tränen. Wie schrecklich muss es sein ...

    Die Natur hält grausame Sachen für uns bereit ... und inzwischen bewerte ich folgenden Satz ziemlich hoch: Lebe jeden Tag, als wäre er dein letzter ...

    Viele Grüße

    Manuela

  • Sternedieb
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    gesperrt
    geschrieben 1104703795000

    @ Günther

    darf man erfahren, wer der Reiseveranstalter in diesem Falle gewesen ist?

  • caribiangirl
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    geschrieben 1104704012000

    Hallo Günter

    Das "Chaos" in Asien hat wohl jeden,der etwas Herz hat,sehr mitgenommen.Trotzdem kann jeder,der zu der Zeit vor Ort war und das ganze Ausmaß Überlebt hat,vom Glück reden.Nen 2. Geburtstag könnt Ihr wirklich feiern.

    Daß dort so viel ,was schnelle Hilfe betrifft,schieflief hab ich auch übers Fernsehen mitbekommen.Als Außenstehender kann man sich sowas garnicht richtig vorstellen,obwohl die Bilder,die noch täglich im TV zu sehen sind,von Tag zu Tag übler werden.

    Auch ich wünsche Euch trotzdem ein schönes neues Jahr und dass Ihr den Albtraum bald etwas verarbeiten könnt.

    Liebe Grüße von Silke

    Die Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man ihn wälzt, desto größer wird er.
  • salvamor41
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    geschrieben 1104708730000

    In der Sendung "Sabine Christiansen" heute abend in der ARD berichtete Frau Dr. Claudia Ingenhoven, Berliner Journalistin, Wortchefin des Kulturradios des RBB und Sri Lanka-Urlauberin unter anderem von chaotischen Zuständen auf dem Flughafen von Colombo.

    Flutgeschädigten deutschen Urlaubern, teilweise schwer verletzt und traumatisiert, wurde lt. ihrer Aussage der Rückflug mit deutschen Fluggesellschaften verweigert, weil niemand von der Botschaft da war, der die erforderlichen Stempel und Unterschriften leisten konnte, während andere europäische Urlauber völlig unbürokratisch abgefertigt wurden und problemlos nach Hause fliegen konnten. 

    Herr Klaus Laepple, Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter-Verbandes, bestritt diesen Sachverhalt energisch und sichtlich verärgert. Die Aussage von Frau Dr. Ingenhoven entspräche überhaupt nicht der Wahrheit. Die deutschen Fluggesellschaften hätten völlig unbürokratisch gehandelt und nicht nur deutsche, sondern auch andere europäische Urlauber mit nach Hause genommen.

    Als unbeteiligter Zuschauer dieses Disputes drängt sich einem natürlich die Frage auf, wer von beiden Recht hat. 

    Hat Frau Dr. Ingenhoven geträumt oder halluziniert, was ich nicht glaube, weil ihre Schilderung deckungsgleich mit vielen anderen Berichten von Urlaubern ist.

    Oder fühlte sich Herr Laepple argumentativ von Frau Dr. Ingenhoven in die Enge getrieben und reagierte deshalb so heftig?

    Ich denke, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen in dieser Angelegenheit.

    ><o(((°> Don't feed the Trolls <°)))o><
  • Holginho
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    geschrieben 1104755416000

    Lieber Günter!

    Zuerst einmal möchte ich Dir (und natürlich auch Deiner Frau, Familie) ein schönes und v.a. gesundes(!) 2005 wünschen!

    Ich bin sehr froh, hier etwas von Dir geschriebenes lesen zu können und hoffe sehr, das Du/ihr die schrecklichen Erlebnisse und Bilder verarbeiten kannst/könnt.

    Ich überlege schon die ganze Zeit, hier an dieser Stelle auch noch etwas aus meiner Sicht zu den weiteren hier genannten Dingen zu sagen. Aber ich denke, dies ist Dein(!) thread mit unserer Freude über Deine letztlich wohlbehaltene, glückliche Heimkehr.

    Aus diesem Grunde "verkneife" ich mir hier einen Beitrag zu den grundsätzlichen Geschehnissen und poste diesen im "Erdbeben-Thread" im Asienforum.

    Alles Gute und viele Grüße, Holger

    “Mit dummen Menschen streiten ist wie mit einer Taube Schach zu spielen...“ Rest bei Bedarf googeln!
  • Günter/HolidayCheck
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    Administrator Zielexperte/in für: Fuerteventura
    geschrieben 1104760302000

    Lieber Wolfgang,

    ich bin Dir dankbar für Deinen Beitrag.

    Die Airlines haben eben nicht in jedem Fall unbürokratisch gehandelt. Mein persönliches Beispiel:

    Nachdem der sogenannte Reiseleiter in unserem Hotel -Notquartier-die meisten schliefen irgendwo auf dem Boden-  "seine" Reisenden nach über 30 Stunden! zusammengetrommelt hatte, verkündete er:

    "Sie fahren nach Phuket-Airport und fliegen dort gegen 20.45 nach Deutschland". Es standen 4 Busse bereit und die Fahrt ging auch zum Airport. Dort war dann weder ein Vertreter der Reisegesellschaft anwesend -noch,  was viel übler war, wusste irgend jemand von einem bereitgestellten oder "im Anflug befindlichen" Flugzeug.  Und das, obwohl da eben mal rd 190 Personen zum Flughafen gekarrt  worden waren!

    Die Fluggesellschaft wusste ebenfalls von nichts und stellte Flüge in den nächsten 2 (!)Tagen in Aussicht.Der Stationsleiter war ein Komplettausfall, völlig inkompetent!

    Hotelzimmer waren nicht verfügbar, denn die wenigen Hotels, die in der Hauptsaison hinter der Flutlinie noch intakt waren, hatten,  wen wundert´s, keine Kapazitäten mehr anzubieten. Bei der Größe des Flughafens Phuket waren Übernachtungen irgendwo auf dem Boden nicht möglich , es war schlichtweg kein Platz dazu da!

    Und- als empörte Reisende den "Reiseleiter" anrufen wollten, hatte er sein Handy bereits abgeschaltet. Übrigens sagte er mir zuvor, auf das peinliche Bild seiner Firma angesprochen, dass gerade Alarmstellen oder Alarmzentralen seit längerer Zeit aufgelöst wurden (der Rotstift...) Er war sicher auch nur das ausführende Organ, aber leider auch eine Figur, die nichts positives ausstrahlte.

    Thai Air war am Airport zur Stelle und verpflegte/versorgte alle Reisenden, von denen viele immer noch mit der Badehose, und mit Handtüchern oder von anderen geschenkten Shirts herumliefen......Viele hatten damit natürlich auch kein Geld für Essen oder Trinken zur Verfügung. Ein anderer großer Reiseveranstalter war, wie im Kontrastprogramm, zur Stelle und versorgte seine Gäste laufend mit Informationen und bot Hilfe an. Da sah die Welt schon anders aus.

    Phuket Air(ein Billigcarrier) bot uns dann irgendwann sogar Gratistickets für einen Flug nach Bangkok, der gegen 24 Uhr abheben sollte, an. Die 464 Jumboplätze waren schnell ausgebucht. Meine Bekannten und ich haben dann der Airline geholfen Gepäck zu transportieren, weil einfach keine Kapazität vorhanden war.

    Viele ältere Reisende trauten sich zuvor aber nicht, einfach nach Bangkok einzuckecken, auch wenn meine Bekannten und ich viel Überzeugungsarbeit geleistet- und die größeren Möglichkeiten ab Bangkok herauszukommen in vielen Gesprächen hervorgehoben hatten, vereinzelt auch erfolgreich.

    Und wir hatten dann ja auch Recht behalten.

    Keiner hatte übrigens erwartet, dass wir, wie an der Leine aus der Katastrophe herausgeführt werden (wie das oben in einem Beitrag anklang) aber (ungesicherte) Infos und Entscheidungen herauszugeben und dann die Touristen sich selbst zu überlassen, das war der Gipfel! Und wie gesagt, es waren über  30 Stunden vergangen.Da wäre eine Menge Notfallmanagement möglich gewesen!

    Es waren auch etliche Verletzte unter denen, die einfach am Aiport "abgestellt" worden waren. Menschen, die nur notdürftig medizinisch versorgt waren. Darunter durchaus auch schwerere Verletzungen.

    Wie gesagt, für mich ist die Sache keinesfalls erledigt, meine Drähte zur Presse sind schon aktiv.

    Bitte habt aber Verständnis, wenn ich den Namen der Airline und des Reiseveranstalter hier vorerst nicht offiziell nenne!

    Übrigens: mein Freund Micha, der in Khao Lak verletzt wurde, war vom thailändischen Militär direkt nach Bangkok transportiert-und dort hervorragend medizinisch versorgt worden-. Inzwischen ist er mit seiner Frau wieder in Deutschland und ist in stabilem Zustand. Eine wunderbare Nachricht war das!

    Viele Grüße

    Günter/HolidayCheck

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