1801 Ergebnisse für Suchbegriff La Palma
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Teneriffa- Insel voller Rätsel, Geheimnisse und Gegensätze?!
[color=#000000][size=14px]Danke, liebe Freunde, vergesst uns nicht, und kommt recht bald wieder![/color][/size]
Die Dorfbewohner.
Es ist vorbei und geschafft, die schöne Zeit ist zu Ende und wir müssen nun gehen! Das fielen Lucita und mir nach so langer Zeit sehr schwer. Schon Tage vorher war die Stimmung auf ein Minimum gesunken. Schließlich waren wir alle so etwas wie eine große Familie geworden. Auf die Frage „Warum bleibt ihr nicht bei uns?“, mußten wir uns die Antwort schon sehr überlegen, und trotzdem fiel sie dann nicht befriedigend aus. Delia erkannte unser Problem und tat das was für alle einfach unfassbar war. Wir beide, Lucita und ich, hatten sie schon mehrfach gefragt ob sie nicht mit uns kommen möchte um eine Zeit lang Ferien bei Lucitas Eltern zu verbringen. Bisher war diese Frage nicht beantwortet worden, sondern wurde bei ihr eher zu einem seelischen Konflikt. Woraufhin wir nun diese Frage nicht mehr stellten. Nun, so kurz vor unserem Abschied, saßen wir abends alle in dem neuen Gemeinschaftsraum zusammen bei ziemlich gedämpfter Stimmung. Die Gedanken daran diese lieben Menschen verlassen zu müssen war quälend. Delia saß ohnehin schon lange Zeit immer neben mir in meinem Arm, aber nun sagte sie etwas, was uns alle traf wie ein Peitschenhieb: „Wenn ihr mich mitnehmt und meine Eltern und das Dorf es erlauben, komme ich eine Zeit lang mit euch zu Lucitas Eltern!“ Das schlug bei allen Anwesenden ein wie eine Bombe. Wir beide waren jetzt wirklich wie gelähmt und nahmen unsere Delia einfach nur in die Arme. Dazu ergab sich noch, dass ihr älterer Bruder Manolo seine Schwester begleiten würde.
Sofort wurde diese Nachricht nach Erjos zu meinen Gastgebern durchgegeben, und alle jubelten. Wie ein Volltreffer im Lotto. Kurz gesagt, diese Nacht wurde zum Tag gemacht und alle haben ausgiebig gefeiert. Alles hatten wir beide erwartet, nur diese Wendung nicht! Ob ich mich jemals schon einmal so gefreut habe, kann ich auch nicht sagen.
Selbstverständlich hatten die Eltern und Anverwandten nichts gegen Delias Wunsch. Was vorher widerwillig geschah, nämlich das Zusammenpacken, das flutschte nun mit Vergnügen und Freude. Jeder half mit, und wenn wir nicht energisch eingegriffen hätten, dann hätte so mancher Bewohner uns noch sein einziges Hemd geschenkt. Von Obst über Schnitzereien beschenkte man uns, wie auch schon bei den bereits heimgekehrten Elektro-Fachleuten geschehen.
Es fiel mir auf, dass Lucita sich vehement als Bremse betätigte, was alles ins Auto sollte und was nicht, z. B. keine persönlichen Sachen und meine „Kaninchen-Waffen“, eine Flinte und eine Büchse?! Aber wir können die Sachen doch nicht in der Hand tragen, was soll das? Ich war schon fast dabei ärgerlich zu werden! Aber Lucita führte irgendetwas im Schilde, sie verschwieg uns etwas. Was da buchstäblich in der Luft lag, sollte sich erst zum Zeitpunkt des Abschiedes offenbaren. Mitten in der Abschiedszeremonie wurde diese durch ein großes Geknatter gestört und es landete ein Militärhubschrauber in der Nähe. Ja, aber was wollen die denn? Außer den beiden Piloten stiegen noch drei weitere Soldaten aus. Die Meldung des Kommandierenden lautete auf Deutsch und Spanisch klar und präzise: „Ihr Transport über El Amparo nach Erjos ist bereit. Zwei Mann überführen den Geländewagen zur Eremita!“ – Das war der Hammer und die Überraschung, die uns Lucita verschwiegen hatte. Nur ihre Eltern konnten das eingefädelt haben. Ich glaube wir alle müssen ein ziemlich dummes Gesicht gehabt haben.
Nun ging alles ganz schnell mit dem Verladen und Verabschieden, nachdem wir erst alles so richtig begriffen hatten.
Keine Angst, liebe Freunde, wir kommen ganz bestimmt wieder, und außerdem nehmen wir euch eure Delia und ihren Bruder nicht weg. Auch sie werden begleitet zurückkehren wann immer sie es wünschen!
Einsteigen, Türen schließen und anschnallen es geht heimwärts. Ich sah, dass Lucita bemüht war ein paar Tränen zu unterdrücken, waren wir doch dort schon fast heimisch geworden! Das ganze Dorf war versammelt und einige Nachbarn auch, die uns noch auf der Ehrenrunde, die der Pilot über dem Dorf flog, von unten zuwinkten. Und dann ging es über die Wipfel der Bäume ab in Richtung Eremita. Auch dort eine riesige Begrüßung als wir in der Nähe landeten. Eigentlich war eine Landung im Innenhof vorgesehen, aber dort war es zu eng für die Rotoren, so dass aus Sicherheitsgründen auf einen freien Platz außerhalb ausgewichen werden mußte.
Ein leichtes vorbereitetes Mittagsessen konnte aber nicht ausgeschlagen werden bei dem wir uns bei allen Beteiligten ganz herzlich für die Hilfe bedankten. Eine kurze ganz persönliche Messe für alle war vorbereitet und schloss sich an. Abschied von den treuen Eseln und allen Ordensbrüdern und -Schwestern des Klosters und auf ging es weiter nach Erjos. Nicht in den Ort, sondern direkt zum Anwesen Lucitas Eltern, wo uns trotzdem mindestens halb Teneriffa mit großem „Bahnhof“ empfing. Das war ein Wiedersehen, und nun flossen auch Tränen – der Freude, der Dankbarkeit?! Sie waren es doch alle, die all das organisiert und gemanagt hatten! Ohne diese Unterstützung wäre so etwas niemals möglich gewesen! Der Kommandierende meldete Vollzug mit „Auftrag ausgeführt“ und schon waren sie wieder weg, diejenigen, die ihren schönsten „Trainingsflug“ diesen Jahres durchgeführt hatten, wie uns gesagt wurde! Ich glaube es ihnen sogar!
Nun ging die Feierei weiter in großen offenen Zelten, die errichtet worden waren, bis weit nach Mitternacht. Natürlich schliefen unsere beiden Gäste Delia und Manolo schon längst; sie waren doch sehr erschöpft. Wir eigentlich auch!
Am folgenden Morgen wurde es doch für die beiden Kinder aufregend; so viel Neues, so viele Geschenke und all die freundlichen Menschen. Delia hielt Lucitas und meine Hand die ganze Zeit fest umklammert. Dann wurden die beiden sich selbst überlassen alles zu entdecken, ihre Zimmer, das riesige Haus in dem man sich beinahe verlaufen kann, den Garten, die Tiere und so Vieles mehr. Beide kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Viele neue Bekleidungsstücke waren angeschafft worden, aber besser war es sie nicht zu nötigen ihre heimischen Trachten unbedingt gegen diese zu wechseln. Sie hatten auch keine besonderen Zimmermädchen, wie normalerweise andere Gäste. Es waren eben Familienmitglieder und nichts anderes! Wie gesagt, es wurde ihnen alles selbst überlassen. Sie sollten sich einfach nur wohl und geborgen fühlen und keineswegs ihr Zuhause vergessen. Das lag allen am Herzen und hatte absolute Priorität.
Dass Delia ein neugieriges Persönchen ist, war wohl bekannt, aber was hier abging setzte dem die Krone auf. Die beiden sind einfach überall anzutreffen, selbst auf den Feldern bei den Nachbarn! Nun gut, das sind auch alles Landsleute und sprechen den gleichen Dialekt, da ist der Kontakt viel einfacher, außerdem sind diese fast genau so arm wie ihre Dorfbewohner. Viele Gäste von wer weiß woher sagten sich an, aber da wurde dann doch die Bremse gezogen. Ich werde das Gefühl bis heute nicht los, dass die nur ein armes Mädchen aus einem noch ärmeren Dörfchen beglotzen wollten. Da hörte bei uns allen aber der Spaß entschieden auf. Dann mögen sie in den Loro-Park gehen, dort können sie nach Herzenslust diese größtenteils bedauernswerten schizophrenen Tiere anglotzen!
Meine beiden letzten Wochen waren beinahe genau so ausgefüllt wie dort in dem Dorf. Bald ging Lucita wieder ihrer Arbeit als Juristin ihrer Eltern und deren Geschäfte nach und ich war voll ausgebucht mit den Kindern und all den Nachbarn und Freunden ringsum. Leider waren mir anstrengende Wanderungen etwas versagt, denn ich quäle mich immer noch mit einem verschleppten „Hexenschuß“ herum, der mir bis heute noch zu schaffen macht. Trotz aller Behandlungen.
Nun werden alle fragen: „Und was ist denn mit der Schule?“ Die Antwort ist einfach! In dem Dörfchen wurden alle Kinder ab sieben Jahren von einer Ordensschwester mehr oder weniger gut unterrichtet, so dass Delia momentan auf dem Stand etwa der dritten Klasse ist; das ist zu wenig um ihrem Alter gemäß in die angemessene Klasse zu kommen, trotz allen Fleißes. Also gibt es für alle hier eine Aufgabe sie und Manolo täglich zu unterrichten. Da machen viele von uns mit unter der „Schirmherrschaft“ des örtlichen Lehrers. Jeder, der Zeit hat, ist dabei und das mit viel Freude und ganz engagiert. Sehr zu unserer aller Freude erstreckt sich beider Neugierde auch auf diesen weniger lustigen Bereich. Mit viel Eifer und wissbegierig sind sie dabei, ohne großartigen Motivationsschub von außen.
Tagsüber sind beide regelrechte „Streuner“, überall zu finden. Wenn niemand was dagegen hätte, würden sie vielleicht liebend gerne in den Stallungen bei den Tieren schlafen, die sie in ihr Herz geschlossen haben. Es gibt hier aber auch genug davon! Und sie machen sich nützlich wo immer es eine Gelegenheit dazu gibt. Auf den Feldern sind beide schon wohlbekannte und gern gesehene „Mitarbeiter“, selbst wenn es zur Zeit wenig zu tun gibt. In ihrem Gefolge sind immer irgendwelche Tiere zu finden, ob Hunde, Esel oder Kakadus. Auch ich liebe Tiere und habe ein prima Verhältnis mit ihnen, aber das hier zwischen denen und mit den beiden ist die beneidenswerte Liebe auf den ersten Blick! In nächster Zeit, wahrscheinlich in der nächsten Woche, wird Esel-Nachwuchs erwartet. Delia und Manolo ahnen noch nicht, dass das einmal ihr ganz persönliches Eigentum sein wird, so ist es im Familienrat beschlossen worden; sie sind bisher nur gebeten Namen zu finden. Selbstverständlich wird der/die Esel/in dann mit in das Dörfchen gehen. Aber Eselfohlen bleiben sehr lange bei der Mutter! Selbst als "Köchin" macht Delia eine passable Figur; ihre mitgebrachten Dorfrezepte begeistern hier alle. Aber das kennt man ja auch bei uns: Was früher ein ausgesprochenes "Arme-Leute-Essen" war, gilt heute als Delikatesse! Es gibt ja auch hier das gleiche Gemüse und die gleichen Früchte wie bei ihr zu Hause.
Fische und andere Meeresfrüchte waren beiden ja ziemlich unbekannt was die Waren und die Speisen angeht, also nehmen wir sie mit an die Küste in die kleinen Fischerhäfen zum Einkaufen. Aber Fisch essen mögen sie nur zu gerne. Kein Wunder, denn das was allgemein Südländer aus alle den Meeresfrüchten an Speisen zaubern, ist bei uns hier völlig unbekannt und manch einer würde staunen, ohne zu wissen was er gerade ißt. Z. B. wenn Thunfisch entsprechend vorbehandelt wird, könnte er glatt als zartes Rinderfilet angesehen werden! Das ist für beide immer ein Erlebnis; dafür lassen sie alles stehen und liegen. Gestern waren wir mit einem mittleren Kühltransporter in La Mancha an der Nordwestküste, einem kleine Fischerhafen, um uns mit Thunfischen, lebenden Langusten, Knurrhahn, verschiedene Sorten Garnelen, Kalamar, Seehechten, Muscheln, Seezungen, usw. zu versorgen. Eine große Kiste gemischten unsortierten Beifang bekamen wir gratis mit, vorzüglich geeignet und fast auch notwendig für Suppen. Von den Fischern wird alles restlos verwertet außer zu kleine Exemplare und zu junge Tiere, die landen wieder in ihrem Element. Anders als bei den großen Fabrikschiffen, bei denen alles in die an Bord befindliche Verwertung geht was nicht erwünscht ist. Solche Beifänge holen sich meistens arme Leute direkt weg vom Schiff. Es werden wieder einmal viele Gäste erwartet, und da muß alles ganz frisch sein, direkt vom Boot und von den Fischern. Dann noch in die riesigen Markthallen von Icod, gegenüber dem Drachenbaum, wo es nur einheimische Produkte gibt, alles unter scharfer Kontrolle und Überwachung. Dort kann man auch die sehr begehrten ganzen Schafs-, Rinder-, Pferdeköpfe im Fell kaufen samt Gehirn, aber keine Schweineköpfe, die verderben zu schnell. Alles das schmeckt gut und richtig zubereitet ausgezeichnet! Da gehen einem die Augen über und man kann sich nicht satt sehen, so toll ist das dort, mit einem ganz großen Warenangebot an Naturalien. Natürlich kauften wir auch gleich für die ganze Nachbarschaft in Erjos mit ein, denn so häufig fährt niemand an die Küste um Fische zu holen. Sonst sind unsere Stammhäfen immer San Juan oder Puerto de Santiago an der Westküste, aber das ist viel weiter weg. Dann kann ich mich wieder mal auf gegrilltes Thunfischsteak mit allerlei Salaten freuen, oder auch große Langusten von ca. 1,5-2 Kg/Stück! Eine halbe davon schaffe ich locker! Sehr gesund sind sie aber nicht, weil ihr Fleisch pures Eiweis ist. Nahezu 75 Kg ganzen Thunfisch mittlerer Größe um die 8-12 Kg hatten wir dabei, und das für 2,00 Euro/Kg direkt vorbestellt vom Boot, also ganz fangfrisch von vor der Haustür in Richtung La Palma nachts geangelt! Das sieht man am Blut, wenn sie gerade eben erst geschlachtet wurden. Hier kostet er das fünf-bis sechsfache der rote oder auch große Thun, wenn nicht noch mehr, dafür hat er dann schon Tage auf Eis gelegen! Da hat Delia aber doch gestaunt. Beide wollten gar nicht mehr raus aus den Markthallen. Alle anderen Fleischsorten, Milch, Butter, Geflügel, Schweine, Rinder, Schafe/Ziegen, usw., werden direkt von den nahegelegenen Bauern bezogen und extra für uns groß gefüttert. Das ist selbstverständlich und bedarf keines Vertrages. Dabei verdienen sie selbst sehr viel mehr als würden sie das in den Handel geben, weil sie einen sehr anständigen Preis von uns bekommen und auch teilweise das Land meiner Gastgeber für sich zu ihrem ganz persönlichen Nutzen frei bewirtschaften dürfen, es sogar sollen. Und es ist sehr gutes aufbereitetes und ertragreiches Land! Landmaschinen können sich alle ausleihen, aber meistens benutzen sie lieber ihre seit altersher gebräuchlichen Geräte. Durch große begehbare Kühl- Gefrierräume können wir auch sehr gut und lange bevorraten, auch für unsere Nachbarn mit, den kleinen Bauern. Praktisch gehören sie alle schon zur Familie, denn einen Haciendero im Stile eines allmächtigen Grundbesitzers gibt es nicht. Ich schlief auch schon oft bei ihnen in ihren Häuschen. Es sind sehr fleißige und aufrechte Menschen mit einem guten Charakter.
So verlaufen die schönen Tage mit sehr schönem Wetter hier; für viele Menschen die schönsten Tage ihres Jahres, ihr Urlaub! Ich beneide sie nicht, diejenigen die nun zu Hause arbeiten müssen um ein- oder auch zweimal im Jahr diese so wunderschöne Insel für viel Geld besuchen zu können. Ich konnte es früher auch nicht anders und deshalb bin ich meinen Freunden hier und anderswo so unendlich dankbar, dass sie es mir ermöglichen und gestatten mit ihnen zu leben und Einblick in ihr ganz privates Leben nehmen zu können! Das verstehen sie und ich unter Freundschaft und so bin ich Freund der Familien und deren Häuser mit allen Pflichten und Freiheiten. Ich bin stolz darauf es schon seit langer Zeit sein zu dürfen! Und besonders glücklich bin ich über meine Nähe zu denen hier, die als arme und genügsame aber glückliche Menschen mir gegenüber so aufgeschlossen, vertrauensvoll und freundschaftlich entgegenkommen, den kleinen Bauern. Wenn es mir möglich wäre, ich würde alles das mit Zins und Zinseszins zurückgeben. Dennoch glaube ich aber nicht, dass das ein guter Weg und ein gutes Unterfangen wäre, ganz im Gegenteil. Es ist ein Geschenk und bleibt es auch!
Nun will ich mich wieder meinen Aufgaben und Freuden zuwenden. Vielleicht lässt sich noch etwas finden was mir die Genugtuung verschafft hier nützlich sein zu können. Ganz gewiss besteht diese Aufgabe aber in Delia und ihrem Bruder, die mir auch schon so viel gegeben haben. Bei den allerkleinsten Anzeichen aufkommenden Heimwehes werden wir sofort beide wieder zurück zu ihrem Zuhause begleiten.
Viele hier bei uns können oder wollen meine Gedanken und Einstellung nicht verstehen. Sollen sie nur, vielleicht lernen sie es noch einmal irgendwann!
Und nun gehe ich mit meinen beiden jungen Freunden und zahlreichen Nachbarkindern nach San Jose de los Llanos, einem Nachbarort, auf die Plaza zum Eisessen! Immer ein besonderes Highlight für alle Kinder ob groß oder klein und wir werden auch querfeldein auf Pfaden schon knapp eine Stunde wandern müssen. Zurück werden wir allerdings abgeholt.
Viele Grüße von
Dieter