Teneriffa- Insel voller Rätsel, Geheimnisse und Gegensätze?!
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Hallo!
Für alle, die es interessiert!Es wird immer von Walen und Delfinen geredet als wären es völlig verschiedene Tierarten! - Das ist nicht so!
Der Wal dort ist der kleine und große Schwertwal, auch Killerwal, Mörderwal oder Orca genannt und gehört zoologisch zur Familie der Delfine und zur Ordnung der Wale. Seine Unterordnung sind die Zahnwale im Gegensatz zu den Bartenwalen. Beide, der Delfin, sowie der Schwertwal sind Knochenfische, und als solche lebend gebärende Säugetiere.Er ist in allen Meeren sehr weit verbreitet, von der Arktis bis zum Äquator runter zur Antarktis, von Osten nach Westen, also auch vor der Küste Nordafrikas um die Kanaren herum. Das sind die "Wale" die wir dort sehen!
Insbesondere im Frühjahr ab Mai, wenn die Thune durch die Strasse von Gibraltar in großen Schwärmen wie durch einen Trichter zum Laichen ins Mittelmeer ziehen, sinnvollerweise beginnt dann auch die Fangsaison, bilden die Orcas mit den Tümmlern einen "Verbund", wobei sich alle beteiligten Parteien eigentlich doch "spinnefeind" sind und sich gegenseitig zum "******* gerne haben"! Jeder von beiden bevorzugt dabei seine ganz eigene Jagdmethode und Technik. In "Friedenszeiten", wenn die Orcas schon mal einen versprengten Tümmler aufspüren, beißen sie ihm die Schwanz- oder Seitenflosse ab, so dass er nicht mehr so schnell (55 Km/h) schwimmen kann. Dann kann es ganz schnell geschehen, dass einem ein Orca den Thun an der Angel vor den Augen wegschnappt. Schlimm wird es erst richtig, wenn noch Haie dazukommen! Dann ist richtig Tumult im Wasser. Jedoch der hat gegen die Delfine und Orcas keine Chance, außer dass er ganz schnell die Flucht ergreift, sonst wird er, sogar bis zu einer Länge von fast 3 Metern, zur sicheren Beute, insbesondere der Orcas! Da sind sich beide, Delfine und Orcas wieder einig! Aber wie schon mehrfach hier ausgeführt "schlafen" diese Fressfeinde nachts, bis auf den Thun, der ständig in Bewegung ist, und nur so entgeht man dem Verlust der Beute mit samt der Angel.
Etwas sehr Außergewöhnliches zeichnet den Thun aus. Er hat seine Heizung immer bei sich! Einen Teil seiner Bewegungsenergie beim Schwimmen setzt er in Wärme um, so dass seine Körpertemperatur bei schnellen Bewegungen ein paar Grad über der herrschenden Wassertemperatur liegt. Und er ist ein ruheloser Dauerschwimmer! Das ist umso bemerkenswerter als er doch ein echter Kaltblüter ist! Der Orca ist praktisch ein Allesfresser von allem was sich bewegt, selbst Robben, Pinguine usw. verschmäht er nicht.
Das bekannte Aufsteilen senkrecht hoch aus dem Wasser hat nichts mit Spielen oder Wasserbalett zu tun, sondern dient ausschließlich der Information über die nähere Umgebung, obwohl er über Wasser viel schlechter hören und sehen kann als unter Wasser, da seine Augen an eine andere Brechzahl und einen anderen Druck angepasst sind! Ebenso wie auch die gewaltigen Sprünge nur zur Orientierung dienen. Im Meer tut er das nur dann, wenn ein Motorboot sich ihm nähert, aber auch nur mit dem Kopf und dem Buckel, übrigens so auch bei den Tümmlern, die dann einfach nur mal nachschauen wollen warum der Trainer pfeift und wo er ist, also reine Neugier, denn mit ihrem Ultraschall-Ortungssystem sind sie nicht in der Lage Gegenstände außerhalb des Wassers und deren Positionen klar zu erkennen, weil ihr Schall-Peilstrahl an der Grenzfläche zum Luftraum weitgehenst gebrochen und reflektiert wird. Er gelangt gar nicht erst bis in den Luftraum oberhalb der Wasserfläche. Deswegen muß der Trainer auch dort stehen bleiben, sonst verfehlen sie ihn unweigerlich beim Anschwimmen! Kurz vorher machen sie aber noch ein kleines "Hüpferchen" nur mit den Augen und ihrer Melone über die Wasseroberfläche, um sich nochmals davon zu überzeugen, dass der Trainer sich noch an der gleichen Stelle befindet. Das sieht dann immer so aus als wollten sie noch eben Luft holen. Ist er das nicht mehr, bleibt keine Zeit für Bahn-und Navigationskorrekturen und sie brechen ab und schwimmen in großer Kehre neu an! Bei letzteren dient das Springen allerdings auch noch dazu die Geschwindigkeit auf der Flucht zu steigern, weil die Luft keinen merklichen Widerstand bietet. Es kostet sie zwar viel mehr Energie, aber es beschleunigt das Vorankommen, z. B. wenn sie verfolgt werden! Nichts anderes steckt dahinter!Orcas leben auch in Großfamilien (Schulen) im lockeren Verband, ähnlich den Flippern, und sie gebären, nach einer Tragezeit von einem Jahr, lebende Junge (Kälber), überwiegend nur eins, ganz selten zwei, weil für zwei die Milch der Mütter (Kühe) nicht reicht, genau so wie bei den Tümmlern auch. So würde ein Junges schnell dahinkümmern! Etwa ein Jahr werden sie gesäugt. Dann trennen sich auch die Schulen in Kindergärten und Männervereine. Wehe man kommt dann den Kinderschulen, die von den Tanten behütet werden, mit dem Boot zu nahe, dann hagelt es Schläge auch bei den sonst so außerordentlich friedlichen und geselligen Delfinen. Sie können dann sehr "ungehalten und direkt" werden! Ab etwas dem dritten bis vierten Lebensmonat dürfen sie schon mal ihre Mütter begleiten, dann springen sie beide völlig synchron in großen Bögen. Das sieht immer sehr gekonnt und elegant aus, und ist eigentlich nur ein Training.
Delfine haben noch eine wundersame Eigenschaft; sie machen alle zwei Stunden ein "Ganzkörper-Peeling". Das heißt, sie stoßen in ganz kurzen Zeitabständen ihre oberen abgestorbenen Hautschichten ab und erneuern diese. Das verringert ganz enorm den Strömungswiderstand des Wassers an ihrer Körperoberfläche, und damit die aufzuwendende Energie zur Fortbewegung, und die geht sogar quadratisch mit der Geschwindigkeit! Außerdem können sie bei hohem Fluchttempo ihre oberste Hautschicht vibrieren lassen, was zu Abrissen der hemmenden Strömungswirbel führt. Bei der Marine und im Flugzeugbau nutzt man das schon aus! (Die Vorderkanten mancher Tragflächen können teilweise pneumatisch oder hydraulisch vibrieren oder pulsieren um den Eisansatz zu verhindern, der ja zu gefährlichen Profilveränderungen und damit Strömungsabrissen führt. Bei U-Booten hat man das auch versucht, indem man sie teilweise mit einer geschlossenen Gummihaut überzog und an einer Stelle Luft reinbliess, die dann längs des Rumpfes an einem anderen Ende wieder abgelassen wurde. Diesen "Blubbereffekt" kennt wohl jeder!)
Orcas gelten als sehr neugierig und lernfreudig, sind aber nicht so verspielt wie die Flipper, sondern eher etwas reizbar; da sieht man die Verwandtschaft zum Delfin. Deshalb trifft man sie häufig in großen Freibecken an, aber doch recht selten eng zusammen mit Delfinen, jedenfalls nicht ohne dass beide Parteien getrennte Rückzugsmöglichkeiten haben. - Was meint ihr wohl was in den zoologischen Gärten abseits der Besucher oder nach Schließung so mit den "niedlichen Tierchen", ob groß oder klein, angestellt wird? Es ist wohl auch ganz gut so, dass das nicht so publik ist; es wurde schon oft genug ganz öffentlich angeprangert! Selbst von den dort arbeitenden Wissenschaftlern!
So harmlos sind sie also folglich ganz und gar nicht, aber auch nicht grundlos agressiv. Ein Orca kann sehr eigenwillig und böse reagieren, jedoch berechenbar, wenn man den Thun an der Angel vor seiner Nase noch schnell genug ins Boot bekommt. Dann schlägt er mächtig mit der Fluke auf die Wasseroberfläche. - Ganz eigene Erlebnisse vor Teneriffa! - Die Fischer wissen das schon und warnen einen, wenn sie ihn kommen sehen. Dann heißt es festhalten! Das Boot selbst greifen sie aber nicht an.
Bis auf ein paar Besonderheiten, sind die Orcas in ihrem Verhalten den hier gemeinten Tümmlern charakterlich sehr nahe stehend und ähnlich. Es sind ja auch bio- und zoologisch Delfine! Nur diese kleinen "Abweichungen" sollte man schon kennen, wenn man mit nicht einheimischen guten Freunden rausfährt zum Hochseeangeln. Sie kommen zwar bei weitem nicht so dicht an die Ufer, wie es die Delfine tun, aber draußen sollte man schon auf der Hut sein! Insbesondere beim Angeln.
Beide Spezies, Orcas und der große Tümmler, haben vor allem innerhalb des Verbandes und der Großfamilien ein sehr ausgeprägtes und unerschütterliches Sozialverhalten, das sie gelegentlich sogar vor gegenseitigen Übergriffen hemmt. Der ärgste natürliche Feind der Haie ist der hier beschriebene Schwertwal! Das sagt wohl schon viel über die Gefahr, die von ihm ausgehen kann!
Ich würde nie auch nur auf die Idee kommen in einem Gebiet weit draußen, in dem Orcas leben, vom Boot aus schwimmen oder schnorcheln zu gehen. Heldentum ist nicht mein Ding, obgleich es keine oder kaum nachweisbare Angriffe auf Menschen gibt! Es war dann immer nur der Hai, der für alles hinhalten muß. Sicherlich spielt dabei eine nicht unbedeutende Rolle, dass Schwertwale nie in die direkte Küstennähe kommen und sich im offenen Meer meistens in größeren Tiefen aufhalten. Aber wissen das die Orcas auch und halten sich daran? Soweit vertraue ich dieser Komponente ihrer sozialen Einstellung dann doch wieder nicht!
Trotz aller Beruhigungen! Schließlich bin ich noch sehr altmodisch, denn ich brauche zum Annähen eines Knopfes noch zwei gesunde Hände, und auf zwei Füßen steht man auch sehr viel standfester! Allemal besser als auf abgebissenen Knochenstümpfen!
Wer dort einmal einen zerfetzten Hai, Mantarochen oder Delfin gesehen hat, weiß was ich meine! Die Netzfischer kennen das nur allzu gut und bergen solche Kadaver erst gar nicht.
Ich sah einmal einen riesigen zerfledderten Manta im Hafen von Puerto Santiago, bzw. das was davon noch einigermassen zusammenhängend übrig geblieben war!Soweit etwas zu den Walen und Delfinen, die immer als zwei völlig verschiedene Arten behandelt werden mit dem Whale-Watching, indem angekündigt wird Wale und Delfine bei den Bootsausflügen zu sehen! Die Wale dort sind Delfine!
Natürlich wird ja kein Bootsvermieter auf das Ankündigungsplakat schreiben: "Ausfahrten zu den Killer- und Mörderwalen"! Das irritiert die Kunden; - und trotzdem ist es so!Sollte das hier Dargestellte bei manchem den Eindruck eigen Erlebtes erwecken, dann muß ich etwas klarstellen: Gewiss, ich habe viel Zeit darauf verwendet die Tümmler ein bisschen näher kennenzulernen, wann immer ich Gelegenheit dazu hatte. Nicht ausschließlich aus wissenschaftlicher Sicht, das bleibt ohnehin nicht aus, sondern vielmehr ihre ganz normalen Eigenarten, ihr Verhalten und Lebensweisen, einfach ihren "Alltag". Natürlich habe ich mir auch zusätzliche Informationen von Fachleuten, wie Verhaltensforscher, Bio- und Zoologen eingeholt. Ein "Geburts- oder Erziehungsfehler" und eine Ausbildung fordern es stets von mir möglichst gründliche und gesicherte Erkenntnisse und Wissen zu haben, wenn machbar mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. - Oder nichts von alledem zu wissen! Dann ist manches viel einfacher! - Meine Bezugsquellen waren dabei überwiegend die Fischer mit ihren täglichen Erlebnissen. Und sie erzählen viel, denn nach wie vor sind auch sie noch, trotz ihrer Abgeklärtheit, fasziniert von diesen Tieren. Das kann man nicht überhören! In die eigene Tasche schwindeln können sie sich auch nicht, denn in Ihrer geselligen Runde hat bereits jeder dieses Wissen und die gleichen Erkenntnisse wie sein Nachbar. Das würde sofort auffallen. Manches ist noch viel phantastischer als ich es hier zu schildern vermag, ohne auch nur ein wenig an Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. Da ich größtenteils den speziellen "Fischerdialekt" in einer abendlichen Runde nicht richtig oder gar nicht verstehe, begleitet mich immer ein Freund oder eine Freundin, deren Heimat Teneriffa ist, und sie geben mir ein Zeichen, wann zu dem Thema "Rotwein-Delfine" gewechselt wird! Wenn sie einmal mit dem Erzählen begonnen haben, die Fischerfamilien, dann finden sie kein Ende.
Gruß Dieter
P. S. Auf Teneriffa erzählt man sich zwei Geschichten, an deren Wahrheitsgehalt und Glaubwürdigkeit ich nicht zweifeln kann, weil ich nicht dabei war. Ich sehe aber keinen vernünftigen Grund weshalb beides nicht so geschehen sein sollte. Sie gingen auch mit Zeugenbestätigung durch die ganze Presse!
Allerdings sind besonders die alten Kanarier hervorragende und begeisternde Geschichtenerzähler; da muß man schon auf der Hut sein um nicht auf eines solcher Märchen hereinzufallen.-
Vor Jahren pflegte ein alter Mann allmorgentlich einen Spaziergang entlang der Klippen zu machen, die dort senkrecht sehr tief ins Meer abfielen. Er hatte einen Stammplatz auf einem Vorsprung auf dem er dann jedesmal lange ausruhte. Das wiederholte sich jeden Morgen um die gleiche Zeit, wie ein Ritual. Zu eben dieser Zeit kam auch immer eine Delfinschule ganz nahe an die Klippen heran, ungefährdet, weil die Felsen doch senkrecht unter Wasser abfielen. Sie suchten nach Tintenfischen, ihrer Lieblingsspeise, die dort in den Felswänden hausen! Daraufhin warf der Alte einmal einen seiner mitgebrachten Kekse ins Wasser. Mehr aus Neugier als aus Hunger schnappte ihn sich einer der Delfine. Und so ging das viele Tage lang, immer zur gleichen Zeit teilte er seine Keksration mit den wartenden Tümmlern. Es mußte sich unter ihnen "herumgesprochen" haben!
Delfine sind sehr pünktlich, allerdings ohne die Zeitumstellungen! Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Nun eines Tages hatte der Mann seine Kekse vergessen und die Delfine schwammen erwartungsvoll an der Klippe entlang. Daraufhin warf der Alte einen alten Tennisball, den er von seinem Enkel noch in der Tasche hatte, stattdessen hinunter ins Wasser. Beleidigt waren die Delfine zwar nicht, aber sie katapultierten den Ball mit ihrer Schwanzflosse zurück auf die Klippen. Das weitete sich dann in den nächsten Wochen aus zu einem pünktlichen und verspielten Dauerturnier. Nur die Kekse, die beförderten sie nicht wieder zurück aufs Land. Mittlerweile hatte sich das überall herumgesprochen was da geschieht, und andere Zuschauer versuchten mitzuspielen. Sie wurden überhaupt nicht beachtet, sondern nur ausschließlich der alte Mann und s e i n Ball! Ich glaube er hätte sie auch anfassen und streicheln können; so vertraut waren sie mittlerweile miteinander geworden.
Eines Tages wurde er krank und konnte nicht zu seinem gewohnten Rendezvous erscheinen. Stundenlang sollen die Delfine auf und ab geschwommen und gesprungen sein, und das mehrere Tage, bis er wieder erschien, der Freund der Delfine! Nur war es dann nicht mehr nur 1 Tennisball, sondern mehrere und ebenso viele Kekse, so dass ihn bald ein "Balljunge" begleiten mußte. Es soll eine große Attraktion gewesen sein!
Mich würde interessieren was geschah als ihr Freund irgendwann für immer wegblieb? Schließlich war er ein alter Mann! Delfine haben ein enormes Gedächtnis! Man sagt ihnen auch nach, dass sie singen und weinen können, ebenso wie die Orcas, von denen es schöne Tonaufnahmen gibt, so wie es ihre Vettern, die riesigen Wale tun. Wenn, dann ganz sicher in der Paarungszeit! Erzählen die dortigen Fischer! Ihre recht lauten Quietsch-, Schnarr-, Schnalz- und Klicklaute kann man ja schon in den zoologischen Gärten und Delfinarien gut und laut hören! -
Von einem dieser Whale-Watching-Boote fiel einmal ein kleines Kind über Bord während es antriebslos dahindümpelte. Gerade als einige Orcas ganz nahe waren. Daraufhin kam ein ganzer Pulk Delfine herbeigeeilt, die einen Schutzring um das panisch strampelnde Kind bildeten. Der Orca hatte das natürlich längst mitgekriegt, hatte aber gegen diese Übermacht keine Chance, so dass das Kind mit dem Schrecken davon kam und noch wohlbehalten zurück an Bord geholt werden konnte.
Ihr könnt jetzt alle sagen: "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!"
Das wäre sogar legitim, nur das Gegenteil beweisen könnt ihr dennoch nicht!
Auch nicht die fleißigen PN-Schreiber mit ihren unsachlichen Kritiken und Kommentaren! -
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Ich bin noch nicht lange hier im Forum. Eigentlich wollte ich nur ein bisschen im Forum blättern. Aber jetzt bin ich doch wirklich hier hängen geblieben und erschrocken habe ich festgestellt, dass ich meinen Mittag mit dem Lesen der tollen Berichte von Dieter zugebracht habe. (Ihr andern nicht beleidigt sein) Fast wie bei einem guten Buch bin ich jetzt wirklich traurig das es zu Ende ist.
Hoffentlich kommt da noch viel viel mehr.
Leider kann ich nicht viel hier beitragen, ich gehöre zu den verpönten AI-Touris, teils aus Bequemlichkeit, teil fehlt mir auch der Mut und die Zeit.
Meine Kenntnisse der bereisten Länder beschränken sich auf Tagestouren, um so toller finde ich es wenn jemand hier seine Erlebnisse mit uns teilt.
Solltest du (Dieter) wirklich ein Buch schreiben bitte gib uns Bescheid. -
Hallo Peru1,
danke fuer die Blumen, und keine Angst, ich melde mich schon wieder!
Bin nur jetzt vom Mai bis ???, open end, auf Mallorca, nun schon seit nahezu 5 Wochen, und bei dem wunderschoenen Wetter, das hier herrscht, hab´ ich auch keine Lust mich mit dem PC zu beschaeftigen!Macht´s alle gut! Es gruesst euch
Dieter
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Liebe Admins! Dieser Beitrag ist sehr lang, wenn er zu lang ist, dann streicht ihn zusammen oder teilt ihn oder macht sonstwas. Bitte!
Durch den Urwald Teneriffas! ( Teil I )Was machen ganz junge ungebundenen Single-Mädels der selbstbewussteren Kategorie, wenn sie nicht in der Küche stehen, gerade flirten, auf Partys gehen oder sich sonst wie als Models und wandelnde „Werbeträger für Briefmarken“, ihre Bikinis sind gemeint, betätigen und keinem Ehemann zur Sportschau seine Pantoffel und das Bier bringen brauchen?
Tipp: Ihr jungen Ehefrauen, wenn ihr meint euer Männe beachtet euch manchmal nicht genug, dann zieht einfach bei laufender Sportschau den TV-Stecker aus der Dose! Und schon ist er wieder voll bei euch! - Ist doch egal wie!Vielleicht kommen sie auf die Idee einmal zu wandern, was ja Leib und Seele gut bekommen soll! Es erstaunt mich immer wieder, dass es viele dieser Sorte gibt! Es muss ja nicht gerade der „Urwald“ Teneriffas sein.
Also mit einer solchen 12-köpfigen Truppe, es waren fast alles Studentinnen über 19 bis ca. 26 Jahre alt, waren wir drei bis vier Männer, der vierte still im Hintergrund agierend, 3 Wochen im „Anaga-Urwald“ unterwegs! Sie hatten sich bei ihrer UNI, die ein solches Unternehmen angeboten hatte, beworben.
Vorweg genommen: Es war für alle ein Erlebnis der ganz besonderen Art, wobei sogar einer von uns führenden und begleitenden Männer anschließend glatt weggeheiratet worden ist! Aber das ist nicht das Erlebnis, das war schon sehr bald vorausseh- und berechenbar! Alle waren sie sehr sportlich und trainiert, ob auch für ein solches Unternehmen? Das wird sich zeigen müssen.
Es war ein schöner Frühling, und es war April als wir uns erstmals für gute 3 Wochen beschnupperten. Im Mai sollte es losgehen. - Ist das ein Wunder, dass da einer von uns als Ehemann auf der Strecke bleibt? - Vorher gab es aber noch viel zu erledigen: Ein Teil der Ausrüstung, insbesondere sicherheitsrelevante Dinge wie Seile, Schutzhelme, die Genehmigungen, Auswahl der Depots, usw. Bei Frauen müssen ganz andere Dinge bedacht und berücksichtigt werden!
Jedenfalls trafen wir uns nun jeden Tag am Rande von La Laguna in ihrem Camp, das freundlicherweise kostenfrei von der UNI zur Verfügung gestellt wurde. Nach ein paar Tagen Theorie-Palaver ging es dann täglich raus in die nahen Wälder des Las Mercedes-Gebietes zum Training, insbesondere Anwendung und Behandlung der Sicherheitsausrüstung, wie Seile usw.
Es zeigte sich sehr bald, dass sie alle ganz tolle, hochmotivierte und disziplinierte Frauen waren, die auch mal einen kleinen Schubs vertragen können. Ein erfahrener Arzt der Klinik in St. Cruz war stets dabei, es war der gleiche wie im Bco. de Cochinos – Manolo der Profi - und er war sehr kritisch und pingelig! Das ist gut so! Lieber etwas strenger als zu lasch, aber immer mit dem richtigen Fingerspitzengefühl.
Hier geht es nicht um Styling, lange Haare, make up, Klamottenmarken oder die sonstige Anatomie, sondern nur und ausschließlich um ihr Können! - Ist eine Frau wirklich schön, dann ist sie es auch noch ohne Hilfsmittel, Tuschkasten, Ersatzteile und Styling! - Dass dabei trotzdem eine Änderung der Steuerklasse eines Mitgliedes herauskam, ist eben die Auswirkung eines „Blattschusses“ dieses kleinen hinterhältigen boys mit dem Pfeil und Bogen. Anders kann man das doch nicht ausdrücken, - oder seid ihr anderer Meinung?
Die Route: Start in Batan de Abajo, weiter über Casas de Afur, Las Casas de la Cumbrilla, nordöstlich von Laguna in sehr großen Schleifen nach Chamorga, dem Ziel.
Ob das wohl gut geht? Denn der überwiegende Teil der Strecke war wirklich urwaldähnlich. Es gab fast keine Unterkünfte, nur ein paar sehr kleine Herbergen und Schutzhütten, aber nicht für so viele Leute bestimmt.
Auch sagten wir den Mädchen, dass wir nicht gedenken Sichtschutzwände Spiegel u.Ä. für die tägliche Reinigung und Körperpflege mitzuschleppen, und dass wir gegebenenfalls alle in einem gemeinsamen, aus den kleinen per Reißverschluss gekoppelten Zelten, schlafen werden um die Wärme eines jeden in nur einem Zelt zu halten. Das ergibt viel weniger Energie-Verluste! - Kein Problem; sie waren sogar verwundert, dass das überhaupt erwähnt wurde!
So etwas ist schon im Vorfeld große Klasse! Die Moralapostel laufen bis außer Sichtweite um sich die Nase zu waschen, und dann kommt plötzlich ein hysterischer Schrei, weil sich vor ihnen auf dem Boden im Laub etwas bewegt hat. Plötzlich ist dann alles egal und sie kommen bar jeden Fetzen Stoffes angerannt. Diese Spezies hab ich besonders gerne! Sie hätten ja auch sehr wohl einen Abhang hinunterstürzen können!
Ein übergroßes Glück war es, dass 2 „Fast-Ärztinnen“ dabei waren, also solche, bei denen nur noch die Approbation ausstand, sie aber schon als Assistenz in einer Klinik tätig waren. Ebenso auch 2 mit einem Ausweis des Alpenvereins mit mehreren Seminaren, die schon eine gute alpine Ausbildung absolviert hatten. Soviel Glück musste doch einfach zum Erfolg führen!
Die Lorbeerwälder des Anaga sind genau das feuchte Gegenteil des Tenogebirges, von dem ich ja schon berichtete.
Die Zeit des Kennenlernens war um. Nun hieß es umquartieren nahe dem Startort, wo wir noch vier Tage verbrachten. Das war die Eremita Cruz del Carmen bei Vega de las Mercedes und Batan de Arriba.
Die Truppe wurde immer ungeduldiger, wie junge Pferde, die zwar schon eingespannt sind aber die Zügel noch nicht freigegeben wurden! Alle freuten sich ganz mordsmäßig, dass es nun endlich losgehen sollte. In dieser Situation ist ein Start oft eine heikle Sache, weil alle überdreht und wie eine Saite gespannt sind! Da könnten sie schon einiges an Bedacht und Zügelung vergessen, und dann fangen sie womöglich an zu schmollen: „Nun lass uns doch endlich vorwärts!“
Dann Verlegung nach Batan de Abajo, dem Ausgangspunkt; übermorgen in aller Herrgottsfrühe sollte es losgehen, das Unternehmen „Frauen im Urwald“!
Der vierte Mann kam noch kurz vorbei zur letzten Lagebesprechung und zur Kontrolle der Ausrüstung, sowie der Packordnung der Rucksäcke, die nicht mehr als sieben bis max. acht kg kurzzeitig wiegen sollten. Er brachte auch noch die 1,5 m langen Wanderstecken für jeden mit, das wichtigste Utensil überhaupt, sowie den letzten medizinischen Kram, wie diverse Medikamente gegen Stauchungen, Anästhetika, Injektionen für lokale Betäubung, Schmerzmittel, Analgetika als Injektionen, Antibiotika, Desinfektionsmittel auch für Trinkwasser usw. mit. Alles in Durchstechflaschen größeren Inhaltes, nicht in Ampullen, denn die brechen zu schnell trotz Sicherheitsbehälter. Tabletten waren nie gut wegen der Luftfeuchtigkeit, trotz dichter Verpackung habe ich damit stets schlechte Erfahrungen gemacht! Dann lieber Injektionen von einer der drei Sorten, sc., iv., im.. Sie wirken im Notfall auch viel rascher. Und wo hat man für Tabletten schon immer Wasser bereit? Diese wichtigen Dinge wurden auf uns und die beiden Doctores verteilt und zunächst an Gürteltaschen getragen, bis sich das als unzweckmäßig erwies. Dann landeten sie inmitten des Rucksackes.
Wenn wir die beiden Medizinerinnen ärgern wollten, benannten wir sie immer mit „….aber Frau Doktor hat gesagt …..“. Das löste mit hartnäckiger Konstanz den Spruch aus: „Ihr seid blöd! Wenn ihr das noch einmal sagt, spreche ich kein Wort mehr mit euch, das schwöre ich!“ Es wurde dann mit absoluter Sicherheit und Regelmäßigkeit schon nach einer Minute ein Meineid.
So gewappnet überstanden wir die Sichtkontrolle, um die wir selbst gebeten hatten.
Einen Freitag um drei Uhr früh war das Warten zu Ende! Katzenwäsche, hurtig in die „Ausgehuniformen“, ein leichtes Frühstück, statt Kaffe einen ungezuckerten Tee mit Mineralien, Antreten zum Appell und die Rucksäcke feldmarschmäßig geschultert. Das ging wie bei einer Ehrengarde auf dem Exerzierplatz!
Man wünschte uns Glück, gutes Gelingen und gesunde Heimkehr von unseren Wirtsleuten. Dabei umarmt man sich und spuckt über die linke Schulter.
Auf geht’s Richtung Batan de Arriba, weiter Mirador Pico del Ingles links vorbei am Bco. de Tahodio weiter nach Valle Vega, einer ganz kleinen Siedlung. Das sollte für den Tag reichen! Nach Valle Vega ging es schon durch reichlich viel Wald, aber der war noch sehr licht. Zu Beginn hatten wir starke Einschnitte und Schluchten vermieden und einigermaßen sanfte Höhenstrecken gewählt. Luftlinie war es vom Ausgangspunkt bis hier nicht weit, ca. 13 km, aber auch nur Luftlinie! Real waren es wohl eher 20 km.
Wir konnten im Buch vermerken: Ziel 1. Tag nach 6 gemütlichen Stunden plus 2 Stunden Pause vollzählig erreicht. KbV = keine besonderen Vorkommnisse. Es war Gott sei Dank nicht gar so heiß und gerade mal 13:30 Uhr. Nun wollen wir doch mal sehen wie das Zeltbauen im „Ernstfall“ so flutscht? Alle zu einem großen Kreis. Auch hier ging alles bestens. In der Tat, die girls waren ja wirklich gut und sehr dynamisch! Jedoch hüteten wir uns davor auf den weiteren Verlauf zu extrapolieren. Und mit Lob hielten wir uns noch sehr zurück. Frauen gewöhnen sich zu schnell an Lob, und dann hat man keine Reserven und Steigerungen an Komplimenten mehr für den wirklichen Bedarfsfall. Nur eine kleine Bemerkung: „Gut gemacht!“ Alle strahlten sie wie Models wenn sie irgendwo eine Kamera sehen, nur nicht so verkrampft gagebewußt, sondern ganz natürlich.
Unsere Zelte wollten sie auch gleich mit aufbauen, wenn sie ohnehin denn schon dabei sind! Das fehlte auch noch! Schließlich war Gleichberechtigung ausgemacht. Nun stellten wir uns aber auch einmal ganz dösig an. Mal sehen was passiert! Aber die Schlitzöhrchen von Weibchen hatten das sofort durchschaut.
Alle waren begeistert von der Gegend und der Natur, die ein Urlauber auf einer Rundfahrt niemals zu sehen bekommt! Und dabei ging es doch erst los! Ein schönes Lagerfeuer wurde gemacht, aber so gut wie ohne Rauch, denn dann kommen die Waldhüter und die Feuerwache (bomberos), die überall in den Wäldern sehr hohe Beobachtungstürme, ähnlich unseren Hochsitzen, haben. Dazu benötigt man harzfreies, trockenes Holz. Das gab es in Mengen. Auch wurde versucht Feuer wie in der Steinzeit mit Basaltstein als Reibunterlage, Holzstab und trockenen Flechten/Moosen zu entzünden. Es gelang nur meinem Kumpel! Bei jedem dieser Feuerwachen oder Waldhüter haben wir uns unterwegs brav gemeldet.
Die Etappen waren nach Möglichkeit so gelegt und geplant, dass, bis auf einige Ausnahmen, eine Tagestour nicht länger als 7 Stunden plus Pausen, dauern sollte. Je nach Schwierigkeitsgrad auch nur mal max. 6 Stunden, bei durchschnittlich 2,5 - 3 km/h. Nur recht selten kam das nicht hin und wir mussten „draufzahlen“! Puffer war aber viel mehr als reichlich vorhanden.
Auf, auf in die Heia! Morgen früh um 5:30 Uhr ist der Tag zu Ende und es geht gegen 7 Uhr weiter. Ohne Lampen ist ohnehin um 21 Uhr wegen hereinbrechender Dunkelheit Feierabend.
Nächstes Ziel über Valle Crispin, La Cumbrilla ist das Wald- und Forstamt Paso abseits der Hauptstraße TF 12 gelegen. Unser erstes Depot. Vor Cumbrilla wechseln auf die Nordseite der Straße durch den Wald des Parque de Anaga. Da kommt schon ein richtiger Vorgeschmack eines Urwaldes auf: Verfilzte und hohe Farngewächse, zugewachsene Wege, alles voller hoher fast abgestorbener Bäume völlig umkleidet von Moosen und langen Bartflechten. Das alles speichert ungeheure Wassermengen aus der Luft, so dass bis nachmittags unterhalb der Baumkronen alles eine einzige dicke Nebelsuppe ist. Alles sieht sehr gespenstisch aus. Auch hier müssen einstmals Siedlungen und Menschen gewesen sein, denn man findet noch erodierte, fast zugewachsene, Treppen von Pflanzen überwuchert. Merkwürdig ist, dass sie nicht aus dem hiesigen Lava- bzw. Basaltgestein hergestellt worden sind, von wem auch immer?! All das wollen wir entdecken! Das wird etwas mehr Zeit brauchen als heute, weil es auch gleichzeitig ganz schön „hügelig“ wird! Hier sind wir völlig abgeschnitten und einsam. Nicht einmal ein befahrbarer Pfad geht hier durch. Wer sich hier verläuft hat schlechte Karten. Ganz auf sich allein gestellt neigt jeder Mensch dazu im Kreis zu laufen wegen der ungleichen Schrittlängen zwischen dem rechten und linken Bein. Bei Rechtshändern ist auffällig, dass der linke Schritt im Mittel um 1 – 1,5 cm länger ist. D. h. er würde einen großen Rechtskreis laufen, so er keine Uhr hat und nicht in der Lage ist sich am Sonnenstand zu orientieren. Das ist fatal und schon manchem zum Verhängnis geworden, insbesondere in der Wüste. Ich bereitete die 2 Doctores und unsere „Bergziegen“ darauf vor, dass sie auch ein wenig mit auf alle anderen achten mögen. Denn wir gingen ab nun in Gruppen je 4 Mädels auf Rufweite teilweise weit auseinander. Alleine auf sich gestellt, ohne Vorkenntnisse, würde hier ein neuer Wanderer niemals wieder herausfinden. Es ist nicht bös gemeint, auch ich war einmal Anfänger und musste lernen die kleinsten Dinge zu beachte, auch durch Fehler! Bei uns Kerlen wurden nun die Trillerpfeifen aktiviert. Diese sind als Signalgeräte sehr gut geeignet, weil es keinen Vogel gibt, der das nachäffen kann. Sonst ist der akustische Untergrund in den Wäldern ein einziges Geschnatter und Gepfeife. Man nimmt es schon gar nicht mehr richtig wahr. Ich kannte die Gegend schon grob und war deshalb sehr im Vorteil!
Bis nach La Cumbrilla gab es kaum etwas Bemerkenswertes, außer der wundervollen Aussicht nach unten auf die entfernte Küste mit den Abhängen und Terrassen zur Südseite hin. Die Passage auf die Nordseite, hinein in die eben kurz beschriebenen Wälder, verlief reibungslos.
Aber bis zum Forstamt Paso war es doch noch ein ganzes Stück Arbeit, zumal wir weit nach Norden ausholten, im Halbkreis weit von der Straße weg und es doch recht hügelig wurde. Alle waren sehr beeindruckt und glaubten es kaum auf Teneriffa zu sein! Sie blieben immer wieder mal kurz bewundernd stehen. Da die Sonne durch die Baumkronen und den dicken Nebel nur schwach und diffus zu sehen war, nahmen wir doch schon mal den Kompass raus. Es gab ja überhaupt nirgendwo Hinweise und Anzeichen, dass wir noch die gewünschte Richtung hatten! Kein Haus, kein Feuerwachturm, nichts war da an dem man sich auf den Vermessungskarten orientieren konnte. Alles sah gleich aus. Jedoch die Mädchen waren voller Vertrauen in uns; sie machten nicht die geringste auch nicht einmal unterschwellige Andeutung von Zweifel oder Besorgnis, sondern waren einfach ganz fasziniert von dem was sie sahen. Wir drohten sehr bald sehr nass zu werden, denn es tropfte auch von den Bäumen. Also erging die Anweisung: Die Anoraks anziehen und die Rucksäcke fest zu schließen!
Wir verfügen ja über sehr viel Zeit, also keine Hetze, aber Ruhetage wollten wir erst dann einlegen, wenn wir in den „dicken Enden“ sind. Vielleicht aber auch schon im Forstamt, so als kleine Überraschung und Belohnung. Bis jetzt ist es noch etwas halbwegs Mittelschweres und nicht gerade allzu hart, deshalb zunächst einmal jeden Tag gehen bei etwas reduzierter Leistung. Die drei „Häufchen“ blieben ganz brav beieinander und liefen nicht davon. Das ist viel wert, und ich habe es im Teno schon ganz anders erlebt, weil dann kein Schlusslicht benötigt wird! Ich sage immer „Hirtenhund“ zu denen. Und sie plapperten nicht dauernd; das nervt am meisten! Solch eine Gruppe ist angenehm und pflegeleicht; sie macht wirklich Spaß und recht wenig Arbeit! – Ach wären sie doch alle so!
Die „Verletzungen“ des Volltreffers des Knaben mit dem Pfeil und Bogen waren nun schon deutlich zu bemerken. Es störte sich niemand daran, sondern es war niedlich anzusehen, obwohl beide Parteien es zu verheimlichen suchten.
Die erste Digi-Kamera meldete „Landunter“! Und ich hatte so gewarnt davor welche mitzunehmen; die extreme Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 % rF vertragen sie nicht. Und wenn sie anfängt zu spinnen, dann sofort den Akku raus sonst gibt es Kriechströme und Kurzschlüsse mit irreversiblen Schäden in der Elektronik. Dann die Kamera in die Hosentasche stecken, falls es keine von diesen großen DSRL-Modellen ist, und warten, warten, wa…….. Hinter den Linsen kann man die Feuchtigkeit als trüben Schleier schön deutlich sehen.
So langsam schwenkten wir ein mit einer Rechtskurve in Richtung Paso. Vorher aber noch eine Pause um Elektrolyte aufzuladen, und mit Traubenzucker den Zuckerspiegel anzuheben. Quellen gab es genug, aber ich fand keinen Ursprung der reineres Wasser bedeutet. Also doch eine Desinfektions-Brausetablette benutzen. Das war allen tausend Mal eingebläut worden warum das so ungeheuer wichtig ist!
Nach ein paar Stunden erreichten wir aus dem Wald kommend rückwärtig das Forstamt. Obgleich wir in unmittelbarer Nähe waren und es längst hätten sehen müssen, standen die großen Gebäude ganz plötzlich vor uns. Auf dem seitlichen Parkplatz zwei Rangerautos und eines von der Fireguard. Wir wären glatt ganz nah vorbeigelaufen, hätten wir kein Hundegebell gehört! Natürlich wusste ich das, aber ich hielt mich auf dem letzten Kilometer bewusst schweigend als Schlusslicht. Mal sehen was passiert? Nun waren wir da, am Etappenziel. Keiner der Bewohner war überrascht, man hatte uns erwartet! Und mich kannten sie dort schon. Es gab einen herzlichen Empfang. Als erstes sich des Gepäckes und der Anoraks entledigen und die Schuhe ausziehen und draußen vor die Tür stellen. Dann war allen schon viel wohler! Obgleich unterwegs nie das Spaßen und Lachen vergangen war!
Da so viele „Offizielle“ anwesend waren, kramten alle unaufgefordert ihre eingeschweißten Ausweise raus, und wir legten die Genehmigungen und die Streckenkarte vor, samt Protokollbuch. Das hat Eindruck gemacht. Einer der Polizeioffiziere lobte und sagte zu allen: „Seht mal her, das ist Disziplin! Wären alle so, müssten wir nicht hinter jedem verlaufenen Schaf hinterher suchen!“ Im administrativen Teil wurden alle unterschriftlich in ein dickes Registrierbuch aufgenommen. Dann war die Prozedur beendet, und nun kamen Fragen über Fragen. An mich gewandt: Du machst wohl hier immer solche verrückten Sachen? Eines Tages wird auch dich der Dämon eines Barrancos behalten! - Eine wenig tröstliche Aussicht. Aber ich hatte auch nicht die Absicht das zuzulassen. Dem konnte ich nichts entgegen setzen, wir kannten uns ja schon! Die Kanarier glauben fest und ernsthaft daran, dass jeder Barranco von einem eigenen Dämon beherrscht wird. Na ja, solange der uns alle in Ruhe lässt ………! Keiner sollte darüber lachen; es sind schon zu viele dort umgekommen! Ob mit Dämon oder ohne, jedenfalls überwiegend durch Leichtsinn und Selbstüberschätzung! Und das soll unseren Mädchen, die sich uns anvertraut haben, und uns selbst nicht geschehen. Lieber einsehen dass etwas so nicht machbar ist und dann zurückstecken, als aus falschem Ehrgeiz und Eitelkeit mit dem Kopf durch die Wand und alles verlieren! Man muss es erst lernen auch verlieren und aufgeben zu können, auch noch die Kenner und Routiniers, und besonders die! Darauf weise ich bei den Ausbildungen der Führer immer wieder beharrlich und konsequent hin, auch wenn es vielen lästig ist. Natürlich könnte ich denen sehr leicht schon im Training ihre Grenzen zeigen und sie hängen lassen, um mich dann an ihrer Hilflosigkeit zu ergötzen! Das wäre ein ganz schlechter, charakterloser Zug von mir, denn für j e d e n gibt es jemanden, der noch besser ist! - Oh ja, ich habe schon einige aus ausweglosen und fast schon verlorenen Situationen, z.B. in Barrancos, herausholen können, und dabei oft den eigenen Kopf riskiert. So vermeide ich auch stets die Bezeichnung ‚retten‘, aber so war es, und dann wird man ganz bescheiden.
Merkt euch alle Eines, das Wichtigste: Solche Touren werden mit dem Kopf gemacht und durchgeführt, nicht mit von vor Öl triefenden, grinsendenBoddybilding-Playboy-Muskelprotzen!
Draußen auf dem großen Hof standen Tische und Bänke unter großen Bäumen; dort machten wir es uns bequem bei Wein und Brot. Es wäre sehr unhöflich gewesen sogleich die weiteren Planungen besprechen zu wollen, oder sich unter der Dusche auf dem Hof wie die Wilden zu erfrischen. Jeder dort wusste doch, dass wir etwa zwei Nächte hier bleiben möchten. Wir brauchten ja nur ein Dach über dem Kopf, und nicht einmal das! Unser Nachschub-Depot war bereits aufgefüllt worden, und alle genossen das frische Obst gestiftet von der Försterei. Jemand von den Offiziellen hängte sich an seine Funke und gab unser Eintreffen als Rundspruch durch. Das fand ich ganz toll von ihm! Alles andere hatte Zeit, manana, manana! Man lässt immer den Gastgeber von sich aus mit dem Thema beginnen und fällt nicht mit der Tür ins Haus. Das gebietet die Höflichkeit! Eile und Drängelei gelten als Verstoß gegen diese.
Erst nach einer Stunde kam die lange ersehnte Frage ob die Senoritas sich nicht unter der Dusche etwas erfrischen wollen. Seife und Handtücher lagen schon bereit. Sie wurden immer besser unsere Mädels und stürmten nicht gleich los, sondern zogen sich jeweils zu zweit ganz gemächlich in Richtung Freiluftdusche zurück, als wäre das überhaupt nicht wichtig. ‚Frauen und Kinder zuerst!‘ So sagt man doch. Drinnen im Kopf schlugen sie aber Purzelbäume vor Freude. Die heimischen Anwesenden bemerkten das auch sehr wohlwollend. Zu mir meinten sie: Das ist wieder eine gute Arbeit gewesen, die Vorbereitung!
Dieser Auftritt muss später unbedingt ein Lob geben! Ich war ganz einfach stolz auf sie!
Sonst waren alle ganz topfit und ganz ohne Beschwerden. Nur die Injektionsmittel die mussten doch etwas gekühlt werden, obgleich es nicht zwingend vorgeschrieben war. Sonst flocken manche aus.
So langsam nach fast 2 Stunden trollten auch wir uns zur Dusche. Obgleich das Wasser gut seine 22 – 25 °C hatte, war es eine tolle Erfrischung. Dann zerstreuten sich alle an den Waldrand mit der Verpflichtung nicht eigenmächtig allein auf Entdeckungstouren in den Wald zu gehen, und sei es auch noch so nah dabei. Komisch, es kam schon nach kurzer Zeit dazu dass sich alle doch wieder gemeinsam auf einem Haufen im Gras unter den Schatten spendenden Bäumen versammelt hatten. War das Unsicherheit oder Ausdruck ihres Zusammengehörigkeits-Gefühls? Nach dem Motto: Wir sind eine Truppe und bleiben und halten zusammen!
Nach dem Abendbrot gegen 21 Uhr, das von unseren Mädels für alle, incl. der Gäste und Mitarbeiter der Forststation, angerichtet wurde, hockten wir noch draußen zusammen. Die Sonne war fast untergegangen, müde war aber noch keiner. Die Planungsgespräche mit den Verwaltern und Betreibern der Station waren längst erledigt, ohne dass das einer so richtig mitgekriegt hatte. Wir werden erst übermorgen weiterziehen!
Und genau in solch einer Situation eines lustigen Beisammenseins, die beiden „Schussopfer“ vertraten sich gerade die Beine, platzte eine unserer Frau Doktorinnen mit einem Vortrag über die intraspezifische arterhaltende Leistung der Aggression eines gewissen Freischützen mit Pfeil und Bogen, sowie über hormonelle Veränderungen und Langzeitwirkungen der Opfer inklusive deren Diagnose. Zuerst dachten alle wir sind im Kino, oder sie hat der Lagerkoller erwischt, so ernsthaft und quasi-wissenschaftlich, durchsetzt mit verballhornten Fachausdrücken versehen, gestaltete sie ihre Ausführungen! Das war eine richtig lässige, gekonnte Vorlesung mit allen Schattierungen moderner Physiognomie und ganz ernsthaft. Dann haben wir uns gekringelt vor Lachen! Das war absolut medaillenreif. Ob sie oder ihre medizinische Kollegin wohl dahintersteckten die beiden Betreffenden so lange auf einen Spaziergang zu schicken? Medizinern kann man doch nie trauen, aber alles zutrauen!
Auf ging‘s ins Bett um Mitternacht, d.h. in eine Scheune, schön weich gepolstert und luftig. Schon lange hatten wir alle nicht so bequem gelegen. Auch die nasse Kamera hatte sich eines Besseren besonnen, war ausgetrocknet und funktionierte wieder! Nochmal Glück gehabt!
Wir Männer machten uns noch daran die Zisterne für das Duschwasser wieder zu befüllen, was sonst die Bewohner hier immer als letztes erledigen. Strom gab es zwar, aber mit so wenig Leistung, dass es gerade mal für die Notbeleuchtung und vielleicht etwas mehr reichte mit ein paar KW Anschlussleistung. Gekocht wird mit Gas.
Na dann gute Nacht euch allen! Ihr ward wirklich alle gut! Buena noche und schlaft gut!
Der nächste Tag kündigte sich mit einem wundervollen Sonnenaufgang an. Die Hygiene-Prozedur ging deshalb auch in windeseile. Das wollte sich niemand entgehen lassen. Es lief wie geschmiert und völlig ruhig und diszipliniert, ohne dass es groß bemerkt wurde. Aus El Bailadero brachte der zweite Bus von San Andres nach San Christobal (La Laguna) um 6 Uhr früh ganz frische, noch warme Brötchen und miel de Montanas de Anaga, das ist Gebirgs-Honig, mit. Ich weiß bis heute nicht wer das organisiert hatte. Alle Frauen richteten lange Tafeln zum Frühstück. Es war ein richtiges Weiber-Gewusel. Dieweil wir Männer uns in den Ställen und Tierboxen umsahen und nützlich machen konnten, denn diese Station war auch gleichzeitig eine Wildtier-Klinik für die Region Anaga, und direkt unterstellt dem Ministerium für Wald- und Forstwirtschaft. Es ist dort üblich, dass sich jeden Morgen alle die bomberos, Polizei (Ranger), und viele mehr hier in der Station treffen. Deshalb war es auch ein ganzer großer **** voll Brötchen! Manche kannte ich, viele noch nicht, aber alle wussten dass wir hier sind. Das war wohl gestern der Rundspruch des Kommandanten gewesen! Fast jeder hatte etwas mitgebracht: Schinken, Eier, die besondere Wurst Sobrassada, die eigentlich von Mallorca kommt und vorwiegend zu den Schlachtfesten im Spätherbst hergestellt wurde, Früchte und natürlich selbstgemachte Aloe vera
Getränke. Das war ein Fest bis gegen 11 Uhr. Die meiste Zeit davon wurde palavert. Abgeräumt und abgewaschen machten wieder alle zusammen, ein Heer von ca. 17 Frauen. Ruck zuck war alles weg. Die Männer machten inzwischen z. B. Kaminholz usw. Die Spaltäxte und Beile mit den ergonomischen Stielen sind dort viel effektiver als unsere hier. So brachten wir den Tag um.---------------------------------------( Teil II )-------------------------------------
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Durch den Urwald Teneriffas! (Teil II)
Aus dem geplanten einen Tag wurden noch zwei weitere! Und die Truppe strahlt, als ihnen das verkündet wurde. Schuld daran hatte die Frau des Leiters der Station mit ihrem bettelnden Blick. Ihre zwei kleineren Kinder, sowie eines des Kommandanten der bomberos, schliefen sogar mit uns zusammen, und empfanden das als ein riesig großes Erlebnis!
In zwei Tagen sollte es für uns weitergehen kurz auf die Südseite, um den Bco. de la Iglesia zu umgehen. Also ganz früh Abschied nehmen nicht ohne das Versprechen nach Erreichen unseres Zieles auf der Rückfahrt unbedingt hier ein paar Tage Pause einzulegen. Der Abschied fiel allen der Truppe, als wir uns auf dem Hof versammelt hatten, ungewohnt schwer, das war nicht zu übersehen. Viele guten Wünsche und die Versicherung uns alle gut im Auge zu behalten längs des Weges, begleiteten uns noch als wir schon in einiger Entfernung die Straße überquerten. Das heißt: Jeder kleine Forstarbeiter, Ranger, die Fireguard war informiert, dass wir kommen, wann wir kommen und welche Route wir gehen werden, und gab dann die Meldung weiter an den nächsten Posten in der Staffel unserer persönlichen „Schutzengel“. Einfach unglaublich. Es wurde kaum gesprochen, jeder hing seinen Gedanken nach. Wir gingen wieder in Vierergruppen. Dieses verdammte kurze Stück von 7 km südlich der Straße machte uns schwer zu schaffen. Das Tempo waren nicht mehr als ca. 2 km/h. Es war ausgesprochen unfreundlich und zudem noch sehr heiß. Also einen Gang runter schalten! Danach schnell wieder durch den Lorbeerwald auf die Nordseite, wo es noch schlimmer kam, im großen Bogen am Bco. de la Iglesia entlang Richtung Azanos nördlich von El Bailadero! Ich steuerte eine bestimmte Stelle am Barranco an, bis wir plötzlich vor einem kleinen Wasserfall mit einem kleinen Teich darunter standen, von schattigen Bäumen umgeben. Ich kannte ihn schon von früher, wusste aber nicht ob er noch existierte. Alle schauten erwartungsvoll zu mir: Was nun? Es war Mittag, ohnehin an der Zeit ein paar Stunden im Schatten Pause zu machen. Ich lächelte nur als würde ich vorhaben aus Bosheit zu sagen: Es geht weiter im Text! Gesagt habe ich aber dann: „Fertigmachen zum Wassersport und Ruhe bis um 15:30 Uhr!“ Das meinte: Ausziehen und baden, danach Pause bis 15:30 Uhr! Ich hatte keine Ahnung dass Frauen derart jubeln und sich freuen können! An diskreten Rückzugorten mangelte es wegen der steilen Schlucht und dem Abhang hinter uns, wir waren genau in der Mitte von beidem, also mussten sie uns wohl oder übel schon ertragen. Es war ja aber auch darauf verwiesen worden, dass Nackedeis nicht stören. Hier wurde keine neue Bikini-Kollektion kreiert, sondern alle waren so, wie die Mutter sie geboren hatte! Als gerade alle schön in der „Badewanne“ beisammen waren, musste ihnen fairerweise mitgeteilt werden, dass es ab nun ziemlich hart wird. Ein paar Kilometer vor dem Tagesziel, und ob wir nicht lieber eine etwas leichtere aber weitere Strecke wählen sollten? Überhaupt keine Denkpause, sondern ein klares „Nein“ war die Antwort, ohne Gegenstimme und Enthaltung. Und da nun alle so hübsch beisammen waren, wurden auch gleich die „Dopingmittel“ an jeden Einzelnen verteilt. Bestehend aus einem dieser kleinen flachen Folientäschchen mit einer Suspension gemixter, hochdosierter Elektrolyte, Vitamine und Mineralien. Dazu je ein gleiches Tütchen mit Riopam oder Talcid gegen z. B. Sodbrennen und Durchfall welches die Sonne verursachen kann. Die leeren Tüten sammelten wir wieder ein wie ein Chirurg die Tupfer nach einer OP. Derart konnte uns keine/er durch die Lappen gehen. Erst dann gingen auch wir ins kühle Nass. – Ein ganzer Teich voller Nackedeis! – Nach einer Weile raus, sonst unterkühlt man, und in der Sonne trocknen. An einem Tisch mangelte es zwar, aber es musste nun Astronautennahrung und Trockenbrot gegessen werden! Um 15:45 Uhr ging es weiter auf felsigen und steilen Pfaden am Abhang entlang mit viel Geröll und am Seil. Kein Mucks, kein Jammern und Klagen war zu hören. Hartes Volk diese girls! Das muss man schon sagen. Dann erreichten wir die dreieinhalb Häuschen der Siedlung Azanos. Nun ging aber doch ein Aufatmen durch die Reihen, sie waren wohl doch etwas kaputt. Es war etwa gegen 21 Uhr, eigentlich noch keine Schlafenszeit, aber heute doch. Die Einwohner boten uns einen schön gepolsterten Ziegenstall an, aber im Zelt zu schlafen hatte wegen der durchzugfreien Lüftung viele Vorteile. Außerdem füllten dicke Passatwolken schon die Täler. Alle Zelte wurden im Windschatten des Stalles direkt an diesem zu einem großen Rundzelt zusammen verbunden, auf dass jeder jeden wärmt. Ein heftiger Wettersturz kommt dort sehr schnell und plötzlich. Mir waren die wirbelnden Wolken nicht geheuer; sie hatten zu viele Turbolenzen. Und den Bewohnern wohl auch nicht, denn sie schauten dauernd vor die Tür. Die Tiere kamen auch alle heim; sie spüren das Wetter schon weit vorher. Unwetter bedeutet für uns zusätzlich 2 Tage Pause! Das war klar, auch wenn es nur 1/2 Tag dauert und regnet. Das Geröll wird unberechenbar. Von 3 Wochen ist aber längst noch nicht einmal die Hälfte weg! Uns treibt doch niemand.
Wir waren mit der Arbeit gerade fertig; alles war verstaut und das Zelt innen sehr hübsch und gemütlich, typisch Frauen, Männer können das gar nicht, eingerichtet, da kamen auch schon die ersten Wolkenfetzen aus den Tälern zu uns hoch und der Wind frischte gewaltig auf. Dämmerung brach herein, und im Nu war alles in den Wolken verschwunden. Kalt war es nicht, noch nicht, und so beendeten wir in aller Ruhe unsere Hygieneprozedur am Wassertrog, der von einer Quelle gespeist wurde, so á la Schwarzwald. Nur eine schaukelnde Stallaterne neben dem Eingang und eine im hinteren Teil spendeten ein gespenstisches Licht und warfen große Schatten, wenn jemand an ihnen vorbei kroch. Die äußere Inspektion des Zeltes und seiner Verankerungen war sehr positiv. Trinkwasser war reichlich vorhanden in großen Kanistern. Und bald darauf begann es zu regnen und sich merklich abzukühlen. Genau wie ich es mir so gedacht hatte. Diese wirbelnden Wolken sind meistens ein untrügliches Zeichen für extreme Temperaturschichtungen, und dann passiert sowas. Mit den Passatwinden hat das nichts zu tun! Die Wirtsleute schauten auch noch vorbei und fragten nach Wünschen. Wir hatten keine!
Nun blieb Zeit das zu tun wozu wir sonst aus Zeitgründen nie kamen: Die beiden „Doctoras“ schauten sich mal ganz genau unsere Füße und Gelenke an und massierten sie, - eine Wohltat! „Zeigt her eure Füßchen, zeigt her eure Schuh‘!“ Danach sitzend Gelenkübungen. Wir Männer machten uns über die Stecken her um die unteren Enden wieder zu entgraten, also von Splittern zu befreien. Und die Zeit lief dahin; draußen heulte der Sturm um unser Zelt, und der Regen trommelte auf die Plane. Und so langsam fiel eine nach der anderen um. Bald löschten wir die hintere Lampe; zum Gute Nacht wünschen kamen wir bei vielen schon zu spät. Sie waren ihres Schlafes würdig!
Am nächsten Morgen waren zwar noch ein paar Wolken da, aber das war der typische Passat. Nach dem kurzen Frühstück machten wir Jungs einen kleinen Ausflug in die Geröllfelder und in Waldabschnitte; wir konnten uns nicht wehren auch drei „Langhaarige“ mitnehmen zu müssen. Also frische Microfaser-Socken an und los, ohne Gepäck. Die Erkundung ergab, dass wir hier noch mindestens einen bis zwei Tage abwarten, weil alles glatt war und es Erdrutsche und Geröllawinen hinunter in die Täler gegeben hatte. Das war kein Untergrund um Touren zu machen!
Der Tag war sonnig und verlief recht kurzweilig. Nach Taganana waren es nur 3 km Richtung Norden, aber dort gab es einen typischen „Tante Emma-Laden“, den wollten wir besuchen, zusammen mit den 3 Kindern der Gastfamilie deren Schulweg das auch war. Mal sehen ob was Brauchbares für sie dabei war, und Lampenöl/Petroleum, Dochte, davon konnte es auch zwei Kanister mit je 10 Litern sein. Die Lampen sind sehr sparsam. Sie hingen überall in den Gebäuden. Mit 1 Liter kommt man bei 1 Lampe gut ein viertel Jahr und länger aus! Zwei neue nahmen wir auch noch mit, die sind dort überall gebräuchlich. Harribo gab es nicht, aber original Kaugummi, Kekse und andere Süßigkeiten. In Spanien heißen alle Sorten Bonbons Caramelo. Das gibt immer so schöne Verwirrungen, denn bei uns ist die Bezeichnung ja genau definiert. Für uns päckchenweise Traubenzucker. Da Süßigkeiten dort durchaus nicht zu den Alltäglichkeiten gehört, waren die Kinder happy. Auf dem Rückweg blieb ein Mädchen in den nadelspitzen, scharfen Dornen eines Busches hängen und verletzte sich. Im Zelt kein Problem; mit einer Desinfektion, einem Spritzchen Antibiotikum und einem mit Tetanol oder Mérieux mit kleinem Pflaster-Verband war alles wieder gut! Zwei Männer standen neugierig drumherum und warteten, dass sie die Injektionen nun in den Po bekommt, der dritte litt ja unter dem Pfeil! Dem halfen auch keine Wundversorgung und Spritzen mehr bei seiner hochgradigen Infektion! Zu früh gefreut, die nahmen glatt den Oberarm - ätsch. Wir haben dann Spaß mit ihr getrieben und sie überall auf den Armen hin und her in die Sonne getragen. Nicht einmal zickig ist sie darüber geworden, sondern hat sich köstlich amüsiert - schade! Als wenn es ansteckt! Kurz darauf kam die nächste mit einem eingerissenen Fußnagel bis ins Nagelbett, barfuß rumgelaufen! Sowas tut mächtig weh. Wenigstens waren sie so folgsam, dass sie sich sofort meldeten, noch vor einer Entzündung! Nach einer Wundreinigung und den Spritzchen bekam sie einen Salbenverband verpasst, der aber nicht weiter groß auftrug, damit sie in den Schuh passt. Was die beiden "Spritzenkünstler" sonst noch mit dem Zeh anstellten, weiß ich nicht. Auch sie trugen wir natürlich auf Händen!
Es gab sonst nichts Aufregendes an dem Tag mehr, außer in der näheren Umgebung ohne Geröll ein bisschen auf Rufweite herumlaufen. Rechtsseitig gen Norden verliefen die großen Straßen nach Taganana, Almaciga und Benijo ans Meer. Ganz hagelneu in eindrucksvollen Serpentinen, die TF 134. Wir ließen das Zelt so wie es war. Es schien wohl allen gefallen zu haben so zusammen zu schlafen! Dafür blieben die Lüftungsblenden voll offen. Es war noch sehr warm und so schliefen alle nur in Minimal-Bekleidung, d. h. so gut wie gar keiner! Da wären Einzelzelte doch angenehmer gewesen; die Wärme staut sich nicht so. Vorher aber noch für alle Gymnastik.
Am übernächsten Morgen gemütlich zusammenpacken, es geht weiter! Die Bewohner dieser Gebirgsregionen sind sehr scheu, zurückhaltend und wortkarg, trotzdem war es ein herzlicher Abschied. „Ihr ward freundliche und angenehme Gäste wir haben uns über euren Besuch gefreut. So geht mit Gott, er möge euch beschützen.“ Das bedeutet dort schon einen richtigen Gefühlsausbruch. Und wir gingen um 9:30 Uhr, auf der Nordostseite der großen Hauptstraße TF 123, nicht sehr weit, nur bis der Bco. de las Huertas auf der anderen Straßenseite umgangen war. Die heutige Tour wird nicht weit aber hart! Das begann schon als wir vor Azanos die TF 134 querten. Mittlerweile konnte das unsere Mädels aber nicht mehr beeindrucken, wie sie mir sagten. Das Gelände war wirklich teuflisch mit allem was die Natur so zu bieten hat an Scheußlichkeiten und Schikanen des Untergrundes. Das belastete gewaltig die Fußgelenke! Es war der Parque Rural de Anaga. Ganz urwüchsig, aber eben schwer. Also wieder 4-er Gruppen am Seil bilden. Die Amor-Geschädigten waren nicht zusammen in einer Gruppe; keine böse Absicht, das hat gute Gründe. Diese Gegend wird kaum begangen. Ich entdeckte sie auch erst vor kurzer Zeit auf dem Weg zum Eremiten. Es war auch streckenweise die gleiche Route. Teilweise mussten sogar die Hände helfen um „Fuss zu fassen“. Zweimal rutschte jemand ins Seil, d.h. er/sie ging abwärts. Ohne Seil ……was wäre dann geschehen? Wir waren schon unverhältnismäßig lange für die paar Kilometer unterwegs bei etwa 1,5 km/h, so dass eine längere Pause angesagt war. Selbst um seine Notdurft zu verrichten durfte nicht ohne Seil, mit einem Begleiter per Karabinerhaken am Gürtel gekoppelt, außer Sehweite gegangen werden! Alle sahen diese Notwendigkeit ein. Man konnte tatsächlich keinen Schritt tun ohne Gefahr zu laufen abzurutschen! Nach der Pause wendeten wir uns nach Süden über die TF 123 hinweg; das Bco. de las Huertas hatten wir so umgangen. Jetzt ging es in den dichten Wald in großem Bogen weit nach Süden runter. Was vorher heiß und trocken war, das wurde nun nass und glatt. Kein richtiger Pfad; wir kämpften uns durch einen Dschungel von mannshohen Farnen und niederhängenden Flechten. Gott sei Dank gibt es dort weder Schlangen noch sonstwelche gefährlichen Tiere, nicht einmal Mosquitos. Nur Gecos und Libellen! Erstere sind harmlos, und die Libellen zu schnell als dass man sie anfassen könnte und sie dann allerdings ganz gemein beißen. Es war mir klar, dass wir heute so nicht mehr die große Herberge in der Nähe der Straße erreichen, das vorletzte Depot, würden! Das wäre nun wirklich zu viel gewesen. Auch ich steckte das nicht mehr ganz so locker weg! Um ca. 19:30 Uhr war auf einer kleinen Lichtung mit einem Bächlein Schluss für heute. Der Wunsch war die Zelte doch wieder alle zu koppeln. Angst? Es war aber kaum Platz dafür vorhanden, irgendwie gelang es dann doch. Nur schnell die Füße ins Wasser war aller Gedanke. Und so saßen dann alle nebeneinander längs des Bächleins. Ein bisschen Kraftfutter und die Dopingmittel, und schon verschwanden die ersten im Zelt. Für ein Feuerchen war alles viel zu nass.
Am nächsten Morgen starteten wir ganz früh, trotz des dicken Nebels geradewegs auf die Herberge zu, die wir schon um 12 Uhr erreichten. Gerade richtig für eine Siesta und ein Bad. Die Herbergsführer erkannten mich sogar wieder, aber ohne meinen Harem. Zur Sicherheit habe ich hier noch das Handy nachgeladen, denn ab nun kommt lange kein Haus mehr. Nach dem Essen und der Übernahme des Depots verkrümelten sich alle bis 15 Uhr auf dem großen Gelände. Dann ging es weiter in den Bosque de Anaga auf der anderen Straßenseite, immer in weitem Abstand längs der Straße nach Chamorga. Hier kamen wir besser und schneller voran, weil der Wald lichter war, und der Boden nicht so schwierig. So viel zu schaffen, hatte ich nicht gedacht! Um 19 Uhr war Schluss. Es war noch schön hell; duschen musste heute ausfallen wegen Wassermangel. Wir saßen noch lange vor dem Zelt und genossen das Farbenspiel des Sonnenunterganges. Es wurde über den bisherigen Verlauf geredet und was man ändern könnte. Da gab es ein Mädchen, das entweder eine schwache Blase oder sich verkühlt, hatte. Jedenfalls musste sie nachts häufiger raus. Es war nicht die Amor-Geschädigte!
Sie bat darum am Eingang schlafen zu dürfen, was normalerweise mein Platz war. Kein Problem! Es war ziemlich schwüle Luft, aber sonst keine Wolken. Morgen hofften wir bis zum Bosque de laurisilva en Anaga zu kommen. - Noch ein Urwald!
Am nächsten Morgen waren alle viel besser drauf. Das packen flutschte nur so. Die Nacht war es auch schön kühl gewesen. Der erste Wasserfall oder ein Flüsschen sollte einen Stop bedeuten. Es sollte aber noch einige Stunden dauern bis dahin, aber wir wurden fündig! Nun runter mit den Klamotten, das Wasser winkt. Alles flog auf einen großen Haufen; da ist hinterher sortieren angesagt. Und nach ein paar Stunden wieder los mit riesen Schritten. Irgendwie hatten sie mitgekriegt, dass Chamorga in 2 Tagen erreicht sein wird. Sicher hatten sie uns am Abend zuvor bei den Schreibarbeiten über die Schulter geschaut! Ich gönne ihnen die Freude, sie waren wirklich tolle „Kerlchen“. Aber hier schon das Nachtlager aufzuschlagen war zu früh. Machen wir noch 2 Stündchen durch, das baut auf! Heute war um 19 Uhr Schluss, und ab in die Heia, wer will kann es gleich tun!
Der vorletzte Tag! Bis hin zum Bosque sollte es gehen, und wenn’s noch drin ist bis zum Roque de Anambro. Im Wald ging es sich jetzt sehr gut; teilweise hatten wir einen herrlichen Ausblick auf die Küste unter uns. Es war ein richtiger Märchenwald á la Dschungelbuch. Nur das verwunschene Schloss fehlte. Alles vermoost und eine wirklich tropische Vegetation. Siestazeit! Aber es war schwer eine freie Lichtung zu finden. Danach rüber nach Norden zum Roque de Anambro, einer einzelnen hoch aufragenden Felsspitze. Da war auch wieder eine Quelle. Der Weg bis dahin war etwas schwieriger, jedoch die Mädels stürmten geradezu voran, wie Pferde, die nach getaner Arbeit das Futter riechen. Der Felsen ist schon von weitem zu sehen, und in dessen Nachbarschaft, an der Quelle, war der vorletzte Tag vorbei. Das Gelände war aber so uneben, dass wir doch wieder je zwei Einzelzelte als Doppel bauen mussten! Alle lagen breit ausgestreckt in der Sonne, auch hier wie nach getaner Arbeit! Dieser Abend dauerte lange, keiner wollte schlafen gehen. Es gab eigentlich keinen so richtig erlösenden Jubel als ich mitteilte, dass wir morgen unser Ziel Chamorga erreichen werden und ob wir uns dann ein großes Bier gönnen sollten!
Mit viel Eifer standen alle auf und waren kurz darauf auch reisefertig. Aber sie waren eigentlich immer schnell und pünktlich gewesen. Also los nochmals durch den Nebelwald nach Chamorga, das wir schon um 14 Uhr erreichten! In der Herberge erwartete man uns an einem geschmückten Eingangstor mit Salz, Brot und Wein.
Die Forstleute und Ranger hatten fast jeden unserer Schritte überwacht. Sie waren nun auch gekommen. An der kurzen Strecke von Azanos hätten sie beinahe eingegriffen.
Wir stellten nach der Begrüßungszeremonie und dem ersten großen Bier doch fest, dass wir alle sehr ungepflegt um den Kopf herum aussahen! Es hatte eben die ganze "Vor dem Spiegel sitzen" Ausstattung und das Werkzeug gefehlt. Wir Männer waren absolut mit unseren Bärten nicht einverstanden. Warum können die nicht bei solchen Gelegenheiten nach innen wachsen? Dann kann man sie wenigstens innen abbeißen und ausspucken! So wie wir jetzt aussahen, ähnelten wir eher einer schlechten Imitation Robinson Crusoe's. Ebenso die Frauen mit den langen verfilzten Haaren und abgebrochenen Fingernägeln. Wir fanden uns ganz und gar nicht IN. Der überwältigende Wunsch das mit Waschen, Kämmen und Bürsten, Bürsten, Bürsten ..... zu ändern, wurde von den Frauen der Herberge sehr wohl bemerkt. Und schon wurden die Bärte gestutzt und unsere Mädels versorgten sich gegenseitig. Das sah aus wie bei Familie Schimpanse mit der Haarpflege: Eine "bearbeitete" die andere in einer Reihe! Es war insbesondere bei den Mädchen mit den langen Haaren, und das hatten sie alle, eine aufwendige und unangenehme Arbeit alles zu entfilzen und zu glätten! Die taten mir richtig leid!
Bald sahen wir aber wieder welchen Frevel wir begangen hatten solche hübschen Frauen durch die Wälder zu schleppen!Drei Tage blieben wir dort, eigentlich bis wir mindestens den halben Ort an lebendem Inventar kannten; und der ist sehr weit verstreut. Alle kamen sie und brachten etwas mit!
Wir haben viel voneinander gelernt! Vieles was das Programm nicht vorsah, aber wir haben nie darüber oder über jemanden geredet! Schließlich sind wir Gott sei Dank Menschen und keine Maschinen.
Vielleicht begegnen wir uns einmal irgendwo wieder mit vertauschten Rollen!?
Alle wie ihr da seid, ihr ward einmalig und großartig, ich werde euch nicht vergessen. - Danke Mädels!Mich habt ihr jedenfalls mit eurer außergewöhnlichen und disziplinierten Leistung sehr beeindruckt und überzeugt!
Jede einzelne kann berechtigt stolz auf sich sein, so wie ich es auf euch alle bin!Nochmals zur allgemeinen Erinnerung!
Merkt euch alle Eines, das Wichtigste*:*"Solche Touren werden mit dem Kopf geplant und durchgeführt, nicht mit von vor Öl triefenden, grinsenden "Boddybuilding-Playboy-Muskelprotzen!"
Laßt uns nun gehen und Abschied voneinander feiern in der Försterei Paso und unseren Schutzengeln, die uns ohne unser Wissen immer begleitet haben, danken!
Adios muchachas, adios muchachos!

Lebt wohl! Bis vielleicht auf ein andermal, irgendwann, irgendwo!? Wohin der Wind uns auch immer treiben mag!! Und passt gut auf euch auf!
---------- Das wollte ich euch noch gesagt haben! --------
P. S. Noch heute haben wir untereinander ziemlich guten Kontakt und mailen uns häufig. Unser "Amor-Pärchen" ist längst verheiratet und hat auch schon eine kleine Senorita!
Herzlichen Gruß von
Dieter
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Ein kleines süßes Mädchen mit zweiundzwanzig „Elternpaaren“!?
Gibt es das? Ja, sie wird von allen nur „Nuestra Senorita Delia“ genannt!
Wer ist diese kleine Senorita und warum wird sie so verehrungsvoll genannt? Schauen wir uns doch die Geschichte einmal an, die dazu geführt hat. Mich selbst rührt diese Begebenheit heute noch!
Sie ist eine von zwei Töchtern ganz armer Landwirte, gewissermaßen ein Nachkömmling, denn ihre Schwester ist gute zehn Jahre älter. Mindestens fünfzehn Kilometer Luftlinie südlich von Icod de los Vinos liegen noch ganz verstreut ein paar kleine Haufendörfchen schon im Parque Natural rund um den Parque National del Teide. Es sind dies die Siedlungen: Hoya de Retondo und Los Marque. Sie, die Einwohner dort, haben Sondergenehmigungen und -Rechte und sie leben schon seit vielen Generationen in den Örtchen. Auf normalen Landkarten sind sie gar nicht verzeichnet, so klein und einsam sind sie gelegen. Es ist wirklich entweder ein guter Tagesmarsch oder eine halsbrecherische Fahrt mit einem Geländewagen von El Amparo, dem nächst „größeren“ Ort, dorthin! Alle Wege hin zu diesen Kleinbauern haben eigentlich bisher nur Eselkarren gesehen. Dementsprechend sind auch die Wege. Die umgebende Landschaft ist extrem: Dichter Pinien- oder Kiefernwald oder karge Savanne. Es ist ja schon die nordwestliche Flanke hoch zum Teidegebiet und immerhin bereits gute 900 bis 1100 Meter hoch. Entsprechend rau ist auch das Klima.
Diese beiden Siedlungen sind typisch im Stil von Haufendörfchen angelegt sehr weiträumig umgeben von einzelnen versteuten Fincas, d. h. alle gruppieren sich dicht bei dicht um ein Zentrum. Das kann alles mögliche sein, ein Platz, ein uralter Baum, eine Quelle usw.. Mitunter sind die Häuschen sogar direkt miteinander verbunden und zusammengebaut.
Hier leben jeweils etwa 40 bis 50 Menschen fast jeden Alters. Alle sind sie Selbstversorger und haben täglich schwerste Arbeit zu verrichten um dem unfreundlichen Boden etwas abringen zu können. Hier wird die freie Marktwirtschaft untereinander noch praktiziert: Wer hat, der tauscht! Zu verkaufen gibt es nichts, Geld besitzt keiner, außer den paar Groschen staatlicher Unterstützung.
Und die Einwohner sind glücklich mit sich und der Welt, denn keiner besitzt mehr als der andere. Ein paarmal im Jahr kommen einige Mönche der Eremita de Bernabe südlich von El Amparo vorbei und wechseln die Ordensfrau aus, die dort bemüht ist die Kinder zu unterrichten. Das ist dann ein „Highlight“! ------ Aber seit 2006 nicht mehr das Einzigste im Jahr! ------
Und daran trägt die heute zehnjährige Delia alle Schuld! Wäre sie damals nicht gewesen, so gäbe es alle diese Menschen heute nicht mehr und auch das Dorf würde nicht mehr existieren!Und das ist die Geschichte einer verhinderten Tragödie:
Im März 2006, es war ein heißer Tag gewesen, kehrten alle Einwohner von ihren Feldbestellungen heim. Das erste was dann folgt, wenn man sein Häuschen erreicht hat, man entfacht das Feuer in der offenen Feuerstelle, das den ganzen Tag über geglimmt hat, denn die Abende und Nächte sind noch recht kühl, und mehr als ein paar selbst gestrickte Wolljacken hat man nicht um sich zu schützen. Das wird immer so gemacht seit dort Menschen leben. Wird es dunkel, dann zündet man vielleicht noch eine Talgkerze an, aber damit muß sparsam umgegangen werden, viele hat man nicht davon und die langen dunklen Abende kommen erst noch! Vielleicht treffen sich noch ein paar Nachbarn in einem Haus dessen Fensterläden geschlossen werden um niemanden zu stören, d. h. praktisch treffen sich alle zu einem Plausch und evtl. auch einem Gläschen Wein. Nur die Alten und kleinen Kinder bleiben daheim. Es ist grundsätzlich so, dass man abends alle Fenster und Türen schließt! Ich kenne das von allen ländlichen Gegenden auf Teneriffa, teils wegen des Ungeziefers und dann auch um gegen plötzliche nächtliche Wettereinbrüche geschützt zu sein.
Und genau in einer solchen Situation geschah die Katastrophe, die alles Leben hier ausgelöscht hätte, wäre nicht Delia gewesen!
Eines dieser Felshäuschen in dem Delia wohnte fing Feuer und brannte innen lichterloh. Die alte Oma war taubstumm und Delia erst fünf oder sechs Jahre alt! So etwas brennt wie Zunder und greift sofort auf alle Nachbarn über; die meisten schliefen schon bis auf die zahlreiche Männergesellschaft. Delia hat die uralte Großmutter aus dem brennenden Haus geschafft und ist dann schreiend durch das Örtchen gerannt, während die ersten Dächer der Häuser schon brennend einstürzten. Nur die Außenmauern sind aus Felsen geschichtet, alles andere ist ausschließlich Holz. Sie selbst wurde von einem brennenden und glühenden Balken getroffen und räumte diesen mit den bloßen Händen von ihrem Körper, um nun, mehr noch vor Schmerzen schreiend, auch den letzten aus seinem Haus zu holen. Es gab "nur" einige Rauch- und Brandverletzte. Nachdem alles in Schutt und Asche lag, suchte man nach Delia.
Sie war weg und verschwunden und in dem Chaos auch nicht auffindbar. Die ganze Nacht über wurde nach ihr gesucht, - vergebens!
Am nächsten Morgen fand man sie durch Zufall im nahegelegenen Barranco de Castro; abgestürzt und sehr schwer verletzt aber 'noch ein bisschen' lebend. Sie wollte doch nur ihre Brandwunden in dem Bach kühlen, der dort nahe der Steilwand des Barrancos vorbeifließt.
Ein Hubschrauber, von den bomberos (Feuergarde) alarmiert, brachte sie in ein großes Hospital, wo sie einige Monate verblieb und mehrfach operiert wurde, sowohl an den Brandwunden als auch an den zahlreichen inneren Verletzungen.
Nun setzte ein wahrer run auf diese Klinik ein. Von Nah und Fern kamen sie um das kleine Mädchen zu sehen, das ein ganzes Dorf vor dem sicheren Tod gerettet hatte. Natürlich war das alles publik geworden. Die Spendenbereitschaft war so hoch, dass heute neue Häuschen aus massiven Stämmen mit sicheren, steinernen Wänden und Feuerstellen dort stehen, denn die Einwohner weichen nicht von der Stelle ihres Dörfchens, das nun neu aufgebaut wurde.
Seit dieser Zeit wird Delia wie eine Heilige verehrt, aber sie ist Gott sei Dank dennoch ein kindliches Wesen geblieben! Sie spricht nicht gerne über dieses Geschehen. Und ich habe den untrüglichen Eindruck gewonnen, dass sie dieses Trauma noch lange nicht verarbeitet hat! Manchmal, ganz spontan, unterbricht sie ihr Spielen und setzt sich still und alleine abseits. In sich versunken und den Kopf in die Hände gestützt. So sitzt sie mitunter stundenlang geistesabwesend da und niemand spricht sie an; bis sie dann urplötzlich wieder ganz munter am Treiben der anderen teilnimmt als wäre nichts gewesen. Das ist typisch für ein solches posttraumatisches Verhalten!
Was nicht einmal ein Erwachsener so einfach fertigbringt, dass zeigt uns ein Kind! Selbst wenn es auch nur rein instinktmäßig wäre, so könnte es manchen Erwachsenen doch schon fast beschämen!Als ich sie fragte: "Darf ich diese Geschichte in Alemania schreiben?"
Antwortete sie ganz erstaunt und unbekümmert mit einer Gegenfrage : "Warum willst du darüber schreiben?"
"Weil ich es gut finde und es anderen Leuten in Alemania auch erzählen möchte!"
"Wieso? Habt ihr bei euch keine Omas, Opas, Papas und Mamas? Und gibt es bei euch kein Feuer?"
"Doch, das schon, aber viele Leute sollen es erfahren, dass es dich gibt!"
Sie daraufhin ganz kindlich naiv, eher erstaunt und kein bisschen arrogant: "Ach sooo, na gut, dann schreib es! ....... Ich geh' jetzt wieder spielen, kommst du mit? Ich zeig' dir auch mein kleines Hündchen?"Dieser kurze Dialog hat mich einfach umgehauen!
Ich habe versprochen wiederzukommen; das soll eigentlich nun in drei oder vier Wochen geschehen. So ist es geplant und vorbereitet!Bislang konnten alle die Reporter, Filmemacher und alle die dieses Dorf mit ihrer "Heiligen" vermarkten wollen, erfolgreich abgewehrt werden. Selbst die Kirche, die ja ihre Finger dort überall dazwischen hat, machte schon zwar noch zurückhaltende aber doch schon eindeutige und listige Versuche daraus Kapital zu schlagen, mit ihren typischen Floskeln: Göttliche Eingebung, Erleuchtung, Wunder, usw., was dererlei Dinge mehr sind. Die viel zitierte "Seele" ist dabei völlig unwichtig, solange es um Ansehen und Geld geht. Nötigenfalls auch durch indirekte Erpressung; jedes Mittel ist recht was dem egoistischen Zweck dient!
Wie war das doch noch gleich? "Bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!" War das nicht der Leitspruch der Kreuzzüge im Mittelalter? Es hat sich nicht sehr viel geändert, nur die Methode ist raffinierter und verschleierter geworden. Die spanische Kirche ist unermeßlich reich, auch deshalb weil sie sich seit hunderten von Jahren von Rom abgewandt hat, also auch finanziell weitgehenst autark ist. Aber an finanzielle Hilfen ist überhaupt nicht zu denken bei diesen "Scheinheiligen" in ihren bunten Faschings- bzw. Theaterkostümen. - Man betet! - Das kostet ja auch nichts, jeder kann es und nur selbst essen hält gesund! Die einzig wahren Gläubigen dort sind die Einsiedler und Eremiten!Sie gehört in das Dorf, so wie das Dorf genau dort hingehört wo und wie es immer war! Und sie ist die Delia, eine ihrer Einwohnerinnen! Schüchtern, verlegen, bescheiden und sehr scheu, auch heute noch! Eben ein Kind! Und nichts sollte an diesem Zustand etwas ändern können. Zweiundzwanzig Ehepaare gibt es hier und alle lieben sie wie ihre leiblichen Eltern!
Trotzdem habe ich Angst um sie! Die Menschen sind so grausam und rücksichtslos! Man lässt sie nicht zur Ruhe kommen und wird alle legalen und illegalen Mittel einsetzen um sie zu vermarkten!
Wenn ich irgendwo schrieb sie sei ein ganz normales Mädchen wie alle ihres Alters, schüchtern, leicht verlegen und noch sehr verspielt, so trifft das für Delia nur sehr bedingt zu!
Im Gegensatz zu den anderen ist sie nämlich schon ganz hoffnungslos verliebt, mit all ihren großen kindlichen Gefühlen, Empfindungen und inneren Konflikten. Und das gleich in sechs Männer! Wenn sie von ihren „Liebsten“ spricht, und sie läßt keine Gelegenheit dazu aus, ja sie sucht sie gerade - schon ein richtiges Appetenzverhalten - dann strahlen ihre dunklen Augen und ein geheimnisvoller und glücklicher Ausdruck von innen heraus überzieht ihr Gesicht. Jede Achtzehnjährige mit „Hummeln und Schmetterlingen im Bauch“, also gleichermaßen „erkrankt“, kann davon noch lernen!
Gemeint sind der Herr Professor und sein Ärzteteam der Klinik! Die Chirurgen und Fachärzte, die ihre äußeren Entstellungen und inneren Verletzungen, zumindestens an den sichtbaren Partien, z. B. das Gesicht, Arme, usw. wieder ansehenswert gestaltet haben. Sie spricht nur ganz ehrfurchtsvoll und voller Liebe von ihnen.
-------- Ein sehr glückliches Mädchen! --------Drei Tage habe ich gebraucht und mich bemüht, stumm ohne ein einziges Wort, um sie davon überzeugen zu können, dass ich keiner von diesen Geschäftemachern und Rattenfängern bin. Bis sie mich akzeptierte, Vertrauen bekam und merkte, dass von mir keine "Gefahr" im Sinne der üblichen "Sorte" ausgeht! Allerdings hat sie mich ständig aus den Augenwinkeln scharf beobachtet, immer auf Distanz haltend! Wahrscheinlich hat man sie damit im Hospital oft genug gequält. Die Ärzte scheinen auch hier im psychischen Bereich sehr gute Arbeit geleistet zu haben! Alle Achtung!
Sie muß sehr gelitten haben!
Am 24. November ist ihr Namenstag, und ich habe mir ernsthaft vorgenommen dann einmal von meinem ständigen "Feriendomizil" dorthin zu wandern um sie an dem Tag zu besuchen.
Zweimal im Jahr muß sie für ca. zwei Wochen zurück in die Klinik zur Kontrolle und Überprüfung ihres Wachstumes, obwohl die ganzen stählernen Halterungen aus den Gelenken, Hüften, der Wirbelsäule und Teile der Schädelplatte längst entfernt wurden. Und auch die Vernarbungen der Brandwunden mit Hauttransplantationen und verschiedene Modellierungen sind einmalig gut gelungen. Das ist der Vorteil bei kleinen Kindern, die noch voll im Wachstum und der Entwicklung sind! Den Transport bis zu einer größeren Ortschaft innerhalb des Schutzgebietes des Teides haben die Teide-Ranger übernommen. Allerdings dürfen sie dabei nicht diese Gebiete verlassen, das ist Bedingung und Vorschrift!?! - Und wer will das überprüfen? Ab der Ortschaft wird sie weiter mit offiziellen Klinikwagen transportiert. Das ist insgesamt mehr als eine volle Tagesreise! Da möchte ich einmal mitfahren!Gruß Dieter
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Immer dieses leidige Thema Wetter!? ……………… Warum?
Aber Teneriffa, so "klein" wie es auch ist, erfordert es einfach darüber zu reden, weil es eben so unterschiedlich sein kann!
Eigentlich habe ich ein ganz schlechtes Gewissen, wenn ich nun vielleicht manch einem Liebhaber des Nordens der Insel, also der Gegend um Puerto de la Cruz und des La Orotava Tales herum, nicht ganz nach seinem Geschmack schreiben kann. Aber es muss sein! Weil ich denke mit meiner leidlichen Teneriffa-Erfahrung manch einem starren Verfechter des Nordens als einzig schöne Gegend seiner Klinge doch einmal etwas die Spitze zu nehmen!
Auch wenn das, was ich nun zu beschreiben versuchen werde, nur äußerst selten und nur in den Wintermonaten vorkommen k a n n , vorwiegend ab Anfang Januar bis zum Ende des Februars, so kommt es eben doch vor, und leider in den letzten Jahren mit zunehmender Tendenz! Jedoch immer noch selten genug um solche Ereignisse als Sonderfälle abtun zu können.
Den Ferienreisenden wird das nicht besonders interessieren, aber er sollte es ruhig wissen, dass nicht nur der Teide ein unruhiger Geist ist, sondern auch das Wetter es sein kann! Gewiss ist das nicht normal – noch nicht! Es „kratzt“ aber schon leicht an der pauschalen Meinung, dass es dort immer nur – bis auf …….-schön ist. Zwar etwas feuchter und kühler als im Süden, aber dafür grüner und von der Hitze her erträglicher. Sonst überwiegend wolkenlos und heiter!
Deswegen bitte ich jeden Leser darum für sich selbst bei Bedarf vor allen Adjektiven, die ich nun Unbequemes über das Wetter im Norden schreibe, doch bitte die Präposition „kann“- (geschehen) etc., zu setzen!
Jedoch Eines bleibt davon unberührt, gleichgültig wie die Vorlieben auch sind: Ob Nord oder Süd, Teneriffa ist überall nur schön!In einem vorgehenden Beitrag schrieb ich über den Schneemann am Teide. Das nun folgende ging dem Ereignis voran.
An einem recht schönen Tag im Januar startete ich also von Erjos im Nordwesten nach P.d.l. Cruz wie üblich über die Nordstrecke längs der Küste bis San Vicente, um dann querfeldein auf die nördliche Flanke des Orotavatals zu gelangen. Eine besonders schöne Strecke durch ganz kleine Dörfchen, immer am Hang oberhalb der Küstenstrasse entlang. Dort oben, außerhalb der Wohnzentren, wollte ich Freunde besuchen. Man hat von dort oben eine herrliche Aussicht über das ganze Tal und P.d.l. Cruz bis zum Meer hin. Dorthin wo auch der Pfeifenschnitzer wohnt. Ringsum Terrassen mit Orangenplantagen, Landarbeiter kommen vorbei um ein Tässchen Kaffee zu trinken, der immer frisch auf der Terrasse bereit steht, andauernd wird man von irgend welchem Viehzeugs gestört etwa zahme Dohlen, neugierige Amazonen und allerlei Kleinvögel. Bei einer Biologenfamilie ist das aber normal!
Eigentlich wollte ich nur eine Nacht dort bleiben; daraus wurden dann aber 1 + 6 Nächte! Und das kam so:
Der Abend der Ankunft wurde sehr lang und der neue, nächste Tag immer später. Es war doch so wunderschön draußen zu sitzen. Mir fiel auf, dass der Hausherr und seine Kinder immer wieder besorgt zum Meer und dem beleuchteten P.d.l. Cruz hinunterblickten; dabei gab es gar nichts zu sehen für mich – oder doch? Die Brandung hatte zugenommen. Ob das was zu bedeuten hatte konnte ich natürlich nicht sagen; jedenfalls solle das Wetteramt der Stadt eine Unwetterwarnung herausgegeben haben, sagte man mir. Na ja, wenn man in Deutschland lebt geht man schon sorgloser mit Bezeichnungen wie Sturmflut oder Orkan um!
Am nächsten Morgen lag das Tal in tiefem Nebel und der Wind hatte sich auf Nord- bis Nordnordwest gedreht und blies direkt in das Tal hinein und an den Hängen hoch. In allen Richtungen nur dicke weiße Suppe. Aha, so sieht also schlechtes Wetter im Norden aus, dachte ich mir! Nur muss man doch nicht gleich alles was nicht befestigt ist sichern und als Landarbeiter seine Arbeit auf den Plantagen verlassen und nach Hause eilen, auch wenn man auf der anderen Seite wohnt und einen weiten Weg hat! Schließlich wird doch immer nur beschrieben, dass der Norden zwar feuchter ist und es auch schon mal ein Schauerchen geben könnte, aber von Unwetter war doch nie und nirgendwo die Rede. Ganz plötzlich waren die Wolken unter uns weg und die Stadt war zu sehen. Eigentlich dominierte dort ein sehr breiter weißer Streifen – die Brandung. Das musste vor Ort gewaltig sein. Knapp über uns nur dicke dunkelgraue Wolken. Als das sichtbar wurde krachte es auch schon; also ein Gewitter! Kurze Zeit später öffneten sich die Schleusentore der Wolken und entließen fast kirschgroße Tropfen und gleich so viele! Ein Wolkenbruch – einer? In halbstündlicher Wiederholung ein neuer! Dazu ein Sturm das Tal hinauf, dass man dachte das Dach hebt ab. Die Terrassen waren längst überflutet und liefen über; aber das soll ja auch so sein. Die Straßen hinunter stadteinwärts waren reißende Bäche. Wie wird es da wohl auf den vielen langen Treppen in P.d.l. Cruz ausgesehen haben? Zeitweise war nur Rotlicht der Rettungs- und Hilfsfahrzeuge zu sehen, und die krochen alle auf der gegenüberliegenden Straße zum Teide hoch dahin. Ganze Hänge rutschten ab und die Sturzfluten brachten schon am zweiten Tag Bäume und tote Tiere mit sich. Also musste es oberhalb von uns ebenso schlimm sein, denn dort befanden sich überwiegend die Viehställe. Außerdem wohnte noch eine Familie mit einer behinderten jungen Frau und drei Kindern dort in einem kleinen Häuschen, das schon sehr alt war. Der Mann arbeitete auf den Plantagen und hatte das Häuschen geerbt. Alles war gut bis ein Unfall seine Frau in den Rollstuhl zwang. Wir holten sie alle bis auf den Mann und den ältesten 12-jährigen Sohn runter zu uns. Die kleineren Kinder waren ohnehin schon meistens hier bei meinen Freunden.
Das durfte natürlich kein Tourist sehen; also bereinigte man alles was möglich war schon vor den Nobelvierteln des Tales. In den ersten drei Tagen war es am schlimmsten, danach wurden die Pausen zwischen den immer noch sehr ergiebigen Schauern und den Gewittern schon länger. Hatte Petrus sein Pulver verschossen, oder war es nochmals die Ruhe vor dem Sturm, der nach wie vor heftig blies? Ab und an war Feuerschein vom Hafen her zu sehen. Da hatten sich wohl Boote losgerissen und waren wild umher geschleudert worden.
Irgendwann an einem Nachmittag zwischen zwei Schauern gingen wir dann auch mal runter in Richtung P.d.l. Cruz. Nun sahen wir was von oben, gewissermaßen aus dem zweiten Stock, nicht wahr zu nehmen war. Überall Aufräumarbeiten an beschädigten Häusern und Straßen. Die schönen Parks mit den gepflegten Rasenflächen lagen voller Müll und Verpackungsmaterialien. Überall dieses verdammte Plastik der Flaschen und Tüten. Zwischendurch mußte immer mal wieder Schutz vor den „himmlischen Wasserfluten“ gesucht werden, weil wir ja doch keine U-Boote sind! Dann kamen die engen Gassen mit den langen Treppen runter zum „Hafen“, jedenfalls zu der etwas geschützten Bucht, der bis auf den letzten Platz vollgestopft mit Booten aller Klassen war. In diesem Stadtgebiet gibt es schon viele ganz breite Straßen, bequem für das Wasser, aber es nahm lieber den Weg über die Treppen, die ja doch ein stärkeres Gefälle hatten. Dumm war nur, dass die Sperrmauern dort zum Norden hin völlig offen sind, so dass das Meer freien Zugang hat. Dementsprechend sah auch der Strand Martianez aus. Weiter zu den Meerwasserbädern sind wir nicht gekommen; dort war alles abgesperrt. Wie mag es da wohl in den Anlagen der Touristen einzigsten und allerliebsten Kindes dem Loro-Parque ausgesehen haben? Und den ganzen Bananenplantagen rings um die Stadt. Allerdings war es hier unten eigentlich gar nicht solch ein Sturm wie bei uns oben, denn sonst hätte sich hier doch wohl einiges mehr in seine Primfaktoren zerlegt. Der heftige Sturm scheint den Weg ins Tal und die Hänge aufwärts genommen zu haben. Als auch unsere Bootsbekleidung so langsam durchlässig wurde, es sind immer diese verdammten Nahtstellen, machten wir auch kehrt. Wir hatten genug gesehen um sagen zu können, dass es manchmal im Norden nicht nur kühler und feuchter sondern auch ganz anders sein kann. Und schon wurden wir Heimgänger wieder durch ein Gewitter gestraft.
Zu Hause bemerkten wir dann bei einem Rundgang ums Haus, dass sich ein hölzerner Unterstand aufgelöst hatte; er stand ehemals hinten im Windschatten des Hauses. Das hätten wir uns aber auch denken können, zumindestens ich aus den Erfahrungen mit Sylt, den Deichbrüchen usw.. Die größten Schäden geschehen immer auf der dem Wind abgewandten Seite. Dort gibt es nämlich einen enormen Unterdruck- Wirbel, der alles zerstört und einebnet. Deshalb wird unsere Insel Sylt auch niemals zu retten sein, egal wie viel Wellenbrecher und Sand man jährlich wieder herbeischafft. Aber das ist allen Fachleuten alles längst bekannt. Mein Onkel, seinerzeit ein Deichbau-Ing. in Aurich, pflegte zu sagen: Solange der verfluchte Damm vom Festland undurchlässig bleibt, ist Sylt verloren. Es kann keinen hydrodynamischen Druckausgleich an der Südspitze geben. Und so bildet sich der alles zerstörende Wirbel aus.
So langsam beruhigte sich das Wetter wieder, nach ganzen 5 oder 6 Tagen. Und als die Forstleute die Straße hoch zum Teide wieder geräumt hatten und frei gaben hieß es Abschied nehmen.
Es war ein Ausnahmefall und ein Ausnahmezustand gewesen!
Die Fortsetzung ist nun auf der Heimfahrt der Schneemann am Teide! Ein Nachzügler des Wetters?
So k a n n es auch aussehen dort im Norden, weil der Wind ausgerechnet direkt aus Norden kam. Das ist absolut selten der Fall. Nun erschreckt aber nicht gleich und zieht daraus falsche Schlüsse. Das Einzige was nicht gut war, war doch nur die lange Dauer des Geschehens!
Gruß Dieter (z. Zt. Eremita de Bernabe, El Amparo Teneriffa)P. S. Warum treibe ich mich z. Zt. in einem Kloster herum?
Eigentlich bin ich nur mit meiner Begleiterin Lucita und einem Eselgespann samt Wagen voller notwendiger Gebrauchsgüter und Geschenke für ein paar Tage hierher gekommen um Delia und ihr Dorf zu besuchen, und dann standen wir staunend vor dem angeschlossenen kleinen Endtrafo draußen in seinem eigenen Stahlschutzhäuschen. Nicht zu glauben, aber er war angeschlossen und in Betrieb, ganz alleine für sich ohne irgendeinen Verbraucher nur ein Lastschalter war vorhanden. Erstens ist das nicht sehr gesund für den Trafo selbst und zweitens doch völliger Schwachsinn! Als erstes haben wir beide eine "Tankstelle" für unsere Ladegeräte gebastelt. Niemandem ist gesagt worden, dass da noch jemand kommt, der ihre Häuschen verkabelt, anschließt und versorgt. Und alleine würde ich Monate brauchen, denn Lucita ist zwar ganz lieb, aber als Juristin hierfür kaum brauchbar. Also erging ein Hilferuf an ihre Eltern, die meine Gastgeber sind. Mit dem Erfolg, dass sich sofort zwei Elektriker mit Werkzeug und ein Helfer zu uns auf den Weg machen. Sie werden dazu etwa zwei Tage benötigen bis sie mit allen Sachen hier sind. Und nun holen wir beiden hier massenweise vorbestelltes Elektromaterial um im Dörfchen die Wohneinheiten an die gelegte Stromversorgung bzw. den kleinen Trafo anzuschließen und nach besten Möglichkeiten so sicher wie vorgeschrieben zu verteilen. Es fehlt einfach alles an Material vom Nagel, Kabel, Aderklemmen, Schellen, Verteiler usw. usf., also eine totale Neuinstallation. Bohren, dübeln, nageln, usw. geht alles nicht wegen der Wände aus Felssteinen. Also bleibt nichts anderes als immer hübsch längs der Balken zu verkabeln. Für all das stellte man dem Dörfchen einen festen Betrag bereit. Der kann halbwegs reichen, aber was und woher sollten die Bewohner all das Material bekommen, die Elektiker, die dorthin mit in die abgelegene Einsamkeit kommen? Typisch Behörden! Nun ist auch das geklärt! Da kamen wir gerade richtig. Man hat die Leute völlig alleine gelassen! Und das versuchen wir nun hier aus dem Kloster zu organisieren. Nur mit selbstgemachten Handskizzen und daraus gefertigten Materiallisten. Dazu kann man die Installation eines jeden Häuschens in etwa standardisieren. Wenn das üppich ist, bleibt immer noch etwas individueller Spielraum. Hier kann man nicht einfach mal in den nächsten Elektroladen fahren, wenn etwas fehlt! Am schnellsten geht es per Internet mit den Bestellungen hierher ins Kloster. Trotzdem dauert es ein paar Tage.
Zurück geht es dann vollbepackt mit einem Geländewagen; die Esel haben Pause.
Delia hing mir dort im Dorf zwar immer an der Hand oder war in meiner unmittelbaren Nähe, aber nach hierher zur Eremita wollte sie nicht mit uns kommen. Leider hatte ich wegen dieser Elektrogeschichte noch gar keine rechte Zeit mich ausgiebigst mit ihr zu beschäftigen. Lucita muß ja immer dabei sein, denn ich verstehe den Dialekt nur mit großer Mühe und viel Phantasie.
Aber alles rollt jetzt und es wird bald Formen annehmen.Allen daheimgebliebenen schöne Grüße aus dem sonnigen Teneriffa bei 27 °C.
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Wir essen sehr oft im Namera unterhalb des Hochhauses BelAir.
Der Kellner Luca und die Köchin Maria sind immer sehr nett und wir möchten den beiden am Ende des Urlaubs zum Abschied immer eine kleine Freude machen.
Wer hat eine gute Idee?
Letztes Mal hatten wir ihnen Lose der Lotterie geschenkt, aber das wollen wir nicht schon wieder tun.
Blumen auf einer Insel auf der es fast überall blüht finde ich auch nicht sehr toll.
Alkohol verschenke ich nicht gern.
Jetzt kommt bestimmt die Frage wie gut wir uns kennen. Seit 5 Jahren sind wir 2-3 Mal dort und so lange kennen wir uns schon, die letzten 2 Jahre werden wir mit Handschlag begrüßt und zum Abschied Hand auf die Schulter und gedrückt werden mit einem traurigen Gesicht.Jetzt warte ich auf Vorschläge von euch, danke schon mal.
Gruß Gudrun
Ach ja, wir fliegen am 26.11. -
Hallo Gudrun,
auch wenn ich leider im Moment keine originelle Idee habe, so möchte ich Dir trotzdem sagen, wie toll ich das finde !
Wir haben vor einigen Jahren auch mal einer Kellnerin, die uns in einem Hotel auf TF jeden Abend sehr freundlich bediente , die aber wie alle anderen nicht kassieren durfte , nach langer Überlegung trotz allem ein Geldgeschenk gemacht. Ich habe ein paar kleine Scheinchen als Schmetterling oder Fächer gefaltet und diese an einem Blütenzweig gebunden.
( aus dem Garten stibitzt , aber vom Hotelgärtner genehmigt
)
Wenn man sich bewusst macht, was das Personal , ob Hotel oder Lokal, leistet und sich dann die Entlohnung dafür anschaut.... :?
" unsere " Kellnerin hatte Freudentränen in den Augen, aber der arrogante Oberkellner/Kassierer eilte gleich herbei, um evtl. Probleme zu beseitigen ....
Das wir seiner Untergebenen etwas schenken und ihm nicht, das konnte er wohl nicht fassen
Lasst uns so weitermachen, damit wenigstens einige von uns, dem Negativimage des nur nörgelnden deutschen Urlaubers entgegenwirken.
L.G.
Maribel -
@ kaiserrompf,
da ich leider aus Deinem Profil nicht ersehen kann wo Du beheimatet bist, wäre meine Idee ihnen irgendetwas typisch heimisches mitzunehmen.
Denn genauso wie wir uns über die kanarischen " Leckerlies " hermachen, so könntest Du den Beiden vielleicht auch mit etwas aus Deiner Heimat eine Freude machen. 
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Das mit den Mitbringeseln ist echt eine gute Idee. Das machen wir auch so..
Beispielsweise hängt in einem kleinen spanischen Restaurant jetzt eine Fahne mit unserem Ortswappen und in einem der Regale stehen zwei Bierkrüge unserer ortsansässigen Brauerei.
Die haben sich damals tierisch gefreut..
Gruss Kai
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Vielen Dank für die Vorschläge, ich werde es mit dem Bierkrug versuchen.
Rote Wurst, die typische Spezialität aus Nordhessen ist mir schon einmal im Koffer verdorben.
Ich hoffe nur das Luca noch da arbeitet, die wirtschaftliche Lage ist ja mehr als schlecht und viele Urlauber haben noch nicht bemerkt das AI fast immer zu teuer ist und man im Hotel bleiben muß um den Preis auch zu nutzen. Leider gehen dadurch viele schöne kleine Lokale kaputt, von der Stadt und Insel hat man nichts gesehen und die angebotenen Speisen bei AI kann ich auch hier bekommen, Kartoffeln und Mojo aber nicht.
Ich lese jede Woche das Wochenblatt und die Nachrichten auf Mega Welle.
Die Arbeitslosenquote liegt bei über 30%.
In 2,5 Wochen bin ich wieder da und freue mich schon auf den warmen Kerosingeruch am Flughafen, besser als grauer Nebel hier. Wenn ich dann vom Bus auf Puerto schaue habe ich immer das Gefühl ich komme Heim.
Danke an Euch alle Gudrun -
Louboutin wrote:
fischerman79 wrote:
Das mit den Mitbringeseln ist echt eine gute Idee. Das machen wir auch so..
...... Kai, wie hast Du den denn bis dorthin bekommen?

Looool..
und was meinst Du wie die erst geschaut haben .. 2 Esel in der Ortswappenfarbe meines Heimatortes eingefärbt !!! 
LG Kai
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Ein dickes Stromkabel, ein Transformator, vierzehn Häuschen
und was nun?
Viele Wochen ist es her dass wir zwei, Lucita meine hübsche Begleiterin, Übersetzerin und ich, die kleine Delia in ihrem Dörfchen besuchen wollten. Voller Vorfreude, einem Eselgespann vor einem zweiachsigen Wägelchen vollbepackt mit vielen Geschenken und nichts ahnend erreichten wir die Siedlung von der Eremita de Bernabe kommend, südlich bei El Amparo von Icod de los Vinos gelegen. Einen ganzen Tag hatten wir gebraucht für die unwegsame Strecke. Es mögen etwa 15 km oder mehr gewesen sein. Unser Einzug gestaltete sich wie der eines Wanderzirkusses. Kinder kamen entgegen und geleiteten uns bis ins Dörfchen, und bald waren wir umringt von ihnen. Die erwachsenen Einwohner sind zu der Zeit, es war mal eben 18 Uhr, noch auf den Feldern. Aber ein Mädchen war darunter, das den anderen strahlenden Gesichtes erklärte dass ich der Amigo aus Alemania sei und von ganz weit herkäme. Es war Delia um die wiederzusehen wir hierher gekommen waren.
Gottlob, sie erkannte mich wieder. Alles stob auseinander um die Kunde im ganzen Örtchen herumzutragen. Esel und Karren wurden unter einem Baum angebunden und wir mußten mit auf den „Dorfplatz“. Ein nicht einmal 200 Quadratmeter großer Platz rund um einen Brunnen, um den sich die Häuschen im Kreis gruppierten, dicht an dicht eng nebeneinander. Ein typisches Haufendorf, wie ich es ja schon früher an anderer Stelle andeutete.
Langsam trudelten nun auch die Erwachsenen nach und nach ein, so dass der Platz sehr bald voll war. – Der Señor aus Alemania ist da! Es geschieht nur sehr selten einmal, dass dorthin fremder Besuch kommt, und so ist die allgemeine Aufregung durchaus verständlich. Eigentlich wollten wir beide, Lucita und ich, uns erst am nahe gelegenen Bach etwas frisch machen und abkühlen, aber all das blieb zunächst ein Wunsch. Es gab hier kein Entrinnen, außer …- ja, die Geschenke! Das war die Rettung. Süßigkeiten für die Kinder, 2 Ferkel, kleine Gänse und Küken, warme Decken und Pullis, Kerzen, Laternen samt kanisterweise Petroleum, 20 kg-Säcke mit Grundnahrungsmittel wie Salz, Zucker, Reis, Milchpulver, usw. und noch sooooo vieles Nützliche mehr. Keiner sollte leer ausgehen! All das wird schon als Luxus betrachtet! Am meisten Aufregung gab es über die Gummibärchen, sonstige Harribo-Artikel und Smarties. Das ist keine Werbung, aber das Einzige welches in der Hitze nicht schmilzt. Insgesamt gut 10 Kg davon waren auf dem Wägelchen. Das ganze Dorf war versammelt und buchstäblich vor Freude aus dem Häuschen. Man ahnt nicht was auf solch einen Eselwagen mit zwei Achsen alles draufpasst, wenn er nur richtig gepackt ist! Immerhin kann man bequem mit zwei bis drei Personen darauf schlafen, und abgeplant ist er ringsum auch. Daraus kann auch ein einfaches Zelt gebaut werden. Darum auch zwei ganz folgsame und artige Esel als Zugtiere! - Eine freundliche Leihgabe der Eremita.
Als das Freudenchaos wohl etwa so seinen Höhepunkt hatte, geschah etwas was mich sehr erschreckte. Delia wurde immer stiller und ihre Freude schien ausgelöscht zu sein. Dann auf einmal kam sie zu mir, streckte ihre Arme um meinen Hals, fing an zu weinen und zog mich abseits hin in die Richtung dieses grausigen Barrancos in das sie seinerzeit gestürzt war. Augenblicklich verstummten alle auf dem Platz für einen kurzen Moment. Wir beide setzten uns abseits auf einen Felsen, stumm, Hand in Hand. Und so saßen wir lange Zeit ohne ein Wort zu reden wie ein ungleiches Liebespaar, sie immer noch weinend in meinem Arm. Das ging mir verdammt nahe; es ging so etwas Hilfloses und Ergreifendes von ihr aus! Ich weiß nicht wie lange wir dort gesessen haben, es muß aber sehr lange gewesen sein. Dann gingen wir wieder zurück zu den anderen, die mittlerweile schon die Esel und den Wagen versorgt hatten. Als unsere Schlafsäcke und das Zelt bemerkt wurden, gab es fast einen Proteststurm. Selbstverständlich mußten wir in einem dieser Häuschen schlafen. Wenn man sich klar macht welchen Umstand und welch großer Verzicht das für die Bewohner bedeutet, dann ist das nicht hoch genug einzuschätzen.
Recht selten essen alle gemeinsam in großer Runde, heute war es so, dass Männer und Frauen sich alle miteinander aus einem großen Topf bedienten. Es gab so eine Art Gemüsesuppe mit allem was ein Garten hergibt, Hühner- oder Putenfleisch war reichlich enthalten, jedenfalls mit viel Paprika, Bohnen und Hirseklößen aus in einem Mörser selbst gestampftem Hafer- und Hirsegries. Auch das Fladenbrot besteht daraus und erinnert mich immer an das nordafrikanische Kuskus. Ein sehr sättigendes und nahrhaftes Gericht, und es schmeckte ausgezeichnet. Selbstverständlich war dieses gemeinsame Essen kurzfristig großartig improvisiert, niemand wußte ja dass wir kommen würden. Hier in einem unserer heimischen Restaurants hätte dieses Gericht wohl einen wirkungsvollen aber unverständlichen französischen Namen bekommen. Nur mit dem selbstgebrauten „Bier“ stand ich etwas auf Kriegsfuß, denn dessen Wirkung war schon etwas zu spüren. Das ist nichts weiter als angegorener Saft von Sandias (Wassermelonen) und noch einigen anderen saftigen Früchten. Schmerzmittel waren zwar auch auf dem Wagen gewesen, aber die sollten ja nicht für mich sein!
Meine Delia ging mir nicht mehr von der Hand und es hatte schon den Anschein von Eifersüchtelei gegen Lucita und die anderen Spielkameradinnen.
Nun wollten wir ja nur zwei oder drei Tage bleiben um dann wieder heimzukehren, aber wie so manches kam es ganz anders.
Am nächsten Tag wurde nicht gearbeitet, jedenfalls nicht weit entfernt, nur in den Hausgärten. Das Frühstück kam sehr früh, Fladenbrot mit sowas wie Fruchtbrei und allerlei Säfte. Und wer kniete vor meinem Lager und weckte mich? Natürlich Delia wer sonst.
Da wurde mir klar: Ich hatte ein kleines Herz erobert! Würde ich dessen würdig sein? Das ist immerhin eine große Last, die ich mir wohl selbst aufgebürdet hatte.
Und dann geschah das was uns und noch andere schon seit vielen Wochen hier ausharren läßt.
Hinter den Häusern zeigte man uns eine Trafostation. Ich wollte es erst nicht glauben, aber Tatsache dort stand ein fertiger Betonkasten auf einem Sockel mit einem Transformator akzeptabler Leistung. Gedacht um das Dörfchen mit Strom zu versorgen. Vorbereitet mit Trennschalter und Lastsicherung; sogar ein Starkstromtrafo, freigeschaltet und unter Strom! Das darf doch nicht wahr sein, war mein erster Gedanke, und was nun? Wo ist das Material, das Werkzeug, wo sind die Elektriker die alles verkabeln und anschließen? Ich bin alleine damit überfordert! Die Behörden hatten alles hingestellt und von den anderen Arbeiten war nicht mehr die Rede. Na gut, machen wir was draus! Als allererstes eine primitive Anzapfung für unsere Handy-Ladegeräte. Zwei Drähte ließen sich finden und eine Rolle Kabel lag auch in der Box, dank Überlebenswerkzeug gelang es auch. Somit waren wir wenigstens mobil erreichbar.
Und nun ging’s los das Improvisieren, Planen, Organisieren. Als allererstes erging ein Notruf an meine Gastfamilie Lucitas Eltern mit einem Situationsbericht. Die setzten sich mit den Stromversorgern der Insel in Verbindung, aber keiner wußte etwas und wollte etwas tun. Also wieder mal reine Schreibtischtäter. Auch den Einwohnern hatte man kein Sterbenswörtchen gesagt, außer dass sie nun bald Fernseher und Waschmaschinen hätten, womit sie nichts anfangen konnten. Ich sehe immer noch die flehenden Blicke der Dörfler ihnen zu helfen. Und das will ich tun, so wahr ich der Amigo aus Alemania bin!
Nun sind ja Lucitas Eltern sehr einflußreiche und bekannte Leute dort; an denen kann auch ein Minister nicht einfach vorbeigehen ohne seinen Posten zu gefährden. Also muß es sein; lassen wir die Puppen mal tanzen, notfalls auch die Köpfe rollen!
Nur mit einem selbstgefertigten Übersichtsplan, Aufriss eines Hauses (die sind alle gleich) und viel Wut im Bauch versehen machten wir uns hastig auf den Rückweg ins Kloster Bernabe, mit dem Versprechen an die Dorfbewohner uns um alles zu kümmern und dann schnellstens wiederzukommen. Es fehlt einfach alles; wir fangen bei Null an! Delia wollte nicht mit uns gehen; sie war sehr traurig.
Und so sind wir nunmehr schon 7 Wochen, oder mögen es mehr sein, hier und stehen kurz vor der Vollendung unserer Aufgabe „Ein Dorf zu elektrifizieren“. Fünf Männer und eine Frau. Und das was wir machen soll gut sein, man soll auch noch nach Jahren Gutes über uns reden. Alle erforderlichen Genehmigungen, Geld und große Unterstützung wurden uns buchstäblich nachgeworfen, nachdem die Sache bei den verantwortlichen Ämtern über den Umweg des Ministeriums ins Rollen gekommen war. Jeder fürchtet um seinen Sessel. Man hat dann ungeahnte Möglichkeiten und Freiheiten ohne viel Papier. Selbst von höchster Stelle kümmerte man sich auf einmal um dieses „Projekt“; man war also aufgewacht hoch oben. Ein Geländewagen wurde gestellt und andauernd nachgefragt ob auch alles läuft oder ob man helfen könne. Rührig das ganze nur zu spät, aber vielleicht nützt es den anderen Dörfchen etwas, die wohl in der gleichen Situation stecken.
Unsere Fachleute, geschickt von Lucitas Eltern, waren mittlerweile auch in der Eremita angekommen. Sie hatten zwei Tage her gebraucht, dafür waren sie mit allem Werkzeug gut bestückt und ihr Eifer war kaum noch zu bremsen. Nun nahm die Sache richtig Form an. Pläne wurden erarbeitet und Materiallisten großen Stils gefertigt. Wie das nun einmal so ist, wenn ein solches Projekt durchgezogen werden soll. Es machte trotz all dem Stress so richtig Spaß. Alsbald füllten sich ganze Räume mit angeliefertem Material, so dass ein Trupp sich schon vorab auf den Weg machen konnte. Von den Mönchen und Ordensfrauen erhielten wir großartige Unterstützungen und Fürsorge in allen Belangen. Nun hatten die treuen Esel erst einmal Pause und wurden gut und klösterlich versorgt. Es ist schwer vorstellbar welche Mengen an Material benötigt werden, - natürlich mit reichlich Reserven, denn Geld war bereit und auch freigegeben. Es konnte aus dem Vollen geschöpft werden, wenn bloß vor Ort nicht alles so unsagbar schwierig gewesen wäre. Nach fünf Tagen rückten auch wir ab, mit noch einer ebensolchen Ladung, aber auch nun schon in Anbetracht der Möglichkeit mit einigen umdeklarierten Küchen- und Luxus-Gebrauchsgeräten. Schließlich sollten die Bewohner auch etwas von ihrem neuen „Luxus“ zu spüren bekommen und sich nicht nur über eine Beleuchtung freuen können. Kontrollen gab es nicht, und diejenigen die einmal von Amtes wegen vorbeischauten hatten sowieso keine Ahnung.
Das ganze Dörfchen schien umgekrempelt zu sein. Wir wurden behandelt wie Fürsten und mußten schon mitunter bremsen, sonst hätten die Dorfbewohner noch ihr letztes Hemd hergegeben. Und das hält bis heute noch so an! Jeden Tag wird ein Haus fertig und kann wieder bezogen werden, denn während der Arbeiten wurde jeweils ausquartiert. Ich sehe immer die strahlenden Gesichter der Hausbewohner vor mir, wenn sie den Schalter betätigen und es hell wird in den vorher düsteren Räumen! Ganz wie Kinder, die mit strahlenden Augen den Lichterglanz des Weihnachtsbaumes betrachten. Unsere kleine Zeltstadt, in der wir hausten, war zum geweihten Ort geworden und die Handwerker zu Zauberern. Fiestas wurden veranstaltet, und bald kannten wir alle Bewohner des Örtchens. Nur die Kinder müssen wir uns etwas fern halten, sonst wuseln sie uns überall dazwischen, was nicht ganz ungefährlich ist. Delia mußte ich leider etwas vernachlässigen obgleich sie uns ständig und überall genauestens beobachtete. Bald kommt die Zeit wo ich mich ganz ihr widmen kann.
Wochenlang hatte das Wetter unserem Tun freundlich zugeschaut, teils zwar etwas wolkig aber warm. Leider änderte sich das in der letzten Woche, oder war es vorletzte? Drei Tage nichts wie starken Regen, so dass Außenarbeiten nicht möglich waren und keine Oberleitungen mehr fertig wurden. Das Wasser rauschte nur so durch die Schlucht und auch der Dorfplatz war ein See geworden. Im Radio vernahmen wir von den Überflutungen in Garachico, in Puerto de la Cruz und im Orotava-Tal. Die ganze Nordwestküste war betroffen. Scheinbar ähnlich wie das Unwetter welches ich vorher schon beschrieb. Nun herrscht wieder eitel Sonnenschein bei ca. 25 Grad.
Zwischendurch bekamen wir Besuch von den Teide-Rangern in einem Hubschrauber. Delia war fällig zur Krankenhauskontrolle und sollte abgeholt werden. Nun ging mein Wunsch in Erfüllung sie begleiten zu können. Auf ihre ganzen lieben „Männer“ in der Klinik in St. Cruz war ich sehr gespannt. Trotz Hubschrauber, der uns nur bis zur Rangerkaserne am Teide brachte, von wo aus in einen Krankenwagen umgestiegen wurde, dauerte es einen halben Tag bis in das Hospital. Der nächste Tag war aufregend, nicht nur für Delia, sondern überall versuchten sie mich vorzustellen und rum zu zeigen, weil Delia wie wild darauf bestand dass ich alle kennenlernen sollte. Ich war nicht wenig überrascht dort einigen deutschen Fachärzten zu begegnen wie auch überhaupt von der ganzen Ausstattung der Klinik. Das war modernster Stand der klinischen Technik. Delia durchlief einen kompletten Check in vielen Stationen. Auch hier konnte ich es bemerken: Sie war doch etwas Besonderes! Zurück heimwärts ging es dann über Santiago del Teide und dann weiter mit einem Geländewagen quer durch die Wildnis. Eigentlich waren wir beide doch recht erschöpft, aber das Wiedersehen in ihrem Dörfchen mußten wir doch noch erdulden.
Hier hatte sich viel getan, der Endspurt deutete sich schon an. Insgeheim hatten wir angestrebt bis zum Namenstag Delias unsere Arbeiten beendet zu haben um dann mit einer großen Fiesta beides feiern zu können. Auch dieses Vorhaben gelang uns. Und so konnten wir getrost und in aller Ruhe noch eine Generalprüfung machen bevor wir am 24. diesen Monates das nunmehr elektrifizierte Dörfchen an seine Bewohner übergaben. Nicht nur für die Besitzer war es ein etwas erhebender Augenblick.
Still und unbemerkt hatte Lucita Geschenke für Delia herbeigeschafft und das Fest organisiert nun durfte die Fiesta beginnen. Es wurde ein „rauschendes Fest“, ganz den mehrfachen Anlässen angemessen. Wir alle, die an den Arbeiten beteiligt waren hatten nun ein ganzes Dorf als Freunde, und das hat längst nicht jeder. Das Leben der Bewohner wird sich nicht grundlegend ändern, das soll es auch nicht, aber es wird für alle leichter werden. Das war der tiefe Sinn dieser Aktion. Und die Dankbarkeit und Freude in den Gesichtern der von der High-Tech-Zivilisation Übergangenen ist mehr als nur ein Lohn. Viele Tränen der Freude sind vergossen worden.
Ein größerer Gemeinschafts- bzw. Allzweckraum ist dabei auch noch nebenbei entstanden, ganz unter der Regie der Dorfbewohner. Es ist einfach die räumliche Verbindung zwischen zwei Häusern. Die Bewohner sind sehr geschickte Handwerker in Sachen Holzbau! Drei sehr große gestiftete Kühlschränke sollen auch noch kommen, so ist es angekündigt. Für deren allgemeine Nutzung wird es wohl eine etwas straffe Regelung und Aufklärung geben müssen, sonst landet alles andere nur kein wichtiges Kühlgut darin! Es ist doch alles neu und weitgehenst unbekannt. Täglich inspiziere ich noch die Elektrik der Häuser und versuche den Bewohnern den Umgang damit zu erklären. Vor allem die Hausanschlüsse haben es ihnen angetan, weil da so viele Sicherungsschalter drin sind. Und genau da sollen sie nicht rangehen, deswegen entsprechen sie auch nicht der Norm und sind sehr hoch unter dem Dachüberstand angebracht. Die Ordensschwester, gleichzeitig Hebamme, Krankenschwester und Lehrerin ist dabei sehr behilflich und von großem Nutzen.
Alles was wir hergeschleppt hatten, Zelte, Schlafsäcke, Material, einfach alles, die gesamte Ausrüstung, ohne Werkzeuge, Luftmatratzen auch die Arbeitskleidung bleibt als Andenken zurück. Eine sehr komfortable, komplette und moderne Campingausrüstung.
Nun kann ich mich Delia voll und ganz widmen. Und das tue ich mit ganzem Herzen und der größten Freude.
Morgen werden alle Mitstreiter wieder abrücken, nicht ganz ohne Wehmut, und sie werden berichten was es auf Teneriffa in den abgelegenen Ecken und Winkeln noch alles zu tun gibt. Es ist dort schon allen bekannt, dass es noch mehr solche Einsiedeleien gibt, vorwiegend im Teno- und im Anagargebiet. Ich bin überzeugt wir werden nicht die Einzigen bleiben, die diesen Außenseitern der Gesellschaft helfen werden. Dort sind noch die alten Traditionen und das Erbe Teneriffas verborgen und nicht in den Zentren des Tourismus. Ich habe ein bisschen davon kennenlernen dürfen und das macht mich reich und fähig dazu sagen zu können: Ich weiß nun etwa wie und was die Insel Teneriffa und seine Bewohner sind; ich habe sie etwas kennengelernt! Keine Minute möchte ich davon vermissen.
Und alles das wegen meiner Neugier und wegen einem kleinen Mädchen namens DELIA! Aber es gibt viele Delias auf der Welt!
Ich werde noch sehr oft zurückdenken, denn ein ganz kleines Stückchen meines Herzens wird dort bleiben und verwurzeln. Für viele gewiss unverständlich und Gefühlsduselei. Sei es wie es ist: Neid muß man sich hart erarbeiten!
Ich bleibe noch ein paar Tage (?) hier, gewissermaßen als Nachbleibsel, dann werde auch ich mich wieder von dannen schleichen. Der Abschied wird mir gewiss nicht leicht fallen.
Wir werden auf den kümmerlichen Feldern und im Dorf mitarbeiten, wandern oder tun was uns gerade in den Sinn kommt – Delia, Lucita, eine wundervolle junge Frau, und ich! Manchmal werde ich Kaninchen für das Abendbrot jagen gehen, wie auch vorher schon, die es dort in großen Mengen gibt, denn die Fallenjagd der Dörfler ist nicht sehr effektiv. Gegrillt schmecken sie mit einer Wein- oder Knoblauchsouce ausgezeichnet. Staunen muß ich auch darüber was man alles aus Kürbis, Melonen und Wildfrüchten zaubern kann und wie Zucker gewonnen wird. An Vitaminen und Mineralien mangelt es wahrlich nicht, in Verbindung mit dem was das Vieh noch hergibt.
Rückblickend kann ich behaupten, dass all das meinen Horizont ganz wesentlich und nachhaltig erweitert hat.Versteht ihr nun warum ich Teneriffa und seine Menschen so sehr liebe?
Mit allseits herzlichen Grüßen von
Dieter
P. S. Nicht unerwähnt möchte ich die großzügigen Unterstützungen und Spenden von Material und Know-how sowohl technischer Art als auch anwendungsorientierter Gebrauchsgeräte im Elektrobereich, seitens einiger Firmen lassen. Der Materialtransfer und der Zulieferservice wurden freundlicherweise von einer Fachfirma übernommen und war organisatorisch hervorragend und sehr flexibel. Durch freundliches Entgegenkommen konnten auch die anfallenden Energieverbrauchskosten auf viele Jahre hinaus im Rahmen der staatlichen Versorgungspflicht gesichert und übernommen werden. Ein kostenfreier Servicevertrag seitens der Inselregierung steht unmittelbar vor dem Abschluss. -
Danke, liebe Freunde, vergesst uns nicht, und kommt recht bald wieder!
Die Dorfbewohner.Es ist vorbei und geschafft, die schöne Zeit ist zu Ende und wir müssen nun gehen! Das fielen Lucita und mir nach so langer Zeit sehr schwer. Schon Tage vorher war die Stimmung auf ein Minimum gesunken. Schließlich waren wir alle so etwas wie eine große Familie geworden. Auf die Frage „Warum bleibt ihr nicht bei uns?“, mußten wir uns die Antwort schon sehr überlegen, und trotzdem fiel sie dann nicht befriedigend aus. Delia erkannte unser Problem und tat das was für alle einfach unfassbar war. Wir beide, Lucita und ich, hatten sie schon mehrfach gefragt ob sie nicht mit uns kommen möchte um eine Zeit lang Ferien bei Lucitas Eltern zu verbringen. Bisher war diese Frage nicht beantwortet worden, sondern wurde bei ihr eher zu einem seelischen Konflikt. Woraufhin wir nun diese Frage nicht mehr stellten. Nun, so kurz vor unserem Abschied, saßen wir abends alle in dem neuen Gemeinschaftsraum zusammen bei ziemlich gedämpfter Stimmung. Die Gedanken daran diese lieben Menschen verlassen zu müssen war quälend. Delia saß ohnehin schon lange Zeit immer neben mir in meinem Arm, aber nun sagte sie etwas, was uns alle traf wie ein Peitschenhieb: „Wenn ihr mich mitnehmt und meine Eltern und das Dorf es erlauben, komme ich eine Zeit lang mit euch zu Lucitas Eltern!“ Das schlug bei allen Anwesenden ein wie eine Bombe. Wir beide waren jetzt wirklich wie gelähmt und nahmen unsere Delia einfach nur in die Arme. Dazu ergab sich noch, dass ihr älterer Bruder Manolo seine Schwester begleiten würde.
Sofort wurde diese Nachricht nach Erjos zu meinen Gastgebern durchgegeben, und alle jubelten. Wie ein Volltreffer im Lotto. Kurz gesagt, diese Nacht wurde zum Tag gemacht und alle haben ausgiebig gefeiert. Alles hatten wir beide erwartet, nur diese Wendung nicht! Ob ich mich jemals schon einmal so gefreut habe, kann ich auch nicht sagen.
Selbstverständlich hatten die Eltern und Anverwandten nichts gegen Delias Wunsch. Was vorher widerwillig geschah, nämlich das Zusammenpacken, das flutschte nun mit Vergnügen und Freude. Jeder half mit, und wenn wir nicht energisch eingegriffen hätten, dann hätte so mancher Bewohner uns noch sein einziges Hemd geschenkt. Von Obst über Schnitzereien beschenkte man uns, wie auch schon bei den bereits heimgekehrten Elektro-Fachleuten geschehen.
Es fiel mir auf, dass Lucita sich vehement als Bremse betätigte, was alles ins Auto sollte und was nicht, z. B. keine persönlichen Sachen und meine „Kaninchen-Waffen“, eine Flinte und eine Büchse?! Aber wir können die Sachen doch nicht in der Hand tragen, was soll das? Ich war schon fast dabei ärgerlich zu werden! Aber Lucita führte irgendetwas im Schilde, sie verschwieg uns etwas. Was da buchstäblich in der Luft lag, sollte sich erst zum Zeitpunkt des Abschiedes offenbaren. Mitten in der Abschiedszeremonie wurde diese durch ein großes Geknatter gestört und es landete ein Militärhubschrauber in der Nähe. Ja, aber was wollen die denn? Außer den beiden Piloten stiegen noch drei weitere Soldaten aus. Die Meldung des Kommandierenden lautete auf Deutsch und Spanisch klar und präzise: „Ihr Transport über El Amparo nach Erjos ist bereit. Zwei Mann überführen den Geländewagen zur Eremita!“ – Das war der Hammer und die Überraschung, die uns Lucita verschwiegen hatte. Nur ihre Eltern konnten das eingefädelt haben. Ich glaube wir alle müssen ein ziemlich dummes Gesicht gehabt haben.
Nun ging alles ganz schnell mit dem Verladen und Verabschieden, nachdem wir erst alles so richtig begriffen hatten.
Keine Angst, liebe Freunde, wir kommen ganz bestimmt wieder, und außerdem nehmen wir euch eure Delia und ihren Bruder nicht weg. Auch sie werden begleitet zurückkehren wann immer sie es wünschen!
Einsteigen, Türen schließen und anschnallen es geht heimwärts. Ich sah, dass Lucita bemüht war ein paar Tränen zu unterdrücken, waren wir doch dort schon fast heimisch geworden! Das ganze Dorf war versammelt und einige Nachbarn auch, die uns noch auf der Ehrenrunde, die der Pilot über dem Dorf flog, von unten zuwinkten. Und dann ging es über die Wipfel der Bäume ab in Richtung Eremita. Auch dort eine riesige Begrüßung als wir in der Nähe landeten. Eigentlich war eine Landung im Innenhof vorgesehen, aber dort war es zu eng für die Rotoren, so dass aus Sicherheitsgründen auf einen freien Platz außerhalb ausgewichen werden mußte.
Ein leichtes vorbereitetes Mittagsessen konnte aber nicht ausgeschlagen werden bei dem wir uns bei allen Beteiligten ganz herzlich für die Hilfe bedankten. Eine kurze ganz persönliche Messe für alle war vorbereitet und schloss sich an. Abschied von den treuen Eseln und allen Ordensbrüdern und -Schwestern des Klosters und auf ging es weiter nach Erjos. Nicht in den Ort, sondern direkt zum Anwesen Lucitas Eltern, wo uns trotzdem mindestens halb Teneriffa mit großem „Bahnhof“ empfing. Das war ein Wiedersehen, und nun flossen auch Tränen – der Freude, der Dankbarkeit?! Sie waren es doch alle, die all das organisiert und gemanagt hatten! Ohne diese Unterstützung wäre so etwas niemals möglich gewesen! Der Kommandierende meldete Vollzug mit „Auftrag ausgeführt“ und schon waren sie wieder weg, diejenigen, die ihren schönsten „Trainingsflug“ diesen Jahres durchgeführt hatten, wie uns gesagt wurde! Ich glaube es ihnen sogar!
Nun ging die Feierei weiter in großen offenen Zelten, die errichtet worden waren, bis weit nach Mitternacht. Natürlich schliefen unsere beiden Gäste Delia und Manolo schon längst; sie waren doch sehr erschöpft. Wir eigentlich auch!
Am folgenden Morgen wurde es doch für die beiden Kinder aufregend; so viel Neues, so viele Geschenke und all die freundlichen Menschen. Delia hielt Lucitas und meine Hand die ganze Zeit fest umklammert. Dann wurden die beiden sich selbst überlassen alles zu entdecken, ihre Zimmer, das riesige Haus in dem man sich beinahe verlaufen kann, den Garten, die Tiere und so Vieles mehr. Beide kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Viele neue Bekleidungsstücke waren angeschafft worden, aber besser war es sie nicht zu nötigen ihre heimischen Trachten unbedingt gegen diese zu wechseln. Sie hatten auch keine besonderen Zimmermädchen, wie normalerweise andere Gäste. Es waren eben Familienmitglieder und nichts anderes! Wie gesagt, es wurde ihnen alles selbst überlassen. Sie sollten sich einfach nur wohl und geborgen fühlen und keineswegs ihr Zuhause vergessen. Das lag allen am Herzen und hatte absolute Priorität.
Dass Delia ein neugieriges Persönchen ist, war wohl bekannt, aber was hier abging setzte dem die Krone auf. Die beiden sind einfach überall anzutreffen, selbst auf den Feldern bei den Nachbarn! Nun gut, das sind auch alles Landsleute und sprechen den gleichen Dialekt, da ist der Kontakt viel einfacher, außerdem sind diese fast genau so arm wie ihre Dorfbewohner. Viele Gäste von wer weiß woher sagten sich an, aber da wurde dann doch die Bremse gezogen. Ich werde das Gefühl bis heute nicht los, dass die nur ein armes Mädchen aus einem noch ärmeren Dörfchen beglotzen wollten. Da hörte bei uns allen aber der Spaß entschieden auf. Dann mögen sie in den Loro-Park gehen, dort können sie nach Herzenslust diese größtenteils bedauernswerten schizophrenen Tiere anglotzen!Meine beiden letzten Wochen waren beinahe genau so ausgefüllt wie dort in dem Dorf. Bald ging Lucita wieder ihrer Arbeit als Juristin ihrer Eltern und deren Geschäfte nach und ich war voll ausgebucht mit den Kindern und all den Nachbarn und Freunden ringsum. Leider waren mir anstrengende Wanderungen etwas versagt, denn ich quäle mich immer noch mit einem verschleppten „Hexenschuß“ herum, der mir bis heute noch zu schaffen macht. Trotz aller Behandlungen.
Nun werden alle fragen: „Und was ist denn mit der Schule?“ Die Antwort ist einfach! In dem Dörfchen wurden alle Kinder ab sieben Jahren von einer Ordensschwester mehr oder weniger gut unterrichtet, so dass Delia momentan auf dem Stand etwa der dritten Klasse ist; das ist zu wenig um ihrem Alter gemäß in die angemessene Klasse zu kommen, trotz allen Fleißes. Also gibt es für alle hier eine Aufgabe sie und Manolo täglich zu unterrichten. Da machen viele von uns mit unter der „Schirmherrschaft“ des örtlichen Lehrers. Jeder, der Zeit hat, ist dabei und das mit viel Freude und ganz engagiert. Sehr zu unserer aller Freude erstreckt sich beider Neugierde auch auf diesen weniger lustigen Bereich. Mit viel Eifer und wissbegierig sind sie dabei, ohne großartigen Motivationsschub von außen.
Tagsüber sind beide regelrechte „Streuner“, überall zu finden. Wenn niemand was dagegen hätte, würden sie vielleicht liebend gerne in den Stallungen bei den Tieren schlafen, die sie in ihr Herz geschlossen haben. Es gibt hier aber auch genug davon! Und sie machen sich nützlich wo immer es eine Gelegenheit dazu gibt. Auf den Feldern sind beide schon wohlbekannte und gern gesehene „Mitarbeiter“, selbst wenn es zur Zeit wenig zu tun gibt. In ihrem Gefolge sind immer irgendwelche Tiere zu finden, ob Hunde, Esel oder Kakadus. Auch ich liebe Tiere und habe ein prima Verhältnis mit ihnen, aber das hier zwischen denen und mit den beiden ist die beneidenswerte Liebe auf den ersten Blick! In nächster Zeit, wahrscheinlich in der nächsten Woche, wird Esel-Nachwuchs erwartet. Delia und Manolo ahnen noch nicht, dass das einmal ihr ganz persönliches Eigentum sein wird, so ist es im Familienrat beschlossen worden; sie sind bisher nur gebeten Namen zu finden. Selbstverständlich wird der/die Esel/in dann mit in das Dörfchen gehen. Aber Eselfohlen bleiben sehr lange bei der Mutter! Selbst als "Köchin" macht Delia eine passable Figur; ihre mitgebrachten Dorfrezepte begeistern hier alle. Aber das kennt man ja auch bei uns: Was früher ein ausgesprochenes "Arme-Leute-Essen" war, gilt heute als Delikatesse! Es gibt ja auch hier das gleiche Gemüse und die gleichen Früchte wie bei ihr zu Hause.
Fische und andere Meeresfrüchte waren beiden ja ziemlich unbekannt was die Waren und die Speisen angeht, also nehmen wir sie mit an die Küste in die kleinen Fischerhäfen zum Einkaufen. Aber Fisch essen mögen sie nur zu gerne. Kein Wunder, denn das was allgemein Südländer aus alle den Meeresfrüchten an Speisen zaubern, ist bei uns hier völlig unbekannt und manch einer würde staunen, ohne zu wissen was er gerade ißt. Z. B. wenn Thunfisch entsprechend vorbehandelt wird, könnte er glatt als zartes Rinderfilet angesehen werden! Das ist für beide immer ein Erlebnis; dafür lassen sie alles stehen und liegen. Gestern waren wir mit einem mittleren Kühltransporter in La Mancha an der Nordwestküste, einem kleine Fischerhafen, um uns mit Thunfischen, lebenden Langusten, Knurrhahn, verschiedene Sorten Garnelen, Kalamar, Seehechten, Muscheln, Seezungen, usw. zu versorgen. Eine große Kiste gemischten unsortierten Beifang bekamen wir gratis mit, vorzüglich geeignet und fast auch notwendig für Suppen. Von den Fischern wird alles restlos verwertet außer zu kleine Exemplare und zu junge Tiere, die landen wieder in ihrem Element. Anders als bei den großen Fabrikschiffen, bei denen alles in die an Bord befindliche Verwertung geht was nicht erwünscht ist. Solche Beifänge holen sich meistens arme Leute direkt weg vom Schiff. Es werden wieder einmal viele Gäste erwartet, und da muß alles ganz frisch sein, direkt vom Boot und von den Fischern. Dann noch in die riesigen Markthallen von Icod, gegenüber dem Drachenbaum, wo es nur einheimische Produkte gibt, alles unter scharfer Kontrolle und Überwachung. Dort kann man auch die sehr begehrten ganzen Schafs-, Rinder-, Pferdeköpfe im Fell kaufen samt Gehirn, aber keine Schweineköpfe, die verderben zu schnell. Alles das schmeckt gut und richtig zubereitet ausgezeichnet! Da gehen einem die Augen über und man kann sich nicht satt sehen, so toll ist das dort, mit einem ganz großen Warenangebot an Naturalien. Natürlich kauften wir auch gleich für die ganze Nachbarschaft in Erjos mit ein, denn so häufig fährt niemand an die Küste um Fische zu holen. Sonst sind unsere Stammhäfen immer San Juan oder Puerto de Santiago an der Westküste, aber das ist viel weiter weg. Dann kann ich mich wieder mal auf gegrilltes Thunfischsteak mit allerlei Salaten freuen, oder auch große Langusten von ca. 1,5-2 Kg/Stück! Eine halbe davon schaffe ich locker! Sehr gesund sind sie aber nicht, weil ihr Fleisch pures Eiweis ist. Nahezu 75 Kg ganzen Thunfisch mittlerer Größe um die 8-12 Kg hatten wir dabei, und das für 2,00 Euro/Kg direkt vorbestellt vom Boot, also ganz fangfrisch von vor der Haustür in Richtung La Palma nachts geangelt! Das sieht man am Blut, wenn sie gerade eben erst geschlachtet wurden. Hier kostet er das fünf-bis sechsfache der rote oder auch große Thun, wenn nicht noch mehr, dafür hat er dann schon Tage auf Eis gelegen! Da hat Delia aber doch gestaunt. Beide wollten gar nicht mehr raus aus den Markthallen. Alle anderen Fleischsorten, Milch, Butter, Geflügel, Schweine, Rinder, Schafe/Ziegen, usw., werden direkt von den nahegelegenen Bauern bezogen und extra für uns groß gefüttert. Das ist selbstverständlich und bedarf keines Vertrages. Dabei verdienen sie selbst sehr viel mehr als würden sie das in den Handel geben, weil sie einen sehr anständigen Preis von uns bekommen und auch teilweise das Land meiner Gastgeber für sich zu ihrem ganz persönlichen Nutzen frei bewirtschaften dürfen, es sogar sollen. Und es ist sehr gutes aufbereitetes und ertragreiches Land! Landmaschinen können sich alle ausleihen, aber meistens benutzen sie lieber ihre seit altersher gebräuchlichen Geräte. Durch große begehbare Kühl- Gefrierräume können wir auch sehr gut und lange bevorraten, auch für unsere Nachbarn mit, den kleinen Bauern. Praktisch gehören sie alle schon zur Familie, denn einen Haciendero im Stile eines allmächtigen Grundbesitzers gibt es nicht. Ich schlief auch schon oft bei ihnen in ihren Häuschen. Es sind sehr fleißige und aufrechte Menschen mit einem guten Charakter.So verlaufen die schönen Tage mit sehr schönem Wetter hier; für viele Menschen die schönsten Tage ihres Jahres, ihr Urlaub! Ich beneide sie nicht, diejenigen die nun zu Hause arbeiten müssen um ein- oder auch zweimal im Jahr diese so wunderschöne Insel für viel Geld besuchen zu können. Ich konnte es früher auch nicht anders und deshalb bin ich meinen Freunden hier und anderswo so unendlich dankbar, dass sie es mir ermöglichen und gestatten mit ihnen zu leben und Einblick in ihr ganz privates Leben nehmen zu können! Das verstehen sie und ich unter Freundschaft und so bin ich Freund der Familien und deren Häuser mit allen Pflichten und Freiheiten. Ich bin stolz darauf es schon seit langer Zeit sein zu dürfen! Und besonders glücklich bin ich über meine Nähe zu denen hier, die als arme und genügsame aber glückliche Menschen mir gegenüber so aufgeschlossen, vertrauensvoll und freundschaftlich entgegenkommen, den kleinen Bauern. Wenn es mir möglich wäre, ich würde alles das mit Zins und Zinseszins zurückgeben. Dennoch glaube ich aber nicht, dass das ein guter Weg und ein gutes Unterfangen wäre, ganz im Gegenteil. Es ist ein Geschenk und bleibt es auch!
Nun will ich mich wieder meinen Aufgaben und Freuden zuwenden. Vielleicht lässt sich noch etwas finden was mir die Genugtuung verschafft hier nützlich sein zu können. Ganz gewiss besteht diese Aufgabe aber in Delia und ihrem Bruder, die mir auch schon so viel gegeben haben. Bei den allerkleinsten Anzeichen aufkommenden Heimwehes werden wir sofort beide wieder zurück zu ihrem Zuhause begleiten.Viele hier bei uns können oder wollen meine Gedanken und Einstellung nicht verstehen. Sollen sie nur, vielleicht lernen sie es noch einmal irgendwann!
Und nun gehe ich mit meinen beiden jungen Freunden und zahlreichen Nachbarkindern nach San Jose de los Llanos, einem Nachbarort, auf die Plaza zum Eisessen! Immer ein besonderes Highlight für alle Kinder ob groß oder klein und wir werden auch querfeldein auf Pfaden schon knapp eine Stunde wandern müssen. Zurück werden wir allerdings abgeholt.
Viele Grüße von
Dieter -
Echt faszinierend Dieter.. Durch Dich lerne ich die Insel.. wenigstens aus Erzählungen .. von einer ganz anderen Seite kennen.. immer weiter so.. Deine Beiträge hier lesen sich echt wie aus einem richtig guten Buch..
Gruss kai
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Hallo Dieter,
ich kann mich den Worten Kai´s nur anschließen und diese bestätigen. Deine Beiträge lesen ist spannender und interessanter als jeder " Mankell ". Hätte ich gewußt, dass Du immer noch auf der Insel weilst, hätte ich mich gerne mal mit Dir dort getroffen um Dich persönlich kennen zu lernen. Ich hoffe die Gelegenheit wird sich noch ergeben?
Auch von mir ein herzliches:
Feliz Navidad_______________./.
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Danke für die "Blumen",aber warum rüg* keiner die Fehler in "Feliz navidad"?
Leider funkionier die asaur an diesem Lapop nich*, so dass ich eine exerne benuze, und da geh* der Buchsabe nach dem "S" nich! Und sie prell* ganz arg
Also knobeln!Grüße Dieter
Ach, ich schreibe doch nur etwas aus dem täglichen Leben, das ist doch schon alles! Was ist daran schon groß faszinierend?