Ich weis gar nicht wo ich anfangen soll. Hab seit gestern nicht mehr geschlafen.
Gestern am späten Nachmittag war ich am Strand und bin die Hotels ein Stückweit abgelaufen. Das war sehr bedrückend. In einem Hotel jodelte am Pool die Animationsmusik, es war aber niemand draussen. Im überwiegenden Teil der Hotels war absolut nichts zu hören und sie wirkten wie leer.
Am Abend kamen dann die ersten Busse um die Touristen nach Enfidha zu bringen. Tunesische Freunde und Bekannte waren bei mir die ganze Nacht - es wurde viel geredet und Nachrichten verfolgt. Viele arbeiten im Tourismus. Sie haben auf dem Balkon gestanden und mit Tränen in den Augen zugeschaut, wie immer mehr Busse die Hotelanlagen in Richtung Flughafen verlassen haben. Manche haben auch geweint. Das ging die ganze Nacht so. Es war eine sehr bedrückende, niedergeschlagene Stimmung. Viele ahnen oder wissen, das sie jetzt keine Arbeit mehr haben. Sie verdienen kein Geld für die Familien, und was sie in der Saison verdienen muss ja auch über den Winter reichen. Es gab zwei Sätze, die ich in der letzten Nacht sehr oft gehört habe: "Game is over" und "Fliegen übers Meer" - heist hier nichts weiter, "Mit dem Boot übers Meer nach Europa". Sie sehen keine Zukunft mehr.
Diese Saison ist vorbei, und Tunesien wird sehr lange brauchen um sich von diesem Schlag zu erholen.
In der letzten Nacht wurden ca. 2.500 Touristen mit Sonderflügen in ihre Heimatländer gebracht. Für heute sind 20 Sonderflüge geplant zum regulären Flugprogramm. Auch für deutsch Touristen von Monastir nach Berlin-Schönefeld.
In Sousse und Monastir gab es gestern Abend und Nacht, spontane Mahnwachen und Demonstrationen. Das ganze Land ist in einer Art Schockzustand. Viele können es gar nicht begreifen.
Es wird versucht für die hierbleibenden Touristen so etwas wie Normalität herzustellen. Das ist im Moment aber sehr schwer.
Im Fernsehen liefen Livebilder von Enfidha - eine endlose Busschlange und abreisende Touristen.
Zeit.online
Touristen verlassen Tunesien
Schlangen am Flughafen und leere Hotels
Der Terroranschlag in Tunesien wird dem Tourismus im Land nach Einschätzung der Deutsch-Tunesischen Gesellschaft stark schaden. Dies sei auch das Ziel der Attentäter gewesen, sagte der Präsident des Vereins Werner Böckle in Djerba.
Der Präsident der Vereinigung tunesischer Reiseverbände Mohamed Ali Toumi fand am Freitagabend im tunesischen Fernsehen noch deutlichere Worte: "Das war's - jetzt sind wir pleite." Was aus seinen 14.000 Angestellten werden solle, wisse er nicht.
Handelsblatt
Leere Flugzeuge
Die Reiseveranstalter sind nun dabei, alle Touristen, die das Land verlassen wollen, zurückzuholen. Entgegenkommend dabei ist, dass am Samstag ohnehin "Schichtwechsel" ist. Was dazu führt, dass die Flieger aus Tunesien voll sind, zurück nach Tunesien jedoch weitgehend ohne Passagiere fliegen werden. Dazu Kathrin Limpel, Sprecherin von TUI: "Wir bieten allen Kunden bis 15. September kostenfreie Umbuchung oder Stornierung an. Von gestern auf heute haben sehr viele davon Gebrauch gemacht. Wir gehen davon aus, dass in den Flugzeugen Richtung Tunesien kaum noch Passagiere sein werden."
Die Flieger sollen dennoch wie geplant starten, da ja die Flugkette nicht unterbrochen werden soll und in Tunesien weitere Urlauber auf ihre Ausreise warten.
Britische Reiseanbieter haben am Samstag mindestens zehn Flugzeuge bereitgestellt, um Tunesien-Touristen nach Hause zu holen. Reisebüros wie Thomson oder Thomas Cook stellten es Urlaubern frei, ihren Urlaub kostenlos zu stornieren.
WDR
Verängstigte Urlauber landen in Düsseldorf
Nach dem Anschlag in Tunesien bringt der Reisekonzern Tui die ersten Urlauber zurück nach Deutschland. In der Nacht zu Samstag wurden bereits 80 Touristen ausgeflogen, auch nach Düsseldorf.
Insgesamt zählt Tui am Ort des Anschlags nach eigenen Angaben 260 Gäste in vier Hotels. In ganz Tunesien machen derzeit etwa 3.800 Gäste Urlaub mit der Tui, darunter überwiegend Deutsche. Das von dem Anschlag betroffene Rui-Hotel "Imperial Marhaba" wird von Tui und einer spanischen Familie betrieben.
Der Reisekonzern schickte ein Krisenteam aus 19 speziell geschulten Experten nach Sousse, darunter Psychologen. Tui-Urlauber, die Tunesien gebucht haben, können ihre Reise umbuchen oder stornieren. Nach Angaben des Sprechers hatten von diesem Angebot bis Samstagvormittag etwa 300 Gäste Gebrauch gemacht. "Der Großteil hält, zumindest nach jetzigem Stand, an seinen Reiseplänen fest."
Bislang wurden an den Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn noch keine Flüge nach Tunesien abgesagt. Dies würde erst erfolgen, wenn dazu eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliege, hieß es. Bisher seien alle Flüge von Düsseldorf nach Tunesien wie im Abflugplan vorgesehen gestartet, sagte ein Düsseldorfer Flughafen-Sprecher am Samstag. Zu der Zahl möglicher Stornierungen konnte er aber keine Angaben machen.
Keine Stornierungen bei Germanwings
Vom Flughafen Köln/Bonn steuert Germanwings Ziele in Tunesien an. Eine Maschine flog in der Nacht zu Samstag in die Urlaubsregion. Samstag und Sonntag stehen weitere Flüge an. "Bisher gibt es keine Stornierungen und auch keine Nachfragen zu Stornierungen", sagte ein Germanwings-Sprecher dem WDR.
Vieles seht ihr in den Nachrichten, es geht aber noch viel durcheinander. Was um 10 gemeldet wird , wird um 12 widerrufen oder geändert. Genauere Nachrichten und Einzelheiten wird es wohl erst in ein paar Tagen geben.
Wer hier bleibt schreibt doch einfach wie es bei euch im Hotel aussieht.
Ich bleibe in Mahdia
Torsten