Eine Anmerkung zu den beiden verlinkten Artikeln:
Das Urteil gegenüber MSC war ein wettbewerbsrechtliches Urteil, also nicht ein Urteil erstritten von einem Passagier.
MSC hat daraufhin seine Gepflogenheiten umgestellt. Bis dahin handelte es sich um ein zwangsweise zu leistendes Service-Entgelt, das nur ziemlich schwer bis überhaupt nicht stornierbar war. Insoweit ist es völlig richtig, dass es sich hierbei eigentlich um einen versteckten zusätzlichen Reisepreis handelte.
Inzwischen kann bei MSC - wie auch bei vielen anderen Reedereien - dieses automatisch dem Bordkonto belastete Trinkgeld jederzeit und ohne Angaben von Gründen storniert oder in der Höhe angepasst werden (auch nach oben!). Damit handelt es sich nun um ein Trinkgeld, das lediglich "für die Bequemlichkeit des Passagiers" automatisch abgebucht wird. Über diesen "Bequemlichkeits-Faktor" kann man natürlich diskutieren.
Es ist sicherlich auch völlig unstrittig, dass es für den Kunden, aus Ländern ohne ausgeprägte Trinkgeldkultur (und dazu zählen neben den Deutschen beispielsweise auch und sehr extrem die Briten oder Australier), besser vermittelbar wäre, dieses Trinkgeld gleich in den Reisepreis einzuberechnen. Zum einen wird aber leider die "internationale Gepfogenheit" in diesem Bereich durch die dominierenden US Reedereien geprägt (denen sich die internationalen Reedereien MSC und Costa angepasst haben). Zum anderen herrscht natürlich im Kreuzfahrtgeschäft ein großer Preisdruck und entsprechend hütet man sich davor, den Preis um 50 Euro zu erhöhen, wenn die Konkurrenz es billiger (aber ohne Trinkgeld) anbietet.
Rein deutschsprachige Reedereien (also AIDA, TUICruises, Phoenix, Plantours...) passen sich den Gepflogenheiten ihres Landes an und setzen alleine auf freiwillige Trinkgelder - sprich haben, formal gesehen, die Trinkgelder inkludiert.
Eine ähnliche Diskussion - nur da nicht stornierbar - gibt es auch bei der Mehrwertsteuer, die v.a. die US Reedereien auf alle Käufe an Bord aufschlagen (bei Kreuzfahrten ab EU-Häfen, die keinen nicht EU-Hafen anlaufen). Und da wird halt der Cocktail, der in der Karte mit 12 Dollar steht, mit 18% Servicecharge auf Getränke und 10% spanischer Mehrwertsteuer gleich mal knappe 16 Dollar teuer. TUICruises oder AIDA berechnen ihre Preise - wie von uns gewohnt - inklusive Mehrwertsteuer, so dass es dem Passagier natürlich nicht auffällt, dass er sie dennoch zahlt.
Gruß
Carmen