Zur Mittagsmesse nach Candelaria!
….. Und das mit den Einwohnern einer kleinen Siedlung! Man kann es noch kein Örtchen nennen. Es besteht nur aus fünf kleinen Häuschen, die sehr verstreut liegen. Nur einer im „Dorf“ hat einen Fernseher. Radios gibt es schon mehrere, aber das sind meistens alles Geschenke. Sie leben dort vorwiegend von dem was sie selbst anbauen und was ihre Tiere hergeben, und das ist nicht viel, wenn man nur ein Schweinchen, drei bis vier Ziegen oder Schafe, ein paar Hühner und einige Kaninchen hat, vielleicht auch noch ein paar Bienenstöcke. Die staatliche Rente für ein solches Ehepaar von 3 bis max.400 Euro für jahrzehntelange Arbeit auf den Plantagen und Feldern der Grundbesitzer reicht doch von hinten bis vorne nicht! Und wenn sie noch Ernteerträge verkaufen, dann könnte die Rente gekürzt werden. Auch wenn sie keinen Strom und Holz zum heizen, das sie sich selbst sammeln müssen, wachsende Bäume dürfen nicht abgeschnitten werden, bezahlen brauchen. Zur Zeit ihrer Arbeitstätigkeit gab es noch keine Rentenversicherung. Das spanische Sozialsystem ist voll in der Hand der Kirche mit allen Einrichtungen, und die lässt ihre Schäfchen nicht dem schnöden Mammon verfallen, wie in den großen Städten, wo deren Macht immer mehr an Einfluss verliert.
Tage vorher schon sind wir dort hin gefahren, es gibt dahin nur einen holperigen Feldweg, um die Bewohner einzuladen mit uns gemeinsam zur Mittagsmesse nach Candelaria zu fahren. Alle waren begeistert; und so verabredeten wir sie mit mehreren Geländewagen an einem Sonntag früh um 7:30 Uhr abzuholen. Die Aufregung war groß, denn das war ein Jahresereignis für sie. Vorher musste noch alles mit der Versorgung des Viehs und des Hauses geregelt werden. Ein paar ganz betagte Bewohner, denen das zu anstrengend war, sagten das zu.
Und so holten wir sie dann an einem Sammelpunkt ab. Jeder brachte eine Kerze mit.
Alle Männer hatten Hüte auf, denen man ansah, dass sie frisch entstaubt und aufpoliert waren, und sie hatten ihre beste Kleidung angezogen, die ihnen wahrscheinlich schon zur Firmung gepasst hatte.
Die alten Damen allerdings trugen uralte Kleider noch von ihren Groß- oder Urgroßmüttern und eine schwarze Mantilla, ein Dreiecktuch, um die Schultern. Wahrscheinlich war die Truhe mit dem Familienerbe geöffnet worden, denn die Kleider schienen mir außerordentlich kostbar zu sein. Ich möchte mal wissen was da noch so an kulturellem und kostbarem Gut in diesen Truhen seit Generationen lagert!
Auf dem Anwesen meiner Gastgeber gab es noch ein kleines Frühstück und dann kam auch schon der bestellte Bus.
Nach etwa 1 ½ Stunden Fahrt erreichten wir Candelaria, noch sehr rechtzeitig zur Messe in der Basilica. Ich hielt mich ab nun an ganz abseits. Da wir eine angemeldete Gruppe waren, wurden uns zusammenhängende Plätze im Hauptschiff zugeteilt. Die Messe dauerte etwa eine Stunde, oder etwas mehr. Jedenfalls war die Basilica bis auf den letzten Platz gefüllt, auch von vielen ausländischen Gästen und Touristen, deren andauernde Fotographiererei mit den eingebauten Blitzen mich sehr gestört hat.
Danach ging es noch an der Virgen de Candelaria hinter dem Altar vorbei und wir besuchten die schon beschriebene Kerzengrotte in der jeder seine mitgebrachte Kerze entzündete und mit einem Gebet aufstellte. Dem Wärter hat das wohl nicht gefallen, denn er hätte uns lieber welche für viel Geld verkauft!
Die Marienverehrung ist in Spanien ganz allgemein verbreitet. Wenn auch diese kleine Heilige der kanarischen Inseln oftmals als die „Schwarze Madonna“ bezeichnet wird, so ist es doch eine große Beleidigung! Eine heilige Madonna kann dunkelhäutig aussehen, aber mit schwarz werden allgemein Mohren oder Neger bezeichnet, aber nicht Dunkelhäutige maurischen Ursprunges! Das muss man beachten, sonst ist man in einen sehr großen Fettnapf getreten, für den es kaum eine Entschuldigung oder ein Verzeihen gibt.
Später auf der Heimfahrt waren alle tief in sich versunken. Dieses große Erlebnis war tiefgreifend.
Zuhause gab es dann ein vorbereitetes Abendessen für alle, und dann wurden sie zu ihren Häuschen gefahren.
Sehr wahrscheinlich hatte auch der Alcalde (Bürgermeister) des größeren Nachbarortes und die Gemeinde für diesen Ausflug mit in die Kasse gegriffen.
Es war ein bewegender Tag für alle.
Gruß Dieter