Hallo Silke!
Ich will mal versuchen, zu deinen Ausführungen Stellung zu nehmen. Um über ein Thema zu diskutieren, da gebe ich dir Recht, braucht man keine Fachkenntnis zu haben. Ich bin jedoch der Meinung, dass man versuchen sollte, einmal alle Seiten eines Themas zu beleuchten. In diesem Falle wäre das neben der Opferrolle auch die Täterrolle. Meiner Meinung nach ist es falsch, nur eine Seite zu thematisieren und die andere eben zu ignorieren. Entscheidend ist doch bei diesem Thema auch, warum es überhaupt zu solchen schweren Straftaten kommt. Das ein solcher Straftäter entsprechend verurteilt werden muss ist doch selbstverständlich. Um aber einen solchen Deliktsbereich zukünftig eindämmen zu können, ist die Anamnese eines Täters von entscheidender Bedeutung.
Du hast sicher auch Recht, wenn du sagst, dass nicht alle Täter eine schlechte Kindheit hatten. Das gilt insbesondere für die Gesamtheit der Straftäter. Man kann natürlich nicht einen Einbrecher oder Räuber mit einer Person vergleichen, die schwere Straftaten gegen Personen, insbesondere gegen Kinder verüben. Häufig liegt in diesen Fällen eine extreme Persönlichkeitsstörung vor. Diese kann, wie ich schon schrieb, ihre Ursachen im persönlichen Umfeld des Täters haben oder einfach auch pathologisch bedingt sein. Wenn du erklärst, dass du persönlich diese Personengruppe für gering hältst, machst du deutlich, dass es sich dabei um deine nicht fundierte Meinung handelt, die dir natürlich auch zu steht. Es gibt allerdings wissenschaftliche Untersuchungen sowie persönliche Erfahrungen, aus denen ich meine Ausführungen ziehe.
Auch zur Thematik "Häufigkeit solcher Straftaten" gibt es entsprechende Recherchen, die belegen, dass die Zahl solcher Taten eindeutig nicht gestiegen ist. Zu diesem Thema gab es auch schon Veröffentlichungen in der Presse. Es wurde tatsächlich festgestellt, dass der subjektive Eindruck in der Beölkerung entsteht, dass sich solche Taten häufen. Du lieferst ja praktisch selbst die Bestätigung indem du erklärst, dass du auf verschiedenen Sendern diverse Nachrichten siehst. Durch die Informationsflut entsteht der Eindruck einer Häufung dieser Taten. Früher gab es die Tagesschau und vielleicht noch "heute". Daneben existierten noch ein paar Lokalsender. Heute gibt es eine Vielzahl von Sendern, insbesondere Privatsendern, die alles, was irgendwo interessant sein könnte, dem Zuschauer präsentieren. Dazu kommt eine gewachsene Zeitungslandschaft und insbesondere das Internet. Wenn du Lust hast, kannst du ja selbst mal recherchieren, ich meine vor 2 Jahren gab es zu diesem Thema mehrere große Berichte in den Tageszeitungen.
Zur Thematik Verteidigung, Verurteilung Unschuldiger und Ermittlungsmöglichkeiten der Polizei rate ich dir, noch einmal in dich zu gehen. Das, was du da schreibst, sind reine Vermutungen oder gar Wunschdenken.
Beispiele über Justizirrtümer gibt es reichlich. Vor einigen Monaten erst wurde ein wegen Mordes veruteilter Mann in Deutschland nach einigen Jahren Haft entlassen. Er war, wie sich nun herausstellte, unschuldig. Auch dies war groß in der Presse zu lesen.
Überhaupt nicht nachvollziehbar ist deine Meinung zur Beweislage. Du erklärst, dass eine Verteidigung nicht mehr notwendig sei, wenn die Beweislage erdrückend ist. Wann ist das denn der Fall und wer will das beurteilen. Das kann doch erst in einem förmlichen Gerichtsverfahren festgestellt werden. Dazu hat nunmal jeder das Recht auf Verteidigung. Sowohl die Ermittlungsbehörden als auch das Gericht selbst sind an Recht und Gesetz gebunden. Aber, und auch das sollte eigentlich hinlänglich bekannt sein, werden auch bei diesen Organen Fehler gemacht und es ist gut, dass ein geschulter Rechtsanwalt solche Fehler aufdeckt. Unser Rechtssystem erklärt alle Menschen vor dem Gesetz als gleich, also haben auch alle die gleichen Rechte und Pflichten. Ein Urteil entsteht schließlich am Ende aller Abwägungen.
Nochmal zum Thema "erdrückende Beweislage". Folgendes, tatsächlich geschehenes Beispiel:
Ein Mordopfer wird in einem Waldstück aufgefunden. In unmittelbarer Nähe findet die Polizei Zigarettenstummel und Kot. Es wird festgestellt, dass beides von ein und derselben männlichen Person stammt. Diese Person ist im DNA-Bestand der Polizei vorhanden und u.a. wegen Gewalttaten aufgefallen. Die Person gerät in den Status eines Verdächtigen. Sie macht unschlüssige Angaben zum Aufenthalt am Ort. Die Person erhält einen Haftbefehl und kommt in U-Haft. Um es kurz zu machen, nach 17 Tagen wird die Person wieder entlassen, der tatsächliche Täter wurde gefasst.
Ich kann nur sagen, jeder sollte froh sein, dass wir ein solches Rechtssystem haben und dass jeder das Recht auf Verteidigung hat. Deswegen ist deine Bemerkung, dass die Justiz dazu verpflichtet ist, die Tat zu beweisen ja widersprüchlich. Wer, wenn nicht ein geschulter Fachmann (also Rechtsanwalt) soll den überprüfen, ob die Beweise auch stichhaltig sind und vor allen Dingen auch rechtmäßig erlangt wurden. Frage dich doch mal selbst, ob du im Falle eines Falles vor einem Gericht sitzen möchtest, in der Hoffnung, dass schon alles prima laufen wird.
Gruß kutte