Wir reisten Mitte August zu einer 3-wöchigen Zugreise durch Südafrika, Botswana, Simbabwe, Sambia und Tansania. Alles klang sehr vielversrechend und wurde unter einem hohen Reisepreis als Luxusreise verkauft. Vorab ein großes Lob an das Zugpersonal, welches wirklich alles menschliche unternommen hat, trotz der folgenden Mängel, es uns so angenehm wie möglich zu gestalten. Und ein dickes Kompliment an alle in der Küche, die auf so engem Raum täglich zwei abwechslungsreiche und wirklich leckere Menus zu zaubern vermochten. Bravo...
Die Auswahl der Hotels und Lodges zu dieser Reise waren entsprechend dem Preis sehr gut, mit Ausnahme des Victoria Falls Hotels (nur gegen Aufpreis buchbar), welches als Gebäude sehr schön war, aber der Service unterirdisch.
Die Safaris waren der Hammer, besonders auf der Lodge im Madikwe NationalPark. Dort sieht man quasi alle big fives.
Und das war es auch schon an positiver Bewertung. Denn die Reise im Zug war teilweise unerträglich.
Der Zug ist historisch renoviert im Stil der 20er/30er Jahre, zum Teil noch in originaler Ausstattung. Allerdings fährt der Zug auch noch auf Gleisen aus dieser Zeit oder eventuell noch älter. Das Geruckel und Geschüttel verbunden mit einem sehr hohen Geräuschpegel durch Eigengeräusche des Zuges oder der Gleise, oder der quietschenden Bremsen, machte das Reisen schon nach 3 Tagen zu einer echten Herausforderung. Durch das Reisebüro wurde uns zugesagt, dass wir in der Nacht des Öfteren anhalten werden, um einen angenehmen Schlaf zu haben. Leider wurde auch die Nacht durchgefahren, so dass wir 24 Stunden, 7 Tage die Woche mit diesem Umstand reisen mussten, welcher nach 3 Wochen zu einem echten Schlafmangel führte. Die Enge des Zuges auf den Gängen, auf denen man täglich hin und her geschleudert wurde, haben bei vielen Reisenden, auch uns, zu echten Schulterproblemen und blauen Flecken geführt. Der Zug musste über weite Strecken immer von innen vergittert werden, "um keine Begehrlichkeiten bei der Bevölkerung zu wecken". Auch in unserer 10m² Suite sollte das stattfinden. Das hat sehr oft das Gefühl eines Stalls aufkommen lassen. Die Gitter waren aus Metall und haben kaum Tageslicht herein gelassen. Das Zimmer selbst war hübsch eingerichtet, aber auf Grund von Platzmangel eher spartanisch. Ablageflächen waren Mangelware. Das Bad hatte in der Ecke ein kleines Waschbecken aus Metall mit einen Wasserhahn, der sich nur durch Druck auf kalt und heiß bedienen ließ, allerdings nur 5 Sekunden Wasser spendete. Das duschen war soweit in Ordnung, beonders wenn der Zug kurz anhielt. Der Zug ist fast 500m lang, die beiden Speisewagen befinden sich in der Mitte und der Wagen mit der Plattform nach draußen, wie sollte es anders sein, am Ende des Zuges. Je nachdem wo sie während der Reise wohnen, laufen Sie entweder mehr als 12000 Schritte am Tag oder müssen alles gut planen. Auf die Ausflüge möchte ich nicht weiter eingehen, da hier eher der Zug bewertet werden soll. Die Aussage "Lassen Sie sich auf ein Abenteuer ein, sie werden entschleunigen"... NEIN !!!
Sie werden mehr gestresst sein, allein schon durch Schlafmangel, durch diverse Epidemien wie Erkältungswellen und Magen-Darm-Erkrankungen, die sich durch mangelnde Hygiene an Bord, rasant ausbreiten. "Wasser ist ein hohes Gut und Mangelware", so der Satz zu Beginn der Reise. Alle zwei Tage wird hoffentlich frisches und gutes Trinkwasser getankt, welches dann für Reinigung, Duschen und Wäscheservice genutzt wird. Auf den letzten Metern der Reise stank das Wasser nur noch.
Noch kurz zwei Anmerkungen.
Im Zug gibt es mittlerweile Wifi, welches aber lächerlicherweise in den öffentlichen Räumen ausgeschaltet bleibt, auf Anweisung des Betreibers des Zuges.
Zum Dinner wird Abendgarderobe sehr gern gesehen, aber es gibt offensichtlich unterschiedliche Auffassungen, wie diese aussehen soll. Tragen Sie wenigsten eine lange Hose meine Herren und ein schönes Hemd....Danke.
Zum Essen gab es ausdrücklich nur Südafrikanische Weine, die sich nach ca. 4Tagen wiederholten. Eher durchschnittlich, aber das ist Geschmackssache. An der Bar war das Angebot auch eher besserer Durchschnitt, man hatte ein wenig den Eindruck, das es eine persönliche und preisgünstige Auswahl des Betreibers des Zuges war. Wasser in kleinen Flaschen gab es immer und überall. Die Tochter des Betreibers ist auch hier die Besitzerin der Herstellungsfirma. Smile.
Alles in Allem... das Unternehmen bedarf dringend des Überdenkens, ob man nicht in eine bessere Wagentechnik investieren sollte, wenn schon seitens der Staaten keine Verbesserung der Gleise stattfinden kann. Es gibt Möglichkeiten, die Waggons akustisch zu isolieren, Bremsen und Federn zu modernisieren. Oder auf diese Strecke von fast 6000 km zu verzichten ...
Afrika sehr gerne wieder (ohne diesen Zug deutlich günstiger, auch im Luxussegment), aber nicht mehr im Zug.....Schade!
germane35
@germane35
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3 Wochen mit dem Zug durch den Süden Afrikas (Rovos Rail)