Die meisten Urlauber auf Gran Canaria zieht es in den Süden, in die bekannten Ferienorte wie Playa del Ingles. Aber war das schon immer so? Wann und wo gab es die ersten Urlauber auf Gran Canaria? Der Boom des Tourismus hier im Süden begann in den 1960er Jahren, ursprünglich zog es aber die Urlauber zu einem anderen Ziel auf der Insel, nämlich in die Hauptstadt Las Palmas. Die Geschichte des Hafens ist eng mit dem Beginn des Tourismus verknüpft. Las Palmas war eine Drehscheibe zwischen Europa, Afrika und Amerika. Waren es jahrhundertelang nur Waren, die mit den Schiffen transportiert wurden, so kam ab der Mitte des 19. Jahrhunderts die Beförderung von Personen hinzu. Besonders die Engländer, die damals regen Handel mit Gran Canaria trieben, schätzten diese Art zu reisen. So könnte man sie als die Pioniere des Tourismus hier bezeichnen.
Waren es zunächst nur Menschen, die Einblicke in neue Kulturen suchten, so kamen in der Zeit um 1920 die ersten Erholungsreisenden. Sie genossen das ganzjährig milde Klima, es wurden auch Kurbäder eingerichtet. Das Überwintern wurde beliebt, die wohlhabenden Engländer genossen ihren Urlaub in luxuriösen Hotels wie dem Santa Catalina in Las Palmas. Dies warb sogar in einer Londoner Zeitung und bezeichnete sich als Hotel im englischen Stil mit Billard- und Raucherräumen. Mit dem Real Club de Golf de Las Palmas entstand der erste Golfplatz Spaniens. Auch andere Sportarten wie Cricket und Tennis eroberten die Insel. Neben sportlichen Aktivitäten waren auch Ausflüge beliebt, um Natur und Kultur zu entdecken. Es entstanden in Las Palmas - außer den Hotels – internationale Restaurants, Bars, Mode- und Schuhgeschäfte, Banken und vieles mehr. Die Frauen konnten sich zunächst für das Strandleben nicht so begeistern, denn sie waren es zu der Zeit nicht gewohnt, viel Haut zu zeigen. So waren es im Anfang nur die Männer, die ein Sonnenbad nahmen. Dann kam Schwimmbekleidung für die Frauen in Mode, zunächst mit reichlich Stoff, der im Laufe der Zeit immer weniger wurde.
Durch die beiden Weltkriege und den Spanischen Bürgerkrieg geriet der Tourismus ins Stocken. Erst in den 1950er Jahren konnte die Tourismusbranche die ersten bedeutenden Besucherzahlen verzeichnen. Es kamen weitere Nationalitäten auf die Insel wie die Deutschen und die Schweden. Der Tourismus dehnte sich in Richtung Süden aus. In den 1960er Jahren begann der Massentourismus, nachdem im Jahre 1957 das erste Charterflugzeug auf Gran Canaria landete. Es handelte sich um eine Maschine der schwedischen Fluggesellschaft Transair AB. Die meisten Urlauber kamen, um Sonne, Strand und Meer zu genießen. Alejandro del Castillo y Bravo de Laguna war die bedeutendste Person bei der Entwicklung des Tourismus im Süden. Die Gesellschaft „Maspalomas Costa Canaria“ wurde durch ihn gegründet.
Es wurde eine notwendige Infrastruktur geschaffen und es entstand Maspalomas mit seinen heute bekannten Ortsteilen wie Playa del Ingles und San Agustin. Letzterer wurde besonders von den Schweden bevorzugt, es entstanden Apartmentanlagen, eine schwedische Kirche und Schule. Im Jahre 1968 wurde der Golfplatz von Maspalomas, der an den Dünen liegt, eröffnet. Ein Jahr später öffnete Sioux City als erster Themenpark Spaniens seine Pforten. Playa del Ingles etablierte sich schnell zu einem Lieblingsziel der deutschen Urlauber. Neben großen Hotels und Apartmentanlagen entstanden Shoppingcenter mit deutschen Restaurants und Kneipen. Im Jahre 1970 eröffnete das heute immer noch beliebte Shoppingcenter Cita, in dem es sogar eine deutsche Kneipenstraße gibt. Darüber hinaus entstanden im gesamten Ort Playa del Ingles zahlreiche Bars und Diskotheken, die ein reges Nachtleben versprachen.
Mit dem Ausbau der internationalen Flugverbindungen entwickelte sich der Massentourismus. Neben Maspalomas entstanden weitere Urlaubsorte wie Puerto Rico und Puerto de Mogan. Heute ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle auf Gran Canaria. Sicherlich ist das gute Klima der wichtigste Grund für die Urlauber. Es gibt aber – neben den Strandurlaubern – auch andere Feriengäste, die sich beispielsweise beim Wellnessurlaub erholen wollen. Aktive Menschen können einen Golfurlaub buchen oder im Winter die Insel mit dem Rad erkunden. Sehr beliebt sind auch Landurlaube, dazu stehen Casas Rurales – Landhäuser – zur Verfügung. Sie sind perfekt, für Wanderer, auf sie wartet ein rund 300km großes Wanderwegenetz. So hat sich Gran Canaria zu einem vielseitigen Urlaubsziel entwickelt.




