Geheimtipps abseits der Touristenströme
Die schönsten Panoramafahrten durch die Serra de Tramuntana auf Mallorca
Valldemossa, Sóller, Cap Formentor – wer auf Mallorca die Serra de Tramuntana erkunden will, bekommt immer dieselbe Liste. Und ja, die Orte sind schön. Aber sie sind auch voll. Autoschlangen im Juli, Selfie-Staus an den Aussichtspunkten, Tagestouren im Pulk. Dabei hat das Tramuntana-Gebirge so viel mehr zu bieten: Straßen, auf denen Du fährst, (fast) ohne anderen TouristInnen zu begegnen. Dörfer, in denen die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Buchten, für die man sich den Weg verdienen muss – und die es einem danken mit herrlichem Wasser.
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Estellencs – Wo das Dorf ins Meer mündet
Das Dorf zieht sich am Hang des Puig des Galatzó hinauf. Von der Kirche gehen gepflasterte und teilweise labyrinthartige Gassen aus, und der Ort mündet bei Cala Estellencs am Meer.
Nur rund 300 Einwohner leben hier zwischen Terrassenfeldern und Olivenhainen. Der Ort hat eine eigene kleine Badebucht und ein paar urige Restaurants mit lokaler Küche. Genau der Typ Ort, an dem man mittags einkehrt und abends noch immer sitzt.
Der Kirchturm in diesem Ort war übrigens kein gewöhnlicher Kirchturm: Er diente als Verteidigungsturm gegen Piratenangriffe. Die gesamte Westküste der Tramuntana ist durchzogen von solchen Geschichten und von den Türmen, die sie erzählen.
Banyalbufar – Das Terrassendorf, das die meisten einfach durchfahren
Nur 25 Kilometer von Palma entfernt, und trotzdem: Die meisten Mallorca-UrlauberInnen kennen Banyalbufar nicht einmal dem Namen nach. Das Dorf klebt an den Hängen der Tramuntana und unter ihm fällt das Gelände in terrassierten Stufen zum Meer ab. Marjades nennen sich diese Trockensteinterrassen, angelegt von den Mauren im 10. Jahrhundert. Es sieht aus wie eine riesige Treppe, die direkt aus dem Mittelmeer herauswächst.
Die Straße durch das Dorf, ein kurzer Abzweig der MA-10, gibt ein gemächliches Tempo vor. Gut so, denn wer sich Zeit lässt, findet gepflasterte Gassen, einen mittelalterlichen Wehrturm und das tiefste Schweigen, das man auf Mallorca noch finden kann.
Kurz hinter Banyalbufar, Richtung Estellencs, lohnt sich ein Stopp am Torre de Ses Ànimes: ein Piratenwachturm aus dem Jahr 1579, der heute als Aussichtspunkt dient. Von hier genießt Du einen faszinierenden Blick auf die Nordwestküste. Ohne Geländer, ohne Eintrittsgeld, ohne andere Menschen.
Wer auch noch schwimmen möchte: Die Cala Banyalbufar zählt zu den wenigen Buchten im Welterbe Tramuntana, in der man in kristallklarem Wasser baden kann. Der Zugang führt über eine steile Treppe, Gastronomie gibt es keine. Dafür: kaum Betrieb.
Puigpunyent – Das Dorf im Orangental
Der Name Puigpunyent stammt von dem Puig del Galatzó und bedeutet "spitzer Berg". Das Dorf ist umgeben von Tälern voller Orangen- und Mandelbäume und Terrassen, auf denen Jahrhunderte alte Olivenbäume wachsen.
Puigpunyent liegt abseits der MA-10, ein paar Kurven ins Innere. Wer hierher kommt, tut das bewusst – und wird belohnt mit einem Ort, der nicht auf Tourismus ausgerichtet ist. Die Dorfbar am Platz, die alten Männer beim Kartenspiel, der Geruch nach Holz und Mandelbaumblüte. Das gibt es noch, auf Mallorca.
Monestir de Miramar – Ein Kloster, das die Postkarten vergessen haben
Zwischen Valldemossa und Deià, direkt an der MA-10, liegt ein Abzweig, den die meisten Reisenden nicht nehmen: der zum Monestir de Miramar. Es wurde gegründet als Sprachschule, später war es im Besitz von Erzherzog Ludwig Salvador. Heute ist es ein Ort der Stille mit traumhaften Blicken aufs Meer. Das Beste sind die Außenanlagen: alte Zypressen, versteckte Bänke und Aussichtspunkte, an denen man Mallorca ganz für sich hat.
Der Erzherzog, eine der schillerndsten Figuren der Inselgeschichte, hat die Tramuntana mehr geprägt als fast jeder andere. Sein Anwesen Son Marroig, sein Forscherdrang, seine Zuneigung zu dieser Landschaft: all das klingt hier nach, wenn man dort sitzt und aufs Meer schaut.
Barranc de Biniaraix – Die schönste Wanderung, von der keiner spricht
Wer Mallorca mit Strandurlaub verbindet, vergisst manchmal, dass hier echte Berglandschaft wartet. Der Barranc de Biniaraix ist eine Schlucht hinter dem Dörfchen Biniaraix, einem winzigen Weiler bei Sóller, den die meisten Besucher schlicht nicht auf dem Radar haben.
Der Wanderweg durch die Schlucht führt auf alten Trockensteinpfaden steil nach oben, vorbei an uralten Olivenbäumen und plätschernden Rinnsalen. Der Barranc de Biniaraix gehört zu den Wanderungen, die in der Serra de Tramuntana zuerst empfohlen werden, zumindest unter denen, die ihn kennen. Der Weg ist gut markiert, aber nicht ausgebaut. Gutes Schuhwerk ist hier Pflicht.
Biniaraix selbst ist kaum mehr als eine Handvoll Häuser um einen kleinen Platz. Wer hier ankommt und den Motor abstellt, hört: Vögel. Wasser. Wind.
Caimari und das Olivenöl-Hinterland
Wer die Tramuntana nur von der Küste kennt, kennt sie halb. Die Ostflanke des Gebirges – rund um Selva, Caimari und Moscari – ist ein anderes Mallorca: sanfter, stiller, duftender nach Mandeln und Olivenöl.
Diese ausgedehnte Gemeinde ist in vier Ortskerne aufgeteilt, die Tradition mit der Schönheit der Landschaft verbinden. Selva ist Durchgangsort für zahlreiche Radfahrende und Wandernde, die in die Serra de Tramuntana hineinfahren. Caimari wiederum ist bekannt für sein exzellentes lokales Olivenöl. Hier gibt es kleine Agrartourismusbetriebe, die Verkostungen anbieten und kaum einen deutschen Gast kennen.
Die Straße von Caimari hinauf Richtung Lluc ist ein Geheimtipp: Mandelblüte im Januar, Grün im Frühling, goldenes Licht im Oktober. Und fast immer: keine Touristenbusse.
Praktische Tipps für die abseits gelegenen Ecken
Wann fahren? Frühling (März–Mai) und Herbst (Oktober–November) sind ideal. Die kleinen Dörfer sind ohnehin ruhig, aber in der Hochsaison wächst selbst der Verkehr auf der MA-10. Im Winter kannst Du die ganze Westküste fast für Dich allein haben.
Welches Auto? Die Straßen sind eng, teilweise sehr eng. Ein Kleinwagen ist klar im Vorteil gegenüber einem SUV. Gerade in Banyalbufar und Estellencs, wo man manchmal auf entgegenkommende Fahrzeuge wartet.
Navigation: Viele der kleinen Abzweige (Miramar, Biniaraix, Caimari) sind nicht gut beschildert. Offline-Karten vorher laden, denn das Netz in den Bergen ist unzuverlässig.
Zeit einplanen: Gerade weil diese Orte keine ausgebaute Tourismusinfrastruktur haben, braucht man mehr Zeit. Kein Parkplatz um die Ecke, keine Schnellgastronomie. Dafür: echte Entschleunigung.
Die Serra de Tramuntana ist UNESCO-Weltkulturerbe – nicht wegen Valldemossa und Formentor, sondern weil hier eine Kulturlandschaft erhalten geblieben ist, die anderswo längst verschwunden wäre. Wer abbiegt, wer anhält, wer fragt – der findet sie noch.
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