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Ein Landwirt  steht zwischen seinen Weinreben in Griechenland. Die Weinreben tragen Trauben.
© gettyimages.com - Thanasis Zovoilis

Unterwegs zur Weinlese

Weinlese & Herbstlaub: Dieser Roadtrip führt durch Europas schönste Weinregionen

Mosel, Rheingau, Wachau, Südtirol und Piemont – im September und Oktober zeigt sich Europa entlang dieser Route von einer besonders schönen Seite. Zwischen Rieslinghängen und kleinen Winzerdörfern führt dieser Roadtrip durch fünf wunderschöne Weinregionen in Europa.

Der Herbst beginnt hier nicht mit grauen Tagen, sondern mit vollen Traubenkisten. In den Weinbergen läuft die Lese, Traktoren fahren zwischen Reben und Kellern hin und her und an vielen Hängen wechseln die Blätter langsam von Grün zu Gelb, Orange und Rot. Gleichzeitig wird es auf den Straßen ruhiger. Die große Sommerreisezeit ist vorbei, während die Tage häufig noch mild genug sind, um draußen zu sitzen und durch Weinberge zu wandern.

Für einen Roadtrip ist diese Zeit deshalb ideal. Die Strecke verbindet fünf sehr unterschiedliche Weinlandschaften: die Schleifen der Mosel, den Rhein im Rheingau, die Region bei Wachau, die Weinberge vor der Südtiroler Bergkulisse und schließlich die Hügel des Piemonts. Für die komplette Reise lohnt es sich, rund zwei Wochen einzuplanen.

Mosel: Umgeben von Weinbergen

Der Roadtrip beginnt an der Mosel. Schon die Fahrt durchs Tal zeigt, warum ein Auto hier praktisch ist: Die Straße folgt über weite Strecken dem Fluss, verschwindet hinter einer Biegung und taucht kurz darauf zwischen Weinbergen und kleinen Orten wieder auf. Über dem Wasser stehen Reben an Hängen, die teilweise so steil sind, dass kaum vorstellbar ist, wie hier überhaupt gearbeitet werden kann. Die Mosel ist Deutschlands älteste Weinregion und zugleich das größte deutsche Anbaugebiet mit Steillagen. Vor allem Riesling prägt die Weinberge. Ein guter Einstieg ist Cochem. Anschließend folgt die Straße der Mosel Richtung Süden über Beilstein, Traben-Trarbach und schließlich nach Bernkastel-Kues. Einer der sehenswertesten Abschnitte liegt bei Bremm. Hier windet sich die Mosel in einer engen Schleife um den Calmont. Der Weinberg zählt zu den steilsten Weinanbaugebieten Europas.

Wann findet die Weinlese an der Mosel statt?

Wer möglichst viel von der Lese mitbekommen möchte, tut gut daran gegen Ende September oder im Oktober zu kommen. Die Ernte beginnt an Mosel, Saar und Ruwer üblicherweise Ende September und kann sich bis in den November ziehen. Der genaue Zeitpunkt hängt allerdings immer vom Wetter, von der Lage, der Rebsorte und vom gewünschten Reifegrad ab. Für Übernachtungen bieten sich Cochem, Traben-Trarbach oder Bernkastel-Kues an. Wenn Du Dich dafür entscheidest zwei oder drei Nächte zu bleiben, hast Du außerdem Zeit für eine Wanderung durch die Weinberge oder einfach um die Gegend zu erkunden.

Ideal für: RieslingliebhaberInnen
Beste Zeit: Ende September bis Mitte/Ende Oktober
Zeit vor Ort: zwei bis drei Tage

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Frau vor einer Wandertafel auf der rechten Seite des Bildes, grüne Landschaft im Hintergrund
Wandern im Rheingau, Hessen, Deutschland © stock.adobe.com - riebevonsehl

Vom Moseltal in den Rheingau

Von der Mosel geht es weiter Richtung Rhein. Landschaftlich verändert sich die Gegend dabei deutlich. Das Moseltal wirkt vielerorts eng und verschlungen, während sich der Rhein im Rheingau breiter durch die Landschaft zieht. Ein guter Ausgangspunkt ist Rüdesheim am Rhein. Von hier kannst Du zunächst einen Abstecher nach Assmannshausen machen. Anschließend geht es über Geisenheim und Oestrich-Winkel weiter nach Eltville. Wer etwas mehr Zeit hat, kann außerdem das Kloster Eberbach besuchen. Im Rheingau wird vor allem der Riesling produziert. Prozentual findest Du dort den höchsten Rieslinganteil unter den deutschen Weinregionen. Rund um Assmannshausen spielt auch der Spätburgunder eine wichtige Rolle.

Für einen Roadtrip praktisch: Die Rheingauer Riesling Route verbindet auf rund 120 Kilometern zahlreiche Weinorte, Sehenswürdigkeiten und Weingüter miteinander. Man muss ihr nicht vollständig folgen. Nach Interesse kann man sich auch einzelne Abschnitte herauszugreifen und die Gegend in Ruhe erkunden.

Ideal für: Riesling, Spätburgunder, Burgen und Rheinblicke
Beste Zeit: September und Oktober
Zeit vor Ort: ein bis zwei Tage

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Eine Gruppe mit Weingläsern bei einem wine tasting.
Probiere dich durch die Weinauswahl! © stock.adobe.com - Tom Merton/KOTO

Wachau: durch die Weinberge entlang der Donau

Nach den beiden deutschen Weinregionen folgt ein längerer Fahrtag Richtung Österreich. Das nächste Ziel ist die Wachau, der Abschnitt des Donautals zwischen Melk und Krems. Auch hier gibt der Fluss die Route vor. Anders als an der Mosel stehen zwischen den Weinbergen jedoch immer wieder sehenswerte Klöster, Burgruinen und kleine Orte. Die Kulturlandschaft der Wachau gehört zum UNESCO-Welterbe. Zu ihren charakteristischen Rebsorten zählen vor allem Grüner Veltliner und Riesling. Für einen Roadtrip bietet sich die Strecke von Melk über Spitz und Weißenkirchen nach Dürnstein und Krems an.

Melk ist ein guter Startpunkt für die Fahrt durch die Wachau. Von hier führt die Straße an der Donau entlang weiter nach Spitz, Weißenkirchen und Dürnstein. Unterwegs liegen Weinberge direkt an den Hängen über dem Fluss, dazwischen kleine Orte und immer wieder schöne Ausblicke auf die Donau. Die Strecken zwischen den Orten sind kurz, sodass sich Stopps gut einplanen lassen. Du kannst durch die Weinberge spazieren, an einem Aussichtspunkt anhalten oder einkehren. Gerade im Herbst lohnt es sich, für die einzelnen Orte und die Landschaft etwas mehr Zeit einzuplanen.

Weinherbst in der Wachau

Der Herbst gehört zu den schönsten Reisezeiten der Region. In Spitz findet 2026 beispielsweise vom 4. September bis 26. Oktober der Spitzer Weinherbst mit verschiedenen Veranstaltungen statt. Landschaftlich wird die Wachau im Laufe des Oktobers immer interessanter. Zwischen Donau, Trockenmauern und Reben treten dann Gelb-, Orange- und Rottöne immer stärker hervor.

Charakteristische Weine: Grünen Veltliner, Riesling
Beste Zeit: Mitte September bis Ende Oktober
Zeit vor Ort: zwei Tage

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Olang, Südtirol © stock.adobe.com - Gunar

Über die Alpen nach Südtirol

Hinter der Wachau verändert sich der Roadtrip aufs Neue. Die Donau bleibt zurück, die Berge rücken näher und es geht es nach Südtirol. Das Ziel ist die Südtiroler Weinstraße, die von Nals über Bozen bis nach Salurn im Süden führt. Entlang der Strecke liegen Weinberge, Obstgärten und zahlreiche kleine Weinorte. Ein schöner Ort um seine Unterkunft zu wählen, ist Kaltern am See. Von hier lassen sich unter anderem Tramin, Kurtatsch, Margreid, Eppan und der Kalterer See erreichen. Auch Bozen liegt nur einen Abstecher entfernt. Der Kontrast zur Wachau ist groß. Hinter den Weinbergen steigen unmittelbar die Berge auf, dazwischen stehen Zypressen, Apfelbäume und alte Bauernhöfe. An sonnigen Oktobertagen kann es unten im Tal noch angenehm mild sein, während auf den höheren Gipfeln bereits Schnee liegt.

Weinlese und Südtiroler Herbsttraditionen

In Südtirol fällt der Roadtrip mitten in die Erntezeit. Die Weinlese beginnt in tieferen Lagen bereits Anfang September und dauert in höheren Weinbergen ungefähr bis Mitte Oktober. Der genaue Verlauf verändert sich naturgemäß von Jahr zu Jahr. Hinzu kommt eine zweite Südtiroler Herbsttradition: das Törggelen. Von Anfang Oktober bis Ende November öffnen zahlreiche Bauernhöfe ihre Stuben, vor allem dort, wo Wein und Kastanien wachsen. Traditionell gehören junger Wein beziehungsweise Most, Kastanien und kräftige Südtiroler Gerichte dazu. Für Deinen Roadtrip ist deshalb der Zeitraum zwischen Anfang und Mitte Oktober besonders gut geeignet. Auch landschaftlich lohnt sich der Oktober. Weinberge und Kastanienhaine verfärben sich, während die Luft an klaren Tagen schon deutlich kühler und die Fernsicht oft hervorragend ist.

Beste Zeit: Ende September bis Mitte/Ende Oktober
Zeit vor Ort: zwei bis drei Tage

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In Kitzbühel können Urlauberinnen und Urlauber mit besonderen Weinen der Region Piemont bei Kitz Kulinarik x Piemont anstoßen. © Kitzbühel Tourismus
In Kitzbühel können Urlauberinnen und Urlauber mit besonderen Weinen der Region Piemont bei Kitz Kulinarik x Piemont anstoßen. © Kitzbühel Tourismus

Piemont: Finale zwischen Barolo und Barbaresco

Der letzte Abschnitt führt von Südtirol weiter ins Piemont. Je näher Du Alba und den Langhe kommst, desto mehr bestimmen Weinberge und Hügel die Landschaft. Das Ziel ist die Weinregion Langhe rund um Alba, Barolo, La Morra, Monforte d’Alba und Barbaresco.

Die schönsten Straßen sind oft die kleinen Verbindungen über die Hügel. Hinter jeder Kurve sichtest Du ein anderes Dorf, ein Schloss oder eine neue Reihe von Weinbergen. Teile der Weinlandschaften von Langhe-Roero und Monferrato gehören seit 2014 zum UNESCO-Welterbe. Zu den berühmtesten Weinen der Region zählen Barolo und Barbaresco, beide auf Basis der Nebbiolo-Traube. Daneben gehören unter anderem Barbera, Dolcetto, Roero Arneis und Moscato zu den wichtigen piemontesischen Weinen. Insgesamt ist damit die Weinwelt des Piemonts deutlich vielfältiger als nur Barolo.

Rund um Barolo

Alba ist ein guter Ausgangspunkt für mehrere Tage. Von hier sind es nur kurze Strecken in die umliegenden Weinorte. Eine besonders schöne Runde führt zunächst nach La Morra. Der Ort liegt hoch über den Weinbergen und bietet einen weiten Blick über die Langhe. Anschließend geht es hinunter nach Barolo und weiter über die Hügel nach Monforte d'Alba. Für einen zweiten Tag bietet sich die andere Seite von Alba an. Rund um Barbaresco und Neive liegen weitere berühmte Nebbiolo-Weinberge. Im Oktober ist die Landschaft besonders schön. Morgens liegt oft Nebel zwischen den Hügeln, während nur die höher gelegenen Dörfer aus dem Weiß herausragen. Später am Tag löst sich der Nebel langsam auf und gibt den Blick auf die Weinberge frei, die in herbstlichen Rot- und Gelbtönen leuchten.

Wein und weiße Trüffel

Der Herbst bringt noch einen zweiten Grund ins Piemont zu reisen: Trüffel. In den Wäldern der Langhe werden im Herbst Trüffel mit speziell ausgebildeten Hunden gesucht. Damit wird gerade der Oktober kulinarisch zur spannendsten Reisezeit. Tagsüber führen die Straßen durch verfärbte Weinberge, abends stehen Risotto, Pilze, Trüffel und die Weine der Region auf den Speisekarten. Wenn Du Weingüter besuchen möchtest, lohnt es sich in jedem Fall vorab Termine zu vereinbaren. Während der Lese haben die Produzenten viel zu tun und spontane Besuche sind nicht überall möglich.

Beste Zeit: Oktober
Zeit vor Ort: drei Tage oder länger

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Gemeinsame Zeit bei einem Gläschen Wein © minastefanovic - stock.adobe.com
Gemeinsame Zeit bei einem Gläschen Wein © minastefanovic - stock.adobe.com

Wann ist der beste Zeitpunkt für den gesamten Roadtrip?

Wenn die Reise alle fünf Regionen verbinden soll, ist Ende September bis etwa Mitte Oktober die beste Reisezeit. An der Mosel beginnt die Hauptlese häufig erst Ende September, während sie in Südtirol bereits seit Anfang September laufen kann. Wenn Du hautsächlich an der Weinlese interessiert bist, ist auch Ende September noch ein guter Startpunkt für Deine Reise. Eine Garantie für die perfekte Reisezeit gibt es allerdings nicht. Temperatur, Niederschläge und Höhenlage beeinflussen sowohl die Traubenreife als auch die Laubfärbung von Jahr zu Jahr erheblich.

Mögliche Route für zwei Wochen

Tag 1–3: Mosel – Cochem, Bremm, Traben-Trarbach, Bernkastel-Kues
Tag 4–5: Rheingau – Rüdesheim, Assmannshausen, Eltville
Tag 6: längere Weiterfahrt Richtung Österreich
Tag 7–8: Wachau – Melk, Spitz, Weißenkirchen, Dürnstein
Tag 9: Fahrt Richtung Südtirol
Tag 10–11: Südtiroler Weinstraße – Bozen, Eppan, Kaltern, Tramin
Tag 12: Fahrt ins Piemont
Tag 13–15: Langhe – Alba, La Morra, Barolo, Monforte, Barbaresco

Falls Du nur eine Woche Urlaub hast, lassen sich zum Beispiel Mosel und Rheingau sehr gut zu einem eigenen Roadtrip kombinieren. Auch Wachau und Südtirol ergeben zusammen eine abwechslungsreiche eigenständige Route. Für das Piemont allein lohnen sich bereits vier oder fünf Tage. Falls das für Dich also besser passt, kannst Du Dir problemlos einen kürzeren Roadtrip zusammenstellen. Dann bleibt nur noch die Qual der Wahl, welche Route es am Ende sein soll.

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Sebastian Fürst bei der Weinlese per Hand
Schnipp, schnapp: Sebastian Fürst bei der Weinlese per Hand © www.bayern.by Gerd Krautbauer

Letzte Tipps vor Deinem Weinroadtrip

Ein Roadtrip durch Weinregionen verlangt ein wenig andere Planung als eine klassische Rundreise. Vor allem Weinproben sollten vorher organisiert werden. Viele Weingüter sind kleine Familienbetriebe und während der Lese besonders beschäftigt. Öffnungszeiten, die außerhalb der Ernte gelten, müssen im September und Oktober nicht automatisch gelten. Auch beim Gepäck lohnt sich etwas Flexibilität. Während es im Piemont oder in Südtirol tagsüber noch angenehm warm sein kann, sind kalte Morgen und deutlich frischere Abende möglich. In höheren Alpenregionen kann im Oktober außerdem bereits winterliches Wetter auftreten.

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Wenn beim nächsten Roadtrip keine Fragen offen sind, hebt das die Stimmung. © Lacheev/iStock via Getty Images
Wenn beim nächsten Roadtrip keine Fragen offen sind, hebt das die Stimmung. © Lacheev/iStock via Getty Images

Fünf Regionen, fünf völlig unterschiedliche Herbstlandschaften

Dieser Roadtrip folgt zwar fast durchgehend dem Wein, wiederholt sich landschaftlich aber kaum. An der Mosel kleben die Reben an steilen Schieferhängen über engen Flussschleifen. Im Rheingau öffnet sich die Landschaft zum Rhein. In der Wachau wechseln sich Donau, Terrassenweinberge und schnuckelige Orte ab. Südtirol verbindet Reben und Kastanien mit einer einzigartigen Bergkulisse. Und im Piemont endet die Reise zwischen einigen der berühmtesten Weinlagen Italiens.

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