Reisetippbewertung Allgemeine Warnung / Gefahr

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Aus: Deutschland
Alter: 56-60
Reisezeit: im Februar 08




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Nepper, Schlepper und Gefahren beim Baden

Beachboys sind die berüchtigte Plage in Sri Lanka, da hier besonders dreist und unverschämt. Würde die Regierung den Tourismus ernster nehmen, müsste sie diesem Spuk der Nepper und Schlepper Einhalt gebieten.
In Sri Lanka ist der Tourist auf Fahrten zu den Sehenswürdigkeiten angewiesen. Die spottbilligen Bus- und Bahnfahrten sollte man derzeit sicherheitshalber unterlassen, man braucht ein nicht anschlaggefährdetes Fahrzeug. Die Reisebüros bieten Busse für Kleingruppen im Hotel an, die Beachboys ihre Kleintransporter vor dem Hotel oder am Strand. Der gut Deutsch sprechende Beachboy ist ein Kleinunternehmer, meist mit Angestellten, die für ihn fahren und weit weniger Deutsch beherrschen. Manchmal fährt er selber mit, manchmal schlechtes Personal. Seine Warnungen vor der Konkurrenz, nur er habe eine Lizenz und einen Führerschein, sind gelogen. Niemand kann es sich in Sri Lanka leisten, ohne Lizenz und Führerschein zu arbeiten. Etliche Beachboys sind Leute mit mehr Geld, als die Touristen haben, besitzen mehrere Autos und sind Herr über eine Schwadron Tuktuk-Fahrer. Wenn sie die Tsunami-Opfer-Karte spielen, wird es regelrecht peinlich. Man kann übrigens davon ausgehen, dass keines der bettelnden Tsunamiopfer wirklich eins ist, denn die echten Opfer betteln nicht.
Begibt sich der Tourist nach der Ankunft an den Strand, sind in manchen Fällen seine Daten vom Hotel schon an die Beachboys durchgegeben worden. Auf jeden Fall wird der Hotelausgang ständig observiert und Neuankömmlinnge werden nach ein paar Schritten bereits angesprochen. Where are you from - das ist wichtig für die Höhe der Preise. Deutschsprachige gelten als freigiebig, da setzt man die Angebotspreise sehr hoch an, Briten gelten als knausrig, dort macht man bessere Angebote. How long do you stay - hier geht es um die Dauer des möglichen Geschäftes. Are you the first time here - eine ganz wichtige Frage, denn Wiederholer sind schwierig. Sie kennen die gängigen Ziele und vor allem die Preise schon, Erstbesucher kann man am besten über den Tisch ziehen. Man sollte deshalb nicht sagen, dass man das erste Mal in SL ist. Are you married - Check für einzelreisende Männer. Kinderprostitution ist ein großes Problem, was auch an riesigen Werbetafeln für Touristen zu sehen ist - "Kein Sex mit Kindern - nehmen Sie das Lächeln unserer Kinder nicht mit nach Hause." Einzelreisende Frauen gelten als Freiwild und dürfen sich energisch durchsetzen.
Was mit unserer Denkweise auch nicht zusammen passt, ist die Meinung des Beachboys, dass der von ihm angesprochene Tourist nun nur noch mit ihm fahren darf. Etwa Preise zu vergleichen begreift er nicht, das ist für ihn Vertragsbruch, obwohl er weder Zusage noch Anzahlung zu einer Fahrt bekommen hat. Die überfließende Freundlichkeit verwandelt sich in primitive Vorhaltungen. Den Kontakt zu "seinem" Touristen versucht er durch täglichen Smalltalk zu halten, der aber immer mehr zur Belästigung wird.
Tuktuk-Fahrer verdienen sich ein Zubrot, indem sie Provision von den Geschäften bekommen, in die sie die Touristen bringen. Es handelt sich nicht um Peanuts, sondern um 30%, die man dem Touristen als Preis aufschlägt. Aber auch wenn er alleine kauft, bezahlt er einen Touristenpreis. Die ärmsten Händler im Landesinneren machen das nicht und man kommt aus dem Staunen nicht heraus, wie billig manche Dinge sind. Wer mit dem Tuktuk-Fahrer zum Gewürzhändler fährt, zahlt nahezu deutsche Preise für mindere Qualität. Die Exportqualitäten bekommt man nicht auf den Märkten, sondern in Deutschland! Gemahlenen Zimt z. B. bekommt man in Sri Lanka nur in der gestreckten Variante, den kaufen nicht mal die Einheimischen.
Sehr gern wird man zu sog. Gewürzgärten gefahren. Der Garten ist nur der Aufhänger für einen immer dazu gehörigen Ayurveda-Shop mit saftigen Preisen für billige Mixturen. Eine laienhafte, kostenlose Rückenmassage soll den Touristen in eine Art Kaufverpflichtung bringen. Es lohnt sich kaum, einen dieser "Gewürzgärten" zu besuchen. Und wenn - dann ohne Massage und ohne Einkauf. Man findet sie so häufig wie die Juweliergeschäfte. Ohne Fachkenntnis begibt man sich dort auf glattes Terrain.
Am Strand laufen ständig Händler herum, die etwas verkaufen wollen. Einer hat uns mal seine Handelsspanne genannt - erschreckend niedrig. Sie ziehen sich schnell zurück, wenn man sein fehlendes Kaufinteresse deutlich macht. Man muss dabei nicht unfreundlich werden. Ein "Epa" - ich will nicht kaufen - ist für sie eindeutig. Nach wenigen Tagen grüßt man sich und sie lassen einen in Ruhe. Uns taten besonders die Frauen mit ihren billigen bunten Tüchern leid, die an einem 10-Stundentag kaum mal was verkauft haben, aber unverdrossen auf jeden Touristen zugingen und ihm ihre Tücher hin hielten.
Natürlich hat man als Europäer die Verpflichtung, nicht als gnadenloser Geizkragen durch die Lande zu ziehen. Man kauft dies und das, obwohl man es nicht braucht. Es gibt auch viele Waisenhäuser in unsäglichem Elend, die man suchen kann, um ein gutes Werk zu tun. Wer das Geld dem reichen Beachboy abverhandelt hat, sorgt für eine gerechte Umverteilung im Land.
Was das Baden angeht - es kann tödlich enden. Die Strände sind meist flach ohne vorgelagertes Riff. Die Brandung rollt in großen Wellen heran. Es macht Spaß, immer weiter auf die Wellen zuzugehen, doch zur heran rollenden Welle gehört eine zurück fließende Unterströmung. Diese reißt problemlos einen Badenden mit sich, wenn er nur tief genug im Wasser steht. Keinesfalls bis Brusttiefe auf die Wellen zugehen! Meist bieten die anderen Badenden eine Orientierung. Wir haben zur Trockenzeit keine gefährliche Situation erlebt. Die tiefe Bucht vor dem Ypsilon-Hotel ist sogar völlig ungefährlich.
Zur Monsunzeit verursachen aber Flussmündungen zusätzliche Verwirbelungen unter Wasser, die auch für gute Schwimmer nicht beherrschbar sind. Gerade die Mündung des Bentota-Flusses am Riverina-Hotel gehört dazu. Eine Wasserwacht gibt es nicht, aber ein in die Unterströmung geratener Badegast hat kaum eine Chance. Von so einem Badeunfall wurde erzählt. Anders ist es bei Oberflächenströmungen. Wer da hinein gerät und weggetragen wird, gefährdet sich höchstens durch Panik. Man muss mit der Strömung schwimmen und dabei schräg nach einer Seite steuern. Irgend wo kommt das Ende der Strömung - und erst wenn man da raus ist, kann man zum Ufer zurück schwimmen. Ein Ankämpfen direkt gegen eine Strömung ist zwecklos, verbraucht Kräfte und kann die Ursache für den Ertrinkungstod sein.


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