Petra (51-55)
Verreist als Paarim Juni 2015für 2 Wochen

Schnorcheln mit Haien am Hausriff des Lahami Bay

4,5/6
Um es gleich vorab zu sagen: Wem es NUR um die Unterwasserwelt und die Chance auf Hai-Sichtungen beim Schnorcheln geht und wer gleichzeitig hauptsächlich Ruhe & Erholung sucht ohne übermäßige Ansprüche an das Hotel zu stellen, dem können wir das Lahami Bay guten Gewissens empfehlen.

Seit fast 20 Jahren führt uns die faszinierende Unterwasserwelt nun schon zum Schnorcheln ans Rote Meer. Von Dahab und Sharm-El-Sheikh über die Makadi Bay und El-Quesier bis (in den letzten Jahren fast nur noch) Marsa Alam waren wir inzwischen fast überall und haben deshalb einen guten Vergleich zu anderen Hotelanlagen und den jeweiligen Schnorchelmöglichkeiten. Über das Hausriff des Hotel Lahami Bay hatten wir im Laufe der Jahre immer wieder begeisterte Urlaubsberichte gehört und gelesen und uns deshalb entschieden, den relativ hohen Preis in Kauf zu nehmen und im Lahami Bay unseren Sommerurlaub 2015 zu verbringen.

Lage & Umgebung6,0
Die große Bucht liegt ganz im Süden der ägyptischen Rotmeerküste, soweit ich weiß ist es derzeit das letzte Hotel vor der Grenze zum Sudan. Die Anfahrt vom Flughafen Marsa Alam dauert ca. 2,5 Stunden; von einem Flug nach Hurghada sollte man besser absehen, außer man liebt endlos lange Busfahrten durch die unendlichen Weiten der Ägyptischen Wüstenlandschaft ;-)
Die Lage des Hotels belohnt einen für die Strapaze der Anreise, wenn man es ruhig und idyllisch mag und auch der sonst in Ägypten nervende Plastikmüll rund um die Hotels hält sich hier noch in Grenzen, da es sich um ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet handelt.
Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass es außerhalb der Anlage keinerlei Infrastruktur gibt – keine Bars oder Geschäfte, keine Apotheke, kein Taxistand, einfach nur nichts…
Rund um die 3 Hotelstrände (Surf-/Bade- und Schnorchelstrand) kann man stattdessen viele Vögel beobachten, darunter auch seltene Möwen- und Seeschwalbenarten, Seeadler und Reiher.
Die Riff-Landschaften rund um die Anlage sind (noch) in recht gutem Zustand und die vielen bunten Korallen sind eine Augenweide. Von dem Fischreichtum waren wir eher enttäuscht, weil wir an anderen Hausriffen in Ägypten schon eine viel größere Anzahl an Fischen angetroffen haben. Wir haben z.B. kaum Muränen, keinen einzigen großen Barracuda, nur vereinzelte Feuerfische und vor allem keine großen Schwärme von Schnappern oder Doktorfischen gesehen, wie wir das sonst aus dem Südlichen Roten Meer kennen. Das soll aber nicht heißen, dass das Schnorcheln uninteressant gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Häufig gesehen haben wir z.B. Fledermausfische, Napoleons in unterschiedlichen Größen, mindestens 2 Schildkrötenarten, am Nordstrand unglaublich riesige Rochen (Leopardenstechrochen, Federschwanzstechrochen, Gitarrenrochen etc.) und wir hatten auch fast jeden Tag unsere Haibegegnung (Schwarz- und Weißspitzriffhaie & ein ausgewachsener Zitronenhai durchstreifen am Hausriff ihr Revier!) Dass wir so wenige Blaupunktrochen gesehen haben, soll daran liegen, dass es hier so viele Haie gibt ;-) Unser absolutes Highlight dieses Urlaubs war jedoch ein Seepferchen in der Seegraswiese – wie lange haben wir darauf gewartet, mal eins zu sehen und zu filmen…

Zimmer6,0
Über die Art der Zimmerbelegung haben wir uns sehr geärgert. Wir hatten beim Buchen die Wahl zwischen Spar-, Standard- und Seafront-Zimmer und entschieden uns für das teuerste, um möglichst nah am Schnorchelstrand zu sein. Der Preisunterschied war nicht unerheblich.
Obwohl ich – wie immer – schon im Vorfeld per Mail mit dem Hotel Kontakt aufgenommen und darum gebeten hatte, ein entsprechendes Zimmer für uns zu reservieren, bekamen wir beim Einchecken ein Seafront-Zimmer am anderen Ende der Anlage zugewiesen. Der Weg von diesem Zimmer zum Schnorcheln hätte mehr als 1 km betragen und hätte von uns mehrmals am Tag bei 35°C im Schatten zurückgelegt werden müssen, da wir uns 2x 1-2 Stunden täglich zum Runterkühlen im Zimmer aufhalten. Frau Wolf, die deutsche Gästebetreuerin, klärte uns darüber auf, dass die Seafront-Zimmer am Schnorchelstrand durch ihre begehrte Lage zu Superiorzimmern werden. Für 20,- EUR Aufpreis pro Tag (hätten wir Standardzimmer gebucht, wären es sogar 40,- EUR gewesen) konnten wir in einem wunderschönen ruhigen Zimmer in bester Schnorchellage einziehen. Da genau diese Vorgehensweise hier in Holiday-Check schon mehrfach erwähnt wurde, muss ich dies als taktischen Schachzug des Hotels verstehen, genau jene Urlauber abzuzocken, die sowieso schon beim Buchen tiefer in die Tasche gegriffen haben, um sich weite Wege zu ersparen. Andere Gäste haben uns berichtet, dass sie vor zwei Jahren ein Sparzimmer und in diesem Jahr ein Seafront-Zimmer gebucht hatten und beide Male Zimmer am „A… der Welt“ bekommen haben; interessanterweise lagen die Zimmer sogar direkt nebeneinander. Um den Superiorzimmern, die eine absolut identische Ausstattung wie die Sparzimmer haben, einen exclusiveren Touch zu geben, bekommt man zur Begrüßung einen Obstteller, eine Flasche Wein und täglich pro Person eine 0,5 Liter Flasche Wasser aufs Zimmer. Alles Quatsch, denn das ist ja sowieso im AI-Angebot enthalten. Die Minibar ist relativ teuer mit 2,25 EUR für eine Cola – irgendwie beknackt, da man die gleichen Dosen an den Bars auch kostenlos bekommt.
Das Zimmer hat uns sehr gut gefallen. Es war sauber und ordentlich – von dem Begrüßungsgeschenk im Bad (einer toten Schabe) mal abgesehen. Der Housekeaper hat gründlich gereinigt und nicht seine Zeit mit Handtuchbasteleien vertrödelt. Genial war die Badezimmer-Gestaltung, denn die separate Toilette mit Bidet war abschließbar, die Badewanne mit Dusche riesig und es gab reichlich Abstellmöglichkeiten. Wir hatten immer heißes Wasser – meistens eher sogar zu heiß. Auch im Zimmer mit King Size Bett gab es endlich mal genug Platz um alles ordentlich unterzubringen: viele Schubladen, Schränke und Ablagefächer. Am vorletzten Tag unseres Urlaubs wurde das alte Fernsehgerät (das besser war als die meisten anderen, die wir bisher in Ägypten hatten) durch einen 80cm-Flachbildfernseher ersetzt. Wir hatten im Zimmer einen eigenen SAT-Receiver und konnten in relativ guter Bildqualität ARD & ZDF schauen – und gefühlte 10 italienische Kanäle…
Der große Balkon war absolut phantastisch konstruiert, denn durch ein vorgezogenes Dach kam da zu keiner Tageszeit die Sonne hin.
Dadurch dass kühle Plätze im Hotel nicht zu finden waren, haben wir uns mehr als sonst im Zimmer aufgehalten und ich kann sagen, dass wir uns in unserem Zimmer sehr wohl gefühlt haben.
Zimmertyp:Doppelzimmer
Zimmerkategorie:Superior
Ausblick:zum Meer/See

Service3,0
Mit dem Service im Lahami Bay waren wir leider nicht so zufrieden, wie wir das sonst aus Ägypten kennen. Es gab nur wenige Kellner, die wirklich den Eindruck machten, als würden Sie uns gerne bedienen. Die meisten wirkten schlecht gelaunt und lustlos. Es ist schon nicht normal, wenn ich beim Frühstück den Kellner höflich um einen weiteren kleinen Löffel für die Grapefruit bitte, ihn noch 3x daran erinnere und dann nach 20 Minuten wütend zum Servicepunkt stapfe, um ihn mir halt selbst zu holen – wo mir besagter Kellner dann den begehrten Löffel mit einem provozierenden Blick wohlwissend schon entgegenhält.

Gastronomie4,0
Die AI-Verpflegung im Lahami Bay lohnt das nähere Betrachten. Wir fanden es super, dass man im Hotel prinzipiell weder Eiswürfel im Glas hatte noch gezapfte Softdrinks in Plastikbechern serviert wurden. Alle Getränke gab es in leicht gekühlten Dosen, Bier in Flaschen und Mineralwasser in 1,5 Liter Flaschen mit Glas problemlos und kostenlos. Obwohl – problemlos? In unserer zweiten Woche stockte irgendwie die Logistik und man konnte die Kellner schon fragen, was es denn derzeit noch im Angebot gibt…
Zum Frühstück gab es Kaffee, der mit Abstand der beste war, den wir bisher in einem Ägyptischen Hotel hatten und kostenlos frisch gepressten Orangensaft! Diesen kann man sich zapfen, wobei in dieser Anlage die Eiswürfel nicht im Saft schwimmen sondern den Saft nur in einer Röhre kühlen. In allen bisherigen Hotels sollte man für gepressten O-Saft meist 3,- EUR berappen, was wir uns dann auch nie gegönnt haben. Hier im Lahami haben wir diesen Luxus gerne genossen.
Ebenfalls einen Pluspunkt gibt es für die morgendliche Brotauswahl – eins war ähnlich wie unser deutsches Bauernbrot und hat meinen Mann total begeistert, auch die Zwiebelbrötchen waren ein Hit. Mir gefiel auch die Käseauswahl, denn erstmals in Ägypten gab es milden Käse, geschmacklich einem jungen Gouda ähnlich, und nicht nur den üblichen etwas strengen Schafs- oder Ziegenkäse. Sogar die angebotene Wurst war nicht schlecht.
Die Obstauswahl war im Vergleich zu anderen Hotels sehr gut und auch sonst gab es beim Frühstück so ziemlich alles was das Herz begehrt – sogar Diabetikerprodukte.
Obwohl wir das noch in keinem Urlaub gemacht haben, sind wir hier mittags oft in der Strandbar eine Kleinigkeit essen gegangen. Leicht erhöht, schattig und durch den Wind durchaus angenehm bekommt man hier eine überschaubare Auswahl an leckeren Sachen, die ein netter Koch regelmäßig nachfüllt. Die Pommes (die es im Hauptrestaurant nur selten gibt) sind ein Gedicht und auch der Cappuccino, den Hussein serviert – wie bei uns im Eiscafé!
Die Buffets mittags und abends im Hauptrestaurant waren insgesamt eher unspektakulär bis langweilig, vor allem fehlten mir die leckeren Gemüse-Hackfleisch-Gratins, die es oft in Ägypten gibt. Mein persönliches Glück war, dass es fast jeden Tag Geflügel gab und zwar nicht landestypisch als grob zerhacktes Huhn sondern in Form von kleinen gegrillten oder manchmal auch panierten Schnitzelchen. Dazu Salat mit verschiedenen leckeren Dressings - positiver Nebeneffekt in Kombination mit mehreren Stunden Schnorcheln täglich sind fast 5 kg Gewichtsverlust  Wenn man gerne süß isst, kann man hier allerdings bestimmt auch zunehmen, denn die Nachspeisen waren wie immer in Ägypten sehr gehaltvoll, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Erwähnenswert finde ich noch, dass wir erstmals in Ägypten keinerlei Magen-Darm-Probleme hatten, was am Hygiene-Konzept des Hotels liegen dürfte.

Sport & Unterhaltung4,0
Gleich am Ankunftstag haben wir einen Blick in den Fitnessraum geworfen, der recht gut ausgestattet ist und einen tollen Meerblick bietet. Der Raum war jedoch total aufgeheizt – offene Türen & keine Klimaanlage – und es waren lediglich zwei Halbwüchsige anwesend, die die Geräte „bespielten“. Obwohl mein Mann seine Sportsachen mitgenommen hatte, wollte er sich das nicht antun.
Überhaupt haben wir in diesem Hotel außer dem Hauptrestaurant, das angenehm und nicht zu kalt temperiert war, und unserem Zimmer keine klimatisierten Bereiche gefunden. Wir sitzen sonst gerne im Urlaub abends drinnen in der kühlen Lobbybar bei einem Fruchtcocktail und spielen Karten, lesen oder so – das war hier leider nicht möglich, da die Temperaturen an der Rezeption durchweg unerträglich waren und uns auch abends am Pool, wo ein mehr oder weniger begabter Alleinunterhalter stimmungsvolle Musik zum Besten gab, nur so der Schweiß lief. 
Animateure des italienischen Veranstalters versuchten charmant und unaufdringlich, uns zu den abendlichen Shows oder diversen sportlichen Aktivitäten zu bewegen. Obwohl in unserer ersten Woche ca. 50 % der Gäste aus Italien kamen, hat sich der „Nervfaktor“ in Grenzen gehalten. Teilgenommen haben wir an gar nichts – unser Urlaub bestand nur aus Schnorcheln, Essen, Ausruhen. In dieser Reihenfolge und das 3x täglich ;-)
Die große Poolanlage lädt zu einer sehr entspannenden Abkühlung ein. Es ist ruhig am Pool, weil alle Gäste sich an den Stränden tummeln und hier sind auch zu jeder Tageszeit freie Liegen zu bekommen, was am Schnorchelstrand leider nicht der Fall ist. Bereits morgens um 8.00 Uhr sind freie Liegen Mangelware – zumindest wenn das Hotel wie in unserer ersten Woche voll ist. Wir gehören zu den „frühen Vögeln“, die täglich bei Sonnenaufgang um kurz vor 5 Uhr MEZ (im Lahami gibt es eine eigene Zeit, da ist es um 5 schon 6 Uhr) den Fischen guten Morgen sagen und hatten deshalb immer freie Liegen zur Auswahl. Das Schnorcheln lohnt sich übrigens ganz besonders am frühen Morgen und kurz vor Sonnenuntergang ;-)
Die SPA-Anwendungen wurden allgemein sehr gelobt, waren mir persönlich aber zu teuer. Ich bin nicht bereit in Ägypten für Massagen genauso viel oder gar mehr zu bezahlen wie in Deutschland.
Genial fanden wir das kostenlose WLAN, das allerdings nicht immer funktionierte. Dennoch konnte ich fast täglich mit unserem Sohn ein paar Neuigkeiten austauschen, meine Mails checken etc.

Hotel4,0

Tipps & Empfehlung
Alles in allem können wir uns schon vorstellen, nochmal im Lahami Bay unseren Urlaub zu verbringen – allerdings würden wir nur noch die preiswerteste Zimmervariante buchen und wohl eine andere Reisezeit wählen.

Hotel wirkt schlechter als angegebene Hotelsterne
Hotel ist schlechter als in der Katalogbeschreibung
Preis-Leistungs-Verhältnis: Eher schlecht
Infos zur Reise
Verreist als:Paar
Kinder:Keine Kinder
Dauer:2 Wochen im Juni 2015
Reisegrund:Strand
Infos zum Bewerter
Vorname:Petra
Alter:51-55
Bewertungen:7