Carola (31-35)
Alleinreisendim November 2015für 2 Wochen

Service unterirdisch! Keine 5 Sterne!

3,5/6
Laut Katalog von Goethe Travel handelt es sich um ein neu erbautes Hotel. Pustekuchen, mit Mohamed von der Guest Relations etwas unterhalten: das Hotel ist offen seit 2011. Und die hier viel erwähnten Renovierungen des zweiten Flügels sind keine wirklichen Renovierungen, sondern dieser Hotelteil ist einfach noch immer nicht fertiggestellt. Und bei dem Bautempo, was zu beobachten war, wird es wohl mit der Fertigstellung auch noch dauern.

Der erste positive Eindruck, wenn man das Hotel erreicht, weicht schnell Ernüchterung.
Denn auf den zweiten Blick zeigen sich die vielen kleinen, manchmal auch versteckten Mängel.

Trotz der bunten Blumensträuße in der Lobby wirkt sie kalt und nüchtern. Die Flure sind ebenso steril. Keine wirkliche Wohlfühlatmosphäre.
Man muss aber dorthin, wenn man das gratis Wlan nutzen möchte. Geschwindigkeit mau, insbesondere abends, wenn alle surfen.
Wlan auf dem Zimmer soll wohl €43,-/Woche kosten.

Für ein 5*-Hotel erwarte ich auch, dass es überall blitzt und blinkt. Das wird aber nichts, wenn z.B. die Glasscheiben nur mit einem feuchten Lappen kreuz und quer gewischt werden.
Kaputte Glühbirnen sollten ebenso schnell ersetzt werden wie abgenutzte Beschilderungen im Fahrstuhl.
Für ein 5*-Hotel erwarte ich auch einen einheitlichen Standard in allen Bereichen, doch der fehlt hier gänzlich.

Ende Okt./Anfang Nov. waren ca. 60% Russen mit all ihren Unarten vor Ort, ca. 30% DACH-Region, der Rest gemischt Asiaten, Nahost, Franzosen, Italiener, Briten.

Lage & Umgebung5,0
Sahl Hasheesh soll mal ein Luxusresort werden. Wenn man durch das Gate fährt und die schicke Arrival Plaza mit den Skulpturen sieht, die mit Palmen gesäumte Straße und die von außen tollen Hotels, dann wirkt das bestimmt irgendwann mal ganz toll. Doch durch Baustopp (vermutlich Geldmangel und Touristenschwund wegen Anschlägen) ist alles noch nicht wirklich fertig.

Mit unserem Kleinbus fuhren wir ca. 35 Minuten direkt vom Flughafen zum Hotel.
Es liegt im südlichen Teil von S.H., noch sehr vereinzelt, d.h. es ist dort noch relativ ruhig und nicht so touristisch wie n "Old Town" S.H.
Shopping nur in der hoteleigenen Einkaufspassage möglich (Händler aufdringlich, wenn man nur durchgeht, und quatschen einen direkt auf Russisch an) oder im "Shopping Center" des benachbarten "Ocean Breeze"-Hotels, das erst im Sommer 2016 vollumfänglich öffnen soll.

Der vom Hotel angebotene Shuttelbus nach Hurghada lohnt m.E. absolut nicht. Bringt einen nur zur Sheraton Road, eine Meile nur zur Touriabzocke. Vom ägyptischen Hurghada, wie z.B. Bazar, sieht man nichts.

Hotel ist in U-Form angelegt. Im Innenhof hat man 2 Pools und eine schöne Gartenanlage. Die Gärtner bekommt man nicht wirklich mit. Wer morgens gegen 7 Uhr zum Strand geht, riecht allerdings sehr deutlich das Ungeziefer-Ex.

Je nachdem, wo das Zimmer liegt, ist der Weg zum/vom Strand kürzer oder länger, ca. 5-10 Minuten. Auf der bereits geöffneten Hotelseite gibt es teilweise Stufen auf dem Weg zum Strand, auf der noch im Bau befindlichen gibt es einen Weg auch für mobilitätseingeschränkte Personen.
Abends fand ich die Lämpchen aber stellenweise als zu wenig, Stolpergefahr.

Vor dem Hotel verläuft die Promenade, auf der man mit den gratis-Fahrrädern oder Elektroautos (gegen Gebühr) fahren kann. Spazieren geht natürlich auch.
Man ist daher nicht so abgeschottet wie in anderen Resorts. Wachleute stehen eher dezenter am Rand.
Abends sind die Laternen der Promenade erleuchtet. Das hat dann schon was.

Dann ist man schon am Strand.
Sand überwiegt, allerdings ist es keine Malediven-Barfuß-Insel.
Es gibt vier Reihen mit Liegen.
Papierkörbe gibt es in den Sand eingelassen. Werden auch (un)regelmäßig geleert. Müll unter den Liegen oder in den Strandhütten nimmt das Personal abends beim Liegenrücken aber nicht mit.
Baden nicht wirklich möglich, da Korallen (hier alle tot) bis zum Strand gehen. Da kommt man nicht mal hüfttief.
Schade, dass die Gezeiten nirgends angeschlagen werden.

Über einen Steg kommt man aufs Meer hinaus.
Bademeister dort ab ca. 9 Uhr im Einsatz.
Eine Treppe führt zu einer kleinen Lagune, in man eine Runde schwimmen oder schnorcheln kann.
Ein Regal bietet Platz für Handtücher, Badelatschen etc.
Brauseschlauch zum Abduschen vorhanden.
Eine Terrasse mit einigen Liegen gibt es auch dort draußen.

Am Ende des Stegs kommt man zum eigentlichen Hausriff.
Schade, dass auch schon in S.H. recht viel kaputt ist.
Doch so lange sich Urlauber auf die Korallen stellen und morgens angeln, und so lange das Personal dagegen nicht einschreitet, wird auch hier bald nichts mehr zu sehen sein.

Den einen Tauchgang, den ich hatte, fand ich enttäuschend, daher bin ich danach nur beim Schnorcheln geblieben. Wenn man vom Steg aus rechts geht, sieht man m.E. mehr als links.

Zimmer3,0
Ich war positiv von der Zimmergröße überrascht.
Hatte zwar ein Zimmer mit Durchgangstür bekommen, aber wären dahinter keine Gäste aus dem Ostblock gewesen, hätte ich bestimmt nichts vom Nachbarn gehört.

Gebuchte Kategorie war Deluxe, d.h. ich hatte seitlichen Meerblick und Blick auf den Innenhof. Der war schön, durch die Poolanimation jedoch geräuschintensiv. Dadurch, dass der zweite Flügel noch im Bau ist, kein Gegenüber.

Zimmertür mit dem obligatorischen Spalt unten, daher nicht schalldicht.
Gekachelter Boden, durch den sich die Geräusche weiter tragen.
Kingsizebett, Couch mit Möglichkeit zum Ausziehen, Couchtisch, Schreibtisch, Stuhl, Einbauschrank mit Safe, Flat-TV (deutsche Sender nur ARD und ZDF), kleine Küchennische mit Kühlschrank und Wasserkocher.
Balkon mit Tisch und Stühlen.
Den Vorhängen fehlen die Blackouts, d.h. die morgendliche Sonne ab ca. 4 Uhr schimmert durch. Nichts für Langschläfer.

Großes Bad mit Wanne, Dusche, Dusch-WC, Haartrockner.
Würde man nach deutschem Standard bauen, dann wären die Fliesen auch plan und es gäbe ein entsprechendes Gefälle mit Abfluss. So aber kommt es unweigerlich zu stehendem Waser und nachdunkelnden, schwarzen Fugen.
Gehört nicht in den Mülleimer eine Plastiktüte, allein schon aus hygienischen Gründen?...

Sowohl die Matratze als auch die Kopfkissen waren sehr hart. Für mich zum Schlafen ungeeignet. Habe daher die Kissen aussortiert und ein Handtuch als Unterlage genommen.

Klimaanlage funktioniert, wenn Zimmerkarte eingesteckt ist und lässt sich individuell steuern (Temperatur, Intensität).
Zimmerkategorie:Deluxe

Service1,0
Das größte Manko des ganzen Hotels!

Es ging schon bei Check In los. Völlig überrascht und überfordert, dass 3 Gäste auf einmal ankamen, wurden erst mal die Zimmerunterlagen zusammensortiert.
Es gab ein feuchtes Tuch, einen Begrüßungsdrink bekam ich nicht. Dass es so etwas aber geben muss, war bei Anreise anderer Gäste zu beobachten.

Egal, ob an Rezeption oder Bar, ich musste mich immer bemerkbar machen, dass ich etwas wollte.
Ein Aufblicken und Fragen, ob man helfen könne, Fehlanzeige.
Auch auf den Fluren, wenn ich Putzmann, Handwerker und Co., begegnete, wurde nicht gegrüßt.

Besonders schlimm fand ich es im Hauptrestaurant.
Keinen Morgen wurde ich gefragt, ob ich eine Kanne (Kaffee, Tee, ich weiß bis heute nicht, was drin war) möchte. Ich habe mich stattdessen am Nescafé-Automaten bedient - einer im ganzen Restaurant mit Außenterasse in der hintersten Ecke...
Abgeräumt wurde auch nicht regelmäßig, da stapelte sich das Geschirr auch schon mal. Mit Knigge, d.h. von links oder von rechts, hatten die Herren es dort natürlich auch nicht.
Wahrscheinlich hätte ich mir von Anfang an meinen Kellner mit Bakschisch kaufen müssen, um etwas Service zu erleben. So glich es letzlich mehr einer Selbstbedienung.
Die wenigen Kellner sausten nur so durch das Restaurant. Das machte es schnell hektisch und hatte Bahnhofsatmosphäre.

Zimmerreinigung war eine Katastrophe.
Die ging teilweise bis abends 18 Uhr. Ärgerlich, wenn man wegen Dämmerung aber schon nach 16 Uhr vom Strand zurückkommt.
Bett wurde gemacht. Ab und zu stand mal eine Handtuchfigur drauf.
Unterm Bett lagen natürlich die Fusseln. Auch hinter der Tür, die zum Putzen angehangen wurde.
Das Haar, das seit meiner Anreise hinter dem Waschbecken lag, lag auch noch bei meiner Abreise.
Ebenso wenig wurden die Kaffee- und Teeflecken auf der Arbeitsplatte weggewischt.
Leere Gläser von den Bars wurden erst nach Aufforderung mitgenommen.

Bei AI ist auch 1 Flasche Wasser pro Tag auf dem Zimmer dabei. Ich habe es lediglich 4x bei 12 Tagen erhalten, nämlich immer dann, wenn ich keine eigenen Vorräte in der Küchennische stehen hatte.
Tee und Kaffee wurden nicht regelmäßig aufgefüllt.
Toilettenartikel wurden nicht regelmäßig aufgefüllt.

Außer "Clean good?" schien Hasan auch kein weiteres Englisch zu können, denn dass man auch Fingerabdrücke auf der silbernen WC-Drückerplatte wegputzt und leere Toilettenrollen austauscht, war ihm nur schwer verständlich zu machen. Gehört aber eigentlich zum Standardrepertoire eines Zimmerboys.

Wie ich erfuhr, gibt es jedoch keinen Supervisor, der nach Reinigung noch mal alles checkt. Das geschieht wohl nur bei Anreise.

Insgesamt scheint es, als hätte das Personal keine Hotelfachschule besucht. Vom Standard weit entfernt.

Einige Angestellte verstehen einige Brocken Deutsch, was ich aber im Ausland gar nicht erwarte.
Mit Englisch kommt man weiter, allerdings können die Herrschaften dort Russisch besser.

Gastronomie4,0
Hauptrestaurant "Palms":
Jeden Abend gibt es ein anderes Motto.
Letztich glichen sich die Speisen aber und schmeckten trotz anderen Namens gleich.
Auch war nicht überall ein Schildchen dran, z.B. bei den kalten und Nachspeisen. Für Allergiker keine Beschilderung.
Heiß war das Essen nie, es sei denn, man hat es sich frisch zubereiten lassen.
So gab es morgens z.B. Eier/Omlett, Pancakes, auch Pommes.
Mittags Nudeln oder Burger.
Abends Nudeln, Fleisch (meist zu schwarz gebraten), Fisch.
Nett war das Themenbuffet zu Halloween.

Mexikaner:
Sowohl die Figur auf dem Dach als auch das Styling des Personals (Jeans, Hut) geht mehr in Richtung Cowboy als Mexikaner. Kein Poncho oder Sombrero.
Die Reservierung schien auch nicht geklappt zu haben, oder man war dort einfach nur schlecht organisiert.
Service. Welcher Service?
Das Fleisch der Fajita-Platte war viel zu schwarz gebraten, die Tortillas kamen als Viertel und reichten nicht für das ganze Fleisch. Auf Nachfrage gab es dann Nachschub.

Italiener:
Bot auch MIttagstisch an, so dass man nicht bis hoch zum Hauptrestaurant gehen musste.
Salate, Pasta, Pizza und Burger in überschaubaren Portionen.
Abends habe ich mir dann das Rinderfilet gegönnt, was eine gelungene Abwechslung zu den sonstigen Tagen war. Leider war das Tiramisu an diesem Tag aus.
Ingesamt fand ich diesen besser als den Mexikaner. Auch vom Service her eher am oberen Ende.

Keine Magen-Darm-Probleme.

Auch hier kein 5*-Glanz auf Gläsern und Geschirr. Ausgeschlagene Ecken dürfen nicht sein.

Getränke:
Wasser gab es an allen Bars in 0,6l-Plastikflaschen.
Kalte alkoholfreie Getränke in Einwegplastikbechern, Kaffee und Tee aus Pappbechern.
Bei den alkoholischen Getränken kam es ganz darauf an, an wen man geriet. Standardmixe gibt es nicht. Die Longdrinks fand ich noch genießbar, d.h. die hatten Schuss. Die Cocktails hingegen waren reinste Plörre.

Sport & Unterhaltung4,0
Wer am Vormittag eine Liege haben möchte, muss sich der üblichen Handtuchschlacht stellen.
Weder die Liegen (das weiße Standardmodell aus Kunststoff) an den Pools, noch die am Strand sind ausreichend. Wie das werden soll, wenn alle Zimmer geöffnet sind, will ich mir gar nicht ausmalen.
Erst am Nachmittag, als der Wind auffrischte und einige flüchteten, hatte man sonst eine zweite Chance.
Vor dem Wind am Strand boten kleine Hütten aus Holz Schutz. Schirme ebenfalls aus Holz vorhanden.

2 Pools im Innenhof, einer mit Swimup-Bar. 1 Chillout-Pool etwas versteckt beim Fitnessstudio. Keine Beurteilung, da nicht genutzt.

Gegen eine Handtuchkarte bekommt man ab ca. 8 Uhr auch dicke Baumwollhandtücher am Pool und Strand.

Fitnessstudio mit Geräten von Technogym. Zustand in Ordnung. Schade, dass man nur auf den Chillout-Pool und nicht das Meer schauen kann. Allerdings muss man da erst an den Massageleuten, Friseuren & Co. vorbei, die einem auch wieder etwas aufschwatzen möchten.

Aushänge in Lobby und Innenhof geben Auskunft über Animation. Wassergymnastik, Volleyball, Dart, Yoga etc. Habe ich nicht getestet.

Abendanimation für Kinder begann 20:30. Die für Erwachsene 21:30; war mir zu spät, daher kann ich nicht berichten.
Mitbekommen habe ich lediglich die "Alleinunterhalter" an der Lobbybar. Die waren allerdings viel zu laut.

Hotel4,0

Tipps & Empfehlung
Mir war vorher schon bewusst, dass ich Abstriche machen muss, wenn ich nach Ägypten reise. Dass eben 5* (auch landestypische) keine 5* sind.
Dass ich es als Frau, noch dazu alleinreisend, nicht ganz leicht haben würde, habe ich auch schon einkalkuliert.
Doch letztlich wurden auch noch meine wenigen Erwartungen enttäuscht.

Das Hotel an sich ist von der Anlage schön und hat Potential. Leider wird aber zu wenig daraus gemacht. Wenn man es dem Selbstlauf überlässt, aber ergeht es S.H. wohl wie einst Hurgahda und es verkommt und wird zur billigen Absteige für den Ostblock.
Für den scheint es auch üblich, immer und überall jeden mit den grünen Ami-Scheinchen zu schmieren, so dass alle anderen Gäste scheinbar links liegen gelassen werden.
So oft wie ich in den 1,5 Wochen übersehen oder nicht wahrgenommen wurde...ich habe zwischendrin aufgehört zu zählen.

Bevor man sich als 5*-Haus verkauft, sollte man auch wissen, was Hotelbetrieb bedeutet und wie man mit Gästen umzugehen hat.
Und bis das nicht stattgefunden hat, keine Empfehlung von mir.

Hotel wirkt schlechter als angegebene Hotelsterne
Hotel ist schlechter als in der Katalogbeschreibung
Preis-Leistungs-Verhältnis: Angemessen
Infos zur Reise
Verreist als:Alleinreisend
Kinder:Keine Kinder
Dauer:2 Wochen im November 2015
Reisegrund:Strand
Infos zum Bewerter
Vorname:Carola
Alter:31-35
Bewertungen:1