• wolf-dieter
    Dabei seit: 1154995200000
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    geschrieben 1160487923000

    Hallo zusammen,

    da mich das Reisegeschäft fasziniert und ich mich gerne rein interessenhalber über die Zusammenhänge in dieser Branche informieren möchte hierzu mal ein paar Fragen:

    Wie funktioniert eigentlich die Organisation von Pauschalreisen?

    Soweit ich es weiß läuft es folgendermaßen ab:

    - der Reiseveranstalter kauft ein bestimmtes Kontingent an Unterkünfte ein

    - der RV kauft ebenfalls ein bestimmtes Kontingent an Flugplätze ein

    - die Zusammenstellung der Kontingente ergibt die Pauschalreise

    Ist das richtig?

    Kaufen denn die RV die Hotelzimmer für eine ganze Saison oder sind die Anzahl an Kontingente immer fest?

    - wie organisieren die RV die Betreuung und Reiseleitung im Urlaubsland?

    - bei Flugbuchungen lese ich oft von den sogenannten „Ethnic Tarifen“, also ein Sondertarif für Einheimische aus dem Zielland. Wie funktioniert diese Vergabe von Ethniktarifen an die Reisebüros?

    Vielen Dank für eure Infos.

    Grüße

    ~ Auftragen, polieren ~
  • holzwurm
    Dabei seit: 1087084800000
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    geschrieben 1160494798000

    So kann man sich den Ablauf vorstellen.

    Die Betreuung vor Ort im Urlaubsland erfolgt durch Reiseleiter, die entweder bei einem Tochterunternehmen des Reiseveranstalters angestellt sind oder es wird die Leistung bei einem Dienstleister im Reiseziel eingekauft.

    Bei der TOC-Gruppe beispielsweise sind die Reiseleiter über eine schweizer Tochterfirma angestellt.

    Zu den speziellen Flugtarifen für Einheimische kann ich Dir leider auch nichts sagen.

    Gruß

    holzwurm

  • uli2005bv
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    Beiträge: 26
    geschrieben 1160495338000

    @'wolf-dieter' sagte:

    Hallo zusammen,

    - bei Flugbuchungen lese ich oft von den sogenannten „Ethnic Tarifen“, also ein Sondertarif für Einheimische aus dem Zielland. Wie funktioniert diese Vergabe von Ethniktarifen an die Reisebüros?

    Grüße

    Diese Tarife werden üblicherweise durch die entsprechenden Staatscarrier an angeschlossene Spezialveranstalter verteilt bzw. selbst vertrieben. Beispiel wären die Ethnictarife der Thai Airways die direkt vermarktet werden, durch lokale Agenturen in Thailand selber, durch Unterfirmen der Thai oder Spezialisten. Grundsätzlich gilt für Ethnictarife eine entsprechnde Nachweispflicht wie Staatsangehörigkeit , Familienangehörigkeit, Militärpersonal etc.

  • emdebo
    Dabei seit: 1093392000000
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    geschrieben 1160501817000

    und natürlich "Mitglieder des Bundestages" bei HLX und dbA

    im Staats-Shuttle Köln - Berlin und zurück :D

  • Günter/HolidayCheck
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    Administrator Zielexperte/in für: Fuerteventura
    geschrieben 1160503597000

    Und als Nachtrag:

    Für viele Reiseveranstalter arbeiten heute selbständige Incoming Agenturen vor Ort. Die haben lediglich Verträge mit den Reiseveranstaltern und erledigen nicht nur die Reiseleitung. Über die Incoming Agenturen laufen bei vielen Veranstaltern auch Hoteleinkauf vor Ort(Im Auftrag des Veranstalters, versteht sich!) Auch Preis-Nachverhandlungen und damit z.B. die Lastminute Produktion kommen über diese Schiene. Darüber geredet wird nicht gern...

    Ich kenne Agenturen, die arbeiten für einige Veranstalter gleichzeitig, immer mit korrektem Schild...

    Aber klar: In vielen Zielgebieten wären eigene Reiseleitungen nicht bezahlbar.

    Viele Grüße

    Günter/HolidayCheck

  • Sina1
    Dabei seit: 1087171200000
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    gesperrt
    geschrieben 1160525213000

    @'wolf-dieter' sagte:

    Kaufen denn die RV die Hotelzimmer für eine ganze Saison oder sind die Anzahl an Kontingente immer fest?

    Mal eines vorweg: Deine Fragen könnten die Eckpunkte einer Doktorarbeit sein, so vielschichtig ist die Tourismusbranche. Wenn Du dich wirklich fürs "Eingemachte" interessierst, dann kann ich Dir die Werke von Prof. Dr. Walter Freyer (z. B. "Tourismus - Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie" oder "Tourismus - Marketing" oder "Tourismus - Management" ) empfehlen.

    Zur Frage, die ich mir herausgepickt habe (kleiner Exkurs in mein Studium zur Tourismusfachwirtin):

    In der Regel werden die Kontingente mindestens für eine ganze Saison eingekauft. Teilweise werden auch langfristige Verträge (z. B. mit 5 Jahren Laufzeit) abgeschlossen. Bei derart langfristigen Verträgen ist es einem VA auch nicht möglich, ein Hotel z. B. wegen Qualitätsmängeln einfach aus dem Programm zu nehmen. Diese Vertragsform ist jedoch aufgrund des stetigen Wandels in der Reisewelt rückläufig. Dabei gibt es unzählige Vertragssformen. Ich erläutere kurz die beiden gängigsten:

    Garantievertrag:

    Der VA bezahlt eine bestimmte Anzahl von Zimmern (z. B. 50%) in einem Hotel mit einer Einmalzahlung oder in monatlichen Raten. D. h., das Hotel bekommt sein zugesichertes Geld in voller Höhe, auch wenn der Veranstalter seine Kontingente nicht auslasten kann und eventuell Zimmer leer stehen. Vorteil fürs Hotel: geringes Risiko, feste und kontinuierliche Zahlungseingänge.

    Der VA bleibt auf den Kosten für nicht belegte Zimmer sitzen und muß ggf. durch Werbemaßnahmen das Hotel im Verkauf besonders "pushen", um das bezahlte Kontingent auszulasten und die Kosten zu decken. Andererseits hat der VA einen Wettbewerbsvorteil, weil der überwiegende Teil der Zimmer ihm uneingeschränkt und ohne Rücksicht auf Release - Zeiten zu Verfügung stellt. In der Regel lassen sich auf der Basis eines Garantievertrages auch günstigere Einkaufspreise verhandeln als bei einem reinen Kontingentsvertrag. Außerdem kann der Veranstalter dadurch auch die günstigsten Verkaufspreise am Markt anbieten.

    Eine Überbuchung ist bei einem Garantievertrag theoretisch ausgeschlossen - allerdings nur theoretisch. Es kann durchaus passieren, daß ein Hotelier einem Veranstalter, der gerade einmal 60% seines per Garantievertrag zugesicherten Kontingentes ausgelastet hat, einen Stopsale (=Verkaufsstop) beschert, weil angeblich keine Zimmer mehr frei sind. Grund: Das Hotel hat die Zimmer doppelt verkauft. Garantiezahlungen von VA A eingestrichen, wesentlich mehr Zimmer verkauft, als im Kontingent des VA B gewesen wären... :? Logisch, daß VA A diesen Verkaufsstop nicht akzeptiert (die Zimmer sind ja schon im Voraus bezahlt) und dann der Kampf beginnt.

    Kontingents- oder Allotmentvertrag:

    Ein gewisses Kontingent der Zimmer wird dem Veranstalter zur Verfügung gestellt. Sind die Zimmer innerhalb der Release - Zeit (z. B. 14 Tage vor Anreise) gebucht und bestätigt, stehen sie den Gästen des Veranstalters zu. Die noch nicht reservierten Zimmer können anderweitig vergeben werden, auch wenn das Kontingent des Veranstalters noch nicht ausgelastet ist. Besteht eine kurzfristige Buchungsanfrage, müssen die Zimmer separat beim Hotel angefragt werden - unabhängig davon, ob das Kontingent des Veranstalters ausgelastet ist oder nicht. Der VA bezahlt nur die Zimmer, die auch tatsächlich belegt werden. Eine flexible Sache für beide Seiten. Im Bedarfsfall können die Kontingente auch während der Saison erhöht oder reduziert werden - je nach Bedarf.

    Beide Vertragsarten lassen sich übrigens auch auf Fluggesellschaften übertragen.

  • wolf-dieter
    Dabei seit: 1154995200000
    Beiträge: 64
    geschrieben 1160658997000

    Vielen Dank euch allen für die Aufklärung, mit jedem Beitrag wächst doch glatt mein Interesse.

    @Sina1

    Auch dir herzlichen Dank für die tolle Ausführung.

    Ich habe dennoch eine weitere Frage:

    Es gibt doch diese speziellen Reisebüros die z.B. Flüge nach Asien zum Ethnic Tarif anbieten. Schließen diese RB’s ebenfalls solche Allotment-/Kontingentverträge bei den jeweiligen Airlines ab? Es sind ja nicht gerade wenige Airlines und der Vorgang hört sich für mich schon ziemlich „Big-Time“ an. Mich wundert es wirklich nur, wie diese RB’s solche Sondertarife anbieten können, denn ich kenne ein paar RB’s, die genau solche Leistungen anbieten. Das sind aber meist nur kleine RB’s (<10 MA) und eins hat sogar sein Büro in seiner Wohnung! Wie kann das also sein?

    ~ Auftragen, polieren ~
  • shoq
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    Beiträge: 2
    geschrieben 1368971925000

    Hey Leute,

    erstmal sorry, dass ich den Beitrag aus dem Keller ziehe. Aber er passt einfach! Habe dazu nämlich auch eine Frage:

    Warum arbeiten Reiseveranstalter nicht speziell mit einer Fluggesellschaft bzw. gewissen Hotels zusammen, um den Absatz zu konzentrieren und somit auch gegenüber Fluggesellschaft und Hotel Mengenrabatte zu erhalten? Klar, ist natürlich abhängig von der Destination.. aber nehmen wir an, der Reiseveranstalter ist spezialisiert und bietet die Reise nur in ein Land an.

    gruß shoq

  • bernhard707
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    Beiträge: 25347
    geschrieben 1368980792000

    ...und wie kommst du darauf, dass Reiseveranstalter genau das nicht machen? :frowning:

    Life is too short to limit your vision ... indeed
  • shoq
    Dabei seit: 1368921600000
    Beiträge: 2
    geschrieben 1426806737000

    Eine Frage - eventuell kann mir jmd helfen. 

    Ein Reiseveranstalter möchte sein Angebot nun international anbieten. Was hat der RV rechtlich, steuerlich, usw.. zu beachten? 

    Besten Dank für die Hilfe - wäre relativ wichtig!

    Chris

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