• pebau
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    geschrieben 1098874953000

    Vorhin erschien folgende dpa-Meldung:

    Terror-Opfer von Djerba erhält kein Schmerzensgeld von der TUI

    Hannover - Ein beim Terroranschlag von Djerba verletzter Junge erhält kein Schmerzensgeld vom Tourismuskonzern TUI. Das Landgericht Hannover wies die Klage des Sechsjährigen aus Bergkamen ab. Terroranschläge gehörten seit dem 11. September 2001 zum allgemeinen Lebensrisiko, sagte die Vorsitzende Richterin. Der Junge hatte bei der Explosion 2002 schwerste Verbrennungen erlitten. Seine Vertreter forderten 100 000 Euro Schmerzensgeld, weil die TUI-Tochter 1-2-Fly nicht vor möglichen Gefahren gewarnt habe.

    Mittwoch, 27. Oktober 2004, 9:47 © RZ-Online GmbH & dpa

    Ihr könnt nun über mich herfallen oder mich beschimpfen, aber ich finde dieses Urteil gut.

    Wäre hier gegen den Reiseveranstalter geurteilt worden, wäre dies eine Katastrophe für die gesamte Reisebranche.

    Ich war selbst zu diesem Zeitpunkt auf Djerba und es gab nicht mal einen Funken an Andeutungen, dass gerade dort unten was passieren kann. Darum versteh ich auch nicht, vor was der Reiseveranstalter hätte warnen sollen.

    Klar ist es für das Kind und die Familie jetzt nicht leicht und die Folgen sind schrecklich, aber hier hat alleine der Attentäter eine Schuld und nicht der Reiseveranstalter.

  • Hermanndo
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    geschrieben 1098876041000

    Sehe ich genauso, wenn nichtmal das AA was wußte wie soll dann TUI davor warnen! Wenn überhaupt jemanden verklagen dann das Land Tunesien wegen evtl. zu geringen Sicherheitsmaßnahmen!

    hiaso Rechtschreibfehler...zugreifen, sind genug für alle da :P
  • Holginho
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    geschrieben 1098879449000

    ...hab's auch gerade eben bei uns auf dem Ticker gesehen...

    Hallo Petra!

    Auch ich werde Dich sicher nicht beschimpfen (warum auch?) und halte das Urteil selbst für sinnvoll und in der Sache richtig.

    Die Folgen des Terroranschlags sind für die Familie im allgemeinen und den Jungen im speziellen natürlich sehr schlimm (ich hoffe sehr, das irgendwann einmal die körperlichen und seelischen Narben zumindest ansatzweise verheilen), aber hier von einer Schuld des Reiseveranstalters zu sprechen wäre wirklich sehr weit hergeholt und hätte unabsehbare Folgen für die Tourismusbranche bedeutet.

    Viele Grüße, Holger

    “Mit dummen Menschen streiten ist wie mit einer Taube Schach zu spielen...“ Rest bei Bedarf googeln!
  • Burra
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    geschrieben 1098882218000

    Hallo,

    was auf Djerba mit dem Jungen und den anderen Menschen passiert ist, ist so was von schlimm und grausam, dass man es gar nicht sagen kann.

    Aber auch ich denke, dass das Urteil in Ordnung ist, denn heutzutage ist man eigentlich nirgens mehr sicher. Wenn das Urteil anders ausgegangen wäre, hätten alle Reiseveranstalter vor sehr vielen Ländern warnen müssen. Ich denke, so ein Anschlag kann auch hier in Deutschland passieren, denn diese Idioten gibt es überall.

    Ich wünsche dem Jungen von ganzem Herzen, dass er wieder gesund wird und eine normales Leben kann.

    Jutta 

  • mosaik
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    geschrieben 1098883725000

    Ich denke, die Richter haben gut erkannt, dass man hier zwei Dinge auseinander halten muss:

    die Greuel, die kranke Hirne unschuldigen Menschen antun

    und die Machbarkeit der Verhinderung  und der Vorhersehung - sprich, im Leben kann man nicht für alles jemanden haftbar machen.

    Was mich stets bei solchen Diskussionen betrübt, ist die Denkweise mancher Menschen. Da bucht jemand eine Reise in ein - allseits bekannt - arabisches Land und erwartet, dass Reiseveranstalter mehr wissen und verhindern könnten als Geheimdienste und Militär. Und provokant füge ich hinzu: und oft sind es Menschen, die hier über Fußball und Politik mitreden wollen (... und wählen dürfen), vielleicht sogar einen eigenen Betrieb leiten - aber im Urlaub werden sie dann plötzlich zu unselbständigen Kleinkindern, die stets nach Recht krähen.

    Ich will damit nicht pauschal jetzt "Kläger" verurteilen, ich meine nur, wenn ich zu Hause beim Überqueren einer Straße überfahren werde, auch nicht den Straßenerhalter klage - er hätte beim Bau der Straße wissen müssen, dass mich dort ein Auto niederfahren könnte...

    Es wird heute schon so viel im Tourismus für die Sicherheit aller getan, ganz zu schweigen von den EU-Vorschriften und Haftungen. Aber es gibt halt ein allgemeines Lebensrisiko und mit dem werden wir wohl alle leben müssen.

    Gruß

    Peter

  • Klaus43
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    geschrieben 1098917867000

    Die "Financial Times Deutschland" schreibt heute dazu:

    Nachdem das Landgericht Hannover am Mittwoch eine Haftung von Reiseveranstaltern bei Terroranschlägen ausgeschlossen hatte, kündigte TUI humanitäre Hilfe für die Opfer des Anschlags auf der tunesischen Ferieninsel Djerba an. Unabhängig von der Entscheidung des Gerichts und ohne Anerkennung einer Rechtspflicht werde TUI eine Ausbildungsversicherung für alle vom Bombenanschlag betroffenen Kinder abschließen, die für die Kosten einer späteren Ausbildung aufkommen soll. Die insgesamt sechsstellige Versicherungssumme soll sieben Kindern zugute kommen und über die TUI-eigene Stiftung abgeschlossen werden.

    Das Landgericht hatte die Schmerzensgeldklage eines sechsjährigen Jungen gegen das zum TUI-Konzern gehörende Unternehmen 1-2-Fly zurückgewiesen. Die TUI-Tochter 1-2-Fly als Reiseveranstalter habe ihre Pflichten nicht verletzt, urteilte das Gericht. "Das seit dem 11. September 2001 erhöhte Risiko hat sich verwirklicht, als westlicher Tourist Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden", sagte die Vorsitzende Richterin Britta Knüllig-Dingeldey.

    Berufung geplant

    Die Kläger kündigten unmittelbar nach dem Urteil Berufung an. Notfalls wolle man bis vor den Bundesgerichtshof ziehen, sagte der Vater des Opfers, Michael Esper. "Es geht ja gar nicht ums Gewinnen oder Verlieren, es geht nur darum zu beweisen, dass TUI die Informationspflicht verletzt hat", sagte er.

    Der Ort des Anschlags

    Sein Sohn hatte bei der Explosion vor der Synagoge "La Ghriba" am 11. April 2002 schwerste Verbrennungen erlitten, als ein Selbstmordattentäter an der Synagoge einen Gastankwagen in die Luft gesprengt hatte. Über 40 Prozent der Haut des Jungen verbrannten und sein Gesicht wurde bleibend entstellt. Adrians Eltern fordern von TUI 100.000 Euro Schmerzensgeld und eine monatliche Schmerzensgeldrente von 800 Euro.

    Seine Eltern hatten dem Reiseveranstalter vorgeworfen, vor möglichen Terrorgefahren nicht gewarnt zu haben. Das Reiseunternehmen hatte die Forderungen zum Prozessauftakt zurückgewiesen. Terroranschläge gehörten zum allgemeinen Lebensrisiko.

    Bei dem Anschlag starben 22 Menschen, darunter 14 deutsche Urlauber und einer der Attentäter.

  • Holginho
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    geschrieben 1098961681000

    Hallo zusammen!

    So sehr ich den Schmerz und das Leid dieser Familie verstehen und nachvollziehen kann, so zweifel ich doch sehr am Sinn einer Berufung.

    Jedes andere Urteil (als das gestern gefällte) hätte katastrophalste Auswirkungen auf die (deutsche?) Tourismusbranche und weitreichende globale Folgen.

    Die Grenzen, ab denen eine Sicherheitswarnung für das betreffende Land gegeben werden müßte, müßte nach den Vorfällen auf Djerba sehr, sehr niedrig angesetzt werden und müßte dann konsequenterweise neben eventueller Terrorgefahr auch Krisen wie "innere Unruhen", eine grundsätzlich erhöhte Kriminalitätsrate, eventuelle Krankheitsgefahren (AIDS?, Hepa? etc.) und drohende Naturkatastrophen (z.B. Erdbebengebiete) und vieles mehr umfassen.

    Neben den kaum absehbaren verheerenden Folgen für die deutsche Tourismusbranche hätte dies (durch Deutschland als eine der größen Reisenationen) auch weitreichende Folgen für die dann betroffenen Länder.

    Beispiel:

    Ägypten müßte dann (bei einem anderen Urteil) für deutsche Touristen quasi "geschlossen" werden. Ein Wegfall der deutschen Urlauber wäre für dieses Land katastrophal und würde zu einer gesteigerten Armut (Tourismaus ist nach der Suez-Kanal-Gesellschaft die größte Einnahmequelle dieses armen Landes), die zumeist eine gesteigerte Radikalisierung der Bevölkerung zur Folge hat, führen.

    Das wäre letztendlich genau das Gegenteil dessen, was der gute Mann im Grunde erreichen will.

    Und dies ist nur ein Beispiel in einer langen Kette anderer!

    Grundsätzlich dürften dann z.Z. deutsche Reiseveranstalter z.B. keine Reisen mehr anbieten nach:

    -Australien

    -USA

    -Kanada

    -Mexiko

    -fast alle mittelamerikanischen Staaten

    -zeitweise viele karibischen Inseln

    -Kolumbien

    -Brasilien

    -Argentinien

    -Großbritanien

    -Polen

    -Spanien

    -Griechenland

    -Italien

    -Türkei

    -Tunesien

    -Kenia

    -Ägypten

    -Israel

    -alle Golfstaaten

    -Indonesien

    -Thailand

    -China

    -Japan

    ...und...und...und... da bleibt nicht mehr allzuviel an mehr oder weniger klassischen Urlaubszielen für Pauschal- und Individualtouris übrig.

    Und noch eine zusätzliche, zugegebenermaßen etwas provokante Anmerkung/Frage:

    Was ist mit dem Leben in Deutschland selbst? Bei einem anderen Urteil müßten gewisse z.B. US-amerikanische Unternehmen die Möglichkeiten eines Rückzuges aus Deuschland erwägen.

    Beispiel: Die McDonalds-Kette zählt weltweit (und damit grundsätzlich auch in Deutschland) zu den gefährdesten Zielen überhaupt.

    Wir hatten gestern nachmittag in einem Meeting (auch zu dieser Thematik) Repräsentanten einer großen Versicherungsgesellschaft. Auch hier wäre die Rechtslage bei einem anderen Urteil komplett neu zu bewerten - und bei einer Bestätigung einer solchen Gefährdung müßen somit Sicherheitswarnungen auch für solche alltäglichen Dinge gegeben werden.

    So "lächerlich" (juristisch, nicht(!) persönlich betrachtet) versuchte Klagen wegen Erkrankung/Ansteckung oder wg. Sturmschäden waren/sind - dies ist eine viel größere "Hausnummer" mit z.Z. u.U. unabsehbaren Folgen.

    Nachdenklich, Holger

    Dies wäre letztlich genau das Gegenteil von dem, was der gute Mann da zu erreichen versucht.

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  • Holginho
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    geschrieben 1098962458000

    Schon wieder "ich"!

    Kann sich hier irgendjemand vorstellen, was in unserér Urlaubergemeinde los wäre, wenn z.B. in den Sommerferien urplötzlich eine Sicherheitswarnung für z.B. Spanien gegeben würde und die Reiseveranstalter aufgrund eines anderen Urteils folgerichtig alle Reisen stornieren müßten?

    Es gäbe gar nicht genug Kapazitäten auch nur annähernd allen betroffenen Urlaubern Alternativdestinationen anzubieten. Das würde zu "Mord und Totschlag" führen.

    Andererseits ist das Geschrei natürlich auch immer groß, wenn etwas passiert.

    Ich denke es ist sinnvoll alles so zu belassen, wie es jetzt ist und wenn überhaupt in Rechtsstreitigkeiten auf eine erweiterte InformationsPFLICHT der Urlauber hinzuweisen!

    Viele Grüße, Holger

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  • pebau
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    geschrieben 1098968397000

    Gut, aber was verstehst du unter "erweiterte InformationsPFLICHT der Urlauber"?

    Vor was hätte TUI oder die anderen Reiseveranstalter denn damals bei Reisen nach Djerba warnen sollen, wenn nicht einmal der Ansatz von einer Gefahr bestand?

    Mehr als auf das was sie jetzt schon hinweisen, können sie doch nicht hinweisen, wenn nichts bekannt ist.

    Ich persönlich erkundige mich bei Auslandsreisen immer vorher beim Auswärtigen Amt was die zu dem jeweiligen Land sagen. Denn woanders beziehen die Reiseveranstalter ja auch ihre Infos nicht her, vorallem weil nur dann die Reiseveranstalter reagieren können, wenn das AA was meldet.

    Das Leben ist schon vor dem 11.09.2001 gefährlich gewesen, nur seitdem gehört es eben, wie die Richterin es ja sagte, zum allgemeinen Lebensrisiko, so wie es eben bei Flügen auch schon immer ist.

    NE, wenn da ein Urteil gegen die TUI gefällt wird, dann wird sich das in einer einzigen großen Katastrophe und den fast kompletten Einbruch der deutschen Touristikbranche auswirken.

  • Holginho
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    geschrieben 1098970329000

    Hallo Petra!

    Sorry, war etwas mißverständlich formuliert.

    Die erweiterte Infopflicht bezieht sich natürlich nicht auf Veranstalter, sondern auf Urlauber.

    Leider verreist im Gegensatz zu Dir längst nicht jeder mit entsprechenden Informationen über sein Zielgebiet.

    Nicht nur, das es dem Bild des deutschen Touristen im Ausland sicher ganz gut tun würde, wenn er nicht regelmäßig in teilweise erschreckenden Mengen und Ausmaßen in z.B. kulturelle Fettnäpfchen ("halbnackt" in Moscheen usw.) treten würde, oder Sätze von sich zu geben die jede PISA-Studie bestätigen a la "Djerba/Fuerte sind ja gar nicht grün - hier sieht's aus wie in der Wüste - letztes Jahr auf Mallorca... :laughing: immer wieder gern gehört).

    Dann würden auch sinnlose und, juristisch betrachtet, lächerliche Klagen gegen Reiseveranstalter wg. Hepa-Erkrankungen und Beeinträchtigungen wg. Sturmschäden (als Beispiel 2er hier vor kurzem sehr "beliebter" Themen) entfallen.

    Viele Grüße, Holger

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