• Lilian1507
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    geschrieben 1236544447000

    Fehlt manchen Reisen heutzutage nicht der kleine Hauch von Abenteuer? Bleiben nicht gerade die Reisen in besonders lebhafter Erinnerung, die vielleicht nicht ganz so perfekt liefen?

    Heutzutage würde ich sicher auch nicht mehr per Bahn durch halb Europa fahren, um dann irgendwo zu zelten. Schön war’s trotzdem!

    Heutzutage würde mein Vater sicher auch nicht mehr per Bus, Schiff und Zug nach und durch Ägypten fahren. Ich höre trotzdem immer wieder gerne die Geschichten von seiner Ägyptenreise anno 1963.

    Früher waren Flugreisen purer Luxus, heute ist fliegen manchmal die günstigste Art zu reisen.

    Meine Eltern fanden vor einer Weile alte Reiseunterlagen meiner Großeltern. Im Mai 1937 unternahmen sie beispielsweise eine Kreuzfahrt von Hamburg bis nach Norwegen. Für damalige Zeiten sicher ein ziemlich exklusives Vergnügen. Bei den aufgetischten Speisen gäbe es heutzutage allerdings todsicher unendlich viele Rückforderungen – hier mal die Speisenfolge für Sonnabend, den 8. Mai 1937:

    Frühstück: Griesbrei, Hamburger Rundstücke, Butter, Marmelade, Kaffee, Tee, Schokolade

    Mittagessen: Kraftbrühe mit Gemüse und Nudeln, gekochte Rinderbrust, Meerrettichtunke, Rote Beete, Brühkartoffeln

    Nachmittags: Kaffee, Tee, Marzipan-Roulade, glasierter Butterkuchen

    Abendessen: Schweinskarbonade, Krautsalat, Kartoffeln, Käse, Weißbrot, Graubrot, Schwarzbrot, Butter, Tee

    Um 21.30 Uhr: Belegte Butterbrote

    Immerhin gab es Abendunterhaltung, beispielsweise „Die göttliche Jette“ im Bordkino, Vortrag „Norwegen, Land und Leute“ oder den Bayrischen Bierabend...

    Wie sieht’s bei Euch aus? Habt Ihr besonders schöne Urlaubserinnerungen aus den vergangenen Jahrzehnten? Ging’s mit der vollbepackten Familienkutsche an die Adria oder an die Ostsee? Seid Ihr froh, dass Reisen viel komfortabler und viele Reiseziele auch günstiger geworden sind? Oder denkt Ihr doch manchmal wehmütig an vergangene Zeiten zurück? Habt Ihr noch aufregende Urlaubsgeschichten von Euren Großeltern im Kopf? Vielleicht gibt es auch jemanden unter Euch, der eine Reise nach zehn oder mehr Jahren wiederholt hat und nun Vergleiche ziehen kann.

    Ich bin gespannt auf Eure nostalgischen Rückblicke! Jede Wette, dass es unter den Usern ganz abenteuerlustige Gesellen gibt...

    :D

  • Alexa33
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    geschrieben 1236553837000

    @Lilian1507 sagte:

    Fehlt manchen Reisen heutzutage nicht der kleine Hauch von Abenteuer? Bleiben nicht gerade die Reisen in besonders lebhafter Erinnerung, die vielleicht nicht ganz so perfekt liefen?

    Hm, ich verstehe nicht ganz, warum man den Hauch von Abenteuer heute nicht mehr haben sollte?

    Der ist doch sehr einfach, risikolos und oft auch günstig zu haben, z.B.

    Im Gastland Bus, Bahn, Taxi oder Fahrrad fahren.

    In einer fremden Stadt drausloslaufen, ohne Stadtplan, und sich durchfragen.

    Einmal draussen, im Zelt, in einer Strandhütte, unterm Sternenhimmel übernachten.

    Eine Kirche/Moschee/Synagoge/Tempel im Gastland zur Gebetszeit/Gottesdienst besuchen.

    99% der Urlauber in diesem Forum wollen es lediglich nicht, stattdessen werden die Abenteuer mit enormen, ressourcenfressendem Aufwand künstlich geschaffen: Quads, Bananaboat, Riesenwasserparks, Bootsfahrten, Ballonfliegen, Kitesurfen, etc.

    Naja, wem's Spass macht. Kostet halt viel Geld.

    Meine spannenderen Reiseerlebnisse stammen alle aus der Gegenwart und waren nicht teuer: U-Bahnfahren in Kairo (im Frauenwagen, Zootiergefühl inklusive), Bahnfahren in Marokko (Stationen werden nicht durchgesagt, als Fremder muss man sich durchfragen, wo man raus muss), allein mit Beduinen auf dem Sinai unterwegs, mehrfach im Gassengewirr einer Medina verlaufen und mit Hilfe dubioser Führer dann doch die gesuchte Ecke gefunden, unzählige Taxifahrten in halbkaputten Gefährten mit in jeder Hinsicht interessanten Erlebnissen (lautstarke Streits um den Fahrpreis, ein zahnloser Alter der mich freudestrahlend mit „Heil Hitler“ begrüßte, viele Gespräche über deutschen Fußball....).

    Ist ganz einfach, man muss bloss seinen Entdeckergeist (wieder) beleben.

  • Lilian1507
    Dabei seit: 1173916800000
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    geschrieben 1236555757000

    @Alexa33 sagte:

    99% der Urlauber in diesem Forum wollen es lediglich nicht, stattdessen werden die Abenteuer mit enormen, ressourcenfressendem Aufwand künstlich geschaffen: Quads, Bananaboat, Riesenwasserparks, Bootsfahrten, Ballonfliegen, Kitesurfen, etc.

    ....

    Ist ganz einfach, man muss bloss seinen Entdeckergeist (wieder) beleben.

    Gerade Deinem letzten Satz stimme ich 100%ig zu!

    Aber ich glaube gar nicht, dass 99% der Urlauber freiwillig auf das "Abenteuer" verzichten. Ich denke, dass viele der heutigen "Pauschal-Bequem-Urlauber" - zu denen ich mich auch manchmal zähle, aber nur manchmal ;) - einfach zu bequem geworden sind, eine Reise oder auch nur einen Ausflug mal selbst zu organisieren.

    Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass ganz viele Urlauber in ihren "jungen Jahren" Reisen unternommen haben, die spannend und aufregend waren. Heute bucht man dann aber das "All-Inklusive-Rundum-Wohlfühl-Paket", um die kostbaren Urlaubstage optimal auszunutzen und um ja nicht enttäuscht zu werden.

  • Alexa33
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    geschrieben 1236557238000

    Ich hab nicht den Eindruck, dass das mit "jungen Jahren" zu tun hat.

    Hier sind ja auch viele junge Leute, die genausowenig abenteuerlustig sind wie ihre Eltern und Großeltern.

    Ich treff dagegen immer wieder Rentner, die wochenlang herumreisen, Ehepaare, Vater-Sohn- oder Mutter-Tochter-Gespanne.

    Auch Familien mit Kindern jeden Alters, und die Kinder sind erstaunlicherweise stets recht fidel, auch ohne Poolandschaft, Animateurteam und organisierte Bespassung.

    Was das nicht-enttäuscht-werden bei einem Rundum-Sorglos-Paket betrifft, so bekomme ich hier im Forum den Eindruck, dass gerade diese Buchungen das größte Enttäuschungspotential überhaupt bergen:

    Man will 100%, bekommt natürlich doch nur 80% und ist extrem frustriert, weil man sich durch 300 Hotelbewertungen geackert und trotzdem nicht das "Optimale" erwischt hat.

    Und dann verplempert man ne Menge der schönen Urlaubszeit damit, sich zu ärgern, die Mängel zu fotografieren oder sich beim Reiseleiter zu beklagen, na, danke.

    Als "Abenteuerurlauber" dagegen kalkuliert man ein gewisses Level an Frustmomenten (unpünktliche Busse, schmuddlige Hotelzimmer, zweifelhaftes Essen) vorher ein = keine Enttäuschung.

  • gastwirt
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    gesperrt
    geschrieben 1236570490000

    Bis zum aufstehen bleibt mir leider wenig Zeit! ich finde Lilians Beitrag klasse und werde eigene Erlebnisse dazu stellen! Versprochen! bis bald Marcel

  • UteEberhard
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    gesperrt
    geschrieben 1236585978000

    Mit 18 Jahren, gerade den frischen Führerschein in der Tasche, mit einem Renault R 4 von Deutschland, durch Österreich, 4 Wochen lang, bis in den Süden von Jugoslawien. Übernachtet wurde im Zelt, Lebensmittel wurden unterwegs gekauft. Bei einem mehrtägigem Aufenthalt auf der Insel Rab, stellt uns der Besitzer der Wiese auf dem unser Zelt stand, jeden Morgen eine Flasche Rotwein und frische Feigen vor das Zelt.

    Obwohl wir schon 18 Jahre alt waren, hatten die Eltern zu Hause immer noch große Sorgen. Jugoslawien war weit weg und dem damaligen Ostblock zugehörig.

    Es gab keinen Mobilfunk und nur mit großem Glück fallweise eine Telefonat nach Hause. Die Verbindung war schlecht, das Telefonat musste vorher angemeldet werden.

    Was ist als Erinnerung geblieben. Ein Hauch von Abenteuer und viele sehr nette Menschen. Nichts, aber auch nichts, ist negativ in Erinnerung geblieben.

    Es war einfach schön und vermisst haben wir nichts. Im Gegenteil, wir haben viel bekommen. Und Land und Leute intensiv kennengelernt.

    Gruß

    Hans

    Kapitalanleger, kommst Du nach Liechtenstein, tritt nicht daneben, tritt mittenrein.
  • steviederdreher
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    geschrieben 1236596019000

    Die Entwicklung von jung zu älter spiegelt sich auch in der Reisen wieder.

    In jungen Jahren hat man Reisen gemacht, die abenteuerlich und günstig waren

    Asien mit Rucksack,und mit Unterkünfte die Maximal 5 DM gekostet haben.Garküchen wo es Essen gab wo ich heute nie wieder Essen würde.

    Aber mit den Jahren endert sich das Leben.Man hat sich Beruflich verändert.Man wird mehr gefordert,man braucht immer mehr Erholungsphasen.Da ist das Pauschal Angebot natürlich einfach.Aber auch das ändert sich wieder in den Jahren.Den Bebauungen von schönen Orten,ist auch nicht das was wir wollen.

    Also geht man zwar immer noch Pauschal,aber einfach an Orten,wo man erleben kann,aber vielleicht nicht mehr so wild,sondern man schauet objektiver.Den man hat ja schon viel subjektives in jungen Jahen gesehen. ;)

    Stephan

  • Metrostar
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    geschrieben 1236598530000

    @Alexa33 sagte:

    Hier sind ja auch viele junge Leute, die genausowenig abenteuerlustig sind wie ihre Eltern und Großeltern.

    Ja und? Viele verbinden Party und Spaß mit Urlaub, sich chic anziehen für die Disco etc. Sicherlich sind auch viele darunter, die ihre Urlaube in der Kindheit mit den Eltern im Wohnwagen oder Zelt verbringen mussten, und ein für allemal davon die Nase voll haben.

    Übernachtungen im Schlafsack im Straßengraben in Indien, schmuddelige Unterkünfte, verdreckt durch den Dschungel kriechen ist eben nicht jedermanns Sache.

  • Alexa33
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    geschrieben 1236599259000

    Die Frage wa, ob nicht heute das abenteuerliche am Reisen fehlt, und ich wollte nur sagen, dass das abenteuerliche Reisen keneswegs auf früherere Zeiten beschränkt war, man kann das auch heute noch haben, wenn man will.

    Was ich nicht verstehe, sind diese Extremansichten, dieses entweder-oder. Als ob es zwischen AI-Bunkern auf der einen und verdreckten Billig-Hostels auf der anderen Seite nichts gäbe.

    Ich habe noch nie in einem wirklich dreckigen Hotel übernachtet, und auch noch nicht im Dschungel oder im Strassengraben, ich habe gern einen bequemen Bus, und ich esse auch gerne gut unterwegs.

  • Jackfruit
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    Beiträge: 997
    geschrieben 1236599280000

    im Straßengraben in Indien.....

    :laughing: .............ich lach mich schlapp.

    Die besten Reisen, das steht fest, sind die oft, die man unterlässt.
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